Die letzten Meldungen

Opposition, NGOs und Ärzte fordern jetzt schnellen Kampf gegen Covid-19 in Tansania 

Der tansanische Oppositionsführer Freeman Mbowe (Chadema) hat Präsidentin Samia Suluhu Hassan aufgefordert, ihre Ankündigung zur Einsetzung eines Komitees zur Festlegung der zukünftigen Corona-Strategie Tansanias möglichst schnell umzusetzen. Der Kampf gegen die Pandemie müsse in Tansania "beschleunigt" werden.

Ähnlich äußerten sich in den vergangenen Tagen verschiedene Gesundheitsexperten des Landes. Sie kritisierten, dass sich leitende Mitarbeiter medizinischer Institute Tansanias offensichtlich noch nicht mit der neuen Linie der Präsidentin angefreundet hätten. Das nationale Covid-19-Komitee müsse jetzt möglichst schnell geeignete Maßnahmen gegen die Pandemie in die Wege leiten.

NEU: "Corona in Tansania: Das Volk hofft auf »Mama Samia«"
SPIEGEL vom 14.4.2021

Medical Association of Tanzania: "Impfungen sind unvermeidlich"

Shadrack Mwaibambe, Präsident der Medical Association of Tanzania, wird in Medien mit seiner Forderung zitiert, dass sich die Mitglieder des Komitees aus Vertretern der Zivilgesellschaft, Fachärzten für Medizin und öffentliche Gesundheit sowie Rechts- und Kommunikationsexperten zusammensetzen sollten, um die vielfältigen Herausforderungen des Landes anzugehen.

Mwaibambe bezeichnete in einem Interview mit Azam TV die Aufnahme von Impfungen als "unvermeidlich".

Aktuell gehört Tansania immer noch zu den vier Ländern Afrikas, die sich nicht an der internationalen Impfkampagne beteiligen (Tansania, Burundi, Eritrea, Madagaskar).

Online-Kampagne gegen Covid-19-Verweigerung

Maria Sarungi, die Gründerin von Change Tanzania, hat eine Online-Kampagne zur Bekämpfung der Covid-19-Verweigerung initiiert. Sie betonte gegenüber Medien die Notwendigkeit, wissenschaftlichen Erkenntnissen zu folgen, um die Pandemie zu bekämpfen und das Vertrauen in die Impfstoffe zu stärken. "Ob die neue Präsidentin der Wissenschaft folgen wird, hängt davon ab, wie sehr sie die Kontrolle über die Regierung erlangt", fügte Sarungi hinzu.

KCMC: "Die Menschen zögern immer noch"

Norman Jonas, Anwalt für öffentliche Gesundheit und Tutor für Innere Medizin am Kilimanjaro Christian Medical College (KCMC) in Moshi, fordert ein transparenteres Umfeld und einen offenen Raum für die Wissenschaft. „Während der Pandemie gab es viele Kommunikationsmängel in Bezug auf landesweite Verhaltensänderungen. Infolgedessen zögern die Menschen immer noch, die grundlegenden Gesundheitsregeln einzuhalten“, sagte er.

"Was derzeit in Tansania fehlt, ist ein Umfeld, das wissenschaftliche Untersuchungen zu Themen wie Pandemien ermöglicht", sagt auch Frank Minja, tansanischer Arzt und außerordentlicher Professor für Neuroradiologie an der Abteilung für Radiologie und biomedizinische Bildgebung der Yale School of Medicine in den USA. Minja: "Natürlich arbeitet die Wissenschaft nicht isoliert, sie braucht wirtschaftliche und politische Entscheidungen. Aber die Wissenschaft ist ein Werkzeug, das zur Lösung unserer Probleme eingesetzt werden sollte."

"Präsidentin Hassan wird in den nächsten Wochen Impfstoffe bestellen"

"In Bezug auf Afrika haben wir die gute Nachricht, dass 44 Länder bereits Impfstoffe erhalten haben. Umgekehrt bedeutet dies natürlich auch, dass 10 Länder bisher keine Impfstoffe erhalten haben", teilte Clemens Schwanhold mit, politischer Leiter bei die Nichtregierungsorganisation ONE.

In einem Gespräch mit der Deutschen Welle drückte Schwanhold seine Überzeugung aus, dass die von Präsidentin Samia Suluhu Hassan geführte Regierung in den nächsten Wochen Corona-Impfstoffe bestellen wird. "Danach würde es aber wohl noch einige Monate dauern, etwas eintrifft. Idealerweise wäre dies bereits in wenigen Wochen der Fall. In der zweiten Jahreshälfte könnte das dann aber möglich sein."
 

Nach eingeschleppten Mutationen: Russland streicht Flüge nach Tansania

Russland streicht nach Angaben von Vize-Ministerpräsidentin Tatiana Golikova seit heute (15. April) alle Flüge nach Tansania und in die Türkei. Begründet wird diese Maßnahme mit immer mehr Touristen, die die britische Corona-Variante aus diesen beiden Ländern nach Russland eingeschleppt haben. Die Zahl hätte sich von 101 Infektionen in der Vorwoche auf 128 in der vergangenen Woche erhöht. Hinzu kämen 16 Fälle einer Infektion mit der südafrikanischen Variante, entdeckt bei Reisenden aus der Türkei, Tansania und Südafrika.

Von der Maßnahme, die bis zum 1. Juni 2021 gilt, ist auch der Tourismus auf Sansibar betroffen, in dessen Strandhotels sich gegenwärtig hauptsächlich russische und osteuropäische Touristen aufhalten. Russische Urlauber, die sich bereits auf Sansibar befinden, können nun selbst entscheiden, ob sie ihren gebuchten Urlaub regulär beenden oder vorzeitig nach Russland zurückkehren wollen.

Fälschung von Test-Zertifikaten auf Sansibar?

Auch in deutschen sozialen Medien wird sehr detailliert beschrieben, wie die vorgeschriebenen Corona-Tests auf Sansibar offenbar recht einfach illegal umgangen werden können. Demnach sollen die sansibarischen Behörden angeblich bereit sein, ein falsches Testdatum auszustellen, damit Reisende am Flughafen problemlos einchecken können.

Bereits seit längerer Zeit ist auch die Einreise von Tansania nach Großbritannien untersagt. Deutschland hat Tansania als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Auch die Schweiz und Österreich warnen nachdrücklich vor Reisen nach Tansania.
 

Neue Studie: Südafrikanische Mutation kann auch Impfschutz von Biontech/Pfizer durchbrechen

Die zweite Coronawelle ist wie in vielen anderen süd- oder ostafrikanischen Ländern vermutlich auch in Tansania auf die zunehmende Verbreitung der südafrikanischen Variante zurückzuführen. Daher stellt sich bei Reiseplanungen nach Tansania die Frage, welche Impfung den besten Schutz bietet.

Es scheint inzwischen ziemlich sicher zu sein, dass AstraZeneca nur einen sehr schwachen Schutz vor der südafrikanischen Variante bietet. Die südafrikanische Regierung hatte daher bereits im Februar angekündigt, auf Impfungen mit AstraZeneca zu verzichten.

Untersuchung aus Israel

Am vergangenen Montag wurde eine Untersuchung aus Israel bekannt, wonach es Hinweise darauf gibt, dass die südafrikanische Mutation offenbar auch den Impfschutz des Vakzins von Biontech/Pfizer durchbrechen kann: "Trotz Impfung erkrankten überproportional viele Menschen mit der Virusvariante", heißt es in mehreren Pressemeldungen. Das Portal 'Apotheke adhoc' meldet zu diesem Thema heute:

"Die Untersuchung der israelischen Forscher und Forscherinnen von der Universität Tel Aviv wurde am vergangenen Wochenende veröffentlicht. Die Studie verglich knapp 400 Menschen, die 14 Tage oder länger nach der Verabreichung von ein beziehungsweise zwei Impfdosen positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden, mit der gleichen Anzahl nicht-geimpfter Personen. Dabei stellte das Team fest, dass es bei Menschen, die mit einer zweiten Dosis von Biontech/Pfizer geimpft wurden, unverhältnismäßig häufiger zu einer Infektion mit der südafrikanischen Variante B.1.351 kam als bei der nicht-geimpften Gruppe. Dies bedeutet, dass die südafrikanische Variante den Schutz des Impfstoffs bis zu einem gewissen Grad durchbrechen kann.“

Noch keine Aussage über den Krankheitsverlauf

Allerdings gibt es bislang noch keine Aussage über den konkreten Krankheitsverlauf und die Schwere der Krankheit der Betroffenen. Und die Zahl der Geimpften, die sich mit B.1.351 infizierten, sei bislang noch zu gering, um eindeutige Aussagen treffen zu können.

Vorherige Studien waren bezüglich der Wirksamkeit von Biontech/Pfizer und auch Moderna laut 'apotheke adhoc' und RND bereits zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Gegen die britische Variante wurde bislang jedoch kein reduzierter Schutz ermittelt.

Die vor erst vor einigen Tagen entdeckte neue 'tansanische Variante' mit über 40 Mutationen wird gegenwärtig noch in einem renommierten Labor in Südafrika untersucht.

"Biontech/Pfizer-Vakzine: Israelische Studie zeigt schlechteren Schutz vor südafrikanischer Variante"
RND vom 12.4.2021

"Biontech: Südafrika-Variante durchbricht Impfschutz"
'apotheke adhoc' vom 12.4.2021
 

WHO begrüßt Kehrtwende bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 9. April in einer Stellungnahme die Kehrtwende Tansanias bei der Bekämpfung des Coronavirus begrüßt. Die neue Staatspräsidentin Samia Suluhu Hassan hatte einige Tage zuvor die Einsetzung eines Komitees zur Bekämpfung von Covid-19 angekündigt, das auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Virus und seine Verbreitung berücksichtigen soll. Auch kündigte Hassan die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit den internationalen Organisationen der Völkergemeinschaft an.

Die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti: "Wir begrüßen diese Initiative der neuen Präsidentin von Tansania und ihre Aussagen gegenüber der Bevölkerung sehr. Wir begrüßen, dass sichergestellt werden soll, dass die Menschen die Existenz des Virus in Tansania akzeptieren.   Und wir begrüßen, dass sie versuchen will, die Situation besser zu verstehen."

"Äußerst ermutigt von den Signalen aus Tansania"

Die WHO habe Gespräche mit Tansania geführt, Fachwissen angeboten und Möglichkeiten für den Zugang zu Covid-19-Impfstoffen erörtert, ergänzte Moeti. John Nkengasong, Direktor des 'Africa Centres for Disease Control and Prevention', sagte, er sei "äußerst ermutigt von den Signalen" aus Tansania. Bislang sei zwar noch keine Unterstützung aus Tansania angefordert worden, er freue sich jedoch auf eine Zusammenarbeit.
 

Staatspräsidentin signalisiert ein Umdenken in der Corona-Politik Tansanias

Die neue Staatpräsidentin Tansanias hat eine Abkehr von der bisherigen Coronapolitik der tansanischen Regierung signalisiert. Sie will ein Expertengremium einsetzen, das sie bei der Eindämmung der Ausbreitung von Covid-19 beraten und das dabei auch wissenschaftliche Erkennntisse berücksichtigen soll. "Wir können uns nicht als Insel isolieren", sagte Präsident Samia Suluhu Hassan Anfang April gegenüber hochrangigen Regierungsbeamten in einer im Fernsehen ausgestrahlten Ansprache des staatlichen Senders TBC1. "Wir können nicht alles aus dem Ausland akzeptieren, aber wir können auch nicht alles ablehnen."

"Tansania vor Kurswechsel in Corona-Politik"
Tagesschau vom 6.4.2021

Hassan: "Die Menschen fordern Medikamente"

Die Regierungszeitung 'Daily News' zitierte Hassan mit den Worten:  "Ich war überrascht, dass die Menschen, insbesondere die Ältesten, bei der Beerdigung des verstorbenen Präsidenten Magufuli in Chato Medikamente forderten". Sie habe daraufhin die Beamten angewiesen, an der Angelegenheit zu arbeiten.

Hassans Vorgänger John Magufuli hatte sich ausschließlich für die Verwendung traditioneller Heilmittel und gegen die Verwendung von Masken ausgesprochen. Bereits im Frühjahr 2020 stellte Tansania die Veröffentlichung von Covid-19-Daten ein und erklärte im Sommer 2020 Tansania als "coronafrei". Es wurden weder Tests durchgeführt noch Impfstoffe bestellt. Bis heute ist Tansania der internationalen COVAX-Initiative nicht beigetreten. Kritik an der staatlichen Corona-Politik oder die Veröffentlichung von Zahlen wurden mit einer dreijährigen Haftstrafe bedroht.

Hassan will Beziehungen zur Völkergemeinschaft wieder verbessern

Hassan, die in den letzten Tagen sowohl ihr Kabinett als auch mehrere wichtige Leitungspositionen in  Ministerien umgebildet hatte, forderte die neu ernannte Außenministerin Liberata Mulamula auf, "die Beziehungen Tansanias zur internationalen Gemeinschaft zu verbessern". Sie sprach sich nicht nur für neue Wege in der Gesundheitspolitik aus, sondern forderte auch die rasche Beilegung des jahrelangen Steuerkonflikts mit Barrick Gold.
 

Neue Covid-Variante mit 40 Mutationen bei Tansania-Reisenden entdeckt

Nach Angaben der panafrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC ist bei Reisenden aus Tansania in Angola eine neue Corona-Variante entdeckt worden. John Nkengasong, Leiter der Africa CDC, sprach am 1. April auf einer Pressekonferenz von bis zu 40 Mutationen - also mehr als bei jeder anderen bisher bekannten Variante und deutlich mehr als bei der britischen Linie B.1.1.7. "Das ist sicherlich eine Variante, die Anlass zur Sorge gibt", sagte Nkengasong, "wir wissen leider nicht, wie diese Variante auf Impfstoffe reagiert."

Mehrere Nachrichtenagenturen hatten bereits in den Tagen zuvor über "die bisher am stärksten mutierte Variante des Coronavirus" berichtet, "die bei Reisenden aus Tansania entdeckt wurde". Gemeint sind drei Tansanier, die aus Tansania nach Angola eingereist sind.

"Bei Reisenden aus Tansania: Neue Corona-Variante in Afrika entdeckt"
ZDF vom 1.4.2021

Bislang noch kein Nachweis einer höheren Ansteckungsrate

Immerhin scheint die neue Variante nicht die Mutation N501Y zu besitzen, die mit einer höheren Ansteckungsrate in Verbindung gebracht und sowohl bei der britischen als auch bei der brasilianischen und der südafrikanischen Variante nachgewiesen wurde.

Noch kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass die neue tansanische Variante ansteckender ist als andere Stämme. Und noch weiß man nicht, wie sie sich auf Impfstoffe auswirkt. Wissenschaftler aus Durban (Südafrika) teilten mit, dass sie zur Beantwortung dieser Fragen jetzt erst einmal das Virus züchten werden, dessen Stamm zum ursprünglichen Virus aus China gehören soll.

Wissenschaftler fordern Überwachung der Pandemie in Tansania

Mit der neuen Entdeckung scheint laut Neue Zürcher Zeitung (NZZ) "einzutreten, was Experten befürchtet hatten: dass die laxe Corona-Politik der tansanischen Regierung die Entstehung neuer Varianten begünstigt".

Zur Sicherheit wird jetzt eine verbesserte Überwachung der Pandemie in Afrika und insbesondere in Tansania gefordert, wo bislang weder Tests noch Impfungen stattfinden und auch weiterhin keine Zahlen an die WHO gemeldet werden. KRISP-Direktor Prof. Tulio de Oliveira erhofft sich jedoch von der neuen tansanischen Staatspräsidentin "einen großen Weckruf für Tansania".

Zur Frage, über welche Route die drei betroffenen Tansanier von Tansania nach Namibia geflogen sind, sagte Oliveira: "Ich kann die Route aus Gründen des Datenschutzes nicht nennen, aber es waren Tansanier, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie unterwegs mit den Mutationen angesteckt wurden."

"Forschung auf Weltklasse-Niveau"

In Durban findet laut ZDF "Forschung auf Weltklasse-Niveau statt". Das wissenschaftliche Institut, das Viren in Afrika aufspürt und Gentests für 10 afrikanische Länder durchführt, hatte im vergangenen Jahr auch bereits die gefährliche südafrikanische Variante entdeckt und ist auf die sogenannte Sequenzierung spezialisiert, die Untersuchung der genetischen Diversität des Virus.

"Afrikanische Forscher entdecken bei Reisenden aus Tansania eine neue Sars-CoV-2-Variante mit 31 Mutationen"
Neue Zürcher Zeitung vom 30.3.2021
 

Katholischer Erzbischof für die Fortsetzung der Coronapolitik Magufulis

Der Erzbischof der Erzdiözese Mwanza, Renatus Mkwande, hat am 26. März in Chato, Geita Region, bei der Trauermesse für den verstorbenen Staatspräsidenten John Magufuli die Führung des Landes aufgerufen, jederzeit an Gott zu glauben, um dem Verstorbenen Tribut zu zollen. Nach Angaben der tansanischen Tageszeitung 'The Citizen' lobte der Erzbischof den verstorbenen Staatspräsidenten, weil dieser sich, obwohl selbst Wissenschaftler, nicht auf die Erkenntnisse der Wissenschaften verlassen habe, sondern stattdessen dem Coronavirus durch den Glauben an Gott entgegengetreten sei.  

Mkwande, der entgegen einer Empfehlung der Katholischen Bischofskonferenz auf eine Schutzmaske verzichtete, forderte die Staatsführung auf, in diesem Sinne von Magufuli zu lernen. Er sagte: "Der Glaube gab ihm die Kraft - selbst als sich die große Angst vor Covid-19 in vielen Teilen der Welt ausbreitete."

"Abtreibung und Homosexualität nicht ins Land lassen"

Der Erzbischof lobte bei der im Fernsehen live übertragenen Trauerfeier nicht nur die Coronapolitik Magufulis, sondern forderte auch die anwesende Staatsspitze auf, Abtreibung oder Homosexualität nicht in das Land zu lassen. Er bat die neue Präsidentin Samia Suluhu Hassan, standhaft zu bleiben, damit Tansania "nicht in diese Falle gerät."
 

Tansania meldet jetzt seit 12 Monaten keine Zahlen mehr

Tansania, das sich gegenwärtig mitten in einer zweiten Welle befindet, hat seit nunmehr 12 Monaten keine Zahlen mehr an die WHO gemeldet. Das Land bezeichnete sich bis zum 21. Februar 2021 sogar als "coronafrei". Tests finden weiterhin kaum statt und Impfungen werden von der Regierung strikt abgelehnt (weitere ausführliche Infos hierzu siehe unten).

4,42 Millionen registrierte Infektionen in Afrika

Am 9. März wurde die offizielle Zahl von 4 Millionen Infektionen in Afrika gemeldet. Experten gehen jedoch davon aus, dass diese Zahl angesichts der wenigen Coronatests nur einen Bruchteil der tatsächlichen Infektionen darstellt. Während in den meisten Ländern die zweite Welle überstanden ist, befinden sich Länder wie Äthiopien oder Libyen noch in der zweiten und Kenia sogar bereits in der dritte Welle. 

Südafrika hatte am 2. März die Zahl von 50.000 Covid-19 Todesopfern überschritten. Kurz zuvor wurde das 100.000 Todesopfer in ganz Afrika gemeldet. Aktuell (15.4.) starben in Afrika 117.100 Menschen, 3,96 Millionen Menschen wurden wieder gesund.

Fast die Hälfte der Todesopfer in Südafrika

Die meisten Todesopfer gab es bislang in Südafrika (53.500), Ägypten (12.600), Tunesien (9.500) und Marokko (8.900). In Ostafrika ist nach offiziell angegebenen Zahlen vor allem Kenia (2.400) betroffen.

Auch die Schweiz erklärt Tansania jetzt zum Corona-Risikoland

In einem Update hat auch die Schweiz Tansania in die BAG-Risikoländerliste aufgenommen und trägt damit der unsicheren Datenlage durch das Verschweigen der Infektions- und Todeszahlen sowie der Ausbreitung der südafrikanischen Mutation in Tansania Rechnung. Die neue Liste tritt am 5. April in Kraft.

Deutschland stuft Tansania bereits seit dem 12. März als 'Hochinzidenzgebiet' ein

Die deutsche Bundesregierung hat Tansania bereits am 12. März als 'Hochinzidenzgebiet' eingestuft. Zuvor galt das Land lediglich als 'Risikogebiet'.

Für Einreisende aus Tansania gelten jetzt strengere Regeln, um vor allem die schnelle Verbreitung neuer Virusvarianten zu vermeiden. Wer sich in den letzten 10 Tagen vor der Einreise nach Deutschland in Tansania aufgehalten hat, ist verpflichtet, bereits bei Einreise einen Nachweis (ärztliches Zeugnis oder Schnelltest-Ergebnis) über das Nichtvorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus mitzuführen und auf Anforderung vorzulegen. Dieser Test darf frühestens 48 Stunden vor Einreise vorgenommen worden sein.

Vorlage eines negativen Testergebnisses bereits beim Einchecken

Das negative Testergebnis muss bereits vor dem Abflug in Tansania beim Einchecken vorgelegt werden. Auch bei Kontrollen durch die Bundespolizei (z.B. Einreisekontrolle am Flughafen oder grenznahe Kontrollen bei Einreise auf dem Landweg) kann der Nachweis verlangt werden.  Er muss in deutscher, englischer oder französischer Sprache vorliegen und die unter https://www.rki.de/tests genannten Anforderungen erfüllen.

KLM bietet für 25 USD Schnelltests vor dem Einchecken am Flughafen Daressalam und am Kilimanjaro Airport an. Vor der Buchung eines Tansania-Fluges sollte aber unbedingt abgeklärt werden, ob die ausgewählte Fluggesellschaft beim Einchecken möglicherweise auch noch einen negativen PCR-Test verlangt, der in Tansania meist nur sehr zeitaufwendig zu erhalten ist. 

Bei der Einreise aus Risikogebieten besteht außerdem die Pflicht zur digitalen Einreiseanmeldung, eine Testpflicht auf das Coronavirus, die Verpflichtung zur direkten Fahrt zum Zielort und (abhängig von der Regelung des Bundeslandes) eine Quarantänepflicht von 10 Tagen.

Weitere Informationen zu Einreisen aus Risiko-, Hochinzidenz- und Virusvarianten-Gebieten finden Sie auch unter https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus-infos-reisende/faq-tests-einreisende.html.

Dringender Appell des Auswärtigen Amts

Bei einer Reisewarnung handelt es sich um einen dringenden Appell des deutschen Auswärtigen Amts, entsprechende Reisen nicht zu unternehmen. Die Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Reisende entscheiden in eigener Verantwortung, ob sie eine Reise antreten. Das Bestehen einer Reisewarnung kann jedoch mittelbar rechtliche Auswirkungen haben, beispielsweise für die Gültigkeit einer Reisekrankenversicherung. Hierzu sollten sich Reisende mit ihrem Versicherungsdienstleister in Verbindung setzen.

Mehrere Kriterien für eine Einstufung als Risikogebiet

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land die Neuinfiziertenzahl im Verhältnis zur Bevölkerung von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten 7 Tagen überschreitet. Umgekehrt hängt die Aufhebung der Reisewarnung von einer Besserung der Infektionslage ab. Dabei kommt es nicht auf Momentaufnahmen an, sondern auf einen stabilen Trend in den Zahlen.

Neben den Zahlen spielen bei der Einstufung aber auch weitere Kriterien eine Rolle. Hierzu gehören zum Beispiel die Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend), die Testkapazitäten, die Anzahl der durchgeführten Tests pro Einwohner, die Rate der positiv Getesteten sowie in den Staaten ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens (Hygienebestimmungen, Kontaktnachverfolgung etc.).

Die in letzter Zeit vermehrt aufgetretenen Erkrankungen von Tansania-Rückkehrern mit Covid-19 beziehungsweise mit der südafrikanischen Mutation, das Verschweigen der Testergebnisse und der Todeszahlen in Tansania seit Ende April 2020 sowie die mangelnde Kooperation mit der WHO haben bei der aktuellen Einstufung des Landes vermutlich zusätzlich eine Rolle gespielt.
 

"Die Kirchen schweigen nicht länger"

Die Publikation 'Welt-Sichten - Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit' berichtete am 16. März über das Engagement der evangelischen und katholischen Kirche in Tansania gegen die Corona-Pandemie. Unter der Überschrift "Die Kirchen schweigen nicht länger" schreibt das Magazin, das von 'Brot für die Welt', 'Brot für alle', Christoffel Blindenmission, Kindernothilfe und Misereor herausgegeben wird: "Nun wagen sich die Kirchen im Land aus der Deckung und warnen vor der Pandemie."

Muslime aus Tansania dürfen nicht zur Pilgerfahrt nach Mekka

'Welt-Sichten' berichtete auch über "ein besonderes Problem" der bis zu 24 Millionen tansanischen Muslime. Nachdem Saudi-Arabien verkündet hat, dass zur diesjährigen Pilgerfahrt im Juli nach Mekka nur Geimpfte kommen dürfen, ist angesichts der Ablehnung von Corona-Schutzimpfungen in Tansania der Weg der tansanischen Gläubigen nach Mekka versperrt. 

"Corona in Tansania: Die Kirchen schweigen nicht länger"
'Welt-Sichten' vom 16.3.2021
 

Oman verbietet Einreise aus Tansania

Die Regierung des Oman hat für Einreisende aus Tansania ein Einreiseverbot verhängt. Mit der Maßnahme soll die Verbreitung von COVID-19 und seinen neuen Varianten eingedämmt werden. In den vergangenen Wochen war bei zahlreichen Einreisenden, die mit Oman Air aus Sansibar eingeflogen waren, eine Covid-19-Erkrankung festgestellt worden. 

Bereits am 19. Februar hatten die Süddeutsche Zeitung und die Washington Post berichtet, dass die Behörden im Oman festgestellt hätten, "dass 18 Prozent der ankommenden Reisenden aus Tansania mit Corona infiziert seien, obwohl für das Besteigen des Flugzeugs ein negativer Test vorgeschrieben" sei.

Insgesamt 11 Länder vom Einreiseverbot betroffen

Von der Maßnahme des Oman sind aktuell 11 Länder betroffen: Der Libanon, der Sudan, Südafrika, Brasilien, Nigeria, Tansania, Ghana, Sierra Leone, Guinea und Äthiopien. Die Maßnahme gilt auch für alle Reisenden, die in den 14 Tagen vor ihrer Reise in den Oman durch eines dieser Länder gereist sind. Diplomaten, Gesundheitspersonal und Bürger des Oman sowie Familienangehörige dieser Personen sind vom Verbot ausgenommen.
 

WHO fordert von Tansania Impfungen und die Veröffentlichung der Zahlen

Die afrikanische Regionaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Matshidiso Moeti, hat am 11. März erneut an Tansania appelliert, endlich die Informationen über Coronavirus-Infektionen und Todesfälle zu veröffentlichen. Dies ist seit nunmehr über 10 Monaten nicht mehr geschehen.

Sie lobte die in letzter Zeit beschlossenen Empfehlungen des Gesundheitsministeriums wie das Tragen von Masken, Abstandhalten, Hygienemaßnahmen, den besonderen Schutz von Risikogruppen etc. Zum Thema 'Impfungen' fügte sie hinzu: "Es ist riskant für die Region und die Welt, einen Teil der Bevölkerung zu haben, der geimpft wurde, und den anderen, der nicht geimpft wurde. Daher sollten Tansania und Burundi die Impfstoffe einführen. Sie sind sicher für unser Volk. “

WHO-Generaldirektor fordert "robuste Maßnahmen"

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, hatte bereits am 21. Februar angesichts der zunehmenden Verbreitung von Covid-19 und der wachsenden Gefahr durch die britische Mutation die tansanische Regierung aufgefordert, "robuste Maßnahmen" zur Bekämpfung von Covid-19 im eigenen Land zu ergreifen. Ghebreyesus verwies dabei auf zahlreiche Tansanier, die nach ihrer Ausreise aus Tansania in anderen Ländern positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. ""Dies unterstreicht die Notwendigkeit für Tansania, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um sowohl die eigene Bevölkerung als auch die Bevölkerung in diesen Ländern zu schützen", sagte er in einer Erklärung.

"Tansania muss Übertragungsketten durchbrechen und sich auf Impfungen vorbereiten"

Der WHO-Chef sagte, er habe Tansania bereits Ende Januar aufgefordert, Maßnahmen gegen die Pandemie zu ergreifen und sich auf Impfungen vorzubereiten. Ghebreyesus: "Die Situation ist nach wie vor sehr besorgniserregend. Ich fordere Tansania erneut auf, COVID-19-Fälle zu melden und Daten auszutauschen. Ich fordere Tansania außerdem auf, die uns bekannten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit umzusetzen, um die Übertragungsketten zu durchbrechen und sich auf die Impfung vorzubereiten."

Staatspräsident John Magufuli hat bislang die Zulassung von Impfungen in Tansania abgelehnt und ihnen unterstellt, die Krankheit überhaupt erst nach Tansania zu tragen.
 


Die Situation in Afrika

53.500 Todesopfer in Südafrika. 12.600 Tote in Ägypten

Auch wenn die offizielle Infektionszahl Südafrikas inzwischen bei 1,56 Millionen liegt, so war die Zahl der offiziell gemeldeten täglichen Neuinfektionen im Herbst 2020 doch sehr deutlich gesunken. Zum Jahreswechsel 2020/21 war jedoch wieder ein dramatischer Anstieg zu einer zweiten Welle zu beobachten: Am 8. Januar gab es in Südafrika mit 21.980 Neuinfektionen und am 19. Januar mit 839 Todesopfern den höchsten offizellen Wert seit Beginn der Pandemie. Inzwischen ist die zweite Welle beendet.

Südafrika, wo 35 % (15.4.) der offiziell gemeldeten Infektionen Afrikas und 46 % (15.4.) der offiziell gemeldeten Todesfälle erfolgten, liegt aktuell auf Platz 20 der Länder mit den meisten Infektionen weltweit.

In Ägypten wurde am 8.3. das 11.000 Todesopfer gemeldet - die zweithöchste offiziell gemeldete Zahl Afrikas.

117.000 Todesopfer in ganz Afrika

Insgesamt gab es am 15.4. in ganz Afrika 4,42 Millionen offiziell gemeldete Infektionen und 117.100 Todesopfer. 3,96 Millionen Menschen wurden bislang wieder gesund.

Die meisten Erkrankungen / Todesfälle / Todesfälle pro 1 Mill. Einwohner gibt es aktuell in den folgenden 10 Ländern:

Stand: 15.4.2021

• Südafrika (1.562.000 / 53.500 / 893)
• Marokko (504.000 / 8.900 / 239)
• Tunesien (277.000 / 9.500 / 796)
• Äthiopien (234.000 / 3.300 / 28)
• Ägypten (213.000 / 12.600 / 121)
• Libyen (171.000 / 2.900 / 414)
• Nigeria (164.000 / 2.100 / 10)
• Kenia (148.000 / 2.400 / 44)
• Algerien (119.000 / 3.100 / 71)
• Ghana (91.000 / 800 / 24)

Zum Vergleich:
• Deutschland (3.064.000 / 79.800 / 950)
• Schweiz (630.000 / 10.500 / 1.205)
• Österreich (587.000 / 9.800 / 1.085)

Aktuelle Zahlen der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC)

Die aktuellen offiziellen Zahlen der Ostafrikanischen Gemeinschaft (Erkrankungen / Todesfälle / Todesfälle pro 1 Mill. Einwohner)
Stand: 15.4.2020

• Kenia 148.100 / 2.420 / 44
• Uganda 41.200 / 338 / 7
• Ruanda 23.700 / 317 / 24
• Südsudan 10.400 / 114 / 10
• Burundi 3.300 / 6/ 0,5*
Tansania 509 / 21 / 0,3**

*    Bis zum 30.6.2020 weitgehende Leugnung der Pandemie und Ausweisung des WHO-Personals
**   Seit dem 29. April keine neuen Zahlen veröffentlicht

Sind diese Zahlen wirklich aussagekräftig?

Einige Experten stellen die Frage, wie weit die offiziellen Fallzahlen wirklich aussagekräftig sind. Die relativ geringe Zahl der bisher durchgeführten Tests oder die fehlenden Testmöglichkeiten in weiten Teilen der afrikanischen Länder erschweren nach Meinung der Experten ein realistisches Bild von der Verbreitung des Coronavirus in Afrika.
 


Frühere Meldungen

Mehrere Rückkehrer aus Tansania mit südafrikanischer Mutation infiziert

Nach aktuellen Recherchen von'Report Mainz' (SWR) hat ein Reisender aus Sansibar die gefährliche südafrikanische Variante nach Deutschland gebracht. Dort hat er fünf weitere Personen damit angesteckt, drei mussten deswegen klinisch behandelt werden.

"Reisen während Corona: Traumurlaub im Hochinzidenzgebiet"
tagesschau.de vom 9.3.2021

Bad Kreuznach: Rückkehrer aus Tansania mit südafrikanischer Mutation infiziert

Auch im Landkreis Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) wurde vor einigen Tagen die erste Erkrankung mit der südafrikanischen Virusmutation B 1.351 nachgewiesen, die auf eine Reiserückkehr aus Tansania zurückzuführen ist. Zuvor wurde bereits die entsprechende Infektion eines Tansania-Rückkehrers aus Hagen gemeldet. 

Am 2. März auch eine Meldung aus Spanien

In den letzten Tagen häufen sich Medienberichte, wonach Reisende - oft sogar trotz eines negativen PCR-Tests in Tansania - nach ihrer Ankunft im Heimatland an Covid-19 erkrankt sind und in mehreren Fällen sogar die gefährliche südafrikanische Mutation aus Tansania eingeschleppt haben. Am 2. März berichtete das spanische Gesundheitsministerium über einen Touristen, der die südafrikanische Variante aus Tansania mitgebracht hat. Türkische Medien berichteten bereits Ende Februar über den Transport coronaerkrankter türkischer Touristen von Sansibar in die Türkei.

Aus Tansania mit Südafrika-Mutation nach Salzburg

Die Volksschule in Salzburg-Liefering (Österreich) nahe der Grenze zu Bayern war gerade drei Tage geöffnet, als sie kurzfristig wieder schließen musste, nachdem ein Fall der gefährlichen Südafrika-Mutation bekannt geworden war. Ein Unternehmensberater war von einer Eröffnung eines Kinderheimes in Tansania zurückgekehrt. Vor dem Abflug absolvierte er nach eigener Aussage einen PCR-Test mit negativem Ergebnis, zu Hause angekommen begab er sich dennoch vorschriftsmäßig in Heimquarantäne. Dort steckte er allerdings nichtsahnend seine Frau und seine Tochter an. Bereits am 17. Februar wurde dann bei ihnen die Südafrika-Mutation nachgewiesen.

Flugreisende aus Tansania zu 18 Prozent mit Corona infiziert?

Ähnliche Berichte gibt es auch aus Dänemark und Großbritannien. Am 19. Februar berichteten die Süddeutsche Zeitung und die Washington Post, dass die Behörden im Oman festgestellt hätten, "dass 18 Prozent der ankommenden Reisenden aus Tansania mit Corona infiziert seien, obwohl für das Besteigen des Flugzeugs ein negativer Test vorgeschrieben" sei. Das nährt laut SZ "den Verdacht, dass Tansania es nicht so genau nimmt mit den Tests. Auch deutsche Touristen berichten, nach einem negativen Test auf Sansibar im Heimatland positiv getestet worden zu sein". Sansibar-Experten berichten, dass negative Testbescheinigungen auf dem tansanischen Schwarzmarkt erhältlich sind.
 

