Die letzten Meldungen

Corona-Pandemie: WHO will Corona-Schnelltests in Afrika einführen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will in ganz Afrika Corona-Schnelltests einführen. Matshidiso Moeti, WHO-Generaldirektorin für Afrika, erklärte am 22. Oktober in Brazzaville (Republik Kongo), dass dadurch der große Bedarf an Corona-Tests in Afrika gedeckt werden könne. Bislang ist die Dunkelziffer an Corona-Erkrankungen noch sehr hoch. Europäische Diplomaten gehen davon aus, dass Länder wie Tansania bereits kurz vor der Herdenimmunität stehen (Quelle: "Der Spiegel" vom 24.10.2020 in einem ausführlichen Artikel über die aktuelle Lage in Tansania). 

Starker Anstieg in Nordafrika

Die aktuelle Entwicklung erinnert sehr stark an den Beginn der Pandemie im März, als die Infektions- und Todeszahlen zuerst in den nordafrikanischen Ländern und in Südafrika anstiegen. Erst Wochen später folgten die anderen Länder südlich der Sahara.

Am vergangenen Freitag (23.10.) wurde in Marokko mit 73 Todesfällen ein neuer Höchstwert seit Beginn der Pandemie gemeldet.  Die meisten Infektionen gab es in Marokko am 22. Oktober mit 4.151 Infektionen. Libyen meldete mit 1.639 neuen Infektionen einen neuen Höchstwert am vergangenen Sonntag (25.10.). Aus Tunesien wurde am 17./18.10. mit 5.752 neuen Infektionen und 114 neuen Todesfällen ein sprunghafter Anstieg gemeldet, der mit der Entwicklung in Europa vergleichbar ist. Nicht umsonst wurde Tunesien inzwischen auch wieder als Risikogebiet eingestuft.

Während auch in Algerien die Zahlen seit Tagen (aber noch sehr langsam) ansteigen, gibt es bislang lediglich in Ägypten noch keine auffälligen Änderungen.

Steigende Zahlen auch in Kenia

Seit einigen Tagen werden auch wieder steigende Infektionszahlen aus Kenia gemeldet. Mit 1.068 offiziell registrierten Infektionen brachte der 22. Oktober einen neuen Höchstwert. Aktuell liegt Kenia auf Platz 9 der Länder mit den meisten Infektionen in Afrika.

Erklärungen für das Phänomen niedriger Zahlen in Gesamtafrika

Trotz der besorgniserregenden Situation in Nordafrika sind die Zahlen in Gesamtafrika aber immer noch relativ niedrig. Mehrere Wissenschaftler gehen davon aus, dass es neben den bereits schon länger vermuteten (und weiter unten aufgeführten) Faktoren eine zusätzliche Erklärung für das Phänomen niedriger Zahlen in Afrika geben könnte: Genetische Unterschiede. Eine Studie in der Fachzeitschrift "Nature" stellt  einen möglichen Zusammenhang zwischen dem sogenannten "Neandertaler-Erbe" in unserem Erbgut und schweren Corona-Krankheitsverläufen her. Das Neandertal-Gen ist vor allem bei Europäern und Südasiaten zu finden, die deshalb ein höheres Risiko haben sollen, im Falle einer Infektion künstlich beatmet werden zu müssen. Die Studie betont aber auch, dass diese Erklärung alleine noch nicht ausreicht.

Schon vor Wochen hatte die WHO vermutet, dass sich das Virus in Afrika langsamer ausbreitet als in anderen Teilen der Welt. Die Süddeutsche Zeitung: "Wohl keine andere Weltregion ist bisher so glimpflich davongekommen."

Niedriger Todesrate - aber extrem hohe Infektions-Dunkelziffer?

Allerdings muss zumindest bei den Infektionszahlen immer davon ausgegangen werden, dass die tatsächlichen Zahlen die offiziell verkündeten Fälle weit übersteigen. Nach Schätzungen der WHO könnten sich bereits über 10 Prozent der Weltbevölkerung infiziert haben. Die von WHO-Notfalldirektor Michael Ryan am 5. Oktober genannte Zahl entspricht etwa 760 Millionen Menschen und damit dem mehr als 20-Fachen der nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bislang offiziell festgestellten Fälle von gut 35 Millionen.

Dr. Mercy Mwangangi vom kenianischen Gesundheitsministerium berichtete Mitte August vom Ergebnis einer regionalen Stichprobe: Demnach seien 7,9 % der getesteten Personen bereits einmal mit dem Virus infiziert worden. Hochgerechnet auf ganz Kenia müsste die Zahl der tatsächlichen Infektionen dann verhundertfacht werden. Also 3,5 Millionen Infektionen statt der offiziell gemeldeten 35.000 mit einem hohen Ansteckungsrisiko für alle Touristen oder sonstigen Einreisenden (Quelle: The Citizen vom 21.8.2020).

