Pfändungsbeschluss: Stellungnahme von Bischof Mbilu

Der Pfändungsbeschluss gegen das bundesweit bekannte kirchliche Lutindi Mental Hospital in den Usambara Bergen schockte in der vergangenen Woche viele Tansania-Freunde. Ältere können sich noch gut daran erinnern, dass vor Jahren ein großer Teil der Erlöse der bekannten Aktion "Briefmarken für Bethel!“ der ersten Psychiatrie in Ostafrika zur Verfügung gestellt wurde. Lutindi war vor über 100 Jahren unter maßgeblicher Mitwirkung von Friedrich von Bodelschwingh gegründet worden.
Doch nicht nur Lutindi: Mehrere Einrichtungen der Nordost-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Tansania (ELCT) in der Tanga Region waren vollkommen unerwartet für die deutschen Partnergemeinden per Gerichtsbeschluss des High Courts of Tanzania (Tanga Devision) gepfändet worden.
Das Gericht war einer Klage von circa 100 kirchlichen Mitarbeitern gefolgt, die zum Teil schon jahrelang auf die Auszahlung ihrer Gehälter warten.

"Die Diözese befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen Lage"
Bischof Msafiri J. Mbilu und das Leitungsteam der Nordost-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Tansania (ELCT) haben am heutigen Mittwoch eine Erklärung veröffentlicht, die sich an die Partner und Partnerschaftsgruppen in Deutschland richtet. Sie soll über die aktuelle Situation in der Diözese aufklären und damit auch „weiteren Gerüchten und anderen falschen Informationen zu diesem Thema vorbeugen“.
Die Erklärung beginnt mit den Worten „Die ELCT Nordost-Diözese befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation“.
Mit diesen Worten wird ein aktueller Schuldenstand in Höhe von 6,2 Mrd. TSH (= 2,36 Millionen EUR) umschrieben, der vor allem in Zusammenhang mit dem Ausbau der Sebastian Kolowa Memorial University (SEKOMU) entstanden ist. Konkret benennt der Bischof einen Kredit der CRDB Bank für den Bau eines Auditoriums im Jahr 2011. Die Rückzahlungsraten des Kredits seien nicht wie vereinbart eingehalten worden. Mbilu: „Dies war der Beginn des Scheiterns von SEKOMU.“
Missachtung staatlicher Vorgaben
Sehr anschaulich schildert der Bischof in seiner Erklärung auch die Auswirkungen der Konflikte der Diözese mit der Regierung. So sei die Erfüllung von Vorgaben der Tanzania Commission for Universities (TCU) verzögert worden. Es kam zum Verbot der Immatrikulation neuer Erstsemester und in der Folge zu finanziellen Engpässen, die wiederum zu Streiks, Demonstrationen und Protesten von Dozenten und Studenten geführt haben. Gehälter konnten nicht ausgezahlt werden. 2018 wurde die Uni schließlich geschlossen.
Damaliger Bischof verschwieg das Ausmaß der Krise
Obwohl sich also bereits im Zeitraum 2018/19 das finanzielle Desaster abzeichnete und der damalige Bischof Steven Munga in den Gemeinden Geld zur Schuldentilgung einsammeln ließ, soll er nach Angaben seines Nachfolgers das Ausmaß der Krise vor den Gemeindemitgliedern verschwiegen haben. Sie seien auch nicht über ausstehende Gehälter und Mitarbeiterleistungen informiert worden.
Mbilu: „Aufgrund dieser Tatsache beschlossen die Kirchenmitglieder im Jahr 2020, den Hauptsitz der Kirche in Lushoto zu schließen, um dem Bischof ihr Misstrauen auszusprechen. Sie zwangen ihn, sein Amt niederzulegen, da er es versäumt hatte, die Diözese zu leiten und sich um das Kircheneigentum einschließlich der Gelder zu kümmern“.