Afrikanischer Fußballverband verbietet Champions League Spiel mit Zuschauern in Daressalam

Der Afrikanische Fußballverband (CAF) hat die Teilnahme von Zuschauern beim  Champions League Gruppenspiel Simba SC gegen Al Merrikh (Sudan) am 16. März im Benjamin Mkapa Stadion in Daressalam untersagt. Als Begründung wurde die Gefahr der weltweiten Verbreitung von Covid-19 angeführt.

Der tansanische Meister hatte zuvor vergeblich versucht, den Fußballverband von der Unbedenklichkeit einer Zuschauerbeteiligung zu überzeugen. Ein Vereinssprecher zeigte sich in einem Gespräch mit der tansanischen Tageszeitung 'The Citizen' von der Entscheidung "verletzt". Man werde sich weiter darum bemühen, zukünftig wieder vor Publikum spielen zu dürfen.

Bereits seit Mitte 2020, als die Regierung Tansania für "coronafrei" erklärt hatte, sind im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern in Tansania Zuschauer zugelassen.

Simba SC Daressalam gewann das Spiel mit 3:0 und liegt weiterhin sensationell auf Platz 1 mit 3 Punkten Vorsprung vor dem ägyptischen Titelverteidiger Al-Ahly Kairo, der auch an der von Bayern München gewonnenen Club-Weltmeisterschaft teilgenommen hat.
 

Sansibar führt Covid-19-Tests in Hotels ein

Das Gesundheitsministerium von Sansibar hat am 8. März angekündigt, dass ab sofort Corona-Tests in den großen Hotels durchgeführt und die Ergebnisse dann anschließend elektronisch an die zuständige Behörde weitergeleitet werden. Dadurch sollen auch "gefälschte Covid-19-Testzertifikate eingedämmt werden".  Womit die Meldungen von Touristen und Veranstaltern bestätigt wurden, dass es auf der Gewürzinsel einen Schwarzmarkt für gefälschte Corona-Testergebnisse gibt. 

Die Tests nach der Einreise und vor der Ausreise kosten den Touristen 80 US-Dollar pro Test und können dann vor der Heimreise beim Einchecken auf dem Flughafen Sansibar vorgelegt werden.

Möglichkeit zur Weiterbehandlung in Indien

Das Gesundheitsministerium hat laut Ippmedia einen dreijährigen Kooperationsvertrag mit dem indischen 'SIMS Hospital and medical Consulting Institute" unterzeichnet. Danach können Patienten des staatlichen Mnazi Mmoja Hospitals auf Sansibar und Patienten von Festland-Krankenhäusern zur Weiterbehandlung nach Indien geflogen werden. Gleichzeitig wurden Schulungsmaßnahmen für medizinische Fachkräfte auf Sansibar vereinbart.

"Ist Sansibar ein Paradies ohne Corona?"
'Die Welt' vom 10.3.2021
 

Schock für Reiseveranstalter: Kenia hat 14-tägige Quarantänepflicht für Schweizer eingeführt

Obwohl Kenia selber nicht auf der Risikoliste des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit (BAG) steht, hat die kenianische Regierung eine ab dem 10. März geltende 14-tägige Quarantänepflicht für Einreisende aus der Schweiz beschlossen. Nach Aussage von Travelnews, dem Newsportal für Reise und Tourismus, "ein Todesstoß für die touristische Nachfrage."

Travelnews befürchtet nun, dass im Gegenzug sowohl Kenia als auch Tansania durch das BAG zu Risikoländern erklärt werden - zumal Tansania schon lange "kein zuverlässiges Zahlenmaterial vorlegt".
 

Die tansanische Regierung warnt vor Berichten über Covid-19 Infektionen und Todesfälle

Der Chefsprecher der Regierung von Tansania, Dr. Hassan Abbas, hat die Medien, die Kirchen und Einzelpersonen vor Berichten über Krankheiten oder Todesfälle gewarnt. Zu solchen Meldungen sei alleine die Regierung mit ihrem eigenen Berichtssystem befugt.

Dr. Abbas äußerte sich nach mehreren tansanischen Medienberichten am 4. März mit Verweis auf entsprechende TV-Berichte und Meldungen von Privatpersonen in sozialen Medien.
 

Tansania erfindet das 'Dampfinhalationsgerät'

Das Muhimbili National Hospital hat nach einem Bericht des BBC am 4. März offiziell ein spezielles 'Dampfinhalationsgerät' auf den Markt gebracht. Mit dem Gerät soll ein Beitrag zum Kampf gegen Covid-19 geleistet werden. Der Direktor des Hospitals, Prof. Lawrence Maseru, erläuterte, dass Patienten fünf Minuten lang in der Kammer verbringen müssen, um die Dämpfe einer Mischung natürlicher Heilmittel einzuatmen. Nach Angaben der Deutschen Welle kostet ein Inhalationsvorgang 5.000 TSH (1,80 Euro).

"Viele Gesundheitsexperten, einschließlich der Weltgesundheitsorganisation (WHO), akzeptieren jedoch nicht die Verwendung von Dampf als Coronamittel. Sie warnen, dass dies die Atemwege ernsthaft schädigen könnte, einschließlich des Füllens der Lunge mit Flüssigkeit." (BBC)
 

Katholische Bischofskonferenz: In den letzten 2 Monaten sind 25 Priester und 60 Schwestern gestorben 

Der Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz (TEC), Pater Charles Kitima, hat am 3. März eine weitere Stellungnahme zur Corona-Epidemie abgegeben. Er forderte die Mitglieder der Kirche auf, gemäß den Richtlinien des Gesundheitsministeriums weiterhin Vorsichtsmaßnahmen gegen die Krankheit zu treffen.

Kitima teilte mit, dass in verschiedenen Landesteilen innerhalb von zwei Monaten mehr als 25 Priester, 60 Schwestern und zwei Kirchenälteste an verschiedenen Krankheiten einschließlich „Atemwegserkrankungen“ gestorben seien.

"Priester sterben und Schwestern sterben, aber diese Zahl innerhalb von zwei Monaten hat uns schockiert, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Regierung bereits das Gesundheitssystem verstärkt hat", sagte Kitima.

Er sagte, dass Erzbischof Gervas Nyaisonga als Präsident der Bischofskonferenz bereits Richtlinien für Bischöfe verschiedener Diözesen erlassen hat, damit sie sich vor Covid schützen, gleichzeitig aber auch weiterhin Dienstleistungen erbringen können.

"Skurriles Vorgehen in Tansania: Mit Dampf und Gott gegen Corona"
NTV vom 4.3.2021
 

Weltweite COVAX-Initiative: 240.000 Impfdosen in Ruanda eingetroffen

Während die tansanische Regierung weiterhin alle Impfungen gegen Covid-19 ablehnt, hat Ruanda am 3. März über die internationale COVAX-Initiative bereits seine erste Lieferung von COVID-19-Impfstoffen erhalten. 240.000 Dosen des Impfstoffs AstraZeneca trafen am Vormittag am Flughafen Kigali ein.

Gesundheitsminister Daniel Ngamije kündigte die unverzügliche Erstellung eines Impfplans an, damit in ganz Ruanda Risikogruppen die erste von insgesamt zwei Impfstoffdosen erhalten können. Die Impfungen sollen am 5. März starten und in den District Hospitals durchgeführt werden.

30 Prozent der Bevölkerung soll bis Ende 2021 geimpft werden

171.480 Personen wurden als vorrangige Risikogruppe eingestuft, einschließlich medizinisches Personal, Personen über 65 Jahre und Personen mit besonderen Vorerkrankungen. Ziel sei die Impfung von 30% der Bevölkerung bis Ende 2021 und von 60% bis Ende 2022.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lobte Ruandas Bemühungen mit den Worten: „Ruanda hat auf den Covid-19-Ausbruch mit der Entschlossenheit reagiert, die Verbreitung des Virus zu unterdrücken und Leben zu retten.“ 

Dr. Kasonde Mwinga, Vertreterin der WHO in Ruanda, fügte hinzu: „Diese Dosen des Covid-19-Impfstoffs aus der Covax-Initiative stellen eine beispiellose weltweite Anstrengung dar für einen gerechten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen.

Am 5. März auch Impfbeginn in Kenia

Auch Kenia bietet seit dem 5. März den Corona-Impfstoff an. Die erste Person, die geimpft wurde, war der amtierende Gesundheitsdirektor Patrick Amoth.
 

ELCT-Vorsitzender wiederholt Aufforderung zu Schutzmaßnahmen gegen Corona

Der Vorsitzende der Ev.-Luth. Kirche in Tansania (ELCT), Bischof Dr. Fredrick O. Shoo, hat erneut eine Erklärung mit der Aufforderung an örtliche Kirchenführer abgegeben, sich uneingeschränkt an der Aufklärung der Gemeinden über die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 zu beteiligen. Unter Bezugnahme auf Hosea 4,6 („Damit sie nicht umkommen“), schrieb der Bischof, dass „das Virus unsere Lebensweise in Tansania und weltweit völlig verändert hat. Daher ist es wichtig, dass wir Vorsichtsmaßnahmen treffen und die Menschen aufklären.“

Als Maßnahmen hat die Evangelische Kirche unter anderem die Reduzierung der Anzahl von Versammlungen und Reisen, den besonderen Schutz beim Kindergottesdienst, das Tragen von Masken, Abstandhalten sowie Händewaschen empfohlen.

"Bildung ist der Schlüssel zur Verhinderung von Infektionen"

Außerdem sei Bildung der Schlüssel zur Verhinderung von Infektionen. Shoo: „Diejenigen, denen von Gott das Mandat erteilt wurde, das Volk Gottes zu hüten und zu führen“, haben die Verantwortung, „sicherzustellen, dass das Volk Gottes genügend Wissen darüber erhält, wie man das Virus bekämpft.“ Vorsichtsmaßnahmen seien „nicht gegen den Glauben gerichtet. Es ist keine Sünde und kein Verbrechen, sich vor dem Virus zu schützen. Keine Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, wäre wegen der Pandemie eine Versuchung Gottes".
 

Regional Commissioner von Daressalam empfielt Covidol gegen Covid-19

Abubakar Kunenge, Regional Commissioner von Daressalam, empfiehlt weiterhin die Verwendung von zugelassenen traditionellen Kräutern gegen 'Atemwegserkrankungen'. Sie seien gesundheitlich unbedenklich. Der RC äußerte sich am 2. März anlässlich des Besuchs einer Fabrik, die täglich 50.000 Flaschen Covidol herstellt, ein auch von Staatspräsident John Magufuli empfohlenes Mittel zur Vorsorge und Behandlung von Corona.

Bereits Ende August 2020 hatte die regierungsnahe Tageszeitung Daily News Covidol als "eines der Geheimnisse für den Sieg im Kampf gegen die Coronavirus-Krankheit im Lande" bezeichnet und  "die Entscheidung Tansanias für einen anderen Weg" angepriesen: "An Gott  glauben und Kräuterdampf einatmen".  

Angebliche Heilung von Corona-Patienten

Der "Erfinder" von Covidol ist Prof. Dr. Hamis Malebo, 53, ein auf Pflanzenheilmittel spezialisierter Chemiker. Er arbeitet im Department of Traditional Medicine Research im National Institute for Medicine Research in Daressalam. Malebo, der an der Universität Basel studiert hat und ebenso wie der Staatspräsident aus der Mwanza Region stammt, ist davon überzeugt, dass Covidol für am Coronavirus erkrankte Patienten mit Vorerkrankungen wie Asthma, Allergien, Herz-Kreislauf- und Bluterkrankungen sehr gut geeignet sei. Die Daily News schreibt: "10 Personen, die mittelschwere bis schwere Symptome des Virus zeigten und die positiv getestet wurden, erholten sich mit der Kräutermedizin Covidol innerhalb einer Woche." Zuvor hätten sie Fieber zwischen 38,5 und 39,2 Grad gehabt, ihren Geruchssinn verloren und unter Schlaflosigkeit und Erschöpfung gelitten. Nach der Einnahme von Covidol "verschwanden alle ihre Symptome, und sie wurden geheilt."

Covidol-Erfinder an früheren Studien beteiligt

Covidol-Erfinder Prof. Malebo setzt sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit traditionellen Heilmitteln in Tansania auseinander. Er entdeckte beispielsweise einen traditionellen Heiler im Pangani District, der angeblich schon 1990 mit der Medizin Warburgistat ein Heilmittel gegen HIV/Aids gefunden hat. An der Forschung beteiligte sich damals die niederländische Entwicklungszusammenarbeit.

"Wirksam auch gegen jede andere Krankheit"

Und nun Covidol. Dr. Paulo Mhame, Stellvertretender Direktor für traditionelle und alternative Medizin im Gesundheitsministerium, hatte im vergangenen Sommer als hoher Regierungsvertreter Covidol nicht nur gelobt, sondern sogar einen Aufruf gestartet: "Ich fordere die Tansanier auf, traditionelle alternative Medizin nicht nur im Falle einer Covid-19-Erkrankung, sondern auch gegen jeden anderen Krankheitsausbruch in Betracht zu ziehen." Bei einer besseren Vermarktung könne Covidol weltweite Aufmerksamkeit erlangen und in Tansania viele Arbeitsplätze schaffen.

Keine Einbeziehung der WHO

Die WHO spricht sich nicht grundsätzlich gegen die Einbeziehung traditioneller pflanzlicher Heilmittel aus. Sie fordert allerdings die Durchführung klinischer Studien vor einem Einsatz am Patienten und gründete bereits im Juli 2020 gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention (CDC) des US-Gesundheitsministeriums einen 25-köpfigen Expertenrat zur Forschung und Entwicklung traditioneller Arzneimittel gegen Covid-19. Laut einer Erklärung der WHO soll das Gremium "unabhängigen wissenschaftlichen Rat und Unterstützung für Länder in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität traditioneller medizinischer Therapien" anbieten und afrikanische Länder bei klinischen Studien unterstützen. Auf diese Expertise wollte das tansanische Gesundheitsministerium aber nicht warten. 

Sehr preiswertes Heilmittel

Covidol wird auf dem Flaschenetikett mit den folgenden Worten beschrieben: "Tiba asili ya homa, mafua na matatizo ya mfumo wa upumuaji" ("Natürliches Heilmittel gegen Erkältung, Grippe und Atemprobleme"). Im Internet kann eine Flasche Covidol sehr preiswert für 30.000 TSH (10,77 EUR) bestellt werden. Auf dem Bestellformular wird die Wirksamkeit des Medikaments auch gegen zahlreiche Krankheiten wie beispielsweise Krebs bescheinigt.

Zum Bestellformular
 

US-Botschafter: "Die Virusvariante ist auch in Tansania angekommen"

Der US-Botschafter in Tansania, Donald Wright, hat sich am 27. Februar in einer Stellungnahme positiv über die neuerdings offizielle Anerkennung des Covid-19-Problems in Tansania geäußert. Auch lobte er die durch das Gesundheitsministerium vorgeschlagenen Maßnahmen. 

Wright wies aber auch auf die „neuen Varianten des Virus“ hin, die „eine weitere intensivere Infektionswelle auf der ganzen Welt verursacht“ hätten, „einschließlich des afrikanischen Kontinents“. Der Botschafter weiter: „Es ist klar geworden, dass die Virusvariante auch in Tansania angekommen ist.“

Aufforderung zur Weitergabe der Fallzahlen an die WHO

Wright forderte die Regierung auf, „zwei weitere wichtige Instrumente“ anzuwenden, „die für die Bekämpfung dieser Pandemie von entscheidender Bedeutung sind“, nämlich das Sammeln und Melden aller Informationen über Tests und Infektions- und Todesfälle an die WHO. Er sagte: „Der Austausch dieser Informationen versichert den Bürgern, dass ihre Regierungen für den Schutz ihrer Gesundheit und ihres Lebensunterhalts kämpfen. Darüber hinaus ermöglicht eine solche Berichterstattung Forschern und Wissenschaftlern, die Krankheit besser zu verfolgen und unnötige Todesfälle zu verhindern - sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene.“

 "Bis alle auf der Welt geimpft sind, ist niemand wirklich völlig sicher."

Als zweites wichtiges Werkzeug nannte der Botschafter, von Beruf Arzt, die Impfstoffe und zitierte den US-Außenminister Tony Blinken: "Bis alle auf der Welt geimpft sind, ist niemand wirklich völlig sicher." Impfstoffe hätten dazu beigetragen, einige der schlimmsten Krankheiten der Welt auszurotten, und es bestehe kein Zweifel daran, dass eine Massenimpfkampagne Leben retten wird. Wright: „Schauen Sie sich nur die Zahlen in den USA an. In den letzten Wochen, als Millionen von Impfungen verabreicht wurden, ist die Zahl der neuen Covid-19-Fälle, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle zurückgegangen. Ich fordere die tansanische Regierung auf, ihre Gesundheitsexperten einzuberufen und die Beweise für Impfstoffe zu überprüfen.“
 

Auch Sansibar spricht jetzt offiziell wieder von Corona

Nachdem am 21. Februar das Leugnen von Covid-19 in Tansania durch den Staatspräsidenten und das Gesundheitsministerium beendet wurde, ist nun auch die Regierung von Sansibar diesem Schritt gefolgt. Nach Angaben der Deutschen Welle hat Khalid Salum Mohammed, Staatsminister des Zweiten Vizepräsidenten von Sansibar, eine Stellungnahme abgegeben, in der die Öffentlichkeit aufgefordert wird, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Der Minister räumte ein, dass auch auf Sansibar viele Menschen an Lungenentzündung und Atemnot leiden. Neben dem Aufruf zum Tragen einheimischer Schutzmasken kündigte er weitere Schutzmaßnahmen der Regierung an. Er riet den Menschen laut Deutscher Welle, "traditionelle Medizin zur Vorbeugung und Behandlung der Krankheit zu verwenden".
 

Kehrtwende: Regierung ruft erstmals wieder zu Vorsichtsmaßnahmen gegen Covid-19 auf

Erstmals seit fast 10 Monaten hat die tansanische Regierung am 21. Februar zugegeben, dass sich das Corona-Virus auch im eigenen Land befindet. Angesichts zunehmender Proteste im In- und Ausland - zuletzt hatten die großen Kirchen, die Mediziner- und Juristenvereinigungen, die Opposition und immer größere Teile der Zivilgesellschaft eine Anerkennung der Gefahr und die sofortige Einleitung von Schutzmaßnahmen gefordert - haben Staatspräsident John Magufuli, der Premierminister und das Gesundheitsministerium zu "Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus" aufgerufen. Es seien alle erforderlichen Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen.

Das Ende vom "coronafreien Tansania": Magufuli bestätigt die Existenz des Virus

Präsident John Magufuli sprach in Daressalam wie gewohnt im Rahmen eines Gottesdienstes, gab erstmals faktisch die Existenz von Corona zu und unterstützte nach fast 10 Monaten wieder das Tragen von Masken. Allerdings riet er zu "selbst hergestellten Masken" oder Masken der tansanischen Behörden. Man solle keine Masken aus dem Ausland verwenden, von denen er auch schon früher öfter behauptet hatte, dass sie ebenso wie Impfungen überhaupt erst das Virus ins Land tragen würden.

Magufuli berichtete auch von Corona-Erkrankungen seiner Kinder und empfahl am letzten Tag der von ihm kurzfristig ausgerufenen dreitägigen nationalen Gebetstage, bei allen Maßnahmen immer Gott an die erste Stelle zu setzen und ansonsten vor allem traditionelle Heilkräuter einzusetzen und Dampf-Inhalationen anzuwenden.

Die Rede von John Magufuli am 21. Februar in einer Kirche in Daressalam
(4:23 Min., in Kisuaheli)

Weitergehende Empfehlungen des Gesundheitsministeriums

Vom Gesundheitsministerium empfohlen wurde das Tragen von Gesichtsmasken, soziale Abstände, Händewaschen, Desinfektionen, körperliche Bewegung, der besondere Schutz älterer, übergewichtiger und chronisch kranker Menschen, angemessene Ernährung mit Obst und Gemüse, natürliche Heilmittel, das Befolgen von Ratschlägen zertifizierter traditioneller Heiler und einschlägiger Fachleute sowie das rechtzeitige Aufsuchen von Gesundheitseinrichtungen bei Symptomen. Von der geforderten Zulassung von Impfungen oder die Veröffentlichung von Infektions- und Todeszahlen war bislang jedoch noch nicht die Rede.

Gesundheitsministerin: "Jeder sollte sich verantwortlich fühlen!"

Die Gesundheitsministerin wurde von der tansanischen Tageszeitung "The Citizen" mit den Worten zitiert: "Jeder von uns sollte sich dafür verantwortlich fühlen, nicht übertragbare und übertragbare Krankheiten zu verhindern und zu kontrollieren."

Am 21. Februar hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Druck auf die Regierung noch einmal erhöht (siehe Bericht weiter unten).

Das Prominentensterben hält an

Inzwischen hält das Sterben von Prominenten ohne Angabe der Todesursache an. So verstarb vor einigen Tagen Beno Ndulu, 71, langjähriger Direktor der Bank of Tanzania. Am 20. Februar war der ehemalige Staatssekretär im Finanz- und Planungsministerium, Dr. Servacius Likwelile, gestorben. Er arbeitete zuletzt als Dozent an der School of Economics der Universität Daressalam. Die Frankfurter Rundschau berichtete am 23. Februar vom Tod fünf tansanischer Generäle.

Zeitungen in Namibia teilten am 19. Februar außerdem den Corona-Tod einer hochrangigen Vertreterin der Botschaft Namibias in Daressalam mit.
 

Tanganyika Law Society: Die Leugnung von Corona ist verfassungswidrig

Nach den Kirchen und der Medizinervereinigung hat auch die Anwaltskammer von Tansania, Tanganyika Law Society (TLS), die Regierung in einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert, die Existenz von Covid-19 im Land anzuerkennen und Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung einzuleiten. Durch den Tod von 25 Anwälten sei die TLS auch selbst von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen.

Die Notwendigkeit einer eigenen Stellungnahme begründete die Anwaltskammer mit ihrer Satzung, die sie verpflichten würde, die Exekutive, das Parlament, die Justiz und die Öffentlichkeit rechtlich zu beraten. Die Leugnung der Existenz von Covid-19 in Tansania verstoße gegen § 18(d) der Verfassung der Vereinigten Republik von Tansania. Der Bevölkerung genauere Informationen vorzuenthalten gefährde angesichts steigender Todesfälle das Leben der Tansanier.

Konkrete Vorschläge für die Justiz

In der Stellungnahme werden auch konkrete Vorschläge für die Justiz unterbreitet: Gerichtsverfahren sollten online durchgeführt und die Zahlung einer Kaution verstärkt angeboten werden, um die Überlastung der Gefängnisse zu reduzieren. Strafen sollten in der jetzigen Situation ausgesetzt und statt Gefängnis lieber Geldstrafen und gemeinnützige Arbeit verhängt werden.

"Keine politische Bewertung von Impfstoffen"

Die Anwaltsvereinigung verlangte ferner eine Kontrolle unter Pendlern, Sportlern und Künstlern sowie den Kauf von persönlichen Schutzausrüstungen für das Personal im Gesundheitswesen. Impfstoffe sollten nicht politisch bewertet werden und auch die Geistlichen sollten die Gläubigen nachdrücklicher schützen.

"Is there a hidden COVID-19 crisis in Zanzibar?" (in engl.)
Deutsche Welle vom 19.2.2021
 

Erzbischof Ruwa'ichi: "Die Situation ist schlecht!"

Anlässlich einer Heiligen Messe in Tanga für den vor zwei Monaten verstorbenen katholischen Bischof Anthony Banzi hat sich der Erzbischof von Daressalam, Jude Theddeus Ruwa'ichi, unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der Tanganyika Law Society (TLS) ebenfalls zum Thema Corona geäußert. Der während seiner Rede selbst mit einer medizinischen Gesichtsmaske versehene Erzbischof dankte zuerst allen, die eine Maske tragen. 

Ruwa'ichi sagte dann weiter: "Ich möchte mich klar ausdrücken: Die Situation ist schlecht! Wir gehen durch eine Covid-Welle und diese Welle tötet. Unsere Mitbürger wurden angesteckt und sind krank geworden. Andere sind gerade im Krankenhaus. Anfang letzten Jahres haben die Politiker, die Kirchen und die Ärzte mit einer Stimme gesprochen: Man soll sich vor Corona schützen! Dann wurde gesagt, dass Covid-19 vorbei ist. Jetzt wird gesagt: Schützt Euch nicht und macht Euch keine Sorgen! Ich lade Euch ein, die von Gott gegebene Gesundheit wertzuschätzen. Es darf niemanden geben, der aufgrund von Fahrlässigkeit krank wird. 

"Investiert Euer Geld in den Kauf von Masken!"

Deshalb bitte ich Euch heute noch einmal: Investiert Euer Geld in den Kauf von Masken und nutzt sie dann auch! Nutzt sie nicht unvernünftig. Nicht, dass Ihr eine Maske nehmt, die Ihr schon gestern getragen habt, die ihr heute und dann auch noch übermorgen tragt. Macht das nicht! Diese Masken haben ihre Zeit, in der sie getragen werden können. Wenn die Zeit vorbei ist, dann schmeißt sie weg und holt Euch eine neue. Schützt Eure Familien, Bekannten und Nachbarn - beschützt alle!

Die Rede von Erzbischof Ruwa'ichi (3:53 Min., in Kisuaheli)

Bischofskonferenz beschließt neue Richtlinien für den Gottesdienst

Die Bischofskonferenz der Katholischen Kirche in Tansania (TEC) hat landesweit neue Richtlinien für den Gottesdienst eingeführt: Die Zahl der Gottesdienstbesucher wird verringert, es finden zusätzliche Messen statt, in der Kirche muss ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden, die Heilige Eucharistie darf nur noch mit den Händen empfangen werden und überall sind regelmäßig die Hände zu waschen.
 

John Magufuli: Drei nationale Gebets- und Fastentage gegen Corona

Vermutlich als Reaktion auf die wachsende Unruhe im Land wegen der aus allen Landesteilen gemeldeten Zahl schwerer Corona-Infektionen und Todesfälle hat Staatspräsident am 19. Februar kurzfristig erneut drei landesweite Gebets- und Fastentage bekannt gegeben. Magufuli wird in der regierungsnahen Tageszeitung 'Daily News' mit den Worten zitiert: "Gott ist in der Lage, die Nation vor der Krankheit zu heilen und zu schützen." Die Muslime hätten am gestrigen Freitag bereits mit dem Beten begonnen.

Der Präsident: "Ich fordere andere religiöse Konfessionen auf, am Samstag (heute) und am Sonntag mit den Gebeten fortzufahren. Wenn wir hart beten, wird Gott unsere Gebete hören und unsere Nation heilen. Wenn Gott das Land letztes Jahr vor der Pandemie gerettet hat, dann wird er es auch dieses Jahr tun."

Magufuli teilte erneut mit, dass es keinen Lockdown geben werde. Die Bevölkerung solle ihre normalen täglichen Aktivitäten fortsetzen.
 

Eröffnung eines Corona-Testzentrums in der Serengeti

Tansania hat am 13. Februar im Serengeti Nationalpark ein Corona-Testzentrum eingerichtet. Die Regierung folgt damit nach Angaben der tansanischen 'Daily News' einem Vorschlag des Tansanischen Verbandes der Reiseveranstalter (Tato), um Touristen mit einer verbesserten Gesundheitsversorgung wieder zu einem Besuch der nördlichen Nationalparks zu ermuntern.

Nach Angaben von Tato-Chef Sirili Akko, der über 300 Reiseveranstalter vertritt, soll das "mit beträchtlicher privater Unterstützung" eingerichtete Zentrum "das erste seiner Art in der Wildnis" sein. Hinzu kämen Maßnahmen wie Temperaturmessungen, verbesserte Reinigungs- und Hygienekonzepte, persönliche Schutzausrüstungen und soziale Abstandswahrung gemäß der von der Regierung bereitgestellten Vorgaben. Zudem sei ein gespendeter Toyota Landcruiser in einen hochmodernen Krankenwagen umgewandelt worden.
 

Tansanische Medizinervereinigung schlägt Alarm

Die Tanzania Medical Association (MAT) hat am 15. Februar gegenüber ihren Mitgliedern für tansanische Verhältnisse überraschend deutlich vor einer Ausbreitung von Covid-19 Erkrankungen gewarnt und Maßnahmen der Regierung inklusive Impfungen eingefordert. In der Eilmeldung heißt es wörtlich:

"Die Tanzania Medical Association (MAT) als Hauptakteur im Gesundheitssektor Tansanias hat in verschiedenen Teilen unseres Landes eine Zunahme von Patienten mit Atemproblemen festgestellt. Dies hat die Herzen vieler Menschen berührt. Beamte des Gesundheitsministeriums und verschiedene Interessengruppen haben Informationen über die Krankheit erhalten. Die Tansania Medical Association möchte ihre Mitglieder sowie alle gutwilligen Menschen des Gesundheitssektors und unseres Landes insgesamt über Folgendes informieren:

Die Tanzania Medical Association gratuliert den Ärzten zu ihrer harten Arbeit und hält sich dabei an die Ethik und Normen der Ärzteschaft. Herausforderungen im Gesundheitssektor existieren und können nicht über Nacht gelöst werden. Diese Herausforderungen, die das Leben und die Gesundheit von Ärzten gefährden, müssen jedoch von den Verantwortlichen angegangen werden. Sie müssen die Herausforderungen lösen, um ihrer Verantwortung nachzukommen.

"Ärzte sollten sich weiterhin an den Eid unseres Berufes halten"

Trotz der wachsenden Zahl von Patienten mit dieser Atemwegserkrankung sollten sich Ärzte weiterhin an den Eid unseres Berufs halten und sich weiterhin um Patienten kümmern - unabhängig von ihrer Rasse, ethnischen Zugehörigkeit oder der Art ihrer Krankheit. Sie müssen sich auf Maßnahmen zum Schutz vor Infektionskrankheiten konzentrieren.

Atemwegserkrankungen sind nicht nur ein Symptom, sondern das Symptom einer Krankheit. 

Es kann sich um Neumonia, Asthma, COPD (chronisch-obstruktive Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem), Herzerkrankungen, die letzten Todesstadien des Patienten oder Covid-19 handeln. Die Tanzania Medical Association besteht darauf, dass die Krankheit, die die Atemwege verursacht, eine Epidemie ist. Die Kontrolle sollte alle Beteiligten einbeziehen.

Bei der Prävention von Epidemien, insbesondere neuen Ausbrüchen, ist sich kein Land seiner Methoden zu 100 Prozent sicher. Jedes Land experimentiert mit Methoden, die es für angemessen hält - je nachdem, wie gut es die Krankheit und die Art des Lebens seiner Bürger versteht.

"Hände waschen, Masken tragen, Versammlungen meiden"

Liebe Kollegen, die Waffe unseres Berufs (die moderne Medizin), ist die beste und zuverlässigste. Lasst uns weiterhin Patienten, Angehörige von Kranken und Tansanier im Allgemeinen aufklären, damit sie so schnell wie möglich zu den Gesundheitseinrichtungen kommen, wenn sie Symptome verschiedener Krankheiten haben. Die Ärztekammer fordert alle Bürger ganz allgemein auf, Ängste zu beseitigen, unnötige Versammlungen zu vermeiden, Hände zu waschen, Masken zu tragen, mit weniger Menschen an Beerdigungen teilzunehmen und alle anderen, vom Ministerium gemeinsam mit anderen Gesundheitsakteuren erlassenen Richtlinien einzuhalten.

"Keine Einwände gegen natürliche Heilmittel"

Traditionelle Medizin ist unser täglich Brot. Tansanier sollten weiterhin Naturheilmittel verwenden, die vom Gesundheitsministerium erforscht und empfohlen wurden. Die Ärztekammer hat keine Einwände gegen natürliche Heilmittel.

Liebe Tansanier, Epidemien beseitigen nicht Malaria, Typhus, HIV, Lungenentzündung, Diabetes, Bluthochdruck usw. Daher fordert die Tanzania Medical Association die Tansanier dringend auf, ins Krankenhaus zu kommen, sobald sie in ihrem Körper ernsthafte Veränderungen bemerken. Lassen Sie uns alle Vorkehrungen treffen, um uns und andere zu schützen."

Im weiteren Verlauf des Schreibens wird noch darauf hingewiesen, dass Diabetiker besonders anfällig sind für Atemwegserkrankungen. Ihnen wird ebenso wie Menschen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Krebs und verschiedenen Herzerkrankungen empfohlen, Versammlungen komplett zu vermeiden. HIV-Patienten wird geraten, sich ausgewogen zu ernähren und die Menge der Nahrungsergänzungsmittel zu erhöhen, um das Immunsystem zu stärken.

Schutz älterer Menschen

Den Ältesten wird empfohlen, sich mäßig zu bewegen, ausgewogen zu ernähren und ebenfalls die Teilnahme an Versammlungen zu vermeiden.
Um ältere Menschen zu schützen, sollen Verwandte und Freunde sie nicht ohne triftigen Grund in ihren Häusern besuchen, um sie zu schützen. Diese Gruppe sei aufgrund ihres Alters und ihrer geringen Immunität ganz besonders dem Risiko ausgesetzt, sehr schwer zu erkranken.

Schwangeren sollen weiterhin Kliniken besuchen, sich aber nur mäßig bewegen, ausgewogen ernähren und unnötige Zusammenkünfte vermeiden.

Die Regierung soll Impfungen kaufen

Die Vereinigung "fordert die Regierung auf, durch die Bereitstellung von Notfall- und Katastrophenhilfe die Kapazität aller Krankenhäuser zu erhöhen und medizinische Geräte und Impfungen zu kaufen, um ihre Mitarbeiter zu schützen".

Zudem dürfe die Pandemie nicht dazu führen, dass Krankenhäuser und private Apotheken die Situation ausnutzen und die Preise für Medikamente und die medizinische Versorgung erhöhen. Die Regierung wird "nachdrücklich aufgefordert, diese Angelegenheit genau zu untersuchen und geeignete Maßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, die gegen die Vorgaben verstoßen".

Die MAT wurde nach der Unabhängigkeit Tansanias gegründet. Die Nicht-Regierungsorganisation mit Sitz in Daressalam hat über 2400 Mitglieder. Präsident ist Dr. Shadrack Mwaibambe, Orthopäde am Muhimbili Orthopaedic Institute in Daressalam.
 

Japan warnt dringend vor Reisen nach Tansania

Nach der gerade erfolgten Erneuerung der Reisewarnung der USA hat auch die japanische Regierung mit deutlichen Worten vor Reisen nach Tansania gewarnt. Dabei wurden die folgenden Begründungen angeführt:

• Tansania könnte als ein relativ sicheres Land missverstanden werden
• Es gibt keine Tansanier, die in der Öffentlichkeit Masken tragen
• Seit der Weihnachtssaison 2020 gibt es einen Ansturm ausländischer Touristen
• In diesem Jahr wird von einer raschen Ausbreitung der Krankheit berichtet
• Die Krankenhausbetten scheinen ständig voll zu sein
• Im Land häufen sich die Berichte über den Tod von Parlamentsmitgliedern, Regierungsbeamten und beliebten Sängern

Beim Hinweis auf einen "Ansturm ausländischer Touristen" ist vermutlich vor allem Sansibar gemeint, das gegenwärtig einen Ansturm von Touristen aus Russland und der Ukraine erlebt, die in großen Gruppen ohne jegliche Schutzmaßnahmen das angeblich "coronafreie Sansibar" feiern.
 