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine im "Indian Journal of Medical Research" veröffentlichten Studie, "wonach in Indien zu Jahresanfang nach einer Untersuchung Millionen von Coronavirus-Fälle nicht entdeckt worden sein könnten. Laut Studie gab es im Land im Mai schätzungsweise 6,5 Millionen Fälle" (börse.online.de vom 11.9.2020).

Bereits 15-20 Millionen Infektionen in Südafrika?

Die FAZ berichtet am 15.9. über eine Aussage von Shabir Madhi, Professor an der Johannesburger Wits-Universität und Mitglied des Beraterstabs der südafrikanischen Regierung. Die tatsächliche Infektionszahl seit dem Ausbruch der Pandemie liege eher zwischen 15-20 Millionen als um die offiziell gemeldeten 650.000. In dicht besiedelten Gegenden hätten sich vermutlich schon 35-40 Prozent der Menschen angesteckt – weitaus mehr als anfangs erwartet.

Warum dann aber die niedrigen Todeszahlen?

Nach diesen erschreckenden Aussagen und Forschungsergebnissen stellt sich die Frage, warum bei einer so hohen Infektionszahl die Corona-Todesraten in Afrika so niedrig sind. Denn: Von dem anfänglich befürchteten Massensterben kann nach zuverlässigen Berichten aus allen afrikanischen Ländern überhaupt keine Rede sein - trotz meist schwacher Gesundheitssysteme und fehlender qualifizierter Intensivpflegeplätze. Das sogenannten "Neandertal-Gen" wird als nur eines von mehreren Faktoren vermutet:

Niedriges Durchschnittsalter

Experten vermuten bei der Beantwortung dieser Fragen gleich mehrere Faktoren. An erster Stelle steht das eklatant niedrigere Durchschnittsalter der Bevölkerung Afrikas im Vergleich zu allen anderen Kontinenten: Fast die Hälfte der Menschen in Afrika ist jünger als 18 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt in Afrika bei 19,7 und in Europa bei über 40 Jahren.

Durch Parasiten geprägtes Immunsystem mildert den Infektionsverlauf

Der Deutschlandfunk schreibt am 8.9., dass "die vielen Krankheiten Afrikas, Masern, Durchfallviren, Malaria, Parasiten für viele tödlich sind, aber sie trainieren auch das Immunsystem. Diese Theorie vertreten viele Forscher. Maria Yazdanbakhsh (Universität Leiden) hat diese Effekte gemeinsam mit Forschern aus dem Senegal und aus Gamba bereits früher in Blutproben aus Afrika untersucht und konnte ganz spezifische Effekte nachweisen: 'Wenn man viele Infektionen hat, bildet man mehr der sogenannten virtuellen Gedächtniszellen, die stärker und schneller auf neue Infektionen reagieren.'"

Die Deutsche Welle machte am 4.9. auf eine in der Fachzeitschrift Science veröffentlichten Analyse aufmerksam, wonach zunehmend erkannt wird, "dass das Immunsystem nicht nur durch die Genetik, sondern auch durch Umweltfaktoren wie die Exposition gegenüber Mikroorganismen und Parasiten geprägt wird. 'So wird das Immunsystem trainiert, sich gegen eindringende Krankheitserreger zu schützen', schreiben die Forscher. Das könnte den Verlauf einer Infektionskrankheit entscheidend abmildern und ein weiterer Grund sein, weshalb die erwarteten hohen Opferzahlen in Afrika bisher ausgeblieben sind.

Während Parasiten möglicherweise einen milden Infektionsverlauf begünstigen, sind es die nicht infektiösen Krankheiten, die die großen Probleme verursachen: Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht und Diabetes Typ 2 steigern nicht nur das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs, sie sind vor allem typische Krankheiten westlicher Industrieländer. Jedenfalls noch. In den urbanen Regionen afrikanischer Staaten haben auch diese Zivilisationskrankheiten bereits Einzug erhalten" (Deutsche Welle vom 4.9.2020). 

Schnelle Reaktion auf die Pandemie und geringe Mobilität der Bevölkerung

Ein weiterer Faktor ist nach Angaben von Experten "die frühe Handlungsbereitschaft auf die Erfahrungen vieler Länder mit anderen Infektionskrankheiten wie Ebola und dem Lassa-Fieber. Die schnelle Reaktion hat sehr wahrscheinlich zu einer langsameren Ausbreitung der Infektion geführt".

In diesem Zusammenhang wird die relativ schnelle Schließung der afrikanischen Flughäfen und vor allem die wesentlich geringere Mobilität der Bevölkerung innerhalb ihres Landes oder bei Reisen in die Nachbarländer angeführt. Die hohen Durchschnittstemperaturen (die es auch in Südamerika mit seinen sehr hohen Infektionsraten gibt) kommen dann noch als vermutlich weiterer positiv wirkender Faktor ergänzend hinzu.   