Abwahl von Bischof Mungu
In dieser Situation fand dann im November 2020 eine außerordentliche Tagung der Kirchensynode in Lushoto statt, auf der Pfarrer Msafiri Mbilu einstimmig zum neuen Bischof gewählt wurde. Das Innenministerium habe dem amtierenden Bischof Mungu verboten, an der Synode teilzunehmen, „um den Frieden in der Synode und in der Gesellschaft zu wahren“.
"Die tatsächliche Situation"
In einem Abschnitt zur „tatsächlichen Situation“ listet die Erklärung die Einrichtungen der Diözese auf, deren Mitarbeiter zum Teil schon seit Jahren auf ihre Gehälter warten: Lwandai und Bangala Secondary Schools, die Zentrale der Diözese, Tumaini Hostel, Vuga Press, Irente Children's Home, Rainbow School, School for the Blind und andere.

Von den ursprünglich 7,6 Milliarden TSH (= 2,89 Mill. EUR) konnten inzwischen ca. 1,4 Mrd. TSH (= ca. 532.000 EUR) abgezahlt werden. Damit reduzierte sich der Schuldenberg auf aktuell 6,2 Mrd. TSH (= 2,36 Mill. EUR). Zur Vermeidung weiterer Zinsen wurde vorrangig das gesamte restliche Darlehen der CRDB Bank zurückgezahlt, außerdem anteilig einige ausstehende Gehälter.
Versteigerung des Uni-Geländes zur Auszahlung der Gehälter?
In der Erklärung des Bischofs werden einige der Mitarbeiter, die einzeln oder in Gruppen vor Gericht ihre Gehälter eingeklagt haben, sogar namentlich aufgeführt.
Dies sind zum Beispiel Henry Njowoka und 42 andere Personen (168.000 EUR), Prof. Joseph Mbatia (76.000 EUR), Dr. Idahya u.a. (64.000 EUR), Asnath Ngowo u.a. (47.000 EUR), Prof. Vincent Kihiyo (28.000 EUR) oder Prof. Andrew Mollel (20.000 EUR).
Weiteren ehemaligen SEKOMU-Mitarbeitern muss noch 168.000 EUR ausgezahlt „oder das Uni-Gelände versteigert werden“.
Der Bischof bestätigt, dass das Gericht zur Einlösung der Forderung von Prof. Joseph Mbatia das Gelände des Lutindi Mental Hospitals, das über ausgedehnte Teeplantagen verfügt, sowie die Gebäude des psychiatrischen Krankenhauses und das historische Kirchengebäude zur Versteigerung freigegeben hat.

Ebenfalls zur Versteigerung stehen an: Lwandai Secondary School, Magamba, Vuga Press, Vuga Bible School, Tumaini Hostel, ein Wohnhaus in Lushoto und drei Autos - darunter das Auto des Bischofs.
Obwohl der Termin für die Versteigerung bereits auf Mitte Juni 2023 festgelegt worden war, konnte die Kirchenleitung einen zeitlichen Aufschub und eine weitere Schuldentilgung aushandeln.
Bischof Mbilu: "Missbrauch von Geldern und Macht"
Das bittere Fazit des Bischofs: „Intensive Audits (mit finanzieller Unterstützung der VEM) hat den Missbrauch von Geldern und Macht durch einige Mitglieder des früheren Diözesanleitungsteams aufgedeckt. Einige disziplinarische Maßnahmen wurden von der Kirche bereits ergriffen. Weitere rechtliche Maßnahmen werden folgen.“
Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden der Polizei und den Behörden der Tanga Region mitgeteilt, die sich „bereits in der Endphase der Ermittlungen in diesem Fall befinden“.

Zu der Frage, wie die restlichen hohen Schulden getilgt werden sollen, führt der Bischof Sammlungen unter den Kirchengemeinden und Spenden von Einzelpersonen an. Alle Kirchenmitglieder hätten sich bereit erklärt, innerhalb von drei Monaten mindestens 30.000 TSH (=11,40 EUR) zu spenden.
Hilft die Staatspräsidentin?
Darüber hinaus wird das Gespräch mit der Staatspräsidentin oder mit dem Premierminister gesucht. Ein Anwalt bemüht sich außerdem um weitere Fristverlängerungen.
Schließlich sollen zeitnah Gespräche mit den Partnern und Partnergemeinden in Deutschland geführt werden. Bereits für September 2023 plant Bischof Dr. Mbilu eine Reise nach Deutschland.