CCM-Parlamentsabgeordneter protestiert: "Ich habe die Beerdigungen satt"

Erstmals hat am 11. Februar ein Parlamentsabgeordneter der Regierungspartei CCM über die Existenz von Corona in Tansania gesprochen. Obwohl dieses Thema überhaupt nicht auf der Tagesordnung stand, sprach Zacharia Isaay aus Mbulu (Manyara Region) nach Angaben der tansanischen Tageszeitung 'The Citizen' über die gesundheitliche Situation in seinem Wahlkreis und gab an, jetzt häufig zu Beerdigungen reisen zu müssen. Er sorge sich über das, was er als wachsende Todesfälle durch „Lungenentzündung“ bezeichnete, und forderte die Regierung auf, die Krankheit offen zu erklären.

Issay: „Die Regierung sollte vermeiden, darüber zu stammeln, während die Menschen in meinem Wahlkreis verschwinden. Ich habe die Beerdigungen satt, und auch heute begraben sie wieder ein Kind eines Gemeinderats.“

"Viele Menschen sind krank"

Der Abgeordnete warnte vor einer weiteren Verschlechterung der Situation: "Erst gestern ging ich zum Testen ins Benjamin Mkapa Krankenhaus (in Dodoma) und mir wurde gesagt, dass alle Sauerstoff-Flaschen in Gebrauch sind (…) Viele Menschen sind krank. Jetzt habe ich beschlossen, offen darüber zu sprechen. Wenn es Menschen gibt, die deswegen beleidigt sind, dann liegt es an ihnen. Aber ich habe wenigstens darüber gesprochen.“
 

US-Botschaft aktualisiert Reisewarnung

Die Botschaft der USA in Daressalam hat ihre Reisewarnung für Tansania am 10. Februar noch einmal erneuert. Die Zahl der Covid-19-Fälle in Tansania sei seit Januar erheblich gestiegen. Die US-Botschaft warnte davor, dass die Gesundheitseinrichtungen des Landes mit Patienten überflutet werden könnten und dass die schlechte Krankenhauskapazität "zu lebensbedrohlichen Verzögerungen bei der medizinischen Notfallversorgung führen könnte".

"Der US-Botschaft ist bekannt, dass die Zahl der Covid-19-Fälle seit Januar 2021 erheblich zugenommen hat", heißt es in der Erklärung der Botschaft.
 

Erneute Kritik der WHO an Tansania

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die tansanische Regierung bereits Anfang Februar dringend aufgefordert, im Kampf gegen Covid-19 wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen.

Dr. Matshidiso Moeti, Regionaldirektor der WHO, sagte am 11. Februar auf einer Pressekonferenz anläßlich des Jahrestages der ersten Corona-Erkrankungen in Afrika, die Afrikaner sollten so schnell wie möglich geimpft werden. Denn: „Die Gewährleistung eines gerechten Zugangs zu COVID-19-Impfstoffen und die Aufrechterhaltung von Schutzmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit sind die entscheidenden Prioritäten zur Überwindung dieser Krise."

WHO: Tansania soll sich auf eine Impfkampagne vorbereiten

Moeti hatte bereits am 28. Januar die fehlenden Bemühungen Tansanias zur Bekämpfung der Pandemie kritisiert und auf Twitter erklärt: „Ich fordere Tanzania auf, Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit wie das Tragen von Masken zur Bekämpfung von Covid-19 zu verstärken. Die Wissenschaft zeigt, dass Impfungen wirken. Ich ermutige die Regierung, sich auf eine Covid-Impfkampagne vorzubereiten.“
 

Südafrika stoppt AstraZeneca-Impfstoff

Der Einsatz des Impfstoffs von AstraZeneca in Südafrika wurde vorläufig gestoppt. Der südafrikanische Gesundheitsminister Zweli Mkhize teilte mit, dass erst einmal über eine weitere Verwendung des Impfstoffs beraten und entschieden werden müsse. Das britisch-schwedische Pharmaunternehmen hatte zuvor zugegeben, dass AstraZeneca nur begrenzten Schutz bei der südafrikanischen Virus-Mutation bietet.

Studiendaten der Universitäten Oxford und Witwatersrand ergaben nach einem Bericht der 'Financial Times' zwar eine Wirksamkeit bei schweren Krankheitsverläufen, jedoch keine Verhinderung leichter Erkrankungen. Allerdings sei die Studie an überwiegend jungen und gesunden Menschen durchgeführt worden.

"Südafrika stoppt Impfungen mit AstraZeneca"
Tagesschau vom 8.2.2021

"Südafrika stoppt AstraZeneca-Impfstoff"
Deutsche Welle vom 7.2.2021

5 weitere afrikanische Länder als "Gebiete mit hochinfiziösen Mutationen" eingestuft

Ende Januar hatte Deutschland zwei neue Einstufungen mit weiteren Einschränkungen eingeführt. Am gefährlichsten sind jetzt sogenannte "Gebiete mit hochinfiziösen Mutationen". Einreisende aus diesen Ländern unterliegen zusätzlichen Beschränkungen. Bislang standen Südafrika, Eswantini und Lesotho auf dieser Liste.

Aktuell (Stand: 19.2.2021) sind dies nun: Südafrika, Eswantini, Lesotho, Sambia, Mosambik, Simbabwe, Malawi und Botswana.

Zweite Welle in Afrika flaut bereits wieder ab

Nachdem im Januar vor allem in mehreren Ländern Süd- und Ostafrikas die Infektions- und Todeszahlen im Rahmen einer zweiten Corona-Welle deutlich angestiegen waren, möglicherweise auch in Zusammenhang mit der neuen südafrikanischen Covid-19-Mutation, sinken die gemeldeten Zahlen in Gesamt-Afrika inzwischen jedoch wieder zum Teil deutlich. Dies trifft insbesondere für die meisten Länder Nordafrikas zu als auch für süd- und ostafrikanische Länder wie Südafrika, Namibia, Simbabwe, Malawi, Ruanda, Uganda oder Kenia. 

Noch kein deutlicher Rückgang ist hingegen in Sambia, Mosambik und vor allem in Botswana zu verzeichnen. Allerdings sind die Todeszahlen auch hier, selbst unter Berücksichtigung einer sehr hohen Dunkelziffer, im Vergleich zu Europa oder Süd- und Nordamerika relativ niedrig. Offiziell meldet Deutschland gegenwärtig fast täglich doppelt so viele Todesopfer wie ganz Afrika.

Südafrika hatte im Januar neue Höchstzahl an Todesopfern gemeldet

Wegen der weiteren Ausbreitung des Coronavirus hatte Südafrika seine Landgrenzen bis zum 15. Februar geschlossen. Präsident Cyril Ramaphosa verwies am 11. Januar in einer öffentlichen Ansprache auf die dramatische Zunahme der Infektionen innerhalb kürzester Zeit, was vom Gesundheitssystem kaum noch zu verkraften sei. 

Anfang Januar befanden sich bereits über 15.000 Corona-Patienten in den Kliniken, davon wurde knapp ein Drittel mit Sauerstoffgeräten beatmet. Intensivbetten, Beatmungsgeräte und Sauerstoff wurden knapp. Bereits in der Weihnachtswoche 2020 waren 20 Ärzte gestorben. Am 22. Januar wurde bekannt, dass ein Minister an Corona gestorben ist. Der 19. Januar verzeichnete mit 839 Todesopfern einen neuen Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Die südafrikanischen Gesundheitsbehörden meldeten für den gestrigen Montag (15.2.) offiziell 1.102 Infektionen und 195 Todesfälle.

Die südafrikanische Mutation wandert nach Norden

Immer noch besteht die Befürchtung, dass sich die gefährliche südafrikanische Mutation noch mehr als bisher nach Norden ausbreitet. Am 12. Januar wurde in Tansanias Nachbarland Malawi, das sich ebenfalls in einer zweiten Welle befindet, der Corona-Tod des Verkehrsministers und der Tod des Ministers für Kommunalverwaltung mitgeteilt und eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Das Nachbarland Sambia meldete im Januar ebenfalls eine zweite Welle. In Ruanda, einem Nachbarland Tansanias, wurde am 26.1. mit 574 offiziell neu gemeldeten Infektionen ein neuer Höchstwert seit Beginn der Pandemie gemeldet.

Drei Minister sterben in Simbabwe innerhalb weniger Tage. Verschärfter Lockdown

Am 20. Januar wurde in Simbabwe der Tod von Außenminister Sibusiso Moyo und am 23. Januar der Tod des Transportministers bekannt gegeben. Innerhalb einer Woche sind in Simbabwe insgesamt drei Minister am Corona-Virus verstorben. Seit Beginn der Pandemie sind es damit bereits vier. Am 25. Januar verzeichnete das Land mit 70 Toten einen neuen Höchstwert seit Beginn der Pandemie.

"Simbabwe verliert vier Minister durch COVID-19"
Deutsche Welle vom 23.1.2021

Südafrikanische Covid-19-Mutation jetzt auch bereits in Kenia

Am 22. Januar wurden auch aus Kenia, wo die offiziellen Zahlen in den letzten Tagen deutlich gesunken sind, die beiden ersten Erkrankungen durch die neue südafrikanische Covid-19-Mutation gemeldet.

"Gesundheitsbehörde Africa CDC: Zu wenig Sauerstoff im Kampf gegen die zweite Corona-Welle in Afrika"
NTV vom 21.1.2021
 

Entwicklung in Tansania löst bei 'Mission EineWelt' Alarmstimmung aus

Das Missionswerk 'Mission EineWelt' mit Sitz in Neuendettelsau (Bayern) hat am 1. Februar eine Pressemitteilung herausgegeben mit der Überschrift "Zweite Corona-Welle in Tansania - Kirchen warnen". Die Erklärung bezieht sich auf die aktuellen Stellungnahmen des Leitenden Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT), Fredrick Shoo, und des katholische Erzbischofs Gervas Nyaisonga.

Die Pressemitteilung bewertet aber auch deutlich die gegenwärtige Gesundheitspolitik der tansanischen Regierung und des Staatspräsidenten John Magufuli, bezeichnet die Position der Regierung als "weitgehende Ignorierung der Corona-Pandemie" und nimmt Bezug auf die Kritik der tansanischen Opposition. Auch erfolgt der Hinweis, dass "eine öffentliche Diskussion über die Corona-Pandemie in Tansania nicht erlaubt ist".

Neue Infektionsketten durch große russische und ukrainische Touristengruppen auf Sansibar?

Bezug wird auch auf Vermutungen von WHO-Experten genommen, dass "sich in den letzten Wochen die Covid-19-Mutation aus Südafrika bis Ostafrika verbreitet hat". Zu den verstörenden Bildern über ungeschützt feiernde osteuropäische Touristengruppen auf Sansibar werden Theorien angeführt, "die von neuen Infektionsketten sprechen, die durch große russische und ukrainische Touristengruppen auf Sansibar verbreitet sein könnten, die neuerdings die Mehrzahl der Touristen dort stellen".

Claus Heim: "Wir sind aktuell wirklich besorgt"

Claus Heim, Tansaniareferent des Partnerschaftszentrums: „Wir sind aktuell wirklich besorgt. Im Frühjahr 2020 waren wir alle erleichtert, dass Tansania vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen ist. Aus verschiedenen Quellen hören wir jetzt aber, dass es in der Kilimandscharo-Region und in Daressalam vermehrt zu Krankheits- und leider auch Todesfällen kommt. Auch von Mission EineWelt entsandte Mitarbeitende waren schon an Covid19 erkrankt.“ Die Pressemitteilung schließt mit den Worten: „Unsere Partnerkirche in Tansania braucht weiterhin unsere Solidarität und unser Gebet.“

Mission EineWelt ist das Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. In ihrem Auftrag pflegt und fördert es Beziehungen zu lutherischen Partnerkirchen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Pazifik und nimmt einen entwicklungspolitischen Bildungsauftrag in Deutschland wahr. Im Rahmen von Kooperationen auf landeskirchlicher Ebene bestehen Verbindungen zu weiteren Kirchen in Nordamerika, Osteuropa und Skandinavien.

Pressemitteilung der 'Mission EineWelt'

"Corona auf Sansibar feiern als gäbe es kein Virus"
Video-Reportage von Heiner Hoffmann im SPIEGEL vom 4.2.2021 (5:23 Min.)
 

Erneut zahlreiche Todesfälle unter Juristen

Nach Angaben der tansanischen Tageszeitung The Citizen hat die Tanganyika Law Society (TLS) in den letzten zwei Monaten mehr als 10 ihrer Mitglieder verloren. David Shillatu, Anwalt in Moshi, sagte der Zeitung, die Zahl der Todesfälle sei alarmierend und in dieser Häufigkeit seit der Unabhängigkeit Tansanias im Jahr 1961 nicht vorgekommen.

Die Todesursachen sind offiziell nicht bekannt. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass einige Anwälte in Folge einer Corona-Erkrankung gestorben sind. Meist ist in diesem Zusammenhang lediglich von „Lungenerkrankungen“ die Rede. Die eigenständige Recherche und Wiedergabe von Infektions- und Todeszahlen ist in Tansania verboten.

Bereits beim Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 waren in Tansania zahlreiche prominente Anwälte an Corona gestorben. Die jetzt verstorbenen Anwälte stammen aus den Regionen Kilimanjaro, Daressalam, Tabora, Dodoma und Morogoro.
 

Gesundheitsministerin: Regierung lehnt Covid-19 Impfungen ab

Die tansanische Gesundheitsministerin Dorothy Gwajima hat am 1. Februar auf einer Pressekonferenz in Dodoma erklärt, dass die Regierung Covid-19 Schutzimpfungen in Tansania nicht akzeptieren wird. In einem Bericht der regierungsnahen Tageszeitung Daily News wird sie mit den Worten zitiert: "The government on Monday said it will not accept Covid-19 vaccine." Dementsprechend gäbe es auch keine Pläne, den Impfstoff ins Land zu holen.

Die Erklärung der Gesundheitsministerin erfolgte wenige Tage, nachdem Staatspräsident John Magufuli das Gesundheitsministerium aufgefordert hatte, auf die "gefährlichen Impfungen" zu verzichten.

Ähnlich hatte sich auch bereits Regierungssprecher Hassan Abbasi geäußert. Laut Ippmedia bestätigte er noch einmal den Verzicht auf Lockdown-Maßnahmen.

Inhalieren statt Impfen

Sowohl die Gesundheitsministerin als auch der Regierungssprecher und Regierungs-Chefchemiker Fidelice Mafumiko wiederholten die Aufforderung des Präsidenten, sich mit dem Inhalieren von Dämpfen vor Covid-19 zu schützen.

Die Gesundheitsministerin demonstrierte vor der Presse das korrekte Inhalieren und sagte: "Wir müssen unsere persönliche Hygiene verbessern, Hände mit fließendem Wasser und Seife waschen, Taschentücher und Kräuterdampf verwenden, Sport treiben, nahrhafte Mahlzeiten essen, viel Wasser trinken und natürliche Heilmittel nutzen, mit denen unsere Nation ausgestattet ist. Wir haben ziemlich viele dieser natürlichen Heilmittel.“
 

Evangelische Kirche in Tansania (ELCT): Beten alleine reicht nicht!

Angesichts steigender Infektions- und Todeszahlen und der drohenden Verbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation in Tansania hat nach der Katholischen Kirche jetzt auch die Evangelisch Lutherische Kirche in Tansania (ELCT) zu Schutzmaßnahmen aufgerufen. Dr. Fredrick Shoo, Leitender Bischof der ELCT, hat am 26. Januar in einem Brief an alle Bischöfe, Diözesen und Mitglieder des Exekutivrats der ELCT überraschend klare Worte gefunden und das vom Staatspräsidenten propagierte alleinige Vertrauen auf Beten als "Versuchung Gottes" verurteilt. Shoo:

"Tansania ist kein Land außerhalb dieser von Gott gegebenen Welt. Wir wurden damit betraut, Gottes Volk zu hüten und zu führen. Wir haben daher auch die Verantwortung sicherzustellen, dass Gottes Volk in dieser Zeit Zugang zu genauen Informationen erhält. Ich fordere Euch deswegen mit diesem Brief dringend auf, die Mitglieder und die Gemeinschaft, in der wir leben, weiterhin zu ermutigen, nicht nur ernsthaft zu beten und sich auf Gott zu verlassen, sondern auch nicht damit aufzuhören, alle von den Gesundheitsexperten empfohlenen Schritte zu beachten.

Vorsichtsmaßnahmen zu treffen ist eine Pflicht, keine Verletzung des Glaubens und keine Sünde oder Straftat."

"Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen"

Bischof Shoo weiter: "Erinnern wir uns an die Antwort unseres Herrn Jesus Christus auf den Teufel, als dieser ihn in der Wüste versuchte. Der Teufel sagte zu Jesus: "Wenn du Gottes Sohn bist, wirf dich nieder. Denn es steht geschrieben: 'Er wird seinen Engeln den Befehl geben, Dich zu behüten. (…) Jesus antwortete: 'Es ist uns gesagt: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.'" (Lukas 4,Vers 9-12).

Ich fordere Sie alle auf, in der genannten Angelegenheit nicht in die Falle zu tappen, Gott, unseren Herrn, zu versuchen.

Gottes Wort erinnert uns daran: "Das Volk fällt der Vernichtung anheim, weil es keine Erkenntnis hat." (Hosea 4, Vers 6a). Es ist daher unsere Pflicht als Pastoren und Leiter der Kirche Gottes, aktiv daran teilzunehmen, dem Volk Gottes genaues Wissen zu vermitteln, damit es nicht aus Mangel an Wissen Opfer von Covid-19 oder anderen Krankheiten wird. Wissen beinhaltet ein genaues Verständnis der realen Situation, um zu wissen, wie man sich schützen kann."
 

Katholische Kirche: "Corona ist da!"

Mehrere Medien berichteten am 30. Januar, dass in Tansania eine katholische Kirchenzeitung verteilt wird mit der Schlagzeile "Corona ist da!". Bereits die Warnung der katholischen Bischofskonferenz vor einer zweiten Corona-Welle in Tansania ("Wir sind keine Insel!") hatte in der letzten Januarwoche dazu geführt, dass sich jetzt auf verschiedenen Ebenen Widerspruch gegen die Behauptung des tansanischen Staatspräsidenten John Magufuli erhebt, dass Tansania bereits seit Juli 2020 "coronafrei" sei und deshalb auch keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen von Gesichtsmasken getroffen werden müssten.

Maskenverbot in Ratssitzung von Moshi

Für Wirbel sorgte die Stadtratssitzung am 28. Januar in Moshi. In der Partnerstadt von Tübingen waren mehrere Ratsmitglieder mit Gesichtsmasken erschienen. Der Bürgermeister forderte sie auf, aufzustehen und die Maske abzusetzen oder die Ratssitzung zu verlassen. Die Ratsmitglieder setzen daraufhin ihre Masken ab, um an der wichtigen Haushaltsberatung teilnehmen zu können.

"Prüfer schockiert über Zustände am Flughafen Sansibar"
aerotelegraph vom 29.1.2021

Widerspruch bei Kirche, Opposition und in der Zivilgesellschaft

Neben der katholischen Kirche, deren Stellungnahme zu einer sofortigen Entgegnung des evangelikal orientierten Staatspräsidenten geführt hatte, und der Evangelisch Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT) hat sich auch die Oppositionspartei CUF zum Thema Corona geäußert und die Einsetzung einer Expertenkommission sowie die Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO gefordert. Das Law and Human Rights Center (LHRC) forderte Magufuli auf, seine Gründe einer Ablehnung von Corona-Schutzimpfungen öffentlich darzulegen.

Stellungnahme der WHO zur Rede von Magufuli

Auch die WHO hat sich zur Rede von John Magufuli am 27. Januar in seinem Heimatort Chato geäußert. Der Präsident hatte dort unter anderem behauptet, dass durch Impfungen überhaupt erst Corona ins Land gebracht werde, dass die tansanische Bevölkerung durch die Impfungen als "Meerschweinchen" missbraucht werden sollen und dass die Impfungen gefährlich seien. Er warnte das Gesundheitsministerium vor einer Genehmigung von Impfungen in Tansania. Als wirksame Mittel gegen Covid-19 propagierte Magufuli erneut vor allem Gebete und das Inhalieren von Dämpfen.  

Die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) zitierte die aus Botswana stammende und seit 2015 amtierende Direktorin des Regionalbüros der WHO für Afrika, Matshidiso Moeti, mit den Worten: "Wir nehmen die Kommunikation auf höchster Führungsebene in Tansania wieder auf".  Die Zusammenarbeit mit der Regierung werde "zum Wohle der Bevölkerung des Landes und der Nachbarländer" angestrebt. Moeti forderte Tansania auf, sich auf Covid-19-Impfstoffe vorzubereiten und wieder mit der WHO zu kooperieren. Tansania meldet bereits seit über 9 Monaten keine Infektions- und Todeszahlen an die WHO.

"Tanzania’s leader denies COVID. Now countrymen push back"
Los Angeles Times vom 29.1.2021

Deutsche Tansania-Gruppen melden Corona-Fälle aus ihren Partnergemeinden

Nach Monaten der Ruhe hören deutsche Tansania-Partnergruppen seit Januar erstmals wieder von Corona-Erkrankungen in ihren Partnergemeinden. Da jede öffentliche Äußerung über Corona-Fälle in Tansania verboten ist, werden nach ihren Informationen Erkrankte oft nur als "Patienten mit Lungenerkrankungen" bezeichnet.  

Aus mehreren Orten wird außerdem gemeldet, dass die ersten Tansanier wieder anfangen, ihre Gesichtsmasken aufzusetzen. Dabei handelt es sich jedoch fast ausschließlich um die sogenannten „Community masks“, die nur wenig Schutz bieten. Die große Mehrheit der Tansanier bewegt sich allerdings weiterhin in der Öffentlichkeit ohne Masken, und auch soziale Abstände werden fast nirgendwo eingehalten.
 

Deutliche Warnung der Katholischen Kirche: Starke Zunahme der Beerdigungen

Die katholische Kirche in Tansania hat in einer Erklärung intensiv vor einer starken Verbreitung des Corona-Virus in Tansania gewarnt. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr würde sich Covid-19 derzeit gefährlich im Land ausbreiten und deutlich mehr Todesopfer zur Folge haben. In Kirchengemeinden, die unter normalen Umständen vielleicht alle 14 Tage eine Beerdigung durchführen, müsste heute bereits eine Beerdigung pro Tag organisiert werden.

Erzbischof Gervas Nyaisonga forderte angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse und der realen Lage in den Gemeinden sofortige Schutzmaßnahmen wie soziales Abstandshalten innerhalb der Kirche. Über weitergehende Maßnahmen sollten die Bischöfe in eigener Verantwortung entscheiden. Er empfehle jedoch, dass ältere und kranke Gemeindemitglieder ihren Segen außerhalb von Gottesdienst und Kirche erhalten.  

Rat der katholischen Bischöfe in Tansania (TEC): "Vorsicht vor neuen Infektionen!"

Die Warnung der Leitung der tansanischen katholische Kirche, die sich während der Pandemie bislang eher zurückgehalten hat, kommt für nichtkirchliche Beobachter eher überraschend. Erzbischof Gervas Nyaisonga, der auch als Präsident des Rates der katholischen Bischöfe in Tansania (TEC) amtiert, erklärt in der Warnung unter der Überschrift "Vorsicht vor neuen Covid-19-Infektionen!":

"Im letzten Jahr sind die Infektionen zurückgegangen und wir haben geglaubt, den Krieg gegen Covid-19 gewonnen zu haben. (…) Mehrere Länder haben bestätigt, dass sie eine schwierige Phase hinsichtlich der Ausbreitung von Corona und der Zahl der Todesopfer durchlaufen. Unser Land ist keine Insel. (...)

Ermutigt den Kampf gegen das Coronavirus, indem Ihr alle geistigen, physischen, wissenschaftlichen und sozialen Waffen einsetzt. Wir dürfen nicht aufhören, das Gebet zu fördern, Kontakt zu vermeiden, uns jederzeit zu waschen und zu reinigen und beim Anzeichen einer Erkrankung Maßnahmen zu ergreifen." Auch wird wieder das Tragen von Masken empfohlen.

Bereits Mitte Januar hatte die britische Regierung ein Verbot für Einreisen aus Tansania verhängt, um die weitere Verbreitung der neuen Covid-19-Mutation aus Südafrika zu verhindern. Damit sind jetzt insgesamt 14 süd- und ostafrikanische Länder von dem Einreiseverbot betroffen.

Erste Stellungnahme der Regierung zur wachsenden Unruhe im Land

Am 26. Januar hat die tansanische Regierung zu der wachsenden Unruhe im Land eine erste Stellungnahme abgegeben und alle Tansanier aufgefordert, ruhig zu bleiben und auf weitere Anweisungen der Regierung zur Covid-19-Pandemie zu warten.

Die Erklärung des stellvertretenden tansanischen Gesundheitsministers Godwin Mollel erschien nur wenige Stunden nach der Corona-Warnung der katholischen Bischofskonferenz. Der Tageszeitung Mwananchi kündigte er Richtlinien der Regierung gegen die Verbreitung von Covid-19 in Tansania an. Seit Juli 2020 gilt Tansania nach Angaben der Regierung als „coronafrei“. Infektions- und Todeszahlen werden bereits seit April 2020 nicht mehr veröffentlicht.

Mollel: „Wir müssen diese Angelegenheit den Wissenschaftlern überlassen. Sollte es ein Problem geben, wird es die Regierung erklären. Die Menschen sollten ihre üblichen produktiven Aktivitäten fortsetzen.“ Der Stellvertretende Gesundheitsminister betonte, dass die Aufforderung zum Händewaschen nicht so ausgelegt werden dürfe, dass es Covid-19 im Land gibt: „Händewaschen hilft in vielerlei Hinsicht.“

Opposition fordert Erklärung zum Gesundheitszustand der Bevölkerung

Auch die Führer der wichtigsten Oppositionsparteien Tansanias haben Stellungnahmen abgegeben und die zuständigen Ministerien aufgefordert, eine Erklärung zum Gesundheitszustand der Bevölkerung abzugeben.

Zitto Kabwe, Vorsitzender der Partei ACT-Wazalendo, die auf dem Festland in der Opposition, auf Sansibar aber an der Einheitsregierung beteiligt ist und dort den Stellvertretenden Präsidenten stellt, sagte, dass es an der Zeit sei, dass das Gesundheitsministerium gegen das Corona-Virus vorgeht, das die Nachbarländer und die Welt plagt.

Freeman Mbowe, Vorsitzender der größten Oppositionspartei Chadema, hat die Ärzte an ihren Eid erinnert und sie aufgefordert, die tatsächliche Situation in Tansania zu erklären.

John Magufuli: "Seid wachsam vor den Impfstoffen der Europäer!"

Am 27. Januar wurde dann auch eine Stellungnahme von Staatspräsident John Magufuli veröffentlicht:

"Wir Tansanier haben uns nicht eingesperrt, und wir werden uns nicht einsperren. Und ich erwarte auch nicht, eines Tages erklären zu müssen, dass wir eingesperrt sind. Denn unser Gott lebt und wird uns Tansanier weiterhin beschützen. Wir werden weiterhin alternative gesundheitliche Vorsichtsmaßnahmen treffen. Inhaliert Dämpfe und betet zu Gott. Betet, während Ihr Mais und Kartoffeln anbaut, damit Ihr genug zu essen habt und zufrieden sein könnt. Corona darf nicht in Euren Körper eindringen. (...)

Ihr seid sehr verängstigt, meine tansanischen Freunde, aber bleibt standfest! Ich weiß, dass es einige Tansanier gibt, die sogar das Land verlassen haben und an andere Orte geflohen sind, um sich dort impfen zu lassen. Sie sind geimpft worden, anschließend zurückgekommen und haben uns Corona gebracht. (...)

Impfstoffe sind gefährlich. Wenn die Europäer einen Corona-Impfstoff entwickeln könnten, hätten sie inzwischen doch längst eine Impfung gegen Aids finden müssen; sie hätten längst eine Impfung gegen Tuberkulose gefunden; sie hätten eine Impfung gegen Malaria gefunden; sie hätten eine Impfung gegen Krebs gefunden. Wir Tansanier müssen wachsam sein gegenüber Dingen, die uns von fremden Nationen gebracht werden. Denken wir nicht, dass sie uns sehr lieben. Dieses Land ist reich. Afrika ist reich und jeder ist eifersüchtig auf unseren riesigen Reichtum. Wir müssen sehr vorsichtig sein!"

Magafuli warnte schließlich davor, dass Tansanier als „Meerschweinchen“ für die Impfstoffe verwendet werden sollen. Mit seinen Äußerungen wurde Magufuli am Mittwoch weltweit in den Medien zitiert.

Süd- und Ostafrika: 10 tote Minister in 2 Wochen

Inzwischen verbreitet sich die hoch ansteckende Covid-19-Mutation von Südafrika ausgehend in die nördlichen Nachbarländer. In vier Mitgliedsstaaten der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC), der auch Tansania angehört, sind seit Mitte Januar insgesamt 10 Minister an Covid-19 gestorben: 4 Minister in Simbabwe (darunter der Außenminister), 2 Minister in Malawi, 2 Minister und der Premierminister in Eswatini (vormals Swasiland) und 1 Minister in Südafrika.

Laut Medienberichten werden inzwischen die Meinungsverschiedenheiten zwischen Tansania einerseits und den anderen Mitgliedsstaaten der SADC andererseits bezüglich der Corona-Bekämpfung nicht mehr verschwiegen.

Skytrax: Bereits Reisende mit Corona-Mutationen aus Tansania nach Europa geflogen

Das Skytrax Covid-19 Airport Safety Rating, der weltweit einzigen Bewertung und Zertifizierung von Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen während der Pandemie, hat Ende Januar dem Flughafen von Sansibar, auf dem fast täglich Flugzeuge überwiegend mit Touristen aus Russland und der Ukraine eintreffen, die schlechteste Bewertung gegeben. Laut Skytrax wurden sogar "neue Fälle der südafrikanischen Virusvariante bei zwei Reisenden bestätigt, die am 19. Januar aus Tansania nach Dänemark geflogen sind".

Verbot der öffentlichen Diskussion über Corona

Die öffentliche Diskussion über die Corona-Pandemie und ihre Verbreitung ist in Tansania verboten. Dies gilt auch für die Medien oder digitale Räume. Die Regierung hatte bereits im Juli 2020 die Vorschriften für elektronische und postalische Kommunikation aktualisiert und jeglichen „Inhalt mit Informationen in Bezug auf den Ausbruch einer tödlichen oder ansteckenden Krankheit im Land oder anderswo ohne Zustimmung der jeweiligen Behörden“ untersagt. Dies bedeutet, dass sowohl normale Bürger als auch Journalisten und Mediziner keine Kommentare zu Covid-19 abgeben dürfen.

Für Berichte in internationalen Medien sorgte unter diesen Umständen der tansanische Finanzminister Philip Mpango, der am 25. Januar den Spagat unternahm, einerseits die Mitarbeiter seines Ministeriums zu Vorsichtsmaßnahmen gegen Covid-19 aufzufordern und gleichzeitig dessen Existenz in Tansania zu leugnen.
 

Präsident Magufuli und Regierung bestreiten weiterhin Corona-Erkrankungen

Im Gegensatz zu den Positionen der evangelischen und katholischen Kirche, der Opposition und einigen Organisationen der Zivilgesellschaft bestreitet die tansanische Regierung weiterhin, dass es Coronainfektionen im Land gibt. Die regierungsnahe Tageszeitung Daily News berichtete am 12. Februar von einer kürzlich durchgeführten Untersuchung der Regierung in Gesundheitseinrichtungen in Daressalam und Mwanza. Dadurch wäre „die Wahrheit über das Coronavirus im Gegensatz zu den Spekulationen in den sozialen Medien enthüllt“ worden.

Der Ständige Sekretär im Gesundheitsministerium, Mabula Mchembe, stellte laut Daily News die Untersuchungsergebnisse vor. Die Meldungen über die Verbreitung von Corona hätten sich „als falsch erwiesen“ und deshalb könne die Öffentlichkeit von den „wieder aufgekommenen Ängsten befreit werden“.

Gesundheitsministerium: "Kein einziger Fall"

Mchembe nannte namentlich das Mloganzila Hospital und das Muhimbili National Hospital (MNH) in Daressalam sowie das Bugando Medical Center (BMC) und das Sekou Toure Referral Regional Hospital in Mwanza. Zwar hätte er vor Ort mehrere Patienten mit Erkrankungen der Atemwege angetroffen, in keinem einzigen Fall hätte sich dies aber als Covid-19 Erkrankung, sondern als Nierenversagen, Bluthochdruck oder Asthma herausgestellt. Mchembe:  "Die Öffentlichkeit, insbesondere die Nutzer sozialer Medien, sollten keine mit Atemwegsbeschwerden verbundenen Krankheiten mit Coronavirus in Verbindung bringen.“

Auch in mehreren privaten Krankenhäusern wie das Aga Khan Hospital oder das Kariuki Hospital hätte er keine Covid-19 Fälle gefunden. Der Ständige Sekretär warnte alle privaten Krankenhäuser davor, die angebliche Pandemie in Tansania auszunutzen und den Patienten für die Behandlung von Atemproblemen hohe Rechnungen auszustellen. 

Weiterhin keine Zulassung von Impfungen

Mchembe riet den Bürgern, weiterhin den staatlichen Hygieneempfehlungen nachzukommen. Die Regierung sei nicht bereit, irgendeine Art von Impfung zuzulassen. Denn: „Sie können heute impfen, sind morgen aber wieder in derselben Situation wie vor der Impfung.“

Präsident Magfuli: "Wir werden immer Erfolg haben!"

Auch Staatspräsident John Magufuli bleibt seiner Linie treu.  Anläßlich der Eröffnung des neuen Kingalu Marktes in Morogoro äußerte er sich erneut zur aktuellen Corona-Lage: "Gott ist alles. Wir haben es am Anfang geschafft, wir werden auch in Zukunft erfolgreich sein. Wir werden immer Erfolg haben, weil Gott immer bei den Tansaniern war. (...) Angst ist die schlimmste Sünde im Kampf gegen eine Krankheit. Deshalb fordere ich die Einwohner von Morogoro und alle Tansanier auf, standhaft zu bleiben, hart zu arbeiten und alternative Methoden anzuwenden einschließlich Dampfinhalation. Wir werden siegen und alles wird seinen Weg gehen."
 

KLM: PCR-Test und Schnelltest vor dem Einchecken

KLM-Passagiere, die seit dem 23. Januar zwischen den tansanischen Destinationen Daressalam, Sansibar und Kilimanjaro Airport sowie Amsterdam unterwegs sind, müssen beim Einchecken ein negatives PCR- sowie ein Antigen-Schnelltestergebnis vorzeigen. Ebenfalls ab dem 23. Januar wurden wegen der Corona-Mutationen alle Passagierflüge von Südafrika, Südamerika und England nach Amsterdam ausgesetzt.