Virologe Drosten hinterfragt diese Erklärungen

In einer ausführlichen Stellungnahme am 15. September im NDR hat der bekannte Virologe Christian Drosten diese Erklärungen jedoch hinterfragt. Er führt das ungenügende Meldewesen in Afrika als entscheidenden Faktor an und kommt schließlich zu dem zusammenfassenden Ergebnis: "Also daran kann ich im Moment nicht erkennen, warum afrikanische Bevölkerungen weniger von Todesfällen betroffen seien sollten, insbesondere, wenn wir uns klarmachen, dass auch der Schwerpunkt der Krankheit im Bereich der ärmeren Bevölkerung lag. Deswegen fällt es mir schwer, so ungesehen zu glauben, dass Afrika von diesen ganzen Problemen nicht so betroffen ist." 

Interview mit Christian Drosten: "Das Afrika Rätsel"
NDR vom 15.9.2020

Links, die in diesem Zusammenhang von Interesse sind:

"Afrika bleibt ein Mysterium"
Badische Zeitung vom 13.10.2020

"Rätsel der geringen Totenzahlen Afrika inspiriert die Corona-Forschung"
NTV vom 4.10.2020

"Afrika und das Coronavirus: Aus früheren Epidemien gelernt?"
Tagesschau vom 25.9.2020

"Millionen Infizierte?: Zweifel an offiziellen Zahlen in Südafrika"
FAZ vom 15.9.2020
 

Aktualisierung: Deutschland stuft Tansania auch weiterhin als Risikogebiet ein

Das Robert Koch Institut (RKI) hat in einer seit dem 17. Oktober gültigen Aktualisierung der "Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete" Tansania erneut als eines von circa 140 Ländern oder Gebieten aufgelistet, "in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2 besteht". Rückkehrer aus diesen Ländern müssen in Deutschland entsprechend der Bestimmungen der Bundesländer unter anderem mit einer mehrtägigen Quarantäne rechnen.

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt nach gemeinsamer Analyse und Entscheidung durch das Gesundheit- und das Innenministerium sowie durch das Auswärtige Amt. 

Sechs afrikanische Länder sind keine Risikogebiete, darunter jetzt auch Namibia 

Nur sechs afrikanische Länder und Gebiete werden gegenwärtig nicht als Risikogebiete eingestuft: Seychellen, Mauritius, Botswana, Ruanda, Uganda und seit dem 17. Oktober auch Namibia. Tunesien wurde bereits am 7. Oktober wieder in die Liste der Risikogebiete aufgenommen. In einige dieser Länder ist gegenwärtig jedoch eine Einreise nicht oder nur sehr schwer möglich.

Für Tansania, dass seit dem 29. April keine Infektions- und Todeszahlen mehr veröffentlicht hat, gilt vermutlich der Passus, wonach bei der Festlegung als Risikogebiet auch berücksichtigt wird, ob "verlässliche Informationen" aus den einzelnen Ländern vorliegen.

"Kein Risikogebiet" bedeutet nicht automatisch Aufhebung der Reisewarnung

Auf einer Pressekonferenz des Auswärtigen Amts am 17. Juni in Berlin wurde von einem Journalisten die Frage gestellt, ob es eine Wechselwirkung zwischen "Risikogebiet" und "Reisewarnung" gibt. Hierzu der Sprecher des Auswärtigen Amts: "Es gibt dort keine Automatismen. Änderungen bei der Einstufung als Risikogebiet bedeuten nicht unmittelbar, dass eine Reisewarnung für bestimmte Länder ausgesprochen oder aufgehoben wird. Die Liste der Risikogebiete betrifft ja alle Reisenden, und die Reisewarnung bezieht sich auf nicht notwendige touristische Reisen aus Deutschland." Die Liste der Risikogebiete soll weiter regelmäßig überprüft werden.
 

Deutschland: Reisewarnung für Tansania unbefristet verlängert

Seit dem 1. Oktober 2020 gelten wieder umfassend differenzierte Reise- und Sicherheitshinweise bzw. Reisewarnungen für einzelne Länder. Sie lösen damit die pauschale Reisewarnung für außereuropäische Länder ab, die bis zum 30. September bestand.

Als Grundregel gilt dabei im Hinblick auf COVID-19:

• Eine Reisewarnung für nicht notwendige, touristische Reisen gilt grundsätzlich weiterhin für alle Länder, die von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft sind.

Tansania wird im Gegensatz zu den Nachbarländern Ruanda und Uganda sowie Seychellen und Namibia weiterhin als Risikogebiet eingestuft.

Dringender Appell des Auswärtigen Amts

Bei einer Reisewarnung handelt es sich um einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts, entsprechende Reisen nicht zu unternehmen. Die Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Reisende entscheiden in eigener Verantwortung, ob sie eine Reise antreten. Das Bestehen einer Reisewarnung kann jedoch mittelbar rechtliche Auswirkungen haben, beispielsweise für die Gültigkeit einer Reisekrankenversicherung. Hierzu sollten sich Reisende mit ihrem Versicherungsdienstleister in Verbindung setzen.