Auch Turkish Airlines verlangt seit dem 30. Dezember 2020 einen negativen Test in Verbindung mit einem entsprechenden offiziellen Zertifikat.

Großbritannien verhängt Einreiseverbot für Tansania

Großbritannien verbietet seit dem 22. Januar alle Einreisen aus Tansania und der Demokratischen Republik Kongo, um die Verbreitung der südafrikanischen COVID-19-Variante zu stoppen. "Allen Passagieren aus diesen Ländern mit Ausnahme von britischen und irischen Staatsangehörigen sowie Drittstaatsangehörigen mit Aufenthaltsrechten wird die Einreise verweigert", schrieb der britische Verkehrsminister Grant Shapps in einem Tweet.

Die drastische Maßnahme wurde getroffen, nachdem zuvor der britische Chef-Regierungsberater Sir Patrick Vallance davor gewarnt hatte, dass derzeit eingeführte Impfstoffe möglicherweise weniger wirksam gegen die südafrikanische Variante sind. Diese soll circa 50 Prozent ansteckender und damit gefährlicher sein als die britische Mutation.

Forschungsstudie bestätigt besondere Gefährlichkeit der südafrikanischen Mutation

Eine neue, noch vorläufige südafrikanische Forschungsstudie war zu dem Ergebnis gelangt, dass die südafrikanische Variante Mutationen enthält, die resistent sind gegen die Immunität nach überstandenen Coronavirus-Infektionen. Shapps: „Um die Verbreitung der in Südafrika identifizierten Covid-19-Variante zu stoppen, verbieten wir ab (heute) 4 Uhr morgens alle Ankünfte aus Tansania und der Demokratischen Republik Kongo.“

Weitere Verbreitung der COVID-19-Variante soll gestoppt werden

Die britische Regierung will unbedingt eine weitere Verbreitung der südafrikanischen COVID-19-Variante verhindern, die sich gegenwärtig, von Südafrika ausgehend, in Richtung Ostafrika ausdehnt. Mehrere Nachbarländer Südafrikas wurden bereits Anfang Januar mit einem Stopp der Einreise nach Großbritannien und Irland belegt.

In einer Stellungnahme der tansanischen Regierung wird lediglich darauf hingewiesen, dass es noch keine offizielle Mitteilung durch die britische Regierung gibt.

"Erneute Infektion möglich? Corona-Mutation aus Südafrika bereitet Forschern Sorge"
t-online vom 22.1.2021
 

Die Schweiz verlangt negativen Corona-Test bei der Einreise

Schweiz-Reisende müssen bei der Einreise aus Tansania per Flugzeug künftig einen negativen Corona-Test vorlegen. Das beschloss die Schweizer Regierung am 27. Januar 2021.

Die Testergebnisse würden vor dem Einsteigen geprüft, heißt es aus der Schweiz. Neu werden – ähnlich wie in Deutschland – auch die Kontaktdaten aller Einreisenden erfasst, egal ob sie mit Flugzeug, Bus, Bahn oder Schiff ankommen.

Österreich: Weiterhin Reisewarnung für ganz Afrika

In Österreich gilt bereits seit dem 19.12.2020 wieder eine Reisewarnung für alle Staaten Afrikas. Die Warnung gilt für alle touristischen und sonstigen nicht notwendigen Reisen einschließlich Familienbesuche. Personen, die aus Afrika nach Österreich einreisen, müssen sofort eine zehntägige Quarantäne antreten. Die Quarantäne kann durch einen negativen PCR- oder Antigen-Test früher beendet werden, der frühestens am fünften Tag möglich ist.
 

Corona an der Internationalen Schule in Moshi?

Die tansanische Tageszeitung 'The Citizen' berichtete am 22. Januar von einer Auseinandersetzung der Regierung mit der Internationalen Schule in Moshi (Kilimandscharo Region). Die Schule hatte die Corona-Erkrankung eines Schülers auf ihrer Homepage veröffentlicht und die Schule zur Vermeidung weiterer Infektionen vorübergehend geschlossen. Dafür bekam sie sofort Ärger mit der tansanischen Regierung. Denn in Tansania dürfen nur der Präsident, die Vizepräsidentin, die Gesundheitsministerin oder der Pressesprecher über Coronafälle berichten. Da Tansania offiziell bereits seit Juli 2020 coronafrei ist, dementierte die Regierung die Erkrankung prompt - und die Schule wurde wieder geöffnet.

Die in Tansania sehr bekannte Internationale Schule Moshi trägt heute den Namen 'United World College East Africa' (UWC East Africa). Sie wurde 1969 gegründet und hat heute 600 Schüler und Schülerinnen aus über 80 Nationen an ihren zwei Standorten in Moshi und Arusha. 240 Schüler leben im Internat. Die Schulgebühr für Grundschüler beträgt aktuell 11.850 US-Dollar plus 6.100 USD Internatsgebühr pro Jahr. In der Oberstufe (Form 5-6) müssen jährlich 17.900 USD plus 8.600 USD Internatsgebühr gezahlt werden.
 

WHO beklagt Vernachlässigung Afrikas bei Corona-Impfungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beklagt die ungerechte Verteilung von Impfdosen. Afrikaner müssten vermutlich noch lange auf eine Corona-Impfung warten. Bisher haben weltweit erst knapp 40 Länder mit den Impfungen begonnen - überwiegend Industrieländer. Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin der WHO für Afrika beklagte am 14. Januar in Brazzaville diese "Ungleichheit". Die ersten Lieferungen aus einem WHO-Programm würden vermutlich erst im März in Afrika eintreffen.

Die Versorgung Afrikas erfolgt über das WHO-Programm 'Covax' mit insgesamt 600 Millionen Impfdosen bis Jahresende. Außerdem hat die Afrikanische Union 270 Millionen Vakzin-Einheiten bestellt.

Nach Angaben von Moeti wird aufgrund seiner hohen Todeszahlen Südafrika zu den ersten Ländern gehören, an die der Impfstoff ausgeliefert wird. Die Regionaldirektorin empfahl, dass zuerst das medizinische Personal und und besonders gefährdete Gruppen geimpft werden.

Experte: Corona-Impfungen in Afrika nicht vor Ende 2021 verfügbar

Der Epidemiologe Prof. William Moss (Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore) geht sogar davon aus, dass in Afrika frühestens Ende 2021 oder sogar erst Anfang 2022 Corona-Impfungen zur Verfügung stehen. In einem Interview mit der BBC führt er unter anderem das Problem der notwendigen Kühlung der Impfstoffe an. Zudem brauche es für einen wirklichen Schutz zwei Impfungen. Das kenne man in Afrika wiederum nur von Impfungen bei Kindern, weshalb eine besondere Aufklärungsarbeit geleistet werden müsse.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer müsse zum Beispiel bei Temperaturen von minus 70 oder minus 80 Grad transportiert und gelagert werden. "Das wird es sehr schwierig machen, diese Impfstoffe auf dem Kontinent zu verteilen, vor allem in ländlichen Gebieten, wo es die Infrastruktur dafür nicht gibt", sagte der Experte für Infektionskrankheiten.

"Impfstoff-Offensive in Afrika startet"
Wiener Zeitung vom 18.2.2021

"Der Kampf um Corona-Impfstoffe: Kluft zwischen Nord und Süd"
Süddeutsche Zeitung vom 7.2.2021

"Südafrika fordert Impfgerechtigkeit"
Tagesschau vom 6.2.2021

"Entwicklungsminister Müller: 'Auch Ärmere brauchen schnell Impfstoff'“
Deutschlandfunk vom 30.1.2021

"WHO hofft auf Impfstart in den meisten Ländern Afrikas bis März"
onvista.de vom 28.1.2021
 

Neue Testrichtlinien in Tansania für Ausreisende

Gesundheitsministerin Dorothy Gwajima hat am 6. Januar neue Corona-Testrichtlinien für Reisende verkündet. Betroffen sind sowohl Tansanier als auch Ausländer. Laut "The Citizen" machte die Ministerin dabei auch auf die neuen gefährlichen Covid-19-Varianten aufmerksam.

Die Tests können in Daressalam vor der Ausreise aus Tansania an mehreren Krankenhäusern durchgeführt werden: Muhimbili National Hospital, Amana Hospital, Temeke Hospital, IST Clinic, Aga Khan Hospital und andere. Die Auswertung erfolgt im Nationalen Testlabor, das Ergebnis soll laut Ministerin nach 24 Stunden feststehen. Für Tests außerhalb von Daressalam werden 48 Stunden benötigt. 

Die Kosten für einen PCR-Test bezifferte Gwajima auf 230.000 TSH bzw. 100 USD für In- und Ausländer.
 

Deutschland: Seit dem 11. Januar verschärfte Regeln bei Einreise aus Tansania und Afrika

Die Regeln für Einreisende aus Corona-Risikogebieten wie Tansania oder fast alle anderen afrikanischen Länder wurden verschärft. Seit dem 11. Januar 2021 ist eine zehntägige Quarantäne vorgeschrieben sowie ein Corona-Test 48 Stunden vor oder unmittelbar nach der Einreise. Dabei kann die Quarantäne auch zukünftig durch einen zweiten negativen Test nach fünf Tagen verkürzt werden.

Bei der Einreise aus Ländern, in denen es neue Mutationen oder hohe Infektionszahlen gibt, können vom Bund zusätzliche Vorschriften erlassen werden.

Weiterhin Pflicht zur Digitalen Einreiseanmeldung

Weiterhin besteht die Pflicht, vor der Rückreise nach Deutschland die Digitale Einreiseanmeldung auszufüllen. Hierzu müssen die Daten auf der neuen Website www.einreiseanmeldung.de hinterlegt werden. Dazu gehören zum Beispiel Kontaktdaten sowie Daten zum Aufenthaltsort der letzten zehn Tage (im Risikogebiet) sowie die Angaben zum genutzten Verkehrsmittel und die Anschrift der nächsten zehn Tage. Dieses neue Verfahren ersetzt die bisherige analoge Aussteigekarte. Die Einreiseanmeldung muss vor der Wiedereinreise nach Deutschland ausgefüllt werden.

Als Bestätigung erhalten die Reisenden ein PDF-Dokument, welches abgespeichert und digital oder als ausgedrucktes Dokument bei der Einreise mitzuführen ist und auf Verlangen vorgezeigt werden muss. Zur Not halten Fluggesellschaften für eine bestimmte Übergangszeit noch analoge Ersatzmitteilungen vor. Für die Registrierung sind die Passagiere zuständig – nicht die Airline oder der Veranstalter.

Die Bestätigung über die Registrierung muss bei Passkontrolle oder auf Verlangen der Fluggesellschaft vorgezeigt werden. Ist sie nicht vorhanden, drohen hohe Bußgelder.

Deutschland stuft Tansania auch weiterhin als Risikogebiet ein

Das Robert Koch Institut (RKI) hat in einer seit dem 17.10.2020 gültigen Aktualisierung der "Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete" Tansania erneut als eines von circa 200 Ländern oder Gebieten aufgelistet, "in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht".

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt nach gemeinsamer Analyse und Entscheidung durch das Gesundheit- und das Innenministerium sowie durch das Auswärtige Amt. 

Nur noch drei afrikanische Länder und Réunion sind keine Risikogebiete. Seychellen wurden zurückgestuft 

Nur drei afrikanische Länder und Réunion werden gegenwärtig nicht als Risikogebiete eingestuft: Mauritius, Ruanda und Uganda. Die Seychellen wurden am 17.1.2021 wieder in die Liste der Risikogebiete aufgenommen.

Für Tansania, dass seit dem 29.4.2020 keine Infektions- und Todeszahlen mehr veröffentlicht hat, gilt vermutlich der Passus, wonach bei der Festlegung als Risikogebiet auch berücksichtigt wird, ob "verlässliche Informationen" aus den einzelnen Ländern vorliegen.

Zwei neue Einstufungen: "Gebiete mit hochinfiziösen Mutationen" und "Hochrisikogebiete"

Ende Januar führte Deutschland zwei neue Einstufungen mit weiteren Einschränkungen ein.

"Gebiete mit hochinfiziösen Mutationen":
Aktuell: Eswantini, Lesotho, Südafrika, Sambia, Mosambik, Simbabwe, Malawi, Botswana

"Hochrisikogebiete":
Ägypten, Namibia, Sudan

"Kein Risikogebiet" bedeutet nicht automatisch Aufhebung der Reisewarnung

Auf einer Pressekonferenz des Auswärtigen Amts am 17.6.2020 in Berlin wurde von einem Journalisten die Frage gestellt, ob es eine Wechselwirkung zwischen "Risikogebiet" und "Reisewarnung" gibt. Hierzu der Sprecher des Auswärtigen Amts: "Es gibt dort keine Automatismen. Änderungen bei der Einstufung als Risikogebiet bedeuten nicht unmittelbar, dass eine Reisewarnung für bestimmte Länder ausgesprochen oder aufgehoben wird. Die Liste der Risikogebiete betrifft ja alle Reisenden, und die Reisewarnung bezieht sich auf nicht notwendige touristische Reisen aus Deutschland." Die Liste der Risikogebiete soll weiter regelmäßig überprüft werden.
 

Erklärungen für das Phänomen relativ niedriger Zahlen in Gesamtafrika

Trotz der zweiten Welle in Afrika und einer nach wie vor besorgniserregenden Situation in Südafrika und einigen anderen Ländern sind die Zahlen in Gesamtafrika aber immer noch - verglichen mit anderen Kontinenten - relativ niedrig. Mehrere Wissenschaftler gehen davon aus, dass es neben den bereits schon länger vermuteten (und weiter unten aufgeführten) Faktoren eine zusätzliche Erklärung für das Phänomen relativ niedriger Zahlen in Afrika geben könnte: Genetische Unterschiede. Eine Studie in der Fachzeitschrift "Nature" stellt  einen möglichen Zusammenhang zwischen dem sogenannten "Neandertaler-Erbe" in unserem Erbgut und schweren Corona-Krankheitsverläufen her. Das Neandertal-Gen ist vor allem bei Europäern und Südasiaten zu finden, die deshalb ein höheres Risiko haben sollen, im Falle einer Infektion künstlich beatmet werden zu müssen. Die Studie betont aber auch, dass diese Erklärung alleine noch nicht ausreicht.

Schon vor Wochen hatte die WHO vermutet, dass sich das Virus in Afrika langsamer ausbreitet als in anderen Teilen der Welt. Die Süddeutsche Zeitung: "Wohl keine andere Weltregion ist bisher so glimpflich davongekommen."

Niedriger Todesrate - aber extrem hohe Infektions-Dunkelziffer?

Allerdings muss zumindest bei den Infektionszahlen immer davon ausgegangen werden, dass die tatsächlichen Zahlen die offiziell verkündeten Fälle weit übersteigen. Nach Schätzungen der WHO könnten sich bereits über 10 Prozent der Weltbevölkerung infiziert haben. Die von WHO-Notfalldirektor Michael Ryan am 5. Oktober genannte Zahl entspricht etwa 760 Millionen Menschen und damit dem mehr als 20-Fachen der nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bislang offiziell festgestellten Fälle von gut 35 Millionen.

Dr. Mercy Mwangangi vom kenianischen Gesundheitsministerium berichtete Mitte August vom Ergebnis einer regionalen Stichprobe: Demnach seien 7,9 % der getesteten Personen bereits einmal mit dem Virus infiziert worden. Hochgerechnet auf ganz Kenia müsste die Zahl der tatsächlichen Infektionen dann verhundertfacht werden. Also 3,5 Millionen Infektionen statt der offiziell gemeldeten 35.000 mit einem hohen Ansteckungsrisiko für alle Touristen oder sonstigen Einreisenden (Quelle: The Citizen vom 21.8.2020).

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine im "Indian Journal of Medical Research" veröffentlichten Studie, "wonach in Indien zu Jahresanfang nach einer Untersuchung Millionen von Coronavirus-Fälle nicht entdeckt worden sein könnten. Laut Studie gab es im Land im Mai schätzungsweise 6,5 Millionen Fälle" (börse.online.de vom 11.9.2020).

Bereits 15-20 Millionen Infektionen in Südafrika?

Die FAZ berichtet am 15.9.2020 über eine Aussage von Shabir Madhi, Professor an der Johannesburger Wits-Universität und Mitglied des Beraterstabs der südafrikanischen Regierung. Die tatsächliche Infektionszahl seit dem Ausbruch der Pandemie liege eher zwischen 15-20 Millionen als um die offiziell gemeldeten 650.000. In dicht besiedelten Gegenden hätten sich vermutlich schon 35-40 Prozent der Menschen angesteckt – weitaus mehr als anfangs erwartet.

Warum dann aber die niedrigen Todeszahlen?

Nach diesen erschreckenden Aussagen und Forschungsergebnissen stellt sich die Frage, warum bei einer so hohen Infektionszahl die Corona-Todesraten in Afrika so niedrig sind. Denn: Von dem anfänglich befürchteten Massensterben kann nach zuverlässigen Berichten aus allen afrikanischen Ländern überhaupt keine Rede sein - trotz meist schwacher Gesundheitssysteme und fehlender qualifizierter Intensivpflegeplätze. Das sogenannten "Neandertal-Gen" wird als nur eines von mehreren Faktoren vermutet:

Niedriges Durchschnittsalter

Experten vermuten bei der Beantwortung dieser Fragen gleich mehrere Faktoren. An erster Stelle steht das eklatant niedrigere Durchschnittsalter der Bevölkerung Afrikas im Vergleich zu allen anderen Kontinenten: Fast die Hälfte der Menschen in Afrika ist jünger als 18 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt in Afrika bei 19,7 und in Europa bei über 40 Jahren.

Durch Parasiten geprägtes Immunsystem mildert den Infektionsverlauf

Der Deutschlandfunk schreibt am 8.9., dass "die vielen Krankheiten Afrikas, Masern, Durchfallviren, Malaria, Parasiten für viele tödlich sind, aber sie trainieren auch das Immunsystem. Diese Theorie vertreten viele Forscher. Maria Yazdanbakhsh (Universität Leiden) hat diese Effekte gemeinsam mit Forschern aus dem Senegal und aus Gamba bereits früher in Blutproben aus Afrika untersucht und konnte ganz spezifische Effekte nachweisen: 'Wenn man viele Infektionen hat, bildet man mehr der sogenannten virtuellen Gedächtniszellen, die stärker und schneller auf neue Infektionen reagieren.'"

Die Deutsche Welle machte am 4.9.2020 auf eine in der Fachzeitschrift Science veröffentlichten Analyse aufmerksam, wonach zunehmend erkannt wird, "dass das Immunsystem nicht nur durch die Genetik, sondern auch durch Umweltfaktoren wie die Exposition gegenüber Mikroorganismen und Parasiten geprägt wird. 'So wird das Immunsystem trainiert, sich gegen eindringende Krankheitserreger zu schützen', schreiben die Forscher. Das könnte den Verlauf einer Infektionskrankheit entscheidend abmildern und ein weiterer Grund sein, weshalb die erwarteten hohen Opferzahlen in Afrika bisher ausgeblieben sind.

Während Parasiten möglicherweise einen milden Infektionsverlauf begünstigen, sind es die nicht infektiösen Krankheiten, die die großen Probleme verursachen: Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht und Diabetes Typ 2 steigern nicht nur das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs, sie sind vor allem typische Krankheiten westlicher Industrieländer. Jedenfalls noch. In den urbanen Regionen afrikanischer Staaten haben auch diese Zivilisationskrankheiten bereits Einzug erhalten" (Deutsche Welle vom 4.9.2020). 

Schnelle Reaktion auf die Pandemie und geringe Mobilität der Bevölkerung

Ein weiterer Faktor ist nach Angaben von Experten "die frühe Handlungsbereitschaft auf die Erfahrungen vieler Länder mit anderen Infektionskrankheiten wie Ebola und dem Lassa-Fieber. Die schnelle Reaktion hat sehr wahrscheinlich zu einer langsameren Ausbreitung der Infektion geführt".

In diesem Zusammenhang wird die relativ schnelle Schließung der afrikanischen Flughäfen und vor allem die wesentlich geringere Mobilität der Bevölkerung innerhalb ihres Landes oder bei Reisen in die Nachbarländer angeführt. Die hohen Durchschnittstemperaturen (die es auch in Südamerika mit seinen sehr hohen Infektionsraten gibt) kommen dann noch als vermutlich weiterer positiv wirkender Faktor ergänzend hinzu.   

Virologe Drosten hinterfragt diese Erklärungen

In einer ausführlichen Stellungnahme am 15.9.2020 im NDR hat der bekannte Virologe Christian Drosten diese Erklärungen jedoch hinterfragt. Er führt das ungenügende Meldewesen in Afrika als entscheidenden Faktor an und kommt schließlich zu dem zusammenfassenden Ergebnis: "Also daran kann ich im Moment nicht erkennen, warum afrikanische Bevölkerungen weniger von Todesfällen betroffen seien sollten, insbesondere, wenn wir uns klarmachen, dass auch der Schwerpunkt der Krankheit im Bereich der ärmeren Bevölkerung lag. Deswegen fällt es mir schwer, so ungesehen zu glauben, dass Afrika von diesen ganzen Problemen nicht so betroffen ist." 

Interview mit Christian Drosten: "Das Afrika Rätsel"
NDR vom 15.9.2020

Links, die in diesem Zusammenhang von Interesse sind:

"Niedrige Neuinfektionen : Afrikas Corona-Rätsel"
FAZ vom 1.12.2020

"Afrika bleibt ein Mysterium"
Badische Zeitung vom 13.10.2020

"Rätsel der geringen Totenzahlen Afrika inspiriert die Corona-Forschung"
NTV vom 4.10.2020

"Afrika und das Coronavirus: Aus früheren Epidemien gelernt?"
Tagesschau vom 25.9.2020

"Millionen Infizierte?: Zweifel an offiziellen Zahlen in Südafrika"
FAZ vom 15.9.2020
 

Weiterhin Einreisestopp für Tansanier

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland hat den Einreisestopp für Tansanier aus Tansania unbefristet verlängert. Ausnahmen sind nur bei einer "zwingenden Notwendigkeit" möglich - genannt werden zum Beispiel ausländische Fachkräfte, deren Beschäftigung in Deutschland notwendig ist, in Deutschland Studierende oder Tansanier im Rahmen des Familiennachzugs.

Als Richtlinien für eine Aufhebung des Einreisestopps zählen vor allem die aktuelle Infektionsrate sowie eine Prüfung, wie verlässlich Corona-Daten aus den einzelnen Staaten sind. Letzteres dürfte dafür ausschlaggebend gewesen sein, dass die EU-Grenzen für Tansanier vorerst weiter geschlossen bleiben.
 


Weitere Meldungen der vergangenen Monate

Aufruf von Magufuli an die Weltgemeinschaft: Gebete sind wichtiger als Impfungen!

Der tansanische Staatspräsident hat Weihnachten in einer Kirche in der Dodoma Region eine Ansprache gehalten und dabei an die Staats- und Regierungschefs aller Länder appelliert, im Kampf gegen das Corona-Virus nicht die Impfungen, sondern Gebete zu priorisieren. Nur so sei der Kampf zu gewinnen. Magufuli: "Während andere Länder kostspielige Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben, haben die Tansanier während des Ausbruchs der Pandemie Wunder und Gottes Liebe gesehen." Anstatt einer Konzentration auf den wissenschaftlichen Ansatz sei Gott im Kampf gegen Covid-19 an die erste Stelle zu setzen.

Der Präsident rief die Tansanier auf, auch für die anderen Nationen zu beten.  

Tansania will auf Impfungen verzichten

Bereits einige Tagen zuvor hatte der tansanische Weg zur Corona-Bekämpfung für internationales Aufsehen gesorgt. Zahlreiche afrikanische Medien und die BBC berichteten über die Aussage von Gerald Chami, Sprecher des tansanischen Gesundheitsministeriums, dass Tansania nicht beabsichtige, einen Covid-19-Impfstoff zu verwenden.

Das Land steht damit im Gegensatz zu den Bemühungen fast aller anderen afrikanischen Staaten, bei der Verteilung der Impfdosen angemessen berücksichtigt und finanziell unterstützt zu werden. In einem Gespräch mit dem EastAfrican ergänzte Chami: "Unsere Gesundheitsexperten und Wissenschaftler forschen noch an klinischen Studien über lokale Kräuter für Covid-19."

Gesundheitsministerium bezweifelt Sicherheit der Impfstoffe

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, das seit wenigen Wochen von einer ehemaligen Mitarbeiterin des Bagamoyo District Hospitals als Ministerin geleitet wird, ging soweit, die Wirksamkeit der derzeit global verfügbaren Impfstoffe zu bezweifeln. Er behauptet, die Produktionsdauer sei nicht effizient genug, um einen maximalen Schutz zu gewährleisten. Chami: "Wir haben uns seit der Ausbreitung der Pandemie alleine geschlagen. Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll ist, einen Impfstoff zu importieren und an die Bürger zu verteilen, ohne vorher klinische Tests durchzuführen und damit zu bestätigen, dass er für unser Volk sicher ist.“

Tansania baut auf "Covid Organics"

Tansania gehörte zu den ersten Ländern Afrikas, die im Kampf gegen das Virus ein natürliches Heilmittel aus Madagaskar bezogen. Madagaskars Präsident Andry Rajoelina ist der Hauptförderer der Substanz, die als "Covid Organics" vermarktet wird. Das Heilmittel verwendet die Pflanze Artemisia annua (Einjähriger Beifuß), welche zur Herstellung eines äußerst wirksamen Therapiemittels gegen die Malaria verwendet wird.

Da der Inhaltsstoff Artemisin ein Grundbestandteil von Malaria-Kombinationstherapien ist, wurde inzwischen von Wissenschaftlern die Befürchtung geäußert, dass der regelmäßige Konsum des Kräuterauszugs zur Entstehung von Malariaresistenzen führen könnte. Es gäbe zwar einzelne Evidenzen, dass Artemisin bei Coronavirus-Infektion eine Wirkung haben könnte, jedoch fehlten ausführliche klinische Tests.

Studien sowohl in Deutschland als auch in den USA laufen noch, und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt deshalb aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Belege zur Wirkungsweise eindringlich vor Covid Organics. 

Tansania hat seit über 9 Monaten keine Zahlen mehr veröffentlicht

Seit dem 29. April 2020 und damit seit über 9 Monaten hat die tansanische Regierung keine Corona-Zahlen mehr veröffentlicht. Am 3. Mai 2020 hatte Staatspräsident John Magufuli die letzten Testergebnisse infrage gestellt und von Sabotage gesprochen. Vorherige positive Testergebnisse führte er auf Fälschungen westlicher Industriestaaten zurück, um seinem Land zu schaden. Angeblich hätten Probetests sogar bei Papayas oder Ziegen positive Testergebnisse bewirkt.

Seit dem 20. Juli 2020 gilt Tansania laut Magufuli als "coronafrei". Die Süddeutsche Zeitung zählte Magufuli daraufhin zu den "drei größten Corona-Leugnern weltweit" neben Donald Trump und Jair Bolsonaro aus Brasilien.    

"Ein Bärendienst für den Tourismus in Tansania"

Die USA haben inzwischen in einem Update ihre Reisewarnung erneuert. Auch Deutschland und Österreich warnen im Gegensatz zur Schweiz weiterhin vor Reisen nach Tansania. Tourismus-Experten befürchten, dass Tansania mit der jetzt weltweit verbreiteten Nachricht über einen Verzicht auf Impfungen den Hoffnungen auf eine baldige Streichung Tansanias als Corona-Risikogebiet einen Bärendienst geleistet hat. Auch ist fraglich, ob unter diesen Umständen in absehbarer Zeit das Einreiseverbot für Tansanier aufgehoben wird.
 

Amnesty International: Kritische Corona-Berichterstattung in Tansania wird verfolgt

Amnesty International hat vor dem Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2020 Rückschritte bei der Menschenrechtslage festgestellt. Die Entwicklung sei durch die Corona-Pandemie noch einmal verstärkt worden. Als Beispiel führte Amnesty die Einschränkung der Pressefreiheit in Tansania an: Dort seien Journalisten für kritische Berichterstattung über Pandemie-Massnahmen verfolgt worden.

"Menschenrechte: Amnesty beklagt Rückschlag"
wil24 vom 9.12.2020
 

Die meisten Fluggesellschaften fliegen wieder nach Tansania

Mehrere Fluglinien fliegen wieder nach Tansania: Egypt Air, Emirates, Ethiopien Airlines, KLM, Oman Air, Qatar Airways und Turkish Airlines. Flugziele sind Daressalam, Sansibar und der Kilimanjaro Airport. Allerdings wurden die Flugtage meist reduziert und Reisende berichten auch von kurzfristigen Flugausfällen oder Impfnachweisen. KLM und Turkish Airlines verlangen seit Ende Dezember 2020 beim Einchecken in Tansania eine Bescheinigung über einen negativen Corona-Test.

Condor hat am 23. Dezember wieder den Flugbetrieb nach Sansibar und zum Kilimanjaro Airport aufgenommen. Lufthansa steuert ab März 2021 mit Sansibar erstmals wieder nach vielen Jahren ein Ziel in Tansania an.

Die Schweizer Fluglinie Swiss, die zur Lufthansa Group gehört, hat hingegen Daressalam und Nairobi aus ihrem seit Oktober gültigen Winterflugplan 2020/21 gestrichen.
 

WHO unterstützt Suche nach pflanzlichen Corona-Heilmitteln in Afrika

Am 19. September wurde in Brazzaville, dem regionalen Sitz der WHO in Afrika, „ein Protokoll für klinische Versuche der Phase 3 eines pflanzlichen Arzneimittels für Covid-19 genehmigt". Unterzeichner waren neben der WHO das Afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention und die Kommission für soziale Angelegenheiten der Afrikanischen Union.

In dem Protokoll wird ausgeführt, dass „klinische Studien der Phase 3 unerlässlich sind, um die Sicherheit und Wirksamkeit eines neuen medizinischen Produkts vollständig zu bewerten. Wenn sich ein Produkt der traditionellen Medizin als sicher, wirksam und von gesicherter Qualität erweist, wird die WHO eine groß angelegte und schnelle lokale Herstellung empfehlen."

WHO fordert klinische Studien vor dem Einsatz am Patienten

Bereits in mehreren afrikanischen Ländern, vor allem in Madagaskar, aber auch in Tansania, sind traditionelle Arzneimittel gegen Covid-19 auf dem Markt. Die WHO spricht sich nicht grundsätzlich gegen die Einbeziehung solcher pflanzlicher Heilmittel aus. Sie fordert allerdings die Durchführung klinischer Studien vor einem Einsatz am Patienten und hat deswegen am 23. Juli gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention (CDC) des US-Gesundheitsministeriums einen 25-köpfigen Expertenrat zur Forschung und Entwicklung traditioneller Arzneimittel gegen Covid-19 gegründet. Laut einer Erklärung der WHO soll das Gremium "unabhängigen wissenschaftlichen Rat und Unterstützung für Länder in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität traditioneller medizinischer Therapien" anbieten und afrikanische Länder bei klinischen Studien unterstützen.
 

"Kalter Luftkrieg" zwischen Kenia und Tansania beigelegt

Tansania hat das Landeverbot für Flugzeuge von Kenya Airways, AirKenya Express, Fly540 und Safarilink Aviation aufgehoben und damit endgültig den Konflikt im Luftverkehr zwischen Kenia und Tansania beigelegt. Die Entscheidung der tansanischen Regierung folgte dem Beschluss der Regierung Kenias, die 14-tägigen Quarantänepflicht für einreisende Tansanier abzuschaffen.

In Gesprächen zwischen den Regierungsvertretern beider Länder konnte lange Zeit keine Einigung erzielt werden. Der Zwist entstand bereits am 30. Juli, als Tansania auf die Entscheidung Kenias, Tansania auf der roten Liste der Länder mit hohem Corona-Risiko zu belassen, ein Flugverbot für die kenianischen Fluggesellschaften verhängte.

Experten hatten in den vergangenen Wochen negative Auswirkungen auf die bereits am Boden liegende Reisebranche bzw. auf die Wirtschaft beider Länder befürchtet. Zwischenzeitlich versuchte Rwandair mit Flügen über Nairobi von und nach Daressalam und Kilimanjaro Airport von dem Konflikt zu profitieren.
 

Afrikas Gesundheitschef und WHO fordern Corona-Impfstoff auch für Afrika

John Nkengasong, Leiter der zur Afrikanischen Union gehörenden Panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa (CDC), fordert den Zugang Afrikas auf einen zukünftigen Corona-Impfstoff. Dies sei eine Frage der weltweiten Solidarität und auch des Zusammenhalts der afrikanischen Länder. Es dürften sich nicht die 1990-er Jahre wiederholen, als es sieben Jahre gedauert habe, bis die neu entwickelten HIV-Medikamente in Afrika ankamen.

Der Forderung von Nkengasong hat sich auch die WHO angeschlossen. Richard Mihigo, Abteilungsleiter beim WHO-Regionalbüro für Afrika, forderte am 3. September eine erste Lieferung von über 200 Millionen Impfdosen vor allem für das Gesundheitspersonal und für Risikogruppen. Bis Ende 2021 müsse diese Zahl dann auf 2 Milliarden anwachsen.

Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat eine Studie "Auswirkungen von Covid-19 auf den informellen Sektor in Subsahara-Afrika" herausgegeben. Die Corona-Pandemie wirkt sich bereits jetzt verheerend auf die wirtschaftliche Lage in Subsahara-Afrika aus. Die informelle Wirtschaft mit ihren Arbeitnehmern, die zu etwa 90 % ohne soziale Absicherungen arbeiten, ist hierbei besonders betroffen.

Zur Studie (mit der Möglichkeit zum Download)

Start einer Antikörperstudie für Afrika

John Nkengasong, Direktor der Afrika-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention, hat eine afrikanische Studie zu Antikörpern auf das neue Coronavirus angekündigt. An der Studie, die Aussagen über die Verbreitung des Coronavirus ermöglichen soll, werden alle Länder des Kontinents beteiligt. Den Anfang machen Liberia, Sierra Leone, Sambia, Simbabwe, Kamerun, Nigeria und Marokko.

Deutschland spendet Afrika 1,4 Millionen Corona-Tests

Nach Mitteilung von Entwicklungsminister Gerd Müller finanziert Deutschland der Afrikanischen Union 1,4 Millionen Corona-Testkits. Laut Müller kann die Pandemie nur weltweit besiegt werden oder gar nicht.
 

Covidol: Tansania bringt Corona-Therapiemittel auf den Markt

Noch vor wenigen Wochen wurde diese Nachricht beim Faktencheck mehrerer indischer Medien als "fake news" bezeichnet: "Tansania hat mit Covidol ein Therapiemittel auf pflanzlicher Basis gegen Corona zugelassen." Jetzt bekam Covidol nach einer Meldung der tansanischen Daily News offensichtlich den Segen der Regierung. Die regierungsnahe Tageszeitung bezeichnet in einem Artikel vom 27. August Covidol als "eines der Geheimnisse für den Sieg im Kampf gegen die Coronavirus-Krankheit im Lande" und pries "die Entscheidung Tansanias für einen anderen Weg: An Gott  glauben und Kräuterdampf einatmen".  

Angebliche Heilung von Corona-Patienten

Der "Erfinder" von Covidol ist Prof. Dr. Hamis Malebo, 53, ein auf Pflanzenheilmittel spezialisierter Chemiker. Er arbeitet im Department of Traditional Medicine Research im National Institute for Medicine Research in Daressalam. Malebo, der an der Universität Basel studiert hat und ebenso wie der Staatspräsident aus der Mwanza Region stammt, ist davon überzeugt, dass Covidol für am Coronavirus erkrankte Patienten mit Vorerkrankungen wie Asthma, Allergien, Herz-Kreislauf- und Bluterkrankungen sehr gut geeignet sei. Die Daily News schreibt: "10 Personen, die mittelschwere bis schwere Symptome des Virus zeigten und die positiv getestet wurden, erholten sich mit der Kräutermedizin Covidol innerhalb einer Woche." Zuvor hätten sie Fieber zwischen 38,5 und 39,2 Grad gehabt, ihren Geruchssinn verloren und unter Schlaflosigkeit und Erschöpfung gelitten. Nach der Einnahme von Covidol "verschwanden alle ihre Symptome, und sie wurden geheilt."

Covidol-Erfinder an früheren Studien beteiligt

Covidol-Erfinder Prof. Malebo setzt sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit traditionellen Heilmitteln in Tansania auseinander. Er entdeckte beispielsweise einen traditionellen Heiler im Pangani District, der angeblich schon 1990 mit der Medizin Warburgistat ein Heilmittel gegen HIV/Aids gefunden hat. An der Forschung beteiligte sich damals die niederländische Entwicklungszusammenarbeit.

Malebo untersuchte ferner in den Jahren 2010/11 gemeinsam mit der WHO den aus Baumrinde hergestellten Zaubertee, den der Wunderheiler und pensionierte evangelische Pastor Ambilikile in Loliondo (Arusha Region) als "Becher des Lebens" verkaufte. Mehrere hunderttausend Menschen aus aller Welt waren damals zu dem Pastor gepilgert, die PKWs stauten sich an manchen Tagen vor seinem Haus kilometerlang und mehrere hochrangige Politiker flogen sogar mit dem Hubschrauber ein. Die Einnahme des Zaubertees versprach die Heilung von HIV/Aids, Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und Geschwüre. Die wissenschaftliche Untersuchung bescheinigte dann zwar eine lindernde Wirkung bei einigen Erkrankungen, allerdings keine Heilung. Die evangelische Kirche ELCT hatte im Ort bereits den Bau von Gästehäusern und einer Kathedrale geplant.

"Wirksam auch gegen jede andere Krankheit"

Und nun Covidol. Dr. Paulo Mhame, Stellvertretender Direktor für traditionelle und alternative Medizin im Gesundheitsministerium, hat als hoher Regierungsvertreter Covidol nicht nur gelobt, sondern sogar einen Aufruf gestartet: "Ich fordere die Tansanier auf, traditionelle alternative Medizin nicht nur im Falle einer Covid-19-Erkrankung, sondern auch gegen jeden anderen Krankheitsausbruch in Betracht zu ziehen." Bei einer besseren Vermarktung könne Covidol weltweite Aufmerksamkeit erlangen und in Tansania viele Arbeitsplätze schaffen.

Bau einer Fabrik für die Massenproduktion

Auch Prof. Madundo Mtambo, Generaldirektor der Tanzania Industrial Research and Development Organization (TIRDO), unterstützt mit seiner Organisation die Vermarktung von Covidol. Es gehe jetzt um die Errichtung einer Fabrik für die Massenproduktion. TIRDO hat bereits den Bau von Maschinen veranlasst, um täglich 10.000 Flaschen Covidol produzieren zu können.

Die Daily News macht in ihrem Artikel darauf aufmerksam, dass Staatspräsident John Magufuli bereits im April angewiesen hat, zusätzliche finanzielle Mittel für die Abteilung für traditionelle Medizin im Gesundheitsministerium bereitzustellen. Nach Angaben von Magufuli hatte sich sein eigener Sohn mit Zitronen und Ingwer von einer Covid-19-Erkrankung erholt. Am 20. April hat der Präsident dann Tansania für "coronafrei" erklärt. 

Keine Einbeziehung der WHO

Die WHO, die Tansania für sein Verschweigen der Infektions- und Todeszahlen kritisiert, spricht sich nicht grundsätzlich gegen die Einbeziehung traditioneller pflanzlicher Heilmittel aus. Sie fordert allerdings die Durchführung klinischer Studien vor einem Einsatz am Patienten und gründete am 23. Juli gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention (CDC) des US-Gesundheitsministeriums einen 25-köpfigen Expertenrat zur Forschung und Entwicklung traditioneller Arzneimittel gegen Covid-19. Laut einer Erklärung der WHO soll das Gremium "unabhängigen wissenschaftlichen Rat und Unterstützung für Länder in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität traditioneller medizinischer Therapien" anbieten und afrikanische Länder bei klinischen Studien unterstützen. Auf diese Expertise wollte das tansanische Gesundheitsministerium offensichtlich nicht warten. 

Sehr preiswertes Heilmittel

Covidol wird auf dem Flaschenetikett mit den folgenden Worten beschrieben: "Tiba asili ya homa, mafua na matatizo ya mfumo wa upumuaji" ("Natürliches Heilmittel gegen Erkältung, Grippe und Atemprobleme"). Im Internet kann eine Flasche Covidol sehr preiswert für 30.000 TSH (ca. 11 EUR) bestellt werden. Auf dem Bestellformular wird die Wirksamkeit des Medikaments gegen zahlreiche Krankheiten bescheinigt.

Zum Bestellformular
 

"Glaube Macht Politik": Aktuelle Sportschau-Reportage über Tansania

In einer längeren Reportage berichtete das WDR-Fernsehen im Rahmen der Sportschau über die aktuelle Situation in Tansania. Fußball war dabei der Aufhänger, es ging aber auch ganz allgemein um Corona und die Politik des Staatspräsidenten.

Aus der Programmankündigung des WDR:

"Während fast alle Nachbarländer Ausgangssperren wegen der Corona-Pandemie verhängten, rollt der Fußball in Tansanias Premier League vor vollen Zuschauertribünen. Hygienekonzepte und Social Distancing gibt es nicht. Der Restart ist vor allem eine politische Inszenierung, denn Tansanias Präsident Magufuli hat seine Land für virusfrei erklärt. Der Fußball soll ihm helfen, die anstehende Wahl zu gewinnen."

Zum TV-Beitrag der WDR-Sportschau vom 20.8.2020 (8:50 Min.)
 

Pfingstbewegung verleiht Preis an John Magufuli

John Magufuli ist zwar Katholik, er bezieht seine größte Unterstützung aber durch die Pfingstbewegung in Tansania. Sie hat dem Staatspräsidenten am vergangenen Wochenende während ihres Nationalkonvents in Dodoma einen Preis "für starke Führung während der Covid-19-Pandemie" überreicht. Die Ehrung nahm Erzbischof Dr. Barnabas Mtokambali (Tanzania Assembles of God/TAG) vor.

Er bezeichnete die Auszeichnung als Anerkennung der wichtigen Rolle des Präsidenten bei der Verbreitung des Glaubens, dass nicht ein Lockdown, sondern Gott die Antwort auf die Coronapandemie sei: "Die Entscheidung, keinen Lockdown durchzuführen, sondern stattdessen drei Gebetstage für die Suche nach Gottes Intervention durchzuführen, hat Tansania weltweit in eine ganz besondere Position gebracht." 

Magufuli: "Ich habe die Ehre nicht verdient"

Die beiden vom Präsidenten ausgerufenen landesweiten dreitägigen Gebetstage hätten die Kirche so bewegt, dass sie von sich aus die Gebetstage um zweimal sieben Fastentage ergänzt hätte. Der Konvent in Dodoma kam schließlich zu dem Ergebnis, dass sich "historisch gesehen noch kein Präsident der Welt in einem solchen traumatischen Moment wie die Covid-19-Pandemie an Gott gewandt hatte."

Staatspräsident John Magufuli dankte den Versammelten für die Ehre, die er nicht verdient habe. Es sei nicht er selbst, sondern Gott gewesen, der das Land durch die Pandemie geführt habe. Die Auszeichnung sei aber "eine große Geste" und "ein Symbol wahrer Freundschaft und des Leben Gottes." Die Kirchen sollten weiterhin für ihn als Präsidenten beten und demütig bleiben, denn "ich bin nichts ohne Gott".

Dank des Präsidenten an die Arbeit der Kirchen

Magufuli nutzte die Gelegenheit, der TAG und allen anderen Kirchen für ihre gute Arbeit, für die Unterstützung der Regierung und ihre Aktivitäten in Bereichen wie Bildung und Gesundheit zu danken. Die Kirchen würden eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Nation spielen, und die Regierung werde weiter eng mit den religiösen Führern zusammenarbeiten.

Auch Dr. Bimilith Mahenge, Regional Commissioner von Dodoma, lobte den Präsidenten auf dem Kirchentreffen: "Wir müssen Gott dafür danken, dass er unsere Gebete für einen Führer erhört hat, der das Land wirtschaftlich auf eine andere Ebene heben kann!"
 

Jerusalema: Globaler Sommerhit aus Afrika in Corona-Zeiten

Ein musikalischer Ohrwurm aus Südafrika erobert derzeit die Welt. Der Song „Jerusalema“ wird von DJ Master KG und Nomcebo Zikode in der Zulu-Sprache gesungen und hat sich mit bereits über 81 Millionen YouTube-Aufrufen (Stand: 16.8.) zum globalen Sommerhit in Corona-Zeiten entwickelt. Nach Zeitungsberichten „tanzen weltweit Menschen mit den gleichen Bewegungen in Hinterhöfen, Quarantäne-Unterkünften, Kirchen, Slums, Krankenhäusern und auf Parkplätzen“.

Der „eingängige Mitmach- und Mutmach-Song“ erlebte seine Premiere zwar bereits Ende 2019, setzte sich jedoch erst nach Ausbruch der Pandemie durch und stürmte in den vergangenen Wochen weltweit die Charts.

Weitere Infos und Link zum Lied
 

Gehaltsentzug für Reisen von Beamten nach Tansania?

Nach Angaben des Innenministers von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU), müssen Beamte und Angestellte des Landes mit einem Gehaltsentzug rechnen, wenn sie bewusst in ein Risikogebiet reisen und nach ihrer Rückkehr in Quarantäne gehen. Strobl: "Beamte und Arbeitnehmer des Landes, die in Risikogebiete reisen, gefährden ihre eigene Gesundheit, ihre Dienstleistungsbereitschaft und die Gesundheit der Menschen, denen sie versprochen haben zu dienen."

Ähnliche Vorgaben soll es nach Medienberichten auch bereits in einigen anderen Bundesländern sowie in der freien Wirtschaft geben. Tansania gehört zu den vom Auswärtigen Amt benannten Corona-Risikogebieten. Seit August ist für Rückkehrer aus Risikogebieten ein Coronatest verpflichtend vorgeschrieben.
 

Tansania-Reiseveranstalter legen Widerspruch vor Oberverwaltungsgericht Berlin ein

Die beiden deutsche Reiseveranstalter Elangeni African Adventures (Bad Homburg) und Akwaba Afrika (Leipzig), die auf Reisen nach Tansania, Seychellen, Mauritius und Namibia spezialisiert sind, waren vor dem Verwaltungsgericht Berlin mit dem Versuch gescheitert, die Corona-Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vom 17. März für ungültig erklären zu lassen.

In der Begründung kam das Gericht in einem Eilverfahren zu dem Ergebnis, dass die Aufhebung der Reisewarnung nicht verlangt werden könne. Die Veranstalter seien nicht grundsätzlich in ihrer Berufsfreiheit verletzt. Eine Reisewarnung sei lediglich eine unverbindliche Empfehlung für Reisende und gelte vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie auch nur ganz allgemein für Fernreisen, jedoch nicht für Reisen mit bestimmten Reiseveranstaltern. Das Auswärtige Amt entspreche lediglich dem öffentlichen Informationsbedürfnis und sei weder in Reise- noch Versicherungsverträge der Reiseveranstalter direkt eingebunden.

Die betroffenen Unternehmen haben nun beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg Beschwerde gegen den Beschluss Einspruch eingelegt.

Bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes können Reisende auch noch kurzfristig und ohne Stornokosten von einer Buchung zurücktreten. Auch übernehmen bei einer Reisewarnung nicht alle Krankenversicherungen den Versicherungsschutz. Dadurch ist die Durchführung von Reisen in Länder mit Reisewarnung für Reiseveranstalter faktisch kaum möglich.
 

WHO gründet Expertenbeirat für traditionelle Medizin gegen Corona

Die WHO und das Center for Disease Control and Prevention (CDC) des US-Gesundheitsministeriums haben am 23. Juli einen 25-köpfigen Expertenrat gegründet, der die Forschung und Entwicklung traditioneller Arzneimittel gegen Covid-19 fördern soll.

Laut einer Erklärung der WHO soll das Gremium "unabhängigen wissenschaftlichen Rat und Unterstützung für Länder in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität traditioneller medizinischer Therapien" anbieten und afrikanische Länder bei klinischen Studien unterstützen.

Reaktion auf angebliches Heilmittel aus Madagaskar

Die Gründung des Expertenrats gilt als Reaktion auf die Propagierung der Artemisin-Pflanze durch die Regierung Madagaskars im April. Angeblich soll die Pflanze, die zu großen Erfolge in der Behandlung von Malaria geführt hat, als Kräutertrunk "Covid-Organics" auch ein Schutz- und Therapiemittel gegen Corona sein. Neben weiteren afrikanischen Ländern hat vor allem der tansanische Staatspräsident John Magufuli diese wissenschaftlich noch nicht bewiesene Behauptung aktiv unterstützt und sogar spektakulär ein Regierungs-Sonderflugzeug nach Madagaskar geschickt, um das Heilmittel für die Corona-Bekämpfung nach Tansania zu holen.

Regierungskrise in Madagaskar: Gesundheitsminister stellt sich gegen Staatspräsidenten

Die Gründung des Expertengremiums erfolgte zeitgleich mit einer Erklärung des Gesundheitsministers von Madagaskar, der gegen den ausdrücklichen Willen seines Staatspräsidenten die WHO um schnelle Hilfe im Kampf gegen eine Ausbreitung des Coronavirus in Madagaskar gebeten hat: "In den letzten Wochen hat sich die COVID-19-Epidemie in Madagaskar sehr kritisch entwickelt und in bestimmten Regionen, insbesondere in Antananarivo, zu deutlichen Ausbrüchen geführt".

Das Gesundheitsministerium führte seine „dringendsten Bedürfnisse“ auf - Sauerstoffflaschen, 337 Beatmungsgeräte, 2,3 Millionen Gesichtsmasken, 697.000 Paar Handschuhe und 533.200 medizinische Blusen. Der Appell des Ministeriums sei lediglich "eine persönliche Initiative" des Gesundheitsministers, die "ohne Rücksprache mit der Regierung oder Präsident Rajoelina" ergriffen wurde, heißt es in einer Regierungserklärung.

"Kommentar: Corona - Politik mit falschen Heilmitteln"
Deutsche Welle vom 15.7.2020
 

Magufuli erklärt Tansania für "coronafrei"

Staatspräsident John Magufuli hat am 20. Juli das gesamte Land für "coronafrei" erklärt. Magufuli: "Wir haben beschlossen, zu Gott zu beten, dass er uns vor dem Coronavirus rettet. Gott hat unsere Gebete erhört." Der Präsident gab seine Erklärung im State House in Dodoma aus Anlass der Vereidigung neuer Regional und District Commissioners ab. Er forderte die neu ernannten Politiker auf, Tansania als touristisches Reiseziel zu vermarkten und die Welt auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass das Land in Sicherheit sei.

Magufuli erklärte in seiner Rede, dass nun auch das Tragen von Schutzmasken überflüssig sei.

Paul Makonda kandidiert fürs Parlament

Zu den am 20. Juli vom Präsidenten vereidigten neuen Regional Commissioners gehörte auch Aboubakar Kunenge als neuer RC von Daressalam. Der bisherige Amtsinhaber Paul Makonda (CCM) musste wegen seiner Kandidatur für das Nationalparlament zurücktreten. Makonda, gegen den die US-Regierung ein Einreiseverbot für die USA verhängt hat, sorgte nicht nur für weltweite Proteste, als er in Daressalam zur Jagd auf Homosexuelle aufrief, er forderte auch schon vor mehreren Wochen die Einwohner der Millionenstadt zu öffentlichen Straßenfesten auf, um den Sieg über das Virus zu feiern.
 

Corona-Pandemie führt zu sinkendem Wirtschaftswachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat das für dieses Jahr erwartete Wirtschaftswachstum in Ostafrika aufgrund der Corona-Pandemie deutlich nach unten korrigiert: Während sich in Tansania das reale Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr in 2017 noch um 6,8 %, 2018 um 7,0 % und 2019 um 6.3 % positiv veränderte, wird für das laufende Jahr 2020 nur mit einem Plus von 2,0 % gerechnet. Eine optimistische Prognose prophezeit für 2021 dann allerdings wieder ein Wachstum um 4,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Bei den Erwartungen für 2020 liegt Tansania mit 2,0 % auf Platz 3 in Ostafrika - hinter Ruanda und Uganda (jeweils 3,5 %), allerdings vor Kenia (1,0 %) und Burundi (-5,5 %).

Einbruch beim Warenverkauf

Eine Analyse des Informationsdienstes des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) begründete am 16. Juli das sinkende Wirtschaftswachstum damit, dass „fast alle Industrieunternehmen in Ostafrika aufgrund der Corona-Krise weniger Waren verkauft haben. Viele leiden auch unter unterbrochenen internationalen Lieferketten sowie dem Ausfall inländischer Zulieferungen.“

Eine Umfrage im Rahmen des GIZ-Programms „Creating Perspectives. Business for Development (East Africa)“ hat laut iwd zudem ergeben, dass knapp 40 Prozent der ostafrikanischen Betriebe infolge der Krise Personal entlassen mussten: „In Ländern, in denen die Arbeitslosigkeit schon vor der Corona-Pandemie hoch war, ist dies besonders bitter. Umso bemerkenswerter ist, dass mehr als die Hälfte der befragten ostafrikanischen Unternehmen ihren Mitarbeiterstamm bislang halten konnte – schließlich gibt es in diesen Ländern keine staatlichen Abfederungsinstrumente für Krisenzeiten wie das Kurzarbeitergeld oder vergleichbare Mechanismen“. (iwd)

Eigeninitiative vieler Betriebe

Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Monaten angesichts mangelnder staatlicher Unterstützung die Eigeninitiative ergriffen und ihre Angebote kurzfristig erweitert. Unternehmen der Textilindustrie stellten beispielsweise Schutzmasken und Schutzkleidung für das medizinische Personal her. Andere produzierten dringend benötigte Desinfektionsmittel.

„Die Sorgen der Unternehmen in Afrika“
iwd vom 16.7.2020
 

UN-Hochkommissarin kritisiert Corona-Lage in Tansania

Michelle Bachelet, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, hat am 30. Juni vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf die aktuelle Corona-Lage in den USA, Brasilien, Burundi, Tansania und Weißrussland kritisiert. Aussagen, die das Ausmaß der Virus-Verbreitung herunterspielten, seien in diesen Ländern besorgniserregend.

Die UN-Vertreterin hat zudem Länder wie China, Russland, Nicaragua, Kosovo, Ägypten und weitere Staaten wegen der Einschüchterung und Bedrohung von Journalisten, Bloggern und Menschenrechtsaktivisten scharf verurteilt. Die Journalisten und Aktivisten sollen von einer kritischen Berichterstattung über die Corona-Politik ihrer Regierungen abgeschreckt werden.

Zur gesamten Rede der UN-Hochkommissarin Michelle Bachelet (in engl.)

Tansania schließt das Corona-Gesundheitszentrum für die Küstenregion

Nach Angaben von Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu sind inzwischen 74 von landesweit 85 Corona-Gesundheitszentren wegen fehlender Patienten geschlossen worden. Die letzte Schließung betraf nach einem Bericht von Ippmedia am 2. Juli das zentrale Corona-Zentrum für die Küstenregion in Kibaha, wo laut Ministerin am 26. Mai der letzte Corona-Patient aufgenommen worden sei.

Mwalimu appellierte an die Bevölkerung, weiterhin achtsam zu sein und die empfohlenen Schutzmaßnahmen zu beachten.
 

Absage der Haddsch-Pilgerreisen nach Mekka

Der Nationale Muslimische Rat von Tansania hat die Gläubigen darüber informiert, dass die Haddsch-Pilgerreisen nach Mekka vom 28.7.-2.8. abgesagt wurden. Sheikh Mufti Aboubakary Zuberi informierte die Presse in Daressalam, dass in diesem Jahr zur Verhinderung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus nur in Saudi-Arabien lebende Muslime nach Mekka pilgern dürfen.
 

Große Corona-Kehrtwende in Burundi

In Burundi, dem kleinen Nachbarland Tansanias, soll nach mehreren Medienberichten der neu gewählte Staatspräsident Évariste Ndayishimiye bereits am Tag seiner Amtsübernahme die Corona-Politik seines verstorbenen Vorgängers Pierre Nkurunziza komplett auf den Kopf gestellt und Covid-19 als "den größten Feind" des Landes bezeichnet haben, der ihm "größte Sorgen" bereitet.

Ndayishimiye, der als "tiefgläubiger Katholik" bezeichnet wird, kündigte an, ab sofort mit der WHO zusammenzuarbeiten und im gesamten Land Corona-Testzentren einzurichten und Aufklärungskampagnen durchzuführen. Er sagte: "Ein Feind muss gejagt werden, wo immer er sich versteckt - auch wenn seine Anwesenheit auch nur vermutet wird.  Wir verpflichten uns, die Pandemie zu bekämpfen und fordern die strikte Einhaltung der Präventionsmaßnahmen, die der Gesundheitsminister von nun an im ganzen Land anzeigen wird.  Jeder muss wissen, dass das Coronavirus eine Pandemie ist, die sich leicht übertragen lässt und die tötet, wenn man sie auf die leichte Schulter nimmt."

Der Präsident, der bis Januar 2020 Generalsekretär der Regierungspartei CNDD-FDD und zuvor Innenminister des Landes war, warnte die Bevölkerung, sich bei vorhandenen Sympotomen nicht behandeln zu lassen. Alle Tests und Behandlungen seien kostenlos. Die WHO hat inzwischen zugesagt, den Kampf gegen Corona in Burundi mit 5 Millionen US-Dollar zu unterstützen.

Sein verstorbener Vorgänger, der sich "ewiger oberster Führer" nennen ließ und dessen Frau mit einer Corona-Erkrankung nach Nairobi ausgeflogen worden war, soll nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Informanten aus Burundi im Alter von 55 Jahren als weltweit erster Staatspräsident an dem Virus gestorben sein. Zuvor hatte er Mitte Mai noch WHO-Mitarbeiter des Landes verwiesen und eine landesweite Verbreitung des Virus geleugnet. Ähnlich wie der tansanische Staatspräsident John Magufuli beruhigte er als Anhänger der evangelikalen Pfingstkirchen die Bevölkerung noch bis zu seinem Tod mit den Worten: "Gott hat Burundi vor der Verwüstung verschont".  

Wiedereröffnung der Grund- und Sekundarschulen

Als erstes ostafrikanisches Land hat Tansania am 29. Juni die seit März geschlossenen Grund- und Sekundarschulen wieder geöffnet. Bereits am 1. Juni hatten die Universitäten und Colleges ihren Betrieb aufgenommen.

Für alle Schulen wurden Schutzmaßnahmen vorgeschrieben: Desinfizieren des gesamten Schulgebäudes 72 Stunden vor Schulbeginn, Möglichkeiten zum Händewaschen  und -desinfizieren in jeder Schulklasse, in Bibliotheken, Toiletten, Büros und an allen Eingängen, häufiges Händewaschen sowie Maskenpflicht für Schüler, die mindestens acht Jahre alt sind. Abstandsregeln gelten in den Klassen, in denen manchmal mehr als 60 Schüler sitzen, nicht.

Um den ausgefallenen Unterrichtsstoff nachzuholen, wird der tägliche Schulunterricht um zwei Stunden verlängert. Ferien sind bis zum Jahresende gestrichen. Nach einem Bericht der Tageszeitung "The Citizen" hatten trotz der Vorsichtsmaßnahmen viele Eltern Angst, ihre Kinder wieder zurück in die Schule zu schicken.

Die Anordnung zur Wiedereröffnung der Schulen traf Staatspräsident John Magufuli bereits am 16. Mai. Er erklärte im Parlament die Pandemie für "besiegt" und erlaubte alle sozialen Aktivitäten. Damit können jetzt auch wieder Hochzeiten gefeiert und Veranstaltungen durchgeführt werden. Magufuli rief jedoch dazu auf, weiterhin die empfohlenen Schutzmaßnahmen zu beachten.

Saed Kubenea von der Oppositionspartei Chadema hielt die Beschlüsse für voreilig. Von der Deutschen Presse-Agentur wurde er mit den Worten zitiert: "Die Krankheit ist noch immer im Land". Er verwies auf die mangelnde Glaubwürdigkeit der Regierung, die seit vielen Wochen keine Infektions- und Todeszahlen mehr veröffentlicht hat.
 

Gesichtsschilde aus recycelten Plastikflaschen

In Daressalam hat die Firma Zaidi Recyclers das Recycling von gebrauchten Plastikflaschen zur Herstellung von Gesichtsschilden aufgenommen. Täglich können bis zu 2.000 Schutzschilde hergestellt und anschließend zu einem Preis von 4.000 TSH (1,55 Euro) an Krankenhäuser, Gesundheitsstationen, Verwaltungen oder Einzelpersonen verkauft werden.

Firmensprecherin Haikael Rafael sieht das neue Geschäftsmodell auch als einen Beitrag zum Umweltschutz. Aktuell sei die Nachfrage nach einem Gesichtsschutz, der von der Regierung zertifiziert worden ist, im ganzen Land immer noch riesig. Und nach Beendigung der Corona Pandemie könnten die Schutzschilde auch weiterhin im medizinischen Bereich eingesetzt werden.

Zaidi Recyclers
 

Waren-Grenzverkehr: Erstaunliche Einigung zwischen Tansania und Kenia

Tansania und Kenia haben erneut den Versuch unternommen, einen freien Warenverkehr zwischen beiden Ländern herzustellen. In den vergangenen Wochen hatten sich über 1.000 LKW alleine auf tansanischer Seite gestaut. Zukünftig sollen nun nicht mehr am jeweiligen Abfahrtsort der LKW, sondern nur noch an den Grenzen Corona-Tests durchgeführt werden: Kenianische Grenzbeamte testen tansanische LKW-Fahrer und umgekehrt. Erstaunlich ist die Bestimmung, dass die Fahrer anschließend die Grenze passieren dürfen, ohne das Testergebnis abzuwarten. Dieses soll ihnen erst bei ihrer Rückkehr an der Grenze ausgehändigt werden. Wenn diese Meldung der Tageszeitung The Citizen zutreffen sollte, würde dies bedeuten, dass infizierte LKW-Fahrer durch das jeweilige Nachbarland fahren. 

In den Wochen zuvor hatten die Grenzposten Kenias (und auch Ruandas) den Gesundheitszertifikaten der tansanischen LKW-Fahrer nicht getraut. Nach kenianischen Medienberichten konnten in der Vergangenheit bis zu 25 % der in Kenia gemeldeten Corona-Neuinfektionen tansanischen LKW-Fahrern zugeordnet werden. Daher hatte Kenia einen Covid-19-Test unter kenianischer Kontrolle gefordert, was die meisten Fernfahrer verweigerten.

Als Gegenmaßnahme hatten die tansanischen Behörden ihrerseits die Grenze für kenianische LKW-Fahrer gesperrt. Beide Länder sind wirtschaftlich von einem freien Warenverkehr abhängig.

An der Grenze zu Ruanda müssen tansanische LKW zur Zeit immer noch auf ruandische LKW umgeladen werden. Dies lehnen die Spediteure jedoch entschieden ab und befürchten, dass ihre Auftraggeber in Zukunft vor vornherein auf ruandische LKW zurückgreifen könnten - zumal für ruandische Spediteure die Mautgebühr für den Grenzübertritt vor einigen Jahren von 500 USD auf 152 USD gesenkt worden ist.
 

Neustart der Fußball-Liga mit Zuschauern

Als erstes afrikanisches Land nahm Tansania Mitte Juni wieder den Spielbetrieb in der höchsten Fußball-Liga auf. Rekordmeister Young Africans siegte in der Vodacom Premier League mit 1:0 gegen Mwadui FC. Zuschauer wurden im Stadion zugelassen, sie mussten jedoch Gesichtsmasken tragen, Hände mit Seife waschen oder desinfizieren und sich am Eingang einem Temperaturcheck unterziehen. In den Zuschauerrängen musste Abstand gehalten werden. 

Wegen der Corona-Pandemie war der Spielbetrieb Mitte März ausgesetzt worden. In Afrika hatte lediglich Burundi, das inzwischen die WHO des Landes verwiesen hat, den Spielbetrieb fortgesetzt.
 

Tourismusminister: "Tansania bleibt das sicherste Reiseland"

Tourismusminister Hamis Kigwangala hofft auf eine baldige Rückkehr der Touristen. Auf einem Pressetermin sagte er: "Tansania bleibt das sicherste Reiseland." Zur Erhöhung der Sicherheit vor einer Corona-Erkrankung werde Tansania in den Touristikgebieten vier Corona-19-Labore einrichten. Alle Besucher sollen zukünftig getestet werden und anschließend ein Zertifikat erhalten.

Der Stellvertretende Tourismusminister Constantine Kanyasui beklagte nach Angaben von Ippmedia das schlechte Image des Landes: "Tansania hat unter schlechter Presse gelitten, obwohl das Land nicht so betroffen ist wie andere Staaten des Kontinents."

Das Ministerium scheint aber offensichtlich selbst skeptisch zu sein, was eine schnelle Rückkehr der europäischen, asiatischen oder amerikanischen Touristen betrifft. Daher will es in den nächsten Monaten verstärkt in afrikanischen Ländern wie Kenia, Ägypten, Marokko und Südafrika werben. Auch soll der Inlandtourismus gefördert werden, unter anderem durch eine Überprüfung der Hotel- und Nationalparkpreise für Einheimische.

Tanzania Unforgettable
Neuer Werbefilm von Tanzania Tourist Board

Verlängerung der Reisewarnung bis zum 31. August

In Deutschland hat die Bundesregierung am 10. Juni entschieden, dass die weltweite Reisewarnung für alle außereuropäischen Länder bis einschließlich dem 31. August weiter gilt. Fehlende gemeinsame belastbare Datengrundlagen, Kriterien und Abstimmungsprozesse würden einen uneingeschränkten Reiseverkehr ohne unkalkulierbare Risiken verhindern. Es könne nicht riskiert werden, dass im Sommer erneut Deutsche in aller Welt stranden oder Urlaubsrückkehrer das Virus unentdeckt nach Deutschland tragen.

Die Reisewarnung soll nach dem Beschluss der Bundesregierung jedoch auch vor September immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden, "immer mit der Sicherheit der Reisenden als zentralem Kriterium. Dort - und nur dort - wo das Gesamtpaket aus positiver Pandemieentwicklung, einem stabilen Gesundheitssystem, stimmigen Sicherheitsmaßnahmen für den Tourismus und verlässlichen Hin- und auch Rückreisemöglichkeiten das zulässt, können wir möglicherweise schon früher von einer Reisewarnung zu Reisehinweisen zurückkehren."

Reiseempfehlungen auch in Österreich und in der Schweiz

Das Eidgenössische Department für auswärtige Angelegenheiten (EDA) empfiehlt, "ab dem 15. Juni bis auf weiteres auf nicht dringliche Auslandsreisen zu verzichten". Das Außenministerium in Österreich sieht für Tansania aktuell ein "hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 4) und rät "dringend, nicht unbedingt notwendige Reisen zu verschieben bzw. von bestehenden Rückreisemöglichkeiten Gebrauch zu machen".

Screening bei der Einreise

Zum Thema "Einreise nach Tansania" teilt das Auswärtige Amt aktuell mit: "Bei Einreise erfolgt ein umfangreiches COVID-19-Screening. Eine Quarantäne-Pflicht besteht nicht mehr. Werden bei Einreise Symptome von COVID-19 festgestellt, wird der Passagier direkt am Flughafen medizinisch betreut. Bei Nicht-Befolgen der Screening-Vorgaben kann die Einreise verweigert werden. Allen Reisenden wird empfohlen, die geltenden Abstands- und Hygieneregelungen zu befolgen und Gesichtsmasken zu tragen. Bei Einreisen auf dem Landweg erfolgt am Grenzübergang ebenfalls ein entsprechendes Screening, bevor die Einreise gestattet wird."

Ein größerer deutscher Reiseveranstalter, der namentlich nicht genannt werden möchte, empfahl der tansanischen Regierung dringend die Offenlegung der Corona-Zahlen. Nur durch einen offenen Umgang mit der Pandemie könne das Vertrauen zu den verunsicherten Reisekunden aufgebaut werden.
 

Jetzt auch Sansibar wieder für den Tourismus geöffnet

Sansibars Tourismusminister Mahmoud Thabit Kombo hat die Gewürzinsel am 14. Juni offiziell wieder für den Tourismus freigegeben. Am 23. März waren die Grenzen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen worden. Allerdings müssen weiterhin einige Präventionsmaßnahmen befolgt werden: Messen der Körpertemperatur bei der Einreise, ständiges Tragen einer Gesichtsmaske, Distanz zu anderen Menschen. Außerdem muss eine internationale Krankenversicherung nachgewiesen werden. Eine Task Force soll auf der gesamten Insel Patrouillen durchführen.

Der Minister sagte, dass Veranstaltungen und Zusammenkünfte mit mehr als 50 Teilnehmern auf Sansibar weiterhin verboten sind. Grundsätzlich sei jedoch das Virus eingedämmt worden.

Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Sansibars. Die Zahl der Touristen konnte innerhalb von 10 Jahren von 150.000 auf 376.000 gesteigert werden.

Staatspräsident spricht erneut in Kirche

Erneut hat Staatspräsident John Magufuli den Besuch einer Kirche für eine Rede genutzt: In der katholischen Kirche von Chamwino in der Dodoma Region forderte Magufuli am 14. Juni die Bevölkerung auf, weiterhin die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten und Gott zu danken, dass er das Land vor dem Coronavirus geschützt habe.

Zwei Tageszeitungen zitierten Magufuli mit den Worten: "Gott, der Allmächtige, hat auf Gebete von Tansaniern reagiert, die gebetet, gefastet und Buße geleistet haben. Als Ergebnis ist die Infektionsrate gesunken und die Menschen gehen ihrer normalen Arbeit nach" (Ippmdia) sowie "Jetzt ist das Virus verschwunden, und ich glaube, dass alles gut gehen wird, wenn wir unser Leben Gott übergeben" (Daily News).
 

Magufuli: "Der Kampf gegen die Pandemie ist gewonnen!"

Staatspräsident John Magufuli hat nach Angaben der regierungsnahen Tageszeitung Daily News am 5. Juni auf der Jahreshauptversammlung der Tanzania Teachers Union (CWT) den Sieg über das Virus verkündet: "Das Staatsoberhaupt nutzte die Gelegenheit um der Nation mitzuteilen, dass Tansania den Kampf gegen die Corona-Pandemie gewonnen hat" (Daily News).