Außerdem müssen sich Reisende ab dem 15. Oktober nach ihrer Rückkehr aus einem Risikogebiet unmittelbar an ihren Zielort begeben, sich in 10- bis 14-tägiger Quarantäne aufhalten bis ein negatives Testergebnis vorliegt, das negative Testergebnis den zuständigen Behörden, i.d.R. Gesundheitsamt, auf Anforderung nachweisen und sich bei der zuständigen Behörde, i.d.R. Gesundheitsamt, am Wohnort/Unterkunft melden. Bei der Einreise aus einem Risikogebiet gilt die Pflicht, sich testen zu lassen. Die Quarantäne kann auf 5-6 Tage verkürzt werden, wenn am fünften Tag ein Corona-Test vorgenommen wird und dieser negativ ausfällt.

Mehrere Kriterien für eine Einstufung als Risikogebiet

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land die Neuinfiziertenzahl im Verhältnis zur Bevölkerung von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten 7 Tagen überschreitet. Umgekehrt hängt die Aufhebung der Reisewarnung von einer Besserung der Infektionslage ab. Dabei kommt es nicht auf Momentaufnahmen an, sondern auf einen stabilen Trend in den Zahlen.

Neben den Zahlen spielen bei der Einstufung aber auch weitere Kriterien eine Rolle. Hierzu gehören zum Beispiel die Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend), die Testkapazitäten, die Anzahl der durchgeführten Tests pro Einwohner, die Rate der positiv Getesteten sowie in den Staaten ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens (Hygienebestimmungen, Kontaktnachverfolgung etc.).

Das Verschweigen der Testergebnisse und der Todeszahlen in Tansania seit Ende April 2020 sowie die mangelnde Kooperation mit der WHO hat bei der Einstufung des Landes als Risikogebiet vermutlich eine wichtige Rolle gespielt.

Gesundheitsminister Jens Spahn rät von Auslandsreisen in den Herbst- und Winterferien ab

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat von Auslandsreisen bis Anfang 2021 abgeraten. Im ZDF-Morgenmagazin meinte er, dass man ja auch Urlaub im Inland machen könne. Angesichts steigender Infektionszahlen besteht nach Auffassung des Ministers die Gefahr der Einschleppung des Virus durch Reiserückkehrer. Sein Ratschlag sei für die durch die Corona-Pandemie bereits stark betroffenen Reiseveranstalter hart, aber in der aktuellen Lage leider nicht zu ändern.

 In einer aktuellen Umfrage gaben nur noch 5 % aller Befragten an, dass sie nach wie vor planen, in den anstehenden Herbstferien ins Ausland zu reisen.

Österreich: Reisewarnung Stufe 6 für 12 afrikanische Länder

Österreich hat aktuell für Ägypten, Libyen, Malediven, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Senegal, Somalia, Südafrika, Südsudan und Zentralafrikanische Republik eine Reisewarnung der höchsten Stufe 6 ausgesprochen. Partielle Reisewarnungen (Reisewarnung Stufe 5) liegen für Algerien, Äthiopien, Burkina Faso, Kamerun, Kenia, DR Kongo, Marokko, Sudan, Tschad und Tunesien vor.

Tansania wird von der Regierung Österreichs in die Sicherheitsstufe 4 eingruppiert. Demnach besteht in Tansania ein "hohes Sicherheitsrisiko" und "von nicht unbedingt notwendigen Reisen in das Land wird abgeraten".

Schweiz: Nur für 2 Länder Afrikas keine Reisewarnung

Die Schweiz hat für alle Länder Afrikas eine Reisewarnung ausgesprochen. Ausgenommen sind lediglich Ruanda und Tunesien. Von einer Einreise nach Tunesien wird neuerdings jedoch wieder dringend abgeraten.

 

Die meisten Fluggesellschaften fliegen wieder nach Tansania

Mehrere Fluglinien fliegen inzwischen wieder nach Tansania: Egypt Air, Emirates, Ethiopien Airlines, KLM, Oman Air, Qatar Airways und Turkish Airlines. Flugziele sind Daressalam, Sansibar und der Kilimanjaro Airport. Allerdings wurden die Flugtage meist reduziert und Reisende berichten auch von kurzfristigen Flugausfällen.

Condor nimmt ab dem 23. Dezember wieder den Flugbetrieb nach Sansibar und zum Kilimanjaro Airport auf.

Die Schweizer Fluglinie Swiss, die zur Lufthansa Group gehört, hat hingegen Daressalam und Nairobi aus ihrem ab Oktober gültigen Winterflugplan 2020/21 gestrichen.
 