Magufuli gab anschließend seine Anweisung an das Gesundheitsministerium bekannt, Informationen zu allen Gesichtsmasken einzuholen, die von verschiedenen Organisationen und Institutionen gespendet worden sind. Dadurch soll sichergestellt werden, "dass sie für Tansanier sicher sind". Der Staatspräsident äußerte erneut Zweifel an Masken, die aus dem Ausland eintreffen: "Sie könnten dazu bestimmt sein, Menschen böswillig zu infizieren." Deshalb müssten Gesundheitsexperten diese Masken vor der Verbreitung gründlich überprüfen.

Nach einem Bericht der Tageszeitung Ippmedia hat Magufuli die Behörden aufgefordert, gegen Einzelpersonen oder Organisationen vorzugehen, die nicht genehmigte Schutzausrüstung spenden und vertreiben.

Tansania solle ferner vorsichtig sein gegenüber Menschen, die sich als gutmeinende Philanthropen ausgeben, in Wirklichkeit aber bösartig versuchen würden, die Menschen zu infizieren.
 

Fluggesellschaften geben Termine bekannt

Mehrere internationale Fluggesellschaften haben in diesen Tagen die Termine bekannt gegeben, ab wann sie Tansania wieder in ihr Flugprogramm aufnehmen werden. Vorreiter war wie erwartet Ethiopien Airlines, das bereits seit dem 1. Juni wieder nach Tansania fliegt - und zwar sowohl nach Daressalam als auch zum Kilimanjaro Airport. Seit dem 10. Juni fliegt Ethiopien Airlines auch wieder nach Sansibar.

Am 15. Juni folgte Qatar Airways mit dem ersten Flug von Deutschland nach Daressalam, am 17. Juni dann auch zum Kilimanjaro Airport und am 29. Juni nach Sansibar.

Turkish Airlines hat seit dem 18. Juni wieder die internationalen Flüge ab Deutschland ins Programm genommen werden. Ziele in Tansania sind sowohl Daressalam als auch Sansibar und der Kilimanjaro Airport.

KLM will voraussichtlich ab dem 1. Juli Tansania wieder anfliegen. Emirates hält sich mit einer solchen Aussage noch zurück und teilte telefonisch lediglich mit, dass "mindestens noch bis zum 1. Juli" keine Maschinen nach Tansania abheben.

Nach Auskunft von Jörg Hülsböhmer (DERPART-Reisebüro Dr. Pieper, Ahlen), Vermittler von (Gruppen-) Flügen nach Tansania, können Flüge mit Condor aktuell erst wieder ab dem 2. Oktober (Sansibar) bzw. ab dem 2. November (Kilimanjaro) gebucht werden. Sollte es bei diesem Zeitplan bleiben, müssten bereits gekaufte Flugtickets für den Sommerzeitraum von Condor zurückerstattet werden.
 

Tourismusminister stuft Pandemie herunter zur Endemie

Der tansanische Tourismusminister Hamisi Kigwangala hat bei einem Besuch in Arusha die Corona-Pandemie als Endemie bezeichnet. In der Tageszeitung The Citizen wird er am 3. Juni mit den Worten zitiert: "Die Fälle sind so stark zurückgegangen, dass es sich nicht mehr um eine Pandemie, sondern um eine Endemie handelt". Die Regierung habe durch die Interventionsmaßnahmen von Präsident John Magufuli die Infektionskurve nach kurzer Zeit abgeflacht.

Eine Endemie beschreibt laut Definition das zeitlich und örtlich begrenzte Auftreten einer Erkrankung, meist innerhalb einer bestimmten Region oder Personengruppe. Entscheidend ist dabei, dass die Krankheit in der umschriebenen Population oder Region dauerhaft in erhöhtem Maße auftritt. Die betreffende Region wird Endemiegebiet genannt. Ein Beispiel für eine Endemie ist Malaria. Das Tropenfieber ist in rund hundert Ländern auf unterschiedlichem Niveau endemisch, tritt in den betreffenden Gebieten also fortwährend gehäuft auf.

Mit dem ersten Flugzeug kamen Schweizer Reiseveranstalter

Der Tourismusminister ließ es sich nicht nehmen, auf dem Kilimanjaro Airport das erste internationale Flugzeug nach über drei Monaten persönlich zu begrüßen. Er betonte in seiner Rede, dass Tansania alle medizinischen Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Touristen eingeleitet habe. Die Boeing 737-800 von Ethiopien Airlines wurde wie bei einer Jungfernfahrt mit Wasserwerfern begrüßt. In der Maschine saßen allerdings noch keine Touristen, sondern Reiseveranstalter aus der Schweiz wie Hansruedi Buchi vom Spezialveranstalter Aktivferien AG.

Während das Schweizer Außenministerium weiterhin empfiehlt, "bis auf weiteres auf nicht dringliche Auslandsreisen zu verzichten", kündigt Aktivferien AG auf seiner Homepage bereits die Wiederaufnahme von Kilimandscharo- und Tansania-Naturreisen ab dem 27. Juni an und schreibt: "Alle bestehenden Buchungen sind dadurch bestätigt und gültig. Freuen Sie sich auf eine packende Reise."
 

Seit dem 1. Juni Wiedereröffnung von Unis, Colleges und Fachschulen

Als eines der ersten afrikanischen Länder hat Tansania am 1. Juni im gesamten Land wieder die Universitäten, Colleges, Lehrerseminare sowie den 3. Schuljahrgang der Berufsausbildungszentren geöffnet. Außerdem bereiten sich Schüler auf die Form VI Abschlussprüfungen vor. Grundschulen und Sekundarschulen bleiben weiterhin unbefristet geschlossen.

Die Studenten und Schüler, die nach zwei Monaten jetzt erstmals wieder zum Unterricht gehen, müssen jedoch die Hygienevorschriften, Abstandsregeln und die Maskenpflicht beachten. Zusätzliche Regeln gibt es für Internate. Schüler mit Krankheitssymptomen sollen zu Hause bleiben. Beim Auftreten von Symptomen während der Unterrichtszeit müssen die Betroffenen von der Schulleitung zum nächsten Gesundheitszentrum geschickt werden.
 

Daily News: "Leere Betten sind ein Zeichen des Sieges"

Die regierungsnahe Tageszeitung Daily News feierte am 30. Mai "den unmittelbar bevorstehenden Sieg der Regierung im Kampf gegen die Pandemie" und spricht wörtlich von einem "Spektakel der unbesetzten Betten". Eine telefonische Umfrage in den Krankenhäusern mehrerer Regionen hätte ergeben, dass inzwischen fast alle Betten leer seien und kaum noch neue Infektionen gemeldet würden. Dies beweist laut Daily News "die jüngsten falschen Behauptungen einiger anscheinend böswilliger Stellen, wonach Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten überfordert seien". Gemeint ist damit vermutlich vor allem die Botschafterin der USA, die in dieser Woche ins Außenministerium einbestellt wurde.

In dem Artikel der Daily News wird aber auch erstmals darüber informiert, dass alleine das Dodoma Regional Referral Hospital, das nach Angaben der Zeitung schon seit 3 Wochen keinen einzigen Patienten mehr hatte, zeitweilig 900-1.200 Corona-Patienten pro Tag versorgen musste. Nach der letzten offiziellen Bekanntmachung der Regierung am 30. April gab es aber lediglich 509 Infektionen landesweit.

Französischer Botschafter lobt Corona-Maßnahmen der Regierung

Ippmedia berichtete am 30. Mai über ein Treffen des französischen Botschafters Amb Clavier mit dem tansanischen Außenminister Palamagamba Kabudi. Im Gegensatz zu seiner US-amerikanischen Amtskollegin soll sich Clavier positiv über den tansanischen Weg zur Bekämpfung der Pandemie geäußert haben. Er versicherte laut Ippmedia dem Minister, dass Frankreich Tansania zu 100 Prozent für die Schritte unterstützt, die es gegen die Pandemie unternommen hat und dass sein Land Tansania ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 30 Millionen Euro gewähren wird mit leicht zu erfüllenden Bedingungen für Maßnahmen gegen die Krankheit und für die Wiederbelebung der Wirtschaft.

Außenminister Kabudi erklärte dem Botschafter, dass die von Tansania ergriffenen Maßnahmen es den Tansaniern ermöglicht hätten, ihr tägliches Leben fortzusetzen ohne Beeinträchtigung ihres wirtschaftlichen Wohlergehens - bei gleichzeitiger Einhaltung der Richtlinien der Gesundheitsexperten des Landes.

Frankreich will auch 6.000 Kleinbauern mit 500.000 US-Dollar unterstützen - unter anderem für den Bau von Lagersilos. Clavier sprach sich schließlich für die Aussetzung der tansanischen Schulden- und Zinszahlungen und sogar für einen möglichen Schuldenerlass aus.   
 

Einbestellung der US-Botschafterin

Das tansanische Außenministerium hat am 26. Mai US-Botschafterin Dr. Inmi Patterson einbestellt. Ihr wurde die Reisewarnung der USA und der Umgang mit der Pandemie auf den Twitter-Seiten der US-Botschaft vorgeworfen. Nach Auffassung der tansanischen Regierung wurde dort fälschlicherweise behauptet, dass viele Krankenhäuser in Daressalam mit Corona-Erkrankten überfordert seien. Dies sei unwahr. Die Botschafterin wurde über die Bedeutung einer korrekten Berichterstattung informiert. Es gäbe keine Einschränkungen, sich zu informieren.

In dem Gespräch lobte Staatssekretär Oberst Wilbert Ibuge als Vertreter des Außenministeriums die langjährige Entwicklungszusammenarbeit zwischen den USA und Tansania.

Dr. Inmi Patterson war von 2010-13 Generalkonsulin der USA in Hamburg. Sie spricht sieben Sprachen fließend, darunter Deutsch und Kisuaheli. Die promovierte Psychologin arbeitete vor ihrer diplomatischen Laufbahn u.a. für die UNESCO und für Earth Watch.
 

Aga Khan Stiftung wirbt für ihren CoronaCheck

Die Aga Khan Stiftung hat jetzt auch in Tansania ihren CoronaCheck eingeführt. Es handelt sich um eine mobile App, mit der die Bevölkerung Symptome einfach und sicher bewerten kann. 

Die App verwendet einen interaktiven Chatbot, mit dem man Symptome verstehen und erkennen kann, ob möglicherweise eine Infizierung mit COVID-19 vorliegt und rechtzeitig ein Hospital aufgesucht werden sollte. Die App dient aber auch zur Identifizierung von potenziellen Coronavirus-Trägern. 

CoronaCheck versucht nach eigenen Angaben auch, „Mythen und Missverständnisse, die durch Social-Media-Plattformen verbreitet werden, durch Lehrvideos zu bekämpfen“. Es enthält ferner Infos zum Schutz vor Infektionen, Ratschläge zur Selbsteinschätzung sowie Vorsichtsmaßnahmen und Leitlinien zur körperlichen Distanzierung, die von der WHO empfohlen werden.

CoronaCheck kann im Google Play Store und im App Store heruntergeladen werden.
 

Zurückhaltendes Ende des Ramadan

Am 23. Mai endete der muslimische Fastenmonat Ramadan und am 24. Mai das vom Staatspräsidenten ausgerufene landesweite Gebetswochenende als Dank für den Rückgang der Corona-Infektionen. Nach übereinstimmenden Augenzeugen- und Medienberichten verlief das Ende des Ramadans allerdings eher zurückhaltend. Im Vergleich zu den Vorjahren blieben viele Gläubige zu Hause. So berichtet Ippmedia: "Das diesjährige Eid el-Fitr Fest wurde eher zurückhaltend gefeiert. Abgesehen von den Gebeten wurden die üblichen Familienfeiern und Einkäufe reduziert, und es bestand Angst vor Versammlungen."

Premierminister Kassim Majaliwa rief vor Gläubigen in Dodoma dazu auf, die von Gesundheitsexperten erlassenen Richtlinien weiter einzuhalten. Auch Ali Mohammed Shein, Präsident von Sansibar, riet den Gläubigen zur Vorsicht.

Auch Sansibar bereitet sich auf die Rückkehr des Tourismus vor

Auch Sansibar bereitet sich auf die Rückkehr der Touristen vor. Nachdem die tansanische Regierung auf Wunsch des Staatspräsidenten die Flugbeschränkungen und Quarantänevorschriften aufgehoben hat, gab auch die Regierung von Sansibar bekannt, dass Reiseleiter, Dienstleister und das Flughafenpersonal regelmäßig auf eine mögliche Corona-Erkrankung getestet werden sollen, um Touristen nicht zu gefährden. Urlauber müssen ihrerseits bei der Einreise ein Attest vorlegen, dass sie corona-negativ getestet worden sind.
 

Nationales Testlabor: Gesundheitsministerin stellt Untersuchungsbericht vor

Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu hat am 23. Mai den Bericht einer 10-köpfigen Untersuchungskommission vorgestellt, die auf Betreiben des Staatspräsidenten eingesetzt wurde, um die Zuverlässigkeit des Nationalen Gesundheitslabors zu überprüfen. John Magufuli hatte behauptet, Proben von Tieren und Früchten mit erfundenen menschlichen Namen im Labor eingereicht und anschließend bei einer Ziege, einer Wachtel und einer Papaya das Ergebnis "Corona positiv" erhalten zu haben. Dem Präsidenten diente dies als Beweis für seine Behauptung, dass Tansania bewusst falsche Testkits aus dem Ausland erhalten habe. Die WHO wies die Anschuldigung zurück. Dennoch wurde der Direktor des Gesundheitslabors umgehend seines Postens enthoben.

Laut eines Artikels der Tageszeitung "The Citizen" stellte der Untersuchungsbericht beim Gesundheitslabor Schwächen in der Verwaltung, bei den Einrichtungen und beim Laborbetrieb fest. Dies habe sich auf die Qualität der Tests und auf die Lagerung der Proben ausgewirkt. Eine Maschine zur Auswertung der Tests sei fehlerhaft gewesen. Corona-Untersuchungen werden inzwischen in einem neuen Labor in Daressalam durchgeführt, das 1.800 Proben pro Tag ermöglicht.

Die Untersuchungskommission konnte aber offensichtlich keine falschen Testergebnisse größeren Ausmaßes feststellen. Die Gesundheitsministerin nutzte ansonsten die Gelegenheit nicht, um nach drei Wochen wieder einmal offizielle Infektions- und Todeszahlen zu veröffentlichen. Tansania gehört damit weiterhin zu den wenigen Ländern weltweit, die ihre Zahlen der WHO vorenthalten.

Quarantäne-Schiff auf dem Viktoria See

Die Behörden in Uganda haben in Entebbe die Fähre MV Kalangala vorsorglich für 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Das Schiff bietet Platz für 200 Passagiere und einige Autos, traf aber nach einer vierwöchigen Inspektion aus Mwanza lediglich mit ihrer fünfköpfigen Besatzung ein, die in Tansania zuvor offensichtlich negativ getestet worden war. Dennoch wird der Besatzung aus Sicherheitsgründen das Betreten des Festlands verweigert. Wegen des Hochwassers auf dem Victoria See ankert die Fähre circa 100 Meter vor dem Hafen.
 

Magufuli befürchtet infizierte Masken aus dem Ausland

Staatspräsident John Magufuli hat vor dem Empfang nicht zertifizierter Spenden für den Kampf gegen das Coronavirus gewarnt. Alle Spenden müssten zuerst vom Gesundheitsministerium geprüft werden. In der regierungsnahen Tageszeitung "Daily News" wurde Magufuli am 22. Mai mit den Worten zitiert: "Dies ist ein Schutz vor dem Empfang von Geräten, die nicht für Tansanier geeignet sind." Die Spender gefälschter Ausrüstungen müssten mit einer Mordanklage rechnen.

Magufuli behauptete, dass Koordinatoren "auf Kosten der leidenden Opfer profitieren". Er befürchte, dass Gesichtsmasken aus dem Ausland mit dem Coronavirus infiziert sind. Deshalb sei es besser, Masken vor Ort in Tansania herzustellen.
 

Süddeutsche Zeitung: "Magufuli ist in seine ganz eigene Welt abgedriftet"

Nach Meinung der Süddeutschen Zeitung ist der tansanische Staatspräsident „in seine ganz eigene Welt abgedriftet“. In einem Porträt setzte sich SZ-Redakteur Bernd Dörries am 19. Mai mit John Magufuli auseinander und kommt zu folgendem Ergebnis: „Gäbe es einen internationalen Wettbewerb zwischen den Staats- und Regierungschefs, wer der größte Corona-Leugner ist, dann wäre es wohl ein enger Dreikampf zwischen Donald Trump, Brasiliens Jair Bolsonaro und eben Magufuli.“

Die Süddeutsche Zeitung schildert anschaulich die Vorgänge der vergangenen Wochen und stellt fest, „dass selbst enge Freunde wie der kenianische Oppositionschef Raila Odinga berichten, sie könnten Magufuli nicht mehr telefonisch erreichen, im Nachbarland Südafrika wundert sich Präsident Cyril Ramaphosa vielleicht, dass sein guter Bekannter nicht mehr an den regionalen Koordinierungskonferenzen teilnimmt.“

Allerdings sei Magufuli „mit seiner totalen Leugnung unter den afrikanischen Staatschefs eher die Ausnahme. In sehr vielen Ländern hat die Politik schnell reagiert, das öffentliche Leben eingefroren und die Kontakte von Infizierten verfolgt. Auch deshalb ist die Zahl der Infizierten auf dem Kontinent viel geringer als in den düsteren Prophezeiungen.“ Die SZ befürchtet: „In Tansania könnte es anders ausgehen.“
 

Tansania erlaubt wieder Sportveranstaltungen vor Publikum

Seit dem 1. Juni können wieder alle Sportarten ausgeübt und öffentliche Sportveranstaltungen durchgeführt werden - und zwar vor Publikum. Allerdings sollen das Gesundheits- und das Sportministerium einen Mindestabstand zwischen den Zuschauern festlegen. Gleiches gilt für Theateraufführungen. 

Magufuli: "Nach der verfügbaren Literatur verbessert sich die Immunität, wenn die Leute zusammenkommen. Wenn man jemanden auf sein Haus einschränkt, senkt sich die Körperimmunität um 30 %. Das bedeutet: Wenn sich die Leute treffen, dann stärken sie ihre Immunität gegen verschiedene Seuchen."
 

Einigung zwischen Tansania und Kenia im Grenzkonflikt

Die beiden Verkehrsminister von Tansania und Kenia haben sich am 22. Mai im Grenzkonflikt geeinigt: Bei einreisenden LKW-Fahrern sollen Coronatests durchgeführt, positive Testergebnisse jedoch ohne Angabe der Nationalität der Erkrankten veröffentlicht werden. Im Falle einer Infektion können die LKW-Fahrer ausgetauscht werden.

Am 19. und 20. Mai hatte Magufuli mehrfach mit seinem kenianischen Amtskollegen Uhuru Kenyatta über die aktuellen Grenzschließungen telefoniert - zuletzt bei einem Stopp in Singida auf der Fahrt von seinem Heimatort Chato nach Dodoma. Magufuli, der Chato seit mehreren Wochen nicht mehr verlassen hatte, wurde am 20. Mai in der Tageszeitung "The Citizen" mit den Worten zitiert: "Corona-19 startete nicht in Afrika. Für Mitglieder der Ostafrikanischen Gemeinschaft EAC macht es keinen Sinn, einen Virus zu bekommen, der uns daran hindert, Geschäfte zu machen." 

Zuvor war die Situation an der Grenze eskaliert: Bis Mitte Juni ist die kenianische Grenze für den Personenverkehr geschlossen. Für den weiterhin möglichen Warenverkehr sind an der tansanisch-kenianischen Grenze Corona-Tests vorgeschrieben. Nach Medienberichten wurde bis zum vergangenen Dienstag 182 tansanischen LKW-Fahrern die Einreise verweigert. In seiner Grundsatzrede am 17. Mai hat der tansanische Staatspräsident John Magufuli die Infizierungen von LKW-Fahrern noch abgestritten. Mrisho Gambo, Regional Commissioner der Arusha Region, bezeichnete die Aussagen Kenias als Sabotage mit dem Ziel, dem Tourismus in Tansania zu schaden.

Auch mit Ruanda wurde inzwischen eine Einigung erzielt: Bis auf LKWs, die mit Treibstoff oder verderblichen Gütern beladen sind, müssen alle aus Tansania ankommenden Ladungen auf ruandische Fahrzeuge umgeladen werden. Der Transit in den Kongo wird mit einer ruandischen Begleitperson ermöglicht.
 

Großbritannien fliegt Staatsbürger aus

Mit einer Sondermaschine hat am 18. Mai Großbritannien circa 200 Staatsbürger und ihre Angehörigen nach London ausgeflogen. Sie folgten damit dem Rat des britischen Foreign & Commonwealth Office (FCO), angesichts der Verbreitung des Coronavirus in Tansania nach Europa zurückzukehren.

Tansanischer Luftraum wieder geöffnet. Vorbereitung auf Touristen

Nur einen Tag nach der Grundsatzrede des tansanischen Präsidenten ist am 18. Mai der Luftraum über Tansania für alle Fluglinien wieder geöffnet worden. Die Regierung beauftragte die Flughäfen, sich auf ankommende Passagiere vorzubereiten. Auch Air Tanzania wurde grünes Licht für internationale Flüge gegeben. Nationalparks, Reiseveranstalter und Hotels wurden aufgefordert, sich auf Touristen vorzubereiten.
 

Rede des Präsidenten an die Nation

Am 17. Mai hielt Staatspräsident John Magufuli aus seinem Heimatort Chato in der Geita Region in Nordtansania eine Ansprache an die Nation. Erneut nutzte er dafür eine Kirche, diesmal die Evangelische Kirche von Chato.

Der Präsident betonte in seiner charismatisch vorgetragenen und vom Applaus der Gottesdienstbesucher unterbrochenen Ansprache, dass für ihn die Wirtschaft des Landes an erster Stelle stehe. In der Tageszeitung "The Citizen" wird er mit den Worten zitiert: "Unsere Ökonomie muss an erster Stelle stehen. Sie darf nicht ruhen. Falls wir unserer Ökonomie einen Schlaf erlauben, gibt es keine Löhne."

Die Tansanier müssten weiter hart arbeiten. Alle Länder, die einen Lockdown beschlossen haben, werden laut Magufuli nächstes Jahr ankommen, um sich in Tansania Lebensmittel zu besorgen. Tansania werde auch von sich aus keine Grenzen schließen. Der ostafrikanische Warenverkehr müsse gewährleistet sein. Als unabhängige Nation dürfe Tansania nicht zulassen, von Covid-19 regiert zu werden. Magufuli: "Life must go on!"

Magufuli teilte mit, dass er das zuständige Ministerium angewiesen habe, die Quarantänepflicht für Ausländer aufzuheben. Damit solle der Tourismus wieder angekurbelt werden. Der Präsident: "Einige Fluggesellschaften sind bis August mit Touristen ausgebucht, die Tansania besuchen wollen." Alle, die nach Tansania kommen, würden dies tun, um die Wahrheit über Covid-19 zu erfahren und weil Tansania ein schöner Ort für einen Besuch sei. Magufuli: "Solange sie keine unnormale Körpertemperatur haben, werde ich den Touristen erlauben, Tansania zu betreten und sich die wilden Tiere anzusehen."

Um den Tourismus wieder freizugeben, habe er als Staatspräsident angeordnet, alle ankommenden Flugzeuge wieder landen zu lassen. Gegenwärtig ist es nur in besonderen Fällen möglich, eine Landeerlaubnis zu bekommen.

Nachdem John Magufuli bereits den Anstieg der positiven Testergebnisse mit Manipulationen der Testkits durch das Ausland begründet und dafür als Beweis angeblich positiv getestete Ziegen oder Papayas angeführt hatte, riet er auch diesmal zur Vorsicht: "Dies ist eine Zeit, in der irgendwo einige Leute daran denken, Tansania absichtlich mit Corona zu infizieren."

Während deutsche Tansania-Initiativen besorgniserregende Berichte von ihren tansanischen Partnergruppen erhalten und die US-Botschaft in Daressalam von einem "extrem hohen Infektionsrisiko in Daressalam" und einer exponentiellen Verbreitung in der Millionenmetropole und in anderen Regionen spricht, teilte Magufuli in seiner vom Fernsehen übertragenen Rede mit, dass die Infektionszahlen so weit zurückgegangen seien, dass er überlege, ab nächster Woche wieder die Colleges zu öffnen.

Angesichts der nach seinen Angaben drastisch fallenden Patientenzahlen in den Krankenhäusern kann man laut Magufuli sehen, "wie unser Gott auf unsere Gebete geantwortet hat." Daher hätte er für das kommende Wochenende vom 22.-24. Mai erneut drei landesweite "Tage des Dankens" angesetzt.

Magufuli informierte das Volk darüber, dass eines seiner eigenen Kinder am Coronavirus erkrankt, aber durch eine alternative Behandlung sehr schnell wieder gesund geworden sei: "Mein eigenes biologisches Kind (...) isolierte sich in einem Raum und behandelte sich selbst. Es atmete den Dampf von gekochten Kräutern. Es aß Zitronen und Ingwer und wurde wieder gesund."

Auch Sportveranstaltungen sollen wieder freigegeben werden, "wenn es so gut weitergeht". Nach Magufuli sei die Seuche zwar weiterhin da, sie komme jetzt aber an ihr Ende.

Die Klage der Nachbarländer über viele infizierte tansanische LKW-Fahrer wies Magufuli nach Angaben der "Daily News" mit den Worten zurück: "Manchmal wird gesagt, dass viele Fahrer positiv getestet worden sind. Aber wie können sie dann noch viele Kilometer bis zu ihrem Coronatest an die Grenze fahren - ohne vorher einen Kollaps zu bekommen?"

Gemeindepfarrer Thomas Kangeizi dankte dem Präsidenten für die Ansprache in seiner Kirche und für die Erlaubnis, auch während der Coronakrise weiterhin Gottesdienste durchführen zu dürfen. John Magufuli und seine Gattin spendeten der Gemeinde circa 4.000 EUR für den Bau einer neuen Kirche und 400 EUR für den Kirchenchor.

Die Rede des tansanischen Staatspräsidenten wurde in den Medien weltweit beachtet. Dabei stand die überraschende Freigabe des Tourismus in die Nationalparks im Mittelpunkt - allerdings meist mit kritischen Hinweisen auf die aktuelle Lage in Tansania.

"Tansanias Präsident: Gebete haben Corona-Pandemie eingedämmt"
"Deutschland today" vom 18.5.2020 

"Tansania will Einreise von Touristen wieder erlauben"
Handelsblatt vom 17.5.2020

"Tanzania: How long can its COVID-19 strategy hold?"
"African Arguments" vom 18.5.2020

"Tanzania's Magufuli plans to lift coronavirus restrictions"
Reuters vom 17.5.2020

"Coronavirus: Tanzania President Magufuli says hospital numbers reducing"
BBC vom 17.5.2020

Oppositionführer Freeman Mbowe: "Zuerst müssen Menschenleben gerettet werden"

Oppositionsführer Freeman Mbowe (Chadema) hat dem Präsidenten am 18. Mai widersprochen. Nicht die Ökonomie, sondern das Leben der Menschen müsse im Mittelpunkt aller Maßnahmen gegen das Coronavirus stehen. Mbowe geht davon aus, dass das Transportwesen, der Tourismus und andere Branchen bis zu zwei Jahre benötigen, um sich von den Auswirkungen der Coronakrise zu erholen. Er forderte die Regierung auf, mit der WHO zusammenzuarbeiten.
 

Staatspräsident feuert Stellvertretenden Gesundheitsminister

Zwei Tage nach einem eindringlichen Aufruf der Gesundheitsministerin zur Coronabekämpfung hat Staatspräsident John Magufuli überraschend den Stellvertretenden Gesundheitsminister Faustino Ndugulile, 51, entlassen. Ndugulile war in seiner Funktion auch für die Bereiche Frauen, Genderfragen, Senioren und Kinder zuständig.

Dr. Ndugulile (CCM), ein ausgebildeter Immunologe, Mikrobiologe und Arzt mit einem in Südafrika zusätzlich erworbenen Master für Gesundheitswesen, ist auch Mitglied des Nationalparlaments (Wahlkreis Daressalam) und im In- und Ausland bestens vernetzt. Er war unter anderem Mitglied im Panafrikanischen Parlament und Vertreter Afrikas bei der Internationalen Aids-Gesellschaft. Er ist auch Autor mehrerer Fachbücher.     

Als neuen Stellvertretenden Gesundheitsminister ernannte der Staatspräsident den Arzt und Parlamentsabgeordneten Godwin Mollel (CCM), 41, mit Wahlkreis in Siha (Kilimandscharo Region).

Bereits in den Tagen und Wochen zuvor sind mehrere hochrangige Mitglieder des Gesundheitsministeriums entlassen oder suspendiert worden. Unter ihnen der Staatssekretär, der nationale Chief Medical Officer und der Chef des Nationalen Gesundheitslabors.

Die Entlassung von Dr. Ndugulile erfolgte ohne Angabe von Gründen. Der Gesundheitsexperte war international anerkannt - unter anderem für seinen Einsatz für eine Familienplanung in Tansania und für die Bekämpfung von HIV/Aids. Die "Pd online website" (Kenia) spekuliert, dass er "bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie nicht kooperiert hat". Die US-amerikanische Mediengruppe Bloomberg vermutet einen Zusammenhang mit seinem Widerspruch gegen die jüngsten Ratschläge der Regierung, "beispielsweise seiner Warnung vor der Anwendung der Dampftherapie als Vorbeugung gegen das Virus oder zur Heilung - eine Maßnahme, die von Magufuli gefördert wird".
 

Eindringlicher Aufruf der Gesundheitsministerin

Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu hat am 15. Mai aus Anlass des Internationalen Familientags in einer für die Regierung ungewöhnlichen Eindringlichkeit dazu aufgerufen, ältere Menschen und Kinder vor einem Angriff des Coronavirus zu schützen. Außerdem müsse ihre Versorgung sichergestellt werden. Nach einem Bericht der regierungsnahen "Daily News" appellierte Mwalimu an die Bevölkerung, infizierte Personen nicht zu stigmatisieren und alle Krankheitssymptome sofort zu melden. 

Die Ministerin, die noch bis vor drei Wochen und damit bis zur Einsatzung eines nationalen Coronabeauftragten durch den Staatspräsidenten eine tägliche Pressekonferenz mit aktualisierten Zahlen durchgeführt hatte, ermahnte die Eltern, ihre Kinder während der Schulschließungen nicht auf der Straße herumlaufen zu lassen. Sie sollten vielmehr schulisch und spielerisch zu Hause beschäftigt werden, und die Eltern sollten sich dabei auch um die Nutzung neuer Medien bemühen.

Schließlich gab die in der Bevölkerung recht beliebte Gesundheitsministerin der Bevölkerung die folgenden Verhaltsmaßregeln mit auf den Weg: Versammlungen vermeiden, Hände mit Seife unter fließendem Wasser waschen, Masken tragen, Desinfektionsmittel verwenden und Abstand halten. 
 

Einführung verpflichtender Corona-Tests für LKW-Fahrer

Nach Angaben von "The Citizen" sind jetzt für LKW-Fahrer Corona-Tests verpflichtend, bevor sie ihre Fracht am Hafen von Daressalam abholen. Sie erhalten bei einem negativen Befund eine 14-tägige Unbedenklichkeitsbescheinigung. Dies berichteten Vertreter der Tanzania Association of Transports (TAT) und der Tanzania Truck Owner Association (Tatoa) in einem Gespräch mit der tansanischen Tageszeitung. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums war für die Presse nicht zu sprechen. Die Tests sollen im Nationalen Gesundheitslabor in Daressalam durchgeführt werden.

Kenia verweigerte in Namanga über 50 infizierten tansanischen LKW-Fahrern die Einreise

Die kenianischen Behörden haben alleine am 13. und 14. Mai an der tansanisch-kenianischen Grenzstation Namanga 56 tansanischen LKW-Fahrern die Einreise verweigert, nachdem sie zuvor corona-positiv getestet worden waren. Namanga ist vom kenianischen Gesundheitsministerium inzwischen zu einem Epidemie-Hotspot erklärt worden. Die seit Dienstag letzter Woche vorgeschriebenen Coronatests sollen demnächst von einer mobilen Teststation, finanziert aus Mitteln der deutschen KfW, durchgeführt werden. Vor den tansanisch-kenianischen Grenzstationen sollen sich nach Berichten in sozialen Netzwerken über 1.500 LKW gestaut haben.

Tansanisch-sambische Grenze wieder für den Warenverkehr geöffnet

Bereits mehrere Tage zuvor hatte Ruanda an der Grenze entweder ein Umladen tansanischer LKW auf ruandische Fahrzeuge oder eine Weiterfahrt mit ruandischen LKW-Fahrern verlangt. Sambia schloss am 11. Mai den Grenzübergang Nakonde für mehrere Tage komplett. Der Ort war nach 76 neuen Infektionen von Sambia zu einem Corona-Hotspot erklärt und faktisch unter Quarantäne gestellt worden. Diese Maßnahme traf Ostafrika besonders hart, weil ein großer Teil der Warenanlieferung für den Hafen von Daressalam über Nakonde erfolgt - mit Waren aus Sambia, Ostkongo und sogar aus Simbabwe. Am 18. Mai wurde bekannt, dass die Grenze wieder geöffnet ist, allerdings nur für den Warentransport. Die sambische Regierung teilte mit, dass über die Zukunft des Grenzverkehrs Gespräche mit der tansanischen Regierung geführt werden.

Als Hintergrund der Maßnahmen, die den freien Warenverkehr in Ostafrika fast zum Erliegen brachten, bezeichnen Ostafrika-Experten die Weigerung Tansanias, konsequent gegen das Coronavirus vorzugehen und seine Infektions- und Todeszahlen kontinuierlich zu veröffentlichen. Solange infizierte tansanische LKW-Fahrer einreisen, ist in den drei Nachbarländern an eine Lockerung der Vorsorgemaßnahmen nicht zu denken. Nachdem der Außenminister das Problem noch heruntergespielt und als Verleumdung bezeichnet hatte, scheinen die tansanischen Behörden jetzt einzulenken.

Die Situation am 12. Mai an der Grenze in Namanga
Mr Infoma (YouTube)
 

Max-Planck-Institut in Potsdam überprüft Wirksamkeit von Artemisinin

Nach Angaben der Deutschen Welle führen erstmals Wissenschaftler am Max-Planck-Institut in Potsdam eine Studie über die Wirksamkeit von Artemisinin bei der Therapie und Prophylaxe von Covid-19 durch. Sie wollen damit die bislang unbewiesene und deshalb von der WHO kritisierte Behauptung afrikanischer Staatspräsidenten wie John Magufuli (Tansania) überprüfen, hier sei bereits ein eigener wirksamer „afrikanischer Weg“ zur Bekämpfung der Pandemie gefunden worden.

Laut Peter Seeberger, Leiter der neuen Studie, erhalten jährlich über 300 Millionen Patienten auf Artemisinin basierende Medikamente. "Der Wirkstoff wurde auch schon gegen andere Krankheiten recht erfolgreich ausprobiert", erklärte der Chemiker. So gibt es beispielsweise Berichte, dass Artemisinin gegen das erste SARS-Coronavirus (SARS-CoV) wirksam war.

Artemisinin ist ein Wirkstoff aus der bei uns als „Einjähriger Beifuß“ bekannten Pflanze. Er wird bislang vor allem sehr erfolgreich in der Malaria-Therapie eingesetzt.
 

US-Botschaft warnt: "Extrem hohes Infektionsrisiko in Daressalam"

Die US-amerikanische Botschaft in Daressalam hat vor einem schnellen Anstieg der Corona-Infektionen in Tansania gewarnt und darauf hingewiesen, dass die tansanische Regierung ihre Daten über Infektionen und Todesfälle seit dem 29. April nicht mehr aktualisiert hat. Die Botschaft verweist auf ein „extrem hohes“ Infektionsrisiko in der Metropole Daressalam. Die Epidemie breite sich hier und in anderen Regionen „exponentiell“ aus.

Bank von Tansania will Wirtschaft vor den Corona-Folgen schützen

Die Bank von Tansania (BOT) will die Wirtschaft des Landes vor den nachteiligen Auswirkungen der CVD-19-Pandemie schützen. In einer Erklärung am 12. Mai teilte sie die Senkung der gesetzlichen Mindestreserveanforderung von 7 % auf 6 % ab dem 8. Juni mit. Dadurch soll den Banken eine zusätzliche Liquidität eingeräumt werden in der Hoffnung, dass diese wiederum ihren Kreditnehmern bei der Rückzahlung von Krediten entgegen kommen.

Die Bank empfiehlt außerdem den Mobilfunkbetreibern, ihren Kunden das tägliche Transaktionslimit zu erhöhen.

Magufuli beteiligte sich nicht an Videokonferenz der Staatspräsidenten

Staatspräsident John Magufuli nahm am 12. Mai nicht an der Videokonferenz der Staatsoberhäupter der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) teil. Der Präsident von Burundi, Pierre Nkurunziza, war ebenfalls nicht anwesend. Beide Länder haben seit circa zwei Wochen ihre Corona-Zahlen nicht veröffentlicht und lehnen striktere Vorsorgemaßnahmen ab. 

Themen der Konferenz mit den teilnehmenden Präsidenten von Ruanda, Uganda, Kenia und Südsudan waren unter anderem der freie Warenverkehr und das Management gegen die grenzüberschreitende Verbreitung des Coronavirus. Die Staatsoberhäupter beauftragten ihre zuständigen Minister mit der Einführung von Grenzkontroll- und Testmaßnahmen, insbesondere für Lkw-Fahrer.

Der tansanische Außenminister hat das Fehlen des Präsidenten inzwischen damit begründet, dass es sich nicht um eine offizielle EAC-Veranstaltung gehandelt habe.
 

Chadema schließt vier Parlamentsabgeordnete aus. Parlamentspräsident gibt Sitze nicht frei

Das Exekutivkomittee der größten Oppositionspartei Chadema hat am Wochenende des 9./10. Mai beschlossen, vier Parlamentsabgeordnete aus der Partei auszuschließen. Es handelt sich um die Abgeordneten aus den Wahlkreisen Moshi-Land, Rombo, Momba und Bukoba-Stadt. Neun weitere Abgeordnete, die ebenfalls gegen die Anweisung des Parteivorsitzenden Freeman Mbowe verstoßen hatten, als Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus nicht mehr an den Parlamentssitzungen in Dodoma teilzunehmen, wurden zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Entgegen der Verfassung weigert sich Parlamentspräsident Job Ndugai, die Sitze der ausgeschlossenen Chadema-Mitglieder für Nachrücker freizugeben. Er kündigte an, ihnen parlamentarischen Schutz zu gewähren.

Lockerung der Beschränkungen für internationale Flüge

Seit dem 11. April ist der gesamte Passagierflugverkehr von und nach Tansania eingestellt. Seit dem 14. Mai sind Flüge aus folgendem Anlass wieder erlaubt: Rückführung von im Ausland gestrandeten Tansaniern (ohne Ausstieg des ausländischen Flugpersonals), medizinische Hilfe und Hilfsflüge, technische Landungen ohne Ausstieg "und andere sicherheitsrelevante Operationen". Alle Einreisenden müssen sich auf eigene Kosten in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Die Quartiere werden von der Regierung vorgegeben.

Nach Angaben der Tageszeitung "The Citizen" haben die USA, Türkei, Großbritannien, Libanon, Pakistan und Äthiopien ihre Staatsbürger bereits aus Tansania ausgeflogen. Dafür war bisher ein komplizierter Genehmigungsvorgang notwendig, der zukünftig entfällt.

Sansibar: Parlamentswahlen finden statt

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sollen auch in Sansibar am 4. Oktober 2020 durchgeführt werden. Der sansibarische Staatsminister Mohamed Aboud teilte am 9. Mai mit, dass die Regierung von einer sinkenden Infektionsrate bis Oktober ausgeht. Die Registrierung der Wähler sei bereits abgeschlossen. Präsident John Magufuli hatte bereits vor mehreren Wochen erklärt, dass die nationalen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 4. Oktober nicht verschoben werden.

Der Außenminister persönlich holte eine "Corona-Medizin" in Madagaskar ab

Außenminister Palamagamba Kabudi persönlich traf am 8. Mai in Madagaskar ein, um eine "Medizin gegen Corona" abzuholen. Das Regierungsfoto zeigt ihn bei der Einnahme der Medizin in Anwesenheit seines Amtskollegen aus Madagaskar.  Nach seiner Rückkehr in Tansania erklärte Kabudi, dass die Medizin, die sowohl für die Prophylaxe als auch für die Therapie vorgesehen sei, noch nicht verteilt werden soll. Erst einmal gehe es um eine Untersuchung durch tansanische Experten. 

John Magufuli hatte am 3. Mai mitgeteilt, dass er ein Mittel gegen Corona gefunden hat: "Ich habe mit Madagaskar gesprochen. Sie sagen, dass sie die Medizin für Covid-19 gefunden haben. Wir werden ein Flugzeug senden, um die Medizin nach Tansania zu bringen, so dass alle Tansanier davon profitieren können."

Bei der Medizin handelt es sich um einen Tee, der aus den Blättern der Artemesia-Pflanze gewonnen wird, einer Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler. Während die Pflanze bei der Behandlung der Malaria tatsächlich sehr wirksam ist, bezeichnete die WHO ihre Wirksamkeit bei Corona-Erkrankungen als "nicht mit Studien belegt" und warnte vor einer Selbst-Medikation. Die Malaria wird nicht durch Viren, sondern durch Parasiten ausgelöst. Die WHO hat angeboten, die Wirksamkeit im Rahmen einer Studie zu überprüfen.

"Die afrikanische Lösung des Corona-Problems"
Film der Daily News vom 9.5.2020 über die Übergabe der Medizin in Madagaskar
 

Verlust von 477.000 Arbeitsplätzen im Tourismus

Im Zuge der Haushaltsberatungen hat Tourismusminister Hamisi Kigwangalla in Dodoma mitgeteilt, dass die Coronakrise voraussichtlich 477.000 Arbeitnehmern ihren Arbeitsplatz kosten wird. Dies wären ca. 76 % von insgesamt 623.000 Beschäftigten, die unmittelbar im Tourismus tätig sind. Den Einnahmeverlust an Steuern bezifferte der Minister auf circa 40 Millionen Euro. Zur Stärkung des Tourismus-Sektors wurden im Parlament eine Vereinfachung des Visum-Verfahrens und Steuersenkungen vorgeschlagen.

Sabotage bei Corona-Tests: WHO weist Kritik von Magufuli zurück

Die WHO hat die Behauptung von Staatspräsident John Magufuli zurückgewiesen, dass die aus dem Ausland eingeführten Corona-Testkits manipuliert worden sind. Magufuli hatte Proben von Früchten und Tieren mit menschlichen Namen versehen und zum Nationalen Testlabor geschickt. Dort seien sie dann positiv gewesen.

Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin des Regionalbüros der WHO, zeigte sich am 7. Mai davon überzeugt, „dass die Tests, die gestellt wurden und die auf dem internationalen Markt sind, nicht mit dem Virus kontaminiert sind." John Nkengasong, Chef der afrikanischen Gesundheitsbehörde ACDC, versicherte, dass das Labor in Daressalam die gleichen Tests wie alle anderen Labore verwendet.

"Probleme bei Covid-19-Tests - Corona bei einer Papaya?"
ZDF vom 9.5.2020

"Posse in Tansania: Ziege und Papaya positiv auf Corona getestet"
Wochenblick vom 7.5.2020

Erneut hochrangiger Politiker "plötzlich gestorben"

Es ist erschreckend: Das "plötzliche" und in allen Fällen unerwartete Sterben hochrangiger Politiker hält seit mehreren Tagen an. Am 8. Mai starb in einem Hospital in Mwanza Hamim Gwinyana, District Commissioner des Nyang'hwale Districts in der Geita Region. Wie bei den anderen Todesfällen - mehrere Parlamentsabgeordnete, ein Minister, hochrangige Juristen - wurde auch in diesem Fall lediglich mitgeteilt, dass der Tod "plötzlich" erfolgte. Über die Todesursache wird nicht informiert und bereits ein vorsichtiger Hinweis auf eine mögliche Corona-Erkrankung steht unter Strafe.

"Nach kurzer Krankheit" ist am 8. Mai auch Christopher Mukoma, Direktor der Kilimanjaro Airpot Development Company, gestorben.

Regierung erlaubt Hausbeisetzung von Corona-Toten

Die Regierung erlaubt, dass am Coronavirus Verstorbene auf dem eigenen Hausgrundstück beerdigt werden dürfen. Dabei müssen allerdings die vorgegebenen Schutzvorrichtungen eingehalten werden.
 

Regional Commissioner von Daressalam droht mit Inhaftierung von Parlamentsabgeordneten

Paul Makonda, Regional Commissioner von Daressalam, hat am 6. Mai in einer Videobotschaft allen Parlamentsabgeordneten, die sich derzeit in der Millionenmetropole aufhalten, eine Frist von 24 Stunden gesetzt: Entweder sie verlassen die Stadt und nehmen in Dodoma an den Haushaltsberatungen des Nationalparlaments teil oder sie werden inhaftiert. Das Ultimatum wurde vor dem Hintergrund eines Beschlusses der Oppositionspartei Chadema gestellt, deren Abgeordnete sich - wie auch Abgeordnete anderer Oppositionsparteien - als Schutz vor dem Coronavirus in eine 14-Tage Selbstquarantäne begeben haben.

Makonda, dem die US-Regierung wegen seines Vorgehens gegen Homosexuelle ein Einreiseverbot erteilt hat, sagte nach Angaben der Tageszeitung "The Citizen", die Parlamentsabgeordneten würden genauso behandelt, wie in der Vergangenheit mit Prostituierten umgegangen wurde.

Zitto Kabwe, Chef der Oppositionspartei ACT Wazalendo, entgegnete über Twitter: "Ich werde nicht nach Dodoma gehen. Ich werde in Daressalam bleiben. Ich schütze mich und meine Familie vor dem Virus."

Oppositionspartei Chadema vor der Zerreißprobe

Nachdem Oppositionsführer Freeman Mbowe (Chadema) angekündigt hatte, dass sich seine Partei angesichts der zahlreichen Corona-Erkrankungen unter den Parlamentsmitgliedern in eine 14-tägige Selbst-Quarantäne begeben und damit vorerst an den weiteren Parlamentssitzungen nicht mehr teilnehmen wird, beteiligten sich am 4. und 5. Mai dennoch 10 Chadema-Abgeordnete an den Sitzungen in Dodoma. Darunter zwei Abgeordnete, die bereits zuvor angekündigt hatten, zur Oppositionspartei NCCT-Mageuzi überzutreten. Zudem trat der Abgeordnete David Silinde von seiner Berufung als Schattenminister für das Industrie- und Handelsministerium zurück. Er legte außerdem sein Amt als Parlamentarischer Geschäftsführer der Chadema-Fraktion nieder.

Erneut "plötzlicher Tod" eines prominenten Juristen

Erneut ist am 5. Mai in Daressalam ein prominenter Jurist gestorben: Dr. Masumbuko Lamwai arbeitete als Richter am Obersten Gerichtshof von Tansania und vertrat mehrere hochrangige Politiker bei Strafverfahren. Bereits in den Tagen zuvor war mehrfach von Todesfällen unter Juristen berichtet worden. Als Todesursache wurde wie im jüngsten Fall meist "nach kurzer Krankheit" angegeben.

In den Wochen zuvor waren neben vielen Juristen nach Angaben von Ippmedia auch fünf Parlamentsabgeordnete der Regierungspartei CCM "plötzlich verstorben". Außerdem Minister Dr. Augustine Mahiga. Die Forderung der Opposition, im Falle einer Corona-Erkrankung die Todesursache zu veröffentlichen, lehnte das Präsidium des Nationalparlaments mit dem Verweis auf Datenschutz ab.
 

Staatspräsident bezeichnet Opposition als Geldempfänger der Imperialisten

Staatspräsident John Magufuli, der sich seit Wochen in seinem Heimatdorf Chato in der Geita Region aufhält, verschärft seine Wortwahl. Der Opposition, die sich in Selbst-Quarantäne begeben hat und damit den Parlamentssitzungen vorerst fernbleibt, teilte er den Entzug ihrer finanziellen Zuwendungen mit. In der Online-Ausgabe der Tageszeitung "The Citizen" vom 4. Mai wird Magufuli mit den Worten zitiert: "Sollen sie doch von den Imperialisten bezahlt werden, die sie unter Vertrag haben."

Sein Zorn gilt aber auch "einigen religiösen Führern", die ihr Gottvertrauen verloren und ihre heiligen Befehle als gute Hirten verloren hätten. Magufuli schloss dabei explizit die Muslime und die evangelischen Freikirchen aus. Die Bevölkerung warnt er ferner vor internationalen Medien, "die große spezielle Interessen" in ihrer Berichterstattung erkennen lassen würden. 

Gesundheitsministerin suspendiert Direktor des Nationalen Gesundheitslabors

Nachdem Staatspräsident John Magufuli angesichts der gestiegenen Corona-Infektionen 3. Mai eine Manipulation bei den Corona-Tests unterstellt hatte, suspendierte Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu einen Tag später den Direktor und den Qualitätsbeauftragten des Nationalen Gesundheitslabors. Ein 10-köpfiges Untersuchungskomitee soll die Vorgänge innerhalb von zehn Tagen untersuchen.

"Alles Teil der Vertuschung durch die Behörden"

In einem längeren Artikel setzte sich am 4. Mai die BBC mit der aktuellen Situation in Tansania auseinander. Sie berichtet von nächtlichen Beisetzungen von Corona-Opfern und zeigt einen Film aus den sozialen Medien, der eine nächtliche Beerdigung unter Schutzmaßnahmen dokumentiert. Die BBC zitiert Oppositionspolitiker und Aktivisten, die glauben, dass dieses Vorgehen Teil der Vertuschung durch die Behörden sein könnte, die keine regelmäßigen Updates zum Coronavirus veröffentlicht haben. Oppositionsführer Zitto Kabwe: "Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass die Regierung etwas versteckt. Ich möchte, dass sie ihre Rolle erfüllt. Im Moment erleben wir überall viel Trauer, Bestattungen und Leichen."

Das tansanische Gesundheitsministerium teilte am 3. Mai mit, dass es keine Nachtbestattungen mehr geben werde und dass die Familienmitglieder von nun an voll in die Bestattungsvorbereitungen einbezogen werden, um sicherzustellen, dass die Würde des Verstorbenen gewahrt bleibt.

"Night burials amid Tanzania's coronavirus defiance"
BBC vom 4.5.2020 (inkl. Videofilm)
 

Präsident Magufuli: Staatsfeinde haben Testgeräte manipuliert. Selbst eine Ziege und eine Papaya waren positiv

In einer TV-Rede aus seinem Heimatdorf Chato in der Geita Region hat Staatspräsident John Magufuli am 4. Mai mitgeteilt, dass er das Gesundheitsministerium und die Sicherheitsorgane des Landes beauftragt hat, die Corona-Testgeräte im Nationalen Gesundheitslabor zu überprüfen. Einige müssten defekt sein. Vermutlich seien sie von Leuten manipuliert worden, "die keine positiven Wünsche für dieses Land haben". So hätten seine Sicherheitsorgane Ziegen, Wachteln, Schafen, Autoöl und selbst einer Jackfruit (Maulbeergewächs) und einer Papaya Proben entnommen und sie mit menschlichen Namen in das Labor geschickt. Das Ergebnis: Die Ziege, die Wachtel und die Papaya waren positiv und das Schaf und die Jackfruit negativ. Magufuli: "Wenn das stimmt, dann hat die WHO einiges zu tun."

Magufuli machte ferner darauf aufmerksam, dass jedes Testkit aus dem Ausland kommt. Und der Präsident sieht noch eine weitere Gefahr: "Einige Menschen werden an der großen Angst sterben, die durch die Informationen erhalten haben."

Die Rede von Staatspräsident John Magufuli
 

89.000 Lehrer an Privatschulen seit 3 Monaten ohne Gehalt

89.000 Lehrerinnen und Lehrer an circa 2.000 Privatschulen erhalten seit der landesweiten Schulschließung im März kein Gehalt mehr. Sie unterrichten insgesamt circa 700.000 Schüler. Die Tanzania Private School Teachers' Union machte in einem Gespräch mit der Tageszeitung "The Citizen" auf die Lage ihrer Mitglieder aufmerksam, von denen jetzt viele vor dem finanziellen Ruin stehen.

Aber auch viele Träger von Privatschulen, die sich ausschließlich aus Schulgebühren finanzieren, stehen vor dem Aus. Bereits jetzt wird mit einem Einnahmeverlust von deutlich über 20 % gerechnet - und die Schließung aller Schulen ist von der Regierung auf unbestimmte Zeit verlängert worden. Deshalb haben sowohl die Träger als auch die betroffenen Lehrer die Regierung um finanzielle Unterstützung gebeten.

Sie ernteten jedoch von der Regierung eine Ablehnung: Eine staatliche Förderung von Privatschulen sei nicht vorgesehen, und außerdem hätten die Schulen im Vorfeld eine Versicherung abschließen können. Immerhin kündigte das Schulministerium an, im Rahmen der Parlamentsdebatte über den Landeshaushalt 2020/21 die Anliegen der Privatschulen zu berücksichtigen.

Staatspräsident prüft Fortsetzung der Tanzania Premier League

Staatspräsident John Magufuli hat seine Berater beauftragt, die Fortsetzung der Tanzania Premier League, der höchsten Spielklasse im tansanischen Fußball, zu prüfen. Während einer TV-Livesendung aus seinem Heimatort Chato in der Geita Region in Nordtansania kündigte er allerdings an, dass die Spiele wohl ohne Zuschauerbeteiligung durchgeführt werden müssten.

Ein Riss geht durch die Ostafrikanische Gemeinschaft. Ruanda sperrt Grenze für LKWs aus Tansania

Beim Kampf gegen das Coronavirus geht ein Riss quer durch die Ostafrikanische Gemeinschaft EAC. Während Kenia, Uganda und Ruanda sehr schnell harte Lockdowns organisiert haben, zum Teil mit Ausgangssperren und Einsatz von Polizei- und Militäreinheiten, haben Tansania, Burundi und Südsudan auf Lockdowns verzichtet. Zumindest in Ruanda scheint sich die harte Linie ausgezahlt zu haben: Die ersten Lockerungen werden gerade vorbereitet.

Deutlich wurde die Spaltung der EAC beim vergeblichen Versuch der Staatspräsidenten von Ruanda, Uganda und Kenia, ihre drei anderen Kollegen für eine gemeinsame Videokonferenz aller sechs Staatsoberhäupter zu gewinnen. Paul Kagame (Ruanda): "Mangelnde Koordination auf Präsidentenebene hat die Region für eine breite, grenzüberschreitende Verbreitung des Virus geöffnet." Uhuru Kenyatta (Kenia) sagte: "Bis wir zusammen kämpfen, werden wir zusammen verlieren."

Immerhin gab die EAC neue Richtlinien für den ostafrikanischen Warenverkehr heraus. Dort heißt es unter anderem, dass alle Grenzübergänge für Frachtverkehr offen gehalten werden sollen, damit LKWs möglichst schnell abgefertigt werden können.

Offensichtlich hat Ruanda jedoch inzwischen die Geduld verloren: Um die Einschleppung des Virus durch LKW-Fahrer zu verhindern, dürfen LKWs aus Tansania und Uganda die Grenze nicht mehr passieren. Sie müssen an der Grenzstation umgeladen werden. Alternativ ist auch eine Weiterfahrt mit einem LKW-Fahrer aus Ruanda möglich.
 

Überraschender Tod von Minister Augustine Mahiga

Vollkommen überraschend ist der amtierende Minister für konstitutionelle und rechtliche Angelegenheiten und ehemalige Außenminister Augustine Mahiga (CCM), 74, gestorben. Nach Medienberichten starb der international bekannte Politiker am 1. Mai in seiner Wohnung in Dodoma. Der Transport ins Krankenhaus kam zu spät, eine vorherige Erkrankung ist nicht bekannt. Nach dem tansanischen Pressegesetz darf unter Strafandrohung über die Todesursache weder informiert noch spekuliert werden. Eine Erkrankung am Coronavirus liegt jedoch nahe. Bereits in den Tagen waren zahlreiche Prominente und zwei Parlamentsabgeordnete überraschend gestorben. Bei einigen seien später von der Regierung die Räume desinfiziert worden. Mit Anna Mghwira, amtierende Regional Commissioner der Kilimandscharo Region, hat sich erstmals ein RC infiziert. Zwei Abgeordnete des Nationalparlaments starben überraschend wie Richard Ndassa, 61, am 30. April in Dodoma.

Augustine Mahiga war von 2003-2010 Vertreter Tansanias bei den Vereinten Nationen, von 2015-2019 Außenminister und seit 2019 Justizminister. Neben vielen anderen Ländern sprach auch die Bundesrepublik Deutschland ihr Beileid aus: "Deutschland hat einen großen Freund verloren."

Oppositionspartei Chadema geht geschlossen in eine 14-tägige Selbstquarantäne

So etwas hat es vermutlich auch noch nicht gegeben: Chadema, die größte Oppositionspartei Tansanias, hat am 1. Mai angekündigt, dass ihre Parlamentsabgeordneten zwei Wochen lang an keinen Plenums- und Ausschusssitzungen teilnehmen und sich stattdessen geschlossen in eine 14-tägige Selbstquarantäne begeben werden. Die Entscheidung fiel nach mehreren plötzlichen Todesfällen von Parlamentsabgeordneten.

10 Chadema-Abgeordnete haben jedoch am 4. Mai trotz des Parteibeschlusses an den laufenden Haushaltsberatungen teilgenommen. Parteichef Freeman Mbowe erklärt gegenüber der Tageszeitung "The Citizen", dass sich die Parteigremien mit der Angelegenheit befassen werden.
 

Anwalt verhaftet: Regierung untersagt jeden Ansatz von Kritik

Am 29. April ist in Arusha der prominente Anwalt Albert Msando verhaftet worden. Nach Medienberichten soll er am Tag zuvor bei einer Übergabe von Schutzmasken und Infektionsmitteln an Journalisten diese gebeten haben, wahrheitsgemäß über die Pandemie zu berichten, damit richtige Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus getroffen werden. Er sitzt jetzt im Gefängnis und es soll Anklage erhoben werden. Nach Angaben der Regionalbehörde stehen seine Äußerungen nur dem Gesundheitsministerium oder dem Büro des Premierministers zu. Regional Commissioner Mrisho Gambo hat die Polizei angewiesen, kritische Äußerungen zu unterbinden. Außerdem ordnete der RC an, dass ab sofort nur noch maximal 10 Personen an Beerdigungen teilnehmen dürfen. 

Albert Msando ist Stellvertretender Rechtsberater der Regierungspartei CCM und Stellvertretender Vorsitzender des Tanzania Forestry Research Institute.

Erneut scharfe Kritik der Opposition

Oppositionsführer Freeman Mbowe (Chadema) hat am 29. April die Regierung beschuldigt, Informationen zu verheimlichen und die Pandemie nicht ernst zu nehmen. Mbowe: "Wir sehen Menschen sterben, und ihre Bestattungen werden von der Regierung unter strengen Bedingungen überwacht. Aber sie sagt uns nicht, dass sie am Coronavirus gestorben sind. Es gibt keine Transparenz, und wenn Menschen keine Informationen haben, entstehen Gerüchte. Die Regierung behauptet, dass nur 16 Menschen am Coronavirus gestorben sind, aber das ist ein Witz." Mbowe sagte ferner, dass Magufuli, der überwiegend in seiner Heimatstadt Chato im Nordwesten Tansanias lebt, sich in einem "Zustand der Verleugnung" befindet.

Staatspräsident setzt nationalen Corona-Beauftragten ein

Nach dem rapiden Anstieg in Daressalam und einer Meldung über die Verbreitung des Virus auf 18 Regionen hatte die Opposition ein landesweites Lockdown gefordert, die Vereinigung der Anwälte ein 29-Punkte-Programm zur Corona-Bekämpfung vorgelegt und der erste evangelische Bischof für seine Diözese eine vorübergehende Aussetzung von Gottesdiensten verkündet. Staatspräsident John Magufuli traf sich in seinem Heimatort am Victoriasee mit führenden Sicherheitskräften seines Landes. Danach wurden über eine Woche lang keine Infektions- und Todeszahlen des Festlandes mehr veröffentlicht. Magufuli setzte mit seinem persönlichen Berater einen nationalen Corona-Beauftragten ein.

Magufuli erklärte in seinem Heimatort, dass ein Lockdown für Daressalam ausgeschlossen sei und dass er jetzt nur noch positive Nachrichten in Verbindung mit Corona hören möchte. Nicht jeder, der jetzt sterbe, würde an Corona sterben.

Nach einem sechsmonatigen Berufsverbot für einen Journalisten und einem sechsmonatigen Verbot der Online-Präsentation einer Tageszeitung in Zusammenhang mit ihrer Corona-Berichterstattung wurde der mehrtägige Verzicht auf aktuelle Corona-Fallzahlen von den tansanischen Tageszeitungen nicht kommentiert.
 

Kostenloses Wasser für alle

Die Regierung hat beschlossen, dass offene Wasserrechnungen vorübergehend nicht mehr dazu führen dürfen, dass Menschen in der jetzigen Zeit von der Wasserversorgung abgeschnitten sind. Entsprechende Schulden werden gestundet. Außerdem soll es in den Städten sogenannte Wasser-Kiosks geben, an denen sich die Familien mit kostenlosem Wasser versorgen können. 1000 Liter Wasser kosten in Tansania normalerweise 0,70 - 0,80 Euro.

Deutschland stellt 300 Millionen Euro zur Verfügung

Deutschland stellt 300 Millionen Euro für den Kampf gegen das Coronavirus in den Entwicklungsländern zur Verfügung. Nach Angaben des Auswärtigen Amts leistet die Bundesrepublik Deutschland damit einen Beitrag zum globalen Hilfsaufruf der Vereinten Nationen. Die UN will hauptsächlich von den Industrieländern zwei Milliarden US-Dollar für den Kampf der armen Länder gegen Corona einsammeln. Außenminister Heiko Maas: "Das Corona-Virus kennt keine Grenzen. Es trifft insbesondere die Menschen, die besonders gefährdet sind, weil sie in Kriegsgebieten oder Flüchtlingslagern leben oder in Staaten, deren Gesundheitssysteme durch die Pandemie völlig überfordert sind." Der Außenminister: "Nur zusammen werden wir die Pandemie dauerhaft besiegen. Sonst drohen immer wieder neue Infektionswellen."

5,6 Millionen Euro vom Global Fund für die Corona-Bekämpfung

Der Global Fund stellt Tansania ca. 5,6 Mill. Euro für des Bekämpfung des Coronavirus zur Verfügung. Laut Auskunft von Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu sollen davon ca. 3,8 Mill. Euro für die Schutzausrüstung des Klinikpersonals verwendet werden. Der Global Fund hat seinen Sitz in Genf. Seine Finanzmittel erhält er durch Beiträge von Regierungen und Unternehmen. Deutschland zählt zu den höchsten Beitragszahlern.

WHO kritisiert Tansania

Dr. Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin der WHO für Afrika, hat die tansanische Regierung für ihren Verzug bei der Einleitung drastischer Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung des Coronavirus kritisiert. Moeti erwähnte dabei insbesondere die Abstandshaltung und die Vermeidung von Massenversammlungen.

Uganda meldet immer mehr Corona-Infektionen bei tansanischen LKW-Fahrern

Uganda beklagt, dass immer häufiger LKW-Fahrer aus Tansania einreisen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind. Von 11 neuen Infektionen waren am 24. April alleine 7 tansanische Fernfahrer betroffen. Am 26. April kamen 4 weitere Fälle hinzu. Die erkrankten Fernfahrer wurden von Uganda nach Tansania zurückgeschickt.

Krankenhauspersonal fordert Schutzausrüstung. Patienten im Stich gelassen?

Die Medical Association of Tanzania (MAT) hat für das Krankenhauspersonal einen ausreichenden Vorrat an Schutzausrüstung gefordert. Ohne Vorsichtsmaßnahmen sei eine Betreuung von Corona-Erkrankten nicht möglich. Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu verwies auf die weltweiten Lieferschwierigkeiten, versprach jedoch weitere Bemühungen der Regierung. Mwalimu verurteilte das Verhalten von Krankenhausmitarbeitern, die wegen der fehlenden Schutzkleidung ihre Arbeitsplätze und ihre Patienten im Stich gelassen hätten. Die MAT dementierte diese Meldungen.

Fehlende Tourismus-Einnahmen gefährden den Tierschutz

Die wegen Corona ausbleibenden Touristen gefährden nach Angaben von Kaddu Sebunya, Chef der African Wildlife Foundation (AWF) den Tierschutz in Ostafrika. Zunehmend gebe es Probleme, Nationalparkverwaltungen und Parkranger zu finanzieren. In der Folge bestehe eine erhöhte Gefahr von Wilderei und ungelöster Konflikte im Zusammenleben von Menschen und Wildtieren im Umfeld der Nationalparks. Die vorhandenen finanziellen Ressourcen reichen vermutlich nur für drei Monate, danach sei eine zusätzliche Finanzierung des Tierschutzes notwendig. 

Sansibar baut eigenes Corona-Labor auf

Sansibar muss bislang noch alle Tests aufs Festland nach Daressalam schicken. Anlässlich des Beginns des Fastenmonats Ramadan hat der Präsident Sansibars, Ali Mohammed Shein, den Bau eines eigenes Untersuchungs- und Forschungslabors auf der Gewürzinsel angekündigt. Außerdem sollen möglichst schnell Quarantäne- und Versorgungsstationen gebaut werden. Shein appellierte eindringlich an die Inselbevölkerung, Menschenmengen zu meiden, "auch wenn es für die Gesellschaft schwierig ist". Denn Menschenmengen würden zu den schnellsten Verbreitungswegen gehören.

Staatspräsident lehnt Lockdown für Daressalam ab

Staatspräsident John Magufuli hat einen Lockdown für Daressalam, dem Epizentrum der Ausbreitung des Coronavirus in Tansania, abgelehnt. Magufuli: "Es gibt Leute, die vorgeschlagen haben, in Daressalam den Lockdown auszurufen. Das ist nicht möglich." Als das einzige Zentrum des Landes erwirtschafte Daressalam 80 % der landesweiten Einnahmen. Magufuli sagte, es müsse alles getan werden, um das Virus einzudämmen - mit Ausnahme eines Lockdowns für Daressalam.

Der Appell des Präsidenten, der die Regierungsgeschäfte gegenwärtig von seiner Heimatstadt Chato in Nordtansania aus führt: "Predigt positive Nachrichten über die Pandemie. Denn es ist nicht wahr, dass jeder, der stirbt, an Corona stirbt."

Magufuli begrüßte ferner die finanzielle Unterstützung Afrikas durch Institutionen wie die Weltbank. Noch besser wäre allerdings, Afrika in der Schuldentilgung entgegen zu kommen. Jeden Monat müsse Tansania 280 Millionen Euro für die Schuldentilgung aufbringen. Statt neuer Schulden würde ein Entgegenkommen bei den bereits existierenden Schulden dem Aufbau der Ökonomie Tansanias helfen.

Unbefristete Verschiebung der Form Six Examen

Die schulischen Form Six Examen, die am 4. Mai starten sollten, werden nach Mitteilung des Schulministeriums auf unbestimmte Zeit verschoben.

Erneutes Treffen der Regierung mit Kirchenführern

Premierminister Kassim Majaliwa hat sich am 22. April erneut der Unterstützung der Regierungslinie durch die christlichen Kirchen und den Islam versichert. Vertreter des ELCT bei dem Gespräch war Bischof Dr. Alex Malasusa. Die Katholische Kirche war durch Erzbischof Yuda Thaddaeus Ruwa'ichi beteiligt.
 

Erster evangelischer Bischof sagt Gottesdienste ab

Als erster Bischof der evangelischen und auch der katholischen Kirche in Tansania hat Dr. Benson Bagonza für seine Karagwe Diözese (ELCT) angekündigt, dass ab sofort keine Gottesdienste mehr durchgeführt werden. Er habe eine entsprechende Anweisung an alle Gemeindepfarrer verschickt. Bagonza: "So sehr wir uns auch wünschen, dass die Leute an den Gottesdiensten teilnehmen: Jetzt müssen wir die Gottesdienste absagen, um die Menschen zu schützen." Der Bischof, der bis 2016 Mitglied des Rates der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) war und heute Delegierter der Vollversammlung der VEM ist, traf seine Entscheidung nach der zweiten Corona-Infektion in der Kagera Region, die im Nordwesten des Landes liegt mit Bukoba als Hauptstadt.

Assistent des Staatspräsidenten wird neuer nationaler Corona-Beauftragter

Prof. Dr. Mabula Daudi Mchembe, 52, Arzt, bisheriger Assistent und Berater des Staatspräsidenten in Gesundheitsfragen, ist zum Staatssekretär im Gesundheitsministerium und zum landesweiten Corona-Beauftragten befördert worden. Seine Vorgängerin als Staatssekretär, Dr. Zainab Abdi Seraphin Chaula, wurde in ein anderes Ministerium versetzt. Dr. Mchembe hat in Tel Aviv und in Mannheim studiert.

Zum neuen Chief Medical Officer (CMO) wurde Prof. Dr. Abel Makubi ernannt, bisher Direktor des Bugando Medical Centers. Sein Vorgänger, Prof. Mohamed Bakari Kambi, wurde pensioniert.

Tanganyika Law Society: 29 Vorschläge für die Regierung

Die Tanganyika Law Society (TLS) hat der Regierung am 21. April - und damit zwei Tage vor Beginn des Fastenmonats Ramadan - 29 Vorschläge gegen eine weitere Verbreitung des Coronavirus vorgelegt: Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit erschwinglichen Grundnahrungsmitteln während eines dreiwöchigen landesweiten Lockdowns; Stundung von Kreditrückzahlungen für drei Monate; Entwicklung einer Strategie für den ökonomischen Sektor; dreimonatige Steuerfreiheit für Angestellte und Unternehmer; Erstellung eines Sonderprogramms zur Ernährung armer Familien; Versorgung des Krankenhauspersonals mit Schutzkleidung; Senkung der Wasserpreise; Verteilung von kostenloser oder zumindest billiger Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung; Verzicht auf öffentliche Gebete und Gottesdienste zugunsten von Radio- und Internetübertragungen u.a.m.