 Jetzt 1,76 Millionen offiziell gemeldete Infektionen in Afrika. 42.200 Todesfälle

Nach WHO-Angaben hatte es 98 Tage gedauert, bis in Afrika die ersten 100.000 Menschen nachweislich infiziert waren – aber dann nur weitere 8 Tage für die Steigerung von 1 Million auf 1,1 Millionen Infizierte Mitte August. Inzwischen hat  sich das Tempo deutlich verlangsamt. Am heutigen Donnerstag (29.10.) liegt die Infektionszahl bei 1,76 Millionen, die Zahl der Todesopfer bei 42.200. 1,44 Mill. infizierte Afrikaner wurden wieder gesund.

WHO: Afrika hat Höhepunkt der ersten Welle hinter sich

Seit mehreren Wochen geht die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Afrika deutlich zurück. Zuvor waren noch fast täglich Höchstmeldungen verzeichnet worden. Die WHO stellt derzeit in den meisten afrikanischen Staaten einen Rückgang der neu registrierten Fälle fest.

Die Regionaldirektorin der WHO für Afrika, Matshidiso Moeti, sagte am 25. August auf einer Videokonferenz afrikanischer Gesundheitsminister, dass inzwischen "so etwas wie ein Höhepunkt" überschritten worden sei.

Deutlicher Rückgang auch in Südafrika

Besonders in Südafrika waren die Zahlen zeitweise explodiert. Überfüllte und überforderte Krankenhäuser, viele tausend infizierte Ärzte und Pflegekräfte und das vorsorgliche Ausheben von Massengräbern schockierten die Weltöffentlichkeit. Noch immer werden die mit Abstand meisten Corona-Infektionen ganz Afrikas (41 % am 29.10.) in Südafrika verzeichnet. Doch auch hier gehen die Zahlen seit einiger Zeit sehr deutlich zurück und die Regierung nimmt weitere Lockerungen vor. Der südafrikanische Gesundheitsminister Zweli Mkhize äußerte jedoch seine Sorge, "dass dies nur die erste Welle war und es eine weitere geben könnte".

Experten warnen deshalb davor, in den Anstrengungen zur Eindämmung der Pandemie in Afrika nachzulassen. Noch könne sich der Trend jederzeit wieder umkehren und nach wie vor werde in fast allen Ländern Afrikas viel zu wenig getestet. Und in Staaten wie Äthiopien, Marokko (am vergangenen Freitag neue Tageshöchstzahl bei den Infektionen und am vergangenen Donnerstag bei den Todesopfern), Botswana, Libyen (am 25. Oktober neue Tageshöchstzahl an Infektionen) oder Tunesien (am 17. Oktober neue Tageshöchstzahlen bei den Infektionen und bei den Todesfällen) könne von Entspannung überhaupt noch keine Rede sein.

"Apokalypse abgesagt"
IPG vom 4.9.2020

"Corona in Afrika: Milde Epidemie mit schweren Nebenwirkungen"
Neue Zürcher Zeitung vom 27.8.2020

"Ermutigende Corona-Signale vom afrikanischen Kontinent"
SRF vom 17.8.2020

Tansanische Regierung veröffentlicht seit genau 6 Monaten keine Corona-Zahlen mehr

Seit dem 29. April und damit seit genau 6 Monaten hat die tansanische Regierung keine Corona-Zahlen mehr veröffentlicht. Am 3. Mai hatte Staatspräsident John Magufuli die letzten Testergebnisse infrage gestellt und von Sabotage gesprochen. Danach gab es allenfalls Sachstandsmeldungen aus einigen Krankenhäusern. Seit dem 20. Juli gilt Tansania laut Magufuli als "coronafrei".

Letzte Medienberichte über die Situation in Tansania:

"Tansania erklärt die Corona-Krise nach Gebet für beendet"
hpd vom 27.8.2020

"Corona-Krise und Wahlkampf: Tansania verschärft Pressezensur"
Deutschlandfunk vom 19.8.2020 (Radiobeitrag, 4:40 Min.)

"Tansanias Präsident Magufuli: Der Bolsonaro Afrikas treibt Corona mit Gebeten aus"
Welt vom 16.8.2020
 

Auswärtiges Amt verlängert Einreisestopp für Tansanier

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland hat den Einreisestopp für Tansanier aus Tansania unbefristet verlängert. Ausnahmen sind nur bei einer "zwingenden Notwendigkeit" möglich - genannt werden zum Beispiel ausländische Fachkräfte, deren Beschäftigung in Deutschland notwendig ist, in Deutschland Studierende oder Tansanier im Rahmen des Familiennachzugs.

Als Richtlinien für eine Aufhebung des Einreisestopps zählen vor allem die aktuelle Infektionsrate sowie eine Prüfung, wie verlässlich Corona-Daten aus den einzelnen Staaten sind. Letzteres dürfte dafür ausschlaggebend gewesen sein, dass die EU-Grenzen für Tansanier vorerst weiter geschlossen bleiben.
 