Die TLS befürchtet, dass angesichts der ansteigenden Infektionszahlen ohne diese Maßnahmen noch bis Jahresende die Schulen und Colleges geschlossen und alle Veranstaltungen abgesagt werden müssen.

Afrikanische Union verteilt 1 Millionen Test-Kits

Das Afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention (Africa CDC) hat am 18. April angekündigt, 1 Million Corona Test-Kits zur Verfügung zu stellen und über die Afrikanische Union an die Mitgliedsländer verteilen zu lassen. Länder wie Nigeria oder Äthiopien mit über 200 bzw. 100 Million Einwohnern verfügen aktuell nur über 6.000 bzw. 5.000 Test-Kits. Innerhalb der kommenden 3-6 Monate werden in Afrika nach CDC-Angaben ca. 15 Millionen Test-Kits benötigt.
 

Einstieg in die Produktion von Schutzmasken. Zahlreiche Firmenspenden

Zwei Firmen in Daressalam können jetzt 3,5 Millionen Schutzmasken pro Monat herstellen. Zahlreiche in Tansania tätigen Firmen haben zum Teil große Geldsumme für die Unterstützung des Kampfes gegen das Coronavirus gespendet.

Maskenpflicht in Daressalam

Paul Makonda, Regional Commissioner von Daressalam, hat verschärfte Schutzmaßnahmen für die Millionenmetropole angeordnet: Beim Verlassen der Wohnung muss eine Schutzmaske getragen und ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden. Geschäfte, Restaurants und Gaststätten dürfen nur noch auf der Basis "Take away" arbeiten. Die Märkte wurden vom RC aufgefordert, kurzfristig ein Sicherheitskonzept zu erstellen.

KCMC-Hospital in Moshi stellt eigene Gesichtsmasken her

Das KCMC-Hospital in Moshi will offensichtlich nicht länger auf die Lieferung der dringend benötigten Gesichtsmasken warten und ist daher in die eigene Maskenproduktion eingestiegen. Die angefertigten Exemplare sollen für das Krankenhauspersonal, die Patienten und die Besucher des Hospitals verwendet werden.
 

Klinikpersonal in Daressalam erkrankt

Nach Angaben der Tageszeitung "The Citizen" sind in Daressalam mehrere Mitarbeiter von Krankenhäusern am Coronavirus erkrankt. Die Medical Association of Tanzania (MAT) hat daraufhin mehr Schutz für das Gesundheitspersonal gefordert. Aktuell würden mehrere Infizierte um ihr Leben kämpfen.

Amana Hospital wird zentrales Corona-Hospital in Daressalam

Das westlich der Innenstadt gelegene Amana Hospital wird zentrales Corona-Hospital in Daressalam. Es soll sich ausschließlich um Corona-Patienten kümmern.

ELCT-Diözese verzichtet auf Kindergottesdienste

Nach den von Staatspräsident John Magufuli ausgerufenen drei landesweiten Gebetstagen gegen das Coronavirus am vergangenen Wochenende hat die Evangelische Tanganjika See Diözese (ELCT) mitgeteilt, dass sie zum Schutz vor dem Coronavirus vorübergehend auf Kindergottesdienste verzichten will. Der Konfirmationsunterricht soll jedoch fortgesetzt werden. Ebenso zwei sonntägliche Gottesdienste um 7.30 Uhr und um 10.00 Uhr unter Beachtung der Abstandsregelung. Sonstige Massenveranstaltungen werden nicht durchgeführt.

Weitere unbefristete Schließung von Schulen und Colleges. Verbot von Veranstaltungen und Kundgebungen

Alle Schulen und Colleges bleiben unbefristet geschlossen, Prüfungen werden verschoben. Der Premierminister sagte die Feierlichkeiten zum 56. Jahrestag des Zusammenschlusses von Tanganjika und Sansibar am 26. April ab, ebenso Veranstaltungen und Kundgebungen am 1. Mai. Die für den Union Day bereitgestellten Mittel werden der Regierung von Sansibar für die Bekämpfung des Coronavirus zur Verfügung gestellt.

Ebenso sind Sport- und Musikveranstaltungen, politische Veranstaltungen, Versammlungen oder Feierlichkeiten bis auf unbestimmte Zeit untersagt. Weiterhin gestattet sind Gottesdienste und Gebete in der Moschee. Mundschutz wird landesweit noch nicht vorgeschrieben. Der Premier forderte alle Tansanier auf, zu Hause zu bleiben und alle unnötigen Aktivitäten außerhalb des Hauses zu unterlassen.
 

Frankreich unterstützt Afrika mit 1,2 Mrd. EUR

Nach Angaben des französischen Botschafters in Daressalam will Frankreich die afrikanischen Länder, darunter auch Tansania, mit 1,2 Mrd. EUR im Kampf gegen das Coronavirus und die ökonomischen Folgeschäden unterstützen.

Schuldenmoratorium für Afrika

Den 77 ärmsten Entwicklungsländern sollen auf Beschluss der Finanzminister der G20-Staaten die Zins- und Schuldenrückzahlungen gestundet werden. Das Schuldenmoratorium ist begrenzt auf das Jahresende 2020. Zuvor hatten bereits die G7-Staaten und der IWF entsprechende Beschlüsse gefasst. Der IWF befürchtet für Afrika wegen der Corona-Pandemie eine große Gesundheits- und Wirtschaftskrise.

In einem gemeinsamen Appell hatten zuvor 18 afrikanische und europäische Staats- und Regierungschefs zu Einigkeit und Solidarität angesichts der Corona-Krise aufgerufen. "Dieses Virus kennt keine Grenzen", heißt es in dem auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterzeichneten Appell.

Tansania fällt nicht unter den Corona-Schuldenerlass des IWF

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat 25 der weltweit ärmsten Länder wegen der Corona-Krise einen Teil ihrer Schulden erlassen. In den kommenden sechs Monaten brauchen sie ihre Schulden beim IWF nicht zurückzahlen. Für diese Maßnahme wurden 500 Millionen Dollar aus dem neuen Katastrophenfonds des IWF zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zu Ländern wie den Komoren, Malawi, Mosambik und Ruanda gehört Tansania jedoch nicht zu den betroffenen Ländern.

Gesundheitsministerin dankt Deutschland

Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu hat Deutschland für die Unterstützung der Regierung im Kampf gegen die Pandemie gedankt. Die KfW hätte 5.400 Test Kits für die sechs Länder der Ostafrikanischen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt, davon seien bereits 500 in Tansania angekommen. In Kooperation mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (Hamburg) werde außerdem ein Intensivtraining für Laborexperten durchgeführt.
 

Magufuli und Leitung der Evangelischen Kirche (ELCT) Hand in Hand

Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche von Tansania (ELCT), Bischof Frederick Shoo, hat "mit Freude" von einem Gespräch am Osterwochenende mit Staatspräsident John Magufuli berichtet. Er habe dem  Präsidenten versprochen, die von der Regierung vorgegebenen Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus zu unterstützen. Shoo predigte Ostersonntag in einer vollbesetzten Kirche in Moshi, im gesamten Land fanden evangelische und katholische Gottesdienste statt - meist mehrfach hintereinander. Die Schutzmaßnahmen bestanden darin, dass sich die Gläubigen vor dem Betreten der Kirche die Hände wuschen und einen Meter Abstand zu ihrem Sitznachbarn halten sollten. Auf den Friedensgruß oder auf das obligatorische Küssen des Kreuzes durch die Gemeinde wurde verzichtet. Shoo sagte, er sei sich mit dem Präsidenten darüber einig gewesen, dass die Angst überwunden werden müsse.

Der Regional Commissioner der Kagera Region, Brigadegeneral Marco Gaguti, hat am 15. April in Bukoba der ELCT für ihre Unterstützung der Regierung in der Corona-Bekämpfung gedankt.

Staatspräsident bereitet sein Volk auf mögliche Lebensmittelknappheit vor

Staatspräsident John Magufuli hat am Karfreitag erneut eine Rede in einer Kirche gehalten. In seinem Heimatort im Chato District in Nordtansania bereitete er die Bevölkerung darauf vor, dass als Folge der Pandemie eine Lebensmittelknappheit wahrscheinlich sei. Daher sollten alle Tansanier hart arbeiten, um diese Herausforderung zu bewältigen.

Magufuli begründete seine Entscheidung, die Landesgrenzen von tansanischer Seite aus nicht vollständig zu schließen: Der Zugang der Nachbarstaaten zum Hafen in Daressalam müsse über die zentralen Transportkorridore weiterhin möglich sein.

Erneut ging der Präsident auch auf religiöse Fragen ein. Er sagte, dass durch die Kreuzigung Jesu Gott die Menschheit vor den weltweiten Desastern wie die Corona-19 Pandemie retten werde. Weiterhin ist Magufuli nicht bereit, Kirchen und Moscheen als Vorsichtsmaßnahme gegen die Verbreitung des Virus vorübergehend schließen zu lassen.

Filmbeitrag des SPIEGEL vom 10.4.2020 zur aktuellen Lage in Afrika (Länge: 4 Min.)

Opposition fordert "Lockdown" für Tansania

Die Opposition in Sansibar und auf dem Festland fordert ein "Lockdown", um die weitere Verbreitung des Coronavirus zu stoppen. Oppositionsführer Seif Shariff Hamad (Sansibar) verlangt nach Angaben von Ippmedia von der Regierung "ein totales Lockdown" und einen Aufruf an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Oppositionspolitiker auf dem Festland fordern zudem eine Zusammenkunft der Führer aller gesellschaftlichen Gruppen, um über die sozio-ökonomischen Auswirkungen der Krise zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, wie die Versorgung der Bevölkerung aufrecht erhalten werden könne.
 

Schließung von Bars in Daressalam. Gewaltsame Polizeieinsätze in Gaststätten

In mehreren belebten Stadtteilen von Daressalam dürfen seit dem 18. April nur noch Getränke "to go" verkauft werden. Einige Bars haben daraufhin ihren Betrieb eingestellt. Nach Medienberichten gab es bereits in verschiedenen Stadtteilen gewaltsame Polizeieinsätze gegen volle Bars und Gaststätten.

Regional Commissioner der Kagera Region verbietet alle Sport- und Freizeitaktivitäten

Der Regional Commissioner der Kagera Region, Brigadegeneral Marco Gaguti, hat alle Sport-, Freizeit- und Unterhaltungsaktivitäten verboten und die Polizei angewiesen, entsprechende Handlungen sofort zu unterbinden. Gaguti appellierte an die Eltern, die Schließung der Schulen nicht als zusätzliche Schulferien zu interpretieren und mit den Kindern in großen Gruppen am Strand zu spielen.

Neubau eines Corona-Krankenhauses in Rekordzeit

Mit Unterstützung der Armee will die Regierung kurzfristig ein Krankenhaus für Epidemie-Patienten bauen, das Platz für 200 Corona-Erkrankte bieten wird. 389 Soldaten sollen das Gebäude innerhalb von nur 6 Monaten bauen. Der erste Bauabschnitt wird laut Planung bereits am 30.4.2020 fertiggestellt sein. Das neue Hospital, dessen Baukosten mit 2,8 Millionen Euro angegeben wurden, liegt in Kisoka in der Nähe des Mloganzila Hospitals. Das Gebäude für 40 Corona-Patienten in Kibaha ist bereits in Betrieb.

District Commissioner verbietet Nachtmärkte

Der District Commissioner des Kahama Districts (Shiyanga Region) hat Lebensmittel-Nachtmärkte verboten. Nachts würden viele Marktbesucher das Händewaschen vor dem Verzehr von Speisen nicht beachten. Er verbot außerdem Spiele in der Öffentlichkeit wie Bao, Dame oder Kartenspiele.

Hauskontrollen im Mbeya District

Der District Commissioner von Mbeya hat am 16. April eine "House to House Campaign" angekündigt. Die Behörden werden demnach ab sofort in allen Häusern des Districts kontrollieren, ob Wassereimer, Seife und Desinfektionsmittel vorhanden sind. Bürger beschwerten sich indes, dass der Preis für einen Plastikeimer inzwischen von 5.000 TSH (ca. 2 EUR) auf 20.000 TSH (ca. 8 EUR) angestiegen sei. Dies könnten sich viele Familien nicht mehr leisten.
 

10 Mrd. USD Soforthilfe durch die afrikanische Entwicklungsbank

Die Afrikanische Entwicklungsbank stellt Afrika 10 Mrd. US-Dollar für den Kampf gegen den Coronavirus zur Verfügung. Bankpräsident Akinwumi Adesina erklärte, dass Afrika in einer schwierigen Zeit finanziell geholfen werden solle.

EU stellt Entwicklungsländern 15 Mrd. Euro in Aussicht

Die EU hat den Entwicklungsländern eine Corona-Hilfe in Höhe von ca. 15 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Allerdings handelt es sich um umgewidmete Mittel aus anderen Projekten. Dem deutschen Entwicklungsminister Gerd Müller reicht das nicht.

Krisengipfel in China wegen Diskriminierung von Afrikanern

Am 9. April fand in Peking eine Krisensitzung des chinesischen Außenministers mit den afrikanischer Botschaftern statt. Es ging um die in sozialen Medien per Foto und Film dargestellten Diskriminierungen von in China lebenden Afrikanern. Es wird von Menschenrechtsverletzungen, Zwangsräumungen aus Wohnungen und Hotels sowie Vertreibungen von öffentlichen Plätzen, aus Kaufhäusern, Restaurants und Krankenhäusern berichtet. Hintergrund sei die Angst vor einer Einschleppung des Coronavirus aus Afrika. Der tansanische Botschafter Kairuki erklärte, dass ihm Verfolgungen von Tansaniern in China bislang nicht bekannt seien.
 

Daily News: "Wir sollten den Zahlen der Regierung vertrauen"

Die regierungsnahe Tageszeitung Daily News berichtete am 7. April, dass es in der Gesellschaft Kritik an der von der Regierung übermittelten Statistik gibt - vor allem, was die Zahl der Infektionen betrifft. Sie ist im Vergleich zum Nachbarland Kenia eher niedrig. Daily News ist jedoch der Meinung, dass "diese Zahlen verdeutlichen, dass die Ansteckung durch den Coronavirus nicht so schlimm ist wie befürchtet". Die Zeitung meint: "Wir sollten den Zahlen der Regierung vertrauen". Bespielhaft wurde aufgeführt, dass vor dem Betreten von Supermärkten, Krankenhäusern oder Kirchen vorsorglich die Körpertemperatur gemessen wird. In einer Kirche in Daressalam sei am vorletzten Sonntag bei drei Gottesdiensten mit insgesamt circa 3.000 Besuchern nicht in einem einzigen Fall Fieber festgestellt worden worden.
Daily News vom 7.4.2020

Manager von Diamond Platnumz: "Corona bedeutet nicht automatisch das Todesurteil"

Sallam Sharaf, der am Coronavirus erkrankte Manager von Tansanias Musik-Superstar Diamond Platnumz, ist wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er dankte Allah, den Ärzten, den Krankenschwestern und der Regierung für seine Heilung. Der verängstigten Bevölkerung müsse vermittelt werden, dass eine Corona-Erkrankung nicht automatisch das Todesurteil bedeute. Sharaf erklärte, er sei in Frankreich während der Europatournee seiner Band erkrankt, dann aber trotz des Corona-Verdachts noch kurzfristig mit dem Flugzeug über Zürich nach Daressalam geflogen.
 

Bill Gates: "Die armen und weniger reichen Länder jetzt nicht aus dem Auge verlieren"

Bill Gates appelliert, die armen und weniger reichen Länder jetzt nicht aus dem Blick zu verlieren. Bill Gates: "Indem wir Ländern in Afrika und Südasien helfen, sich jetzt vorzubereiten, können wir Leben retten und gleichzeitig die globale Verbreitung des Virus verlangsamen". Bill Gates will mit der Bill & Melinda Gates Stiftung mehrere Milliarden US-Dollar bereitstellen, um die Ausstattung für sieben erfolgversprechende Forschungsprojekte für eine Corona-Impfung zu finanzieren. Am Ende sollten dann die beiden erfolgreichsten Forschungen eine Anschlussfinanzierung erhalten.
The Blog of Bill Gates

David Alaba (Bayern München): "Das ist rassistisch"

Nicht nur David Alaba (Bayern München), dessen Vater aus Nigeria stammt, findet den Vorschlag französischer Wissenschaftler, einen möglichen Impfstoff gegen Corona in Afrika testen zu lassen, rassistisch. 
Artikel in der Welt vom 6.4.2020
 

Flüchtlingslager sollen abgeriegelt werden

Die Flüchtlingslager bei Kigoma am Tanganjikasee sollen von der Polizei hermetisch abgeriegelt werden, um bei einem möglichen Ausbruch von Corona die Verbreitung des Virus in die umliegenden Regionen zu verhindern. Ippmedia berichtete am vorletzten Samstag, dass dafür im Grenzgebiet zu Burundi auch alle LKWs auf Flüchtende überprüft werden sollen. Flüchtlinge, die sich nach Ansicht der Regierung illegal in Tansania aufhalten, werden auch weiterhin nach Burundi abgeschoben.

Ostafrikanische Gemeinschaft finanziert Tansania zwei mobile Teststationen

Tansania wird durch die Ostafrikanische Gemeinschaft mit zwei mobilen Teststationen ausgestattet, die vor allem im ländlichen Raum Corona-Tests durchführen sollen. In den Allrad-Fahrzeugen kann auch eine Erkrankung mit Ebola oder mit dem Marburgfieber festgestellt werden.

Daressalam richtet 24 Corona-Teststellen ein

Der Regional Commissioner von Daressalam, Paul Makonda, hat auf die täglich wachsende Zahl von Infektionen in der Millionenstadt reagiert und die Einrichtung von 24 Corona-Teststellen in 24 Stadtteilen angekündigt. Dadurch soll verhindert werden, dass Infizierte zur nächsten Gesundheitsstation laufen und dort weitere Personen anstecken. Die offiziellen Teststellen werden in bereits vorhandenen Krankenhäusern und Gesundheitsstationen eingerichtet.

Tansania schreibt 610 neue Arztstellen aus

Die Regierung Tansanias hat 610 neue Arztstellen ausgeschrieben. Gesucht werden auch "Grade II Doktors" oder Ärzte mit Bachelor-Abschluss, die eine staatlich anerkannte Universität besucht haben und bereit sind, zur Bekämpfung des Coronavirus in einem Krankenhaus oder in einer Gesundheitsstation, insbesondere auch in ländlichen Regionen, zu arbeiten. Bereits Anfang des Jahres hatte der Staatspräsident die Schaffung von 1000 neuen Arztstellen angekündigt.

Besserer Schutz des Klinikpersonals und Unterbringungskonzept für Kliniken gefordert

Dr. Elisha Osati, Präsident der Medical Association of Tanzania (MAT), hat am 2. April auf einer Pressekonferenz in Daressalam einen besseren Schutz des Klinikpersonals und ein Unterbringungskonzept für Kliniken gefordert. Die Bemühungen der Regierung seien zwar "lobenswert", jedoch müsse dringend die Ausstattung des Personals mit Schutzkleidung erfolgen. Ferner sollten Patienten mit Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder mit Herzmuskelerkrankungen sowie ältere Patienten aus den großen Kliniken in kleinere Krankenhäuser verlegt werden, um sie zu schützen und um gleichzeitig ausreichend Platzkapazitäten für die zu erwartenden Corona-Patienten zu schaffen.

In verschiedenen Landesteilen Tansanias wurden Workshops für Krankenhauspersonal und Aufklärungskampagnen durchgeführt.

Parlamentsausschüsse fordern Strategie für die Wirtschaft

Mehrere Parlamentsausschüsse haben die Regierung aufgefordert, eine Strategie zu entwickeln, wie die Coronakrise in Tansania wirtschaftlich aufgefangen werden kann. Die Regierung müsse sich mit Unternehmern, Händlern etc. treffen und mögliche Maßnahmen wie Steuersenkungen oder die Stundung von Krediten besprechen. Es gehe um den Verlust von Arbeitsplätzen und die Schließung von Betrieben. Aktuell besonders betroffen sei die Tourismusindustrie.
 

Deutscher Entwicklungsminister Müller: Afrika jetzt nicht alleine lassen

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) betont, dass der Westen die Länder Afrikas jetzt nicht alleine lassen dürfe. „Die Staatengemeinschaft muss schnell liefern“, schrieb Müller in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Neben millionenschweren Soforthilfen will der CSU-Politiker praktische Unterstützung bereitstellen – etwa bei der Schulung von Labor- und Klinikpersonal.

Viel Hoffnung setzt Müller auf „Corona-Tools“: In Deutschland entwickelte Apps, mit denen „Informationen über Infizierte und Kontaktpersonen in Echtzeit schnell und unkompliziert“ weitergegeben werden können – für ein besseres „Management und Monitoring“ der Coronakrise.  Aus: Der Tagesspiegel vom 29.3.2020

2 Mrd. US-Dollar der UN für Entwicklungsländer

Die UN stellt 2 Mrd. US-Dollar bereit, um Entwicklungsländer im Kampf gegen den Coronavirus zu unterstützen. Das Geld soll vor allem für Testgeräte, medizinisches Equipment und den Schutz des medizinischen Personals verwendet werden. Außerdem für Kommunen mit Flüchtlingsunterkünften und -lagern.

Oxfam, der internationale Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, verlangt ein Schuldenmoratorium für afrikanische Länder.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat am 1. April in Genf einen Schuldenerlass für ärmere Länder gefordert. Nur so seien sie in der Lage, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Folgen der Pandemie zu bewältigen. Ghebreyesus: "Wir müssen zusammenstehen, um dieses unbekannte und gefährliche Virus zu bekämpfen".
"Afrika: Millionen Jobs durch Corona in Gefahr" Deutsche Welle vom 6.4.2020

Die tansanische Opposition fordert ein Versorgungskonzept für die arme Bevölkerung.
 

Abgelaufene Visa und Reisepässe von Ausländern können verlängert werden

Abgelaufene Reisepässe von Ausländern, die wegen der Coronakrise das Land nicht verlassen können, werden auf Antrag um einen Monat verlängert, Visa im Notfall um drei Monate.

Weltweite Reisewarnung bis zum 14. Juni

Deutschland hat bis Ende April eine weltweit gültige Reisewarnung ausgesprochen, die Touristen eine kostenlose Stornierung ihrer Pauschalreise ermöglicht. Die Reisewarnung wurde vom Auswärtigen Amt bis zum 14. Juni verlängert.
 

Tourismus am Boden

Die immer noch gültige 14-tägige Quarantäne für einreisende Ausländer und die Einstellung des kompletten Flugverkehrs durch die Regierung hat den Tourismus komplett zum Erliegen gebracht. Tanzania Tourist Board (TTB) bittet die Touristen angesichts dieser Situation um "Verschiebung statt Absage".

Neben den Hotels, Restaurants, Lodges, Sehenswürdigkeiten und Kunsthandwerksläden sind auch die Konferenzzentren in Arusha betroffen. Die Großstadt hängt zu 70 % von den Einnahmen aus dem Tourismus ab, 40 % der Arbeitsplätze befinden sich in diesem Bereich. Hinzu kommt dann auch noch der Corona-bedingte Niedergang der tansanischen Blumenindustrie, die keinen Absatz mehr auf dem europäischen Markt findet.

Tourismusbranche fordert Rettungspaket

Tansanische Tourismusverbände fordern von der Regierung für ihren Bereich ein nationales Rettungspaket. Der Tourismus mit seinen angestrebten 2 Millionen Besuchern im Jahr 2020 sei komplett zusammengebrochen. Die Zahl der Serengeti-Besucher ist um 99,6 % von durchschnittlich 6.000 auf 24 pro Tag gesunken. Sansibar bezieht 80 % seiner ausländischen Einnahmen aus dem Tourismus. Gefordert werden Kredite, Steuersenkungen bzw. -befreiungen, reduzierte Pachtkosten und eine weltweite PR-Kampagne für den tansanischen Tourismus nach dem Ende der Pandemie. In Tansania gibt es über 500 Reiseveranstalter. Betroffen sind aber auch Hotels, Lodges, Restaurants, Souvenirshops, Guides, Autofahrer, Busunternehmen u.a.m.
 

Viel beachtete Rede von Magufuli in vollbesetzter Kirche

In der vollbesetzten St. Paul's Catholic Church in Dodoma hat der Staatspräsident am 29. März eine viel beachtete Rede gehalten, in der er die Tansanier aufforderte, hart weiterzuarbeiten und sich nicht entmutigen zu lassen. Die Regierung werde im Kampf gegen das Virus nicht aufgeben. Magufuli: "Ich glaube, dass die Seuche von Satan gebracht wurde, und der einzige Weg, diesen Kampf zu gewinnen, geschieht durch Gott." Er fuhr fort: "Wir haben uns gegenseitig mit Covid-19 Angst gemacht, als gäbe es keine andere Seuche, die Menschen tötet: Aids, tötet, Krebs tötet, Autounfälle töten viele Menschen." Ansonsten sei in Tansania bislang noch nichts Schlimmes passiert, und durch den Glauben an Gott gehe die Seuche vorbei wie ein böser Geist. Die Opposition kritisierte die Rede und forderte, wie in Uganda, Ruanda und Kenia Gottesdienste zu untersagen.

"Coronavirus in Tansania: Der gottgläubige Präsident"
TAZ vom 1.4.2020

 

Rückreise aller Weltwärts-Freiwilligen

Angesichts der sich stetig verschärfenden Situation um die weltweite Ausbreitung des Corona Virus hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Rücksprache mit dem Auswärtigen Amt alle im Ausland befindlichen Freiwilligen nach Deutschland zurückgeholt.
Weitere Infos auf der Homepage von Weltwärts

Ausreisegenehmigung für Tansanier nur noch in dringenden Fällen / Einreisestopp der EU

Tansanier dürfen nur noch in nachweislich dringenden Fällen das Land verlassen. Dies gilt auch für Mitglieder der Regierung. Durch die Schließung der EU-Grenzen können bis Ende April aber sowieso keine Tansanier mehr nach Deutschland oder Österreich einreisen.


Hinweis

Verfügen Sie über eigene neue Informationen zur aktuellen Corona-Situation in Tansania? Oder sollten an den o.a. Infos Korrekturen vorgenommen werden? Bitte teilen Sie uns dies mit. Herzlichen Dank vorab!
 


Links (Tansania)


Infos zur aktuellen Situation in Bagamoyo


Medienberichte zur Situation in Tansania:

Letzte Medienberichte über die Situation in Tansania:

"Tansania: Corona? Nicht bei uns!"
Süddeutsche Zeitung vom 19.2.2021

"Seoul stellt Ghana und Tansania 70 Millionen Dollar für Reaktion auf Corona-Pandemie bereit"
KBS World Radio vom 3.11.2020

"Tansania erklärt die Corona-Krise nach Gebet für beendet"
hpd vom 27.8.2020

"Corona-Krise und Wahlkampf: Tansania verschärft Pressezensur"
Deutschlandfunk vom 19.8.2020 (Radiobeitrag, 4:40 Min.)

"Tansanias Präsident Magufuli: Der Bolsonaro Afrikas treibt Corona mit Gebeten aus"
Welt vom 16.8.2020

"Mtwara: Die Not der Infizierten ist groß"
Westfälische Nachrichten vom 5.7.2020

"Tansania: 'Niemand weiß, wie viele Infizierte es gibt'“
Die neue Südtiroler Tageszeitung vom 29.6.2020

"Tansania – eine aufregende Reise ins Unbekannte"
Niederhein Nachrichten vom 18.6.2020

"Tansanias Präsident hebt trotz Kritik Corona-Einschränkungen auf"
finanzen.net vom 16.6.2020 (dpa)

"Tansania versteckt seine Corona-Toten"
Spiegel vom 13.6.2020

"Tansania: Den 'Corona-Dämon' austreiben"
Badische Zeitung vom 5.6.2020

"Trotz Corona: Entwicklungshelfer aus Zollenreute bleiben in Tansania"
Schwäbische vom 5.6.2020

"Freiwilligendienst: Zwei junge Ahauser müssen wegen Corona Zeit in Afrika abrupt beenden"
Münsterland Zeitung vom 31.5.2020

"Corona-Pandemie in Afrika: Mehr Armut, Krisen und Konflikte?" (inkl. Tansania)
Konrad-Adenauer-Stiftung vom 29.5.2020

"Keine Belege, dass in Tansania eine Papaya und eine Ziege positiv auf das Coronavirus getestet wurden"
Correctiv vom 27.5.2020

"Robert Koch: Der berühmte Forscher und die Menschenexperimente"
Spiegel vom 27.5.2020

"Planierraupe und Paranoia"
Frankfurter Rundschau vom 25.5.2020

"Kräutertrank aus Afrika soll gegen Corona helfen"
'Die Presse' vom 8.5.2020

"Beatmungsgeräte in Mbinga eingetroffen"
Mainpost vom 7.5.2020

"Opposition in Tansania boykottiert Parlament nach Corona-Ausbruch"
evangelisch.de vom 2.5.2020

"Corona: Waisenhaus geräumt"
Westfalenblatt vom 28.4.2020

"Große Sorgen um Freunde in Afrika"
onetz.de vom 27.4.2020

"Dachauer Praktikantin hilft Tansania: Anders als geplant"
Süddeutsche Zeitung vom 20.4.2020

"Beatmungsgeräte in Mbinga eingetroffen"
bistum-wuerzburg.de vom 20.4.2020

"Corona in Tansania und Südafrika: Afrika hat von anderen Epidemien gelernt"
Deutschlandfunk Kultur vom 15.4.2020

"Selbst ist das Volk"
Internationale Politik und Gesellschaft vom 6.4.2020

"Corona in Tansania: Widersprüchlicher Umgang mit der Krise"
Vorwärts vom 3.4.2020

"Zu Hause bleiben? In Tansania können sich das die wenigsten leisten"
Spiegel vom 3.4.2020

"Coronavirus in Tansania: Der gottgläubige Präsident"
TAZ vom 1.4.2020

"Schnell und gut: Wie man auf der Urlaubsinsel Sansibar mit der Corona-Krise und dem Wegbleiben der Touristen umgeht"
Süddeutsche Zeitung vom 1.4.2020
 


Links (Afrika)


Weitere Medienberichte der letzten 6 Monate zur Situation in Afrika:

"Müller setzt sich für Afrika-Tourismus ein"
Deutsche Welle vom 19.2.2021

"Afrika: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie: Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung legen stark zu"
afrika.info vom 18.2.2021

"Deutsche Afrikapolitik zwischen Corona und Wahlkampf"
Deutsche Welle vom 29.1.2021

"Zweite Covid-19-Welle in Afrika: Fehlender Zugang zu Sauerstoff und Impfstoffen gefährdet Menschenleben"
presseportal.de vom 29.1.2021

"Corona-Stresstest für Afrikas Grenzverkehr"
Deutsche Welle vom 28.1.2021

"Kommentar: Die Pandemie ist nicht demokratisch, sie verstärkt die Ungleichheit auf der Welt zum Schaden aller"
Neue Zürcher Zeitung vom 22.1.2021

"Afrika kommt bei der Verteilung der Impfdosen zu kurz"
SRF vom 10.1.2021

"Beim Kampf um einen Corona-Impfstoff drohen Entwicklungsländer leer auszugehen. Daran dürften auch die Bemühungen der WHO vorerst wenig ändern"
Neue Zürcher Zeitung vom 4.1.2020

"CSU-Vorstoß: Zahlt Facebook die Corona-Impfung in Afrika?"
Nordbayern vom 4.1.2021

"Hilfsorganisationen fordern einen Impfstoff, der kostenlos und fair verteilt wird"
Süddeutsche Zeitung vom 27.12.2020

"Papst fordert Corona-Impfstoff für alle"
katholisch.de vom 25.12.2020

"Corona-Pandemie zwingt mehr Mädchen weltweit in Ehen"
RND vom 15.12.2020

"Rettungsschirm für 850.000 kleine und mittlere Unternehmen in Schwellen- und Entwicklungsländern: KfW wird Ankerinvestor in COVID-19 Fonds"
presseportal.de vom 15.12.2020

"Geplatzte Hochzeitsträume wegen Corona"
Deutsche Welle vom 5.12.2020

"UN: Corona-Krise zerstört Fortschritte in ärmsten Ländern der Welt"
RND vom 3.12.2020

"Die Folgen von Corona: UN sehen Armut in ärmsten Ländern weiter steigen"
ARD vom 3.12.2020

"Corona und die Wirtschaft: Afrika wird weit zurückgeworfen"
ZDF vom 27.11.2020

"Bekämpfung der Coronakrise: 'Die Welt hätte von Afrika lernen können'"
SPIEGEL vom 24.11.2020

"Minister Müller: 'Mehr als zwei Millionen Tote wegen Corona in Afrika befürchtet'"
BR vom 24.11.2020

"Corona-Pandemie: Afrika überschreitet Zwei-Millionen-Marke bei Infektionen"
RND vom 19.11.2020

"Afrikas Einfallsreichtum im Kampf gegen Corona"
Deutsche Welle vom 9.11.2020

"WHO: Corona gefährdet die Gesundheitsversorgung in Afrika"
evangelisch.de vom 5.11.2020

"Safari in der Serengeti in Zeiten von Corona"
"Die Welt" vom 2.11.2020

"Wie Afrika mit Einfallsreichtum gegen das Coronavirus kämpft"
t-online vom 30.10.2020

"Zerplatzte Träume – Pandemie zwingt Kinder in Kenia zur Arbeit"
blues news vom 25.10.2020

"Europas neue Warnplattform könnte auch in Afrika oder Asien gegen Corona helfen“
WirtschaftsWoche vom 19.10.2020

"Welthungerhilfe Corona wirkt wie ein 'Brandbeschleuniger' für den Hunger"
Hinz&Kunzt vom 13.10.2020

"Minister Müller: "Corona stoppt Erfolge im Kampf gegen Armut und Hunger"
BMZ vom 7.10.2020

"Weltbank: Corona-Krise stürzt 115 Millionen Menschen in extreme Armut"
Deutschlandradio vom 7.10.2020

"Corona: Deutscher Afrika-Handel geht zurück"
Deutsche Welle vom 25.9.2020

"Forum Fairer HANDEL: 'Wir brauchen einen Neustart!'“
"Lebensmittel Praxis" vom 25.9.2020

"Entwicklungsminister: Corona verschärft Krisen in Afrika"
evangelisch.de vom 23.9.2020

"In Corona-Zeiten haben Wahltermine in Ostafrika ihre Tücken"
Neue Zürcher Zeitung vom 22.9.2020

"Afrika kommt bislang relativ gut durch die Coronakrise - woran liegt das?"
web.de vom 18.9.2020

"Fernreisen und Entwicklung: Besser noch etwas abwarten"
Süddeutsche Zeitung vom 18.9.2020

"Zoologische Gesellschaft : Artenvielfalt als Schutz vor Pandemien"
FAZ vom 9.9.2020

"Südafrikas Wirtschaft kollabiert"
Godmode Trader vom 9.9.2020

"Was bremst die Corona-Pandemie in Afrika?"
Deutschlandfunk vom 8.9.2020

Afrika im Blick der Deutschen Welle