Die Situation in Afrika

720.000 registrierte Infektionen in Südafrika

Auch wenn die offizielle Infektionszahl Südafrikas am 17. Oktober 700.000 überschritten hat, so ist die Zahl der offiziell gemeldeten täglichen Neuinfektionen doch sehr deutlich gesunken. Am 28. Oktober gab es in Südafrika "nur" noch 1.863 Neuinfektionen und 58 Todesopfer.

Südafrika, wo 41 % (29.10.) der offiziell gemeldeten Infektionen Afrikas erfolgten, ist inzwischen von Platz 8 auf Platz 12 der Länder mit den meisten Infektionen weltweit abgerutscht.

Große Sorgen über die Entwicklung in Nordafrika. Jetzt über 200.000 Infektionen in Marokko

In Marokko wurde am 22. Oktober mit 4.151 Infektionen und am 23. Oktober mit 53 Todesopfern der bislang höchste Tageswert verzeichnet. Äthiopien steht, trotz wieder sinkender Tageswerte, weiterhin auf Platz 4 der afrikanischen Länder mit den meisten Infektionen. Relativ hohe Infektionszahlen (aber sinkende Todeszahlen) werden auch aus Libyen berichtet: Am 25. Oktober wurde mit 1.639 Infektionen und am 17. Oktober mit 26 Todesopfern der bislang höchste Tageswert gemeldet. Der 16. Oktober brachte auch für Tunesien mit 5.752 neuen Infektionen und 114 Todesfällen den bislang höchsten Tageswert.

Die meisten Erkrankungen / Todesfälle / Todesfälle pro 1 Mill. Einwohner gibt es aktuell in den folgenden 10 Ländern:

Stand: 29.10.2020

• Südafrika (719.714 / 19.111 / 321)
• Marokko (207.718 / 3.506 / 95)
• Ägypten (107.030 / 6.234 / 61)
• Äthiopien (94.820 / 1.451 / 13)
• Nigeria (62.371 / 1.139 / 5)
• Libyen (58.874 / 823 / 119)
• Algerien (57.026 / 1.941 / 44)
• Tunesien (54.278 / 1.153 / 97)
• Kenia (51.851 / 950 / 18)
• Ghana (47.775 / 316 / 10)

Zum Vergleich:
• Deutschland (482.355 / 10.371 / 124)
• Schweiz (135.658 / 2.154 / 248)
• Österreich (89.496 / 1.027 / 114)

Aktuelle Zahlen der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC)

Die aktuellen offiziellen Zahlen der Ostafrikanischen Gemeinschaft (Erkrankungen / Todesfälle / Todesfälle pro 1 Mill. Einwohner)
Stand: 29.10.2020

• Kenia 51.851 / 950 / 18
• Uganda 11.767 / 106 / 2
• Ruanda 5.129 / 35 / 3
• Südsudan 2.890 / 56 / 5
• Burundi 559 / 1/ 0,1*
Tansania 509 / 21 / 0,3**

*    Bis zum 30. Juni weitgehende Leugnung der Pandemie und Ausweisung des WHO-Personals
**   Seit dem 29. April keine neuen Zahlen veröffentlicht

Sind diese Zahlen wirklich aussagekräftig?

Einige Experten stellen die Frage, wie weit die offiziellen Fallzahlen wirklich aussagekräftig sind. Die relativ geringe Zahl der bisher durchgeführten Tests oder die fehlenden Testmöglichkeiten in weiten Teilen der afrikanischen Länder erschweren nach Meinung der Experten ein realistisches Bild von der Verbreitung des Coronavirus in Afrika.

Tansania & Afrika in den Medien der letzten Tage:
(ausführlicher Medienspiegel ganz am Ende dieser Seite)

"Zerplatzte Träume – Pandemie zwingt Kinder in Kenia zur Arbeit"
blues news vom 25.10.2020

"Europas neue Warnplattform könnte auch in Afrika oder Asien gegen Corona helfen“
WirtschaftsWoche vom 19.10.2020

"Welthungerhilfe Corona wirkt wie ein 'Brandbeschleuniger' für den Hunger"
Hinz&Kunzt vom 13.10.2020
 


Weitere Meldungen der vergangenen Wochen

WHO unterstützt Suche nach pflanzlichen Corona-Heilmitteln in Afrika

Am 19. September wurde in Brazzaville, dem regionalen Sitz der WHO in Afrika, „ein Protokoll für klinische Versuche der Phase 3 eines pflanzlichen Arzneimittels für Covid-19 genehmigt". Unterzeichner waren neben der WHO das Afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention und die Kommission für soziale Angelegenheiten der Afrikanischen Union.

In dem Protokoll wird ausgeführt, dass „klinische Studien der Phase 3 unerlässlich sind, um die Sicherheit und Wirksamkeit eines neuen medizinischen Produkts vollständig zu bewerten. Wenn sich ein Produkt der traditionellen Medizin als sicher, wirksam und von gesicherter Qualität erweist, wird die WHO eine groß angelegte und schnelle lokale Herstellung empfehlen."

WHO fordert klinische Studien vor dem Einsatz am Patienten

Bereits in mehreren afrikanischen Ländern, vor allem in Madagaskar, aber auch in Tansania, sind traditionelle Arzneimittel gegen Covid-19 auf dem Markt. Die WHO spricht sich nicht grundsätzlich gegen die Einbeziehung solcher pflanzlicher Heilmittel aus. Sie fordert allerdings die Durchführung klinischer Studien vor einem Einsatz am Patienten und hat deswegen am 23. Juli gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention (CDC) des US-Gesundheitsministeriums einen 25-köpfigen Expertenrat zur Forschung und Entwicklung traditioneller Arzneimittel gegen Covid-19 gegründet. Laut einer Erklärung der WHO soll das Gremium "unabhängigen wissenschaftlichen Rat und Unterstützung für Länder in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität traditioneller medizinischer Therapien" anbieten und afrikanische Länder bei klinischen Studien unterstützen.
 

"Kalter Luftkrieg" zwischen Kenia und Tansania beigelegt

Tansania hat das Landeverbot für Flugzeuge von Kenya Airways, AirKenya Express, Fly540 und Safarilink Aviation aufgehoben und damit endgültig den Konflikt im Luftverkehr zwischen Kenia und Tansania beigelegt. Die Entscheidung der tansanischen Regierung folgte dem Beschluss der Regierung Kenias, die 14-tägigen Quarantänepflicht für einreisende Tansanier abzuschaffen.

In Gesprächen zwischen den Regierungsvertretern beider Länder konnte lange Zeit keine Einigung erzielt werden. Der Zwist entstand bereits am 30. Juli, als Tansania auf die Entscheidung Kenias, Tansania auf der roten Liste der Länder mit hohem Corona-Risiko zu belassen, ein Flugverbot für die kenianischen Fluggesellschaften verhängte.

Experten hatten in den vergangenen Wochen negative Auswirkungen auf die bereits am Boden liegende Reisebranche bzw. auf die Wirtschaft beider Länder befürchtet. Zwischenzeitlich versuchte Rwandair mit Flügen über Nairobi von und nach Daressalam und Kilimanjaro Airport von dem Konflikt zu profitieren.
 

Afrikas Gesundheitschef und WHO fordern Corona-Impfstoff auch für Afrika

John Nkengasong, Leiter der zur Afrikanischen Union gehörenden Panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa (CDC), fordert den Zugang Afrikas auf einen zukünftigen Corona-Impfstoff. Dies sei eine Frage der weltweiten Solidarität und auch des Zusammenhalts der afrikanischen Länder. Es dürften sich nicht die 1990-er Jahre wiederholen, als es sieben Jahre gedauert habe, bis die neu entwickelten HIV-Medikamente in Afrika ankamen.

Der Forderung von Nkengasong hat sich auch die WHO angeschlossen. Richard Mihigo, Abteilungsleiter beim WHO-Regionalbüro für Afrika, forderte am 3. September eine erste Lieferung von über 200 Millionen Impfdosen vor allem für das Gesundheitspersonal und für Risikogruppen. Bis Ende 2021 müsse diese Zahl dann auf 2 Milliarden anwachsen.

Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat eine Studie "Auswirkungen von Covid-19 auf den informellen Sektor in Subsahara-Afrika" herausgegeben. Die Corona-Pandemie wirkt sich bereits jetzt verheerend auf die wirtschaftliche Lage in Subsahara-Afrika aus. Die informelle Wirtschaft mit ihren Arbeitnehmern, die zu etwa 90 % ohne soziale Absicherungen arbeiten, ist hierbei besonders betroffen.

Zur Studie (mit der Möglichkeit zum Download)

Start einer Antikörperstudie für Afrika

John Nkengasong, Direktor der Afrika-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention, hat eine afrikanische Studie zu Antikörpern auf das neue Coronavirus angekündigt. An der Studie, die Aussagen über die Verbreitung des Coronavirus ermöglichen soll, werden alle Länder des Kontinents beteiligt. Den Anfang machen Liberia, Sierra Leone, Sambia, Simbabwe, Kamerun, Nigeria und Marokko.

Deutschland spendet Afrika 1,4 Millionen Corona-Tests

Nach Mitteilung von Entwicklungsminister Gerd Müller finanziert Deutschland der Afrikanischen Union 1,4 Millionen Corona-Testkits. Laut Müller kann die Pandemie nur weltweit besiegt werden oder gar nicht.
 

Covidol: Tansania bringt Corona-Therapiemittel auf den Markt

Noch vor wenigen Wochen wurde diese Nachricht beim Faktencheck mehrerer indischer Medien als "fake news" bezeichnet: "Tansania hat mit Covidol ein Therapiemittel auf pflanzlicher Basis gegen Corona zugelassen." Jetzt bekam Covidol nach einer Meldung der tansanischen Daily News offensichtlich den Segen der Regierung. Die regierungsnahe Tageszeitung bezeichnet in einem Artikel vom 27. August Covidol als "eines der Geheimnisse für den Sieg im Kampf gegen die Coronavirus-Krankheit im Lande" und pries "die Entscheidung Tansanias für einen anderen Weg: An Gott  glauben und Kräuterdampf einatmen".  

Angebliche Heilung von Corona-Patienten

Der "Erfinder" von Covidol ist Prof. Dr. Hamis Malebo, 53, ein auf Pflanzenheilmittel spezialisierter Chemiker. Er arbeitet im Department of Traditional Medicine Research im National Institute for Medicine Research in Daressalam. Malebo, der an der Universität Basel studiert hat und ebenso wie der Staatspräsident aus der Mwanza Region stammt, ist davon überzeugt, dass Covidol für am Coronavirus erkrankte Patienten mit Vorerkrankungen wie Asthma, Allergien, Herz-Kreislauf- und Bluterkrankungen sehr gut geeignet sei. Die Daily News schreibt: "10 Personen, die mittelschwere bis schwere Symptome des Virus zeigten und die positiv getestet wurden, erholten sich mit der Kräutermedizin Covidol innerhalb einer Woche." Zuvor hätten sie Fieber zwischen 38,5 und 39,2 Grad gehabt, ihren Geruchssinn verloren und unter Schlaflosigkeit und Erschöpfung gelitten. Nach der Einnahme von Covidol "verschwanden alle ihre Symptome, und sie wurden geheilt."

Covidol-Erfinder an früheren Studien beteiligt

Covidol-Erfinder Prof. Malebo setzt sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit traditionellen Heilmitteln in Tansania auseinander. Er entdeckte beispielsweise einen traditionellen Heiler im Pangani District, der angeblich schon 1990 mit der Medizin Warburgistat ein Heilmittel gegen HIV/Aids gefunden hat. An der Forschung beteiligte sich damals die niederländische Entwicklungszusammenarbeit.

Malebo untersuchte ferner in den Jahren 2010/11 gemeinsam mit der WHO den aus Baumrinde hergestellten Zaubertee, den der Wunderheiler und pensionierte evangelische Pastor Ambilikile in Loliondo (Arusha Region) als "Becher des Lebens" verkaufte. Mehrere hunderttausend Menschen aus aller Welt waren damals zu dem Pastor gepilgert, die PKWs stauten sich an manchen Tagen vor seinem Haus kilometerlang und mehrere hochrangige Politiker flogen sogar mit dem Hubschrauber ein. Die Einnahme des Zaubertees versprach die Heilung von HIV/Aids, Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und Geschwüre. Die wissenschaftliche Untersuchung bescheinigte dann zwar eine lindernde Wirkung bei einigen Erkrankungen, allerdings keine Heilung. Die evangelische Kirche ELCT hatte im Ort bereits den Bau von Gästehäusern und einer Kathedrale geplant.

"Wirksam auch gegen jede andere Krankheit"

Und nun Covidol. Dr. Paulo Mhame, Stellvertretender Direktor für traditionelle und alternative Medizin im Gesundheitsministerium, hat als hoher Regierungsvertreter Covidol nicht nur gelobt, sondern sogar einen Aufruf gestartet: "Ich fordere die Tansanier auf, traditionelle alternative Medizin nicht nur im Falle einer Covid-19-Erkrankung, sondern auch gegen jeden anderen Krankheitsausbruch in Betracht zu ziehen." Bei einer besseren Vermarktung könne Covidol weltweite Aufmerksamkeit erlangen und in Tansania viele Arbeitsplätze schaffen.

Bau einer Fabrik für die Massenproduktion

Auch Prof. Madundo Mtambo, Generaldirektor der Tanzania Industrial Research and Development Organization (TIRDO), unterstützt mit seiner Organisation die Vermarktung von Covidol. Es gehe jetzt um die Errichtung einer Fabrik für die Massenproduktion. TIRDO hat bereits den Bau von Maschinen veranlasst, um täglich 10.000 Flaschen Covidol produzieren zu können.

Die Daily News macht in ihrem Artikel darauf aufmerksam, dass Staatspräsident John Magufuli bereits im April angewiesen hat, zusätzliche finanzielle Mittel für die Abteilung für traditionelle Medizin im Gesundheitsministerium bereitzustellen. Nach Angaben von Magufuli hatte sich sein eigener Sohn mit Zitronen und Ingwer von einer Covid-19-Erkrankung erholt. Am 20. April hat der Präsident dann Tansania für "coronafrei" erklärt. 

Keine Einbeziehung der WHO

Die WHO, die Tansania für sein Verschweigen der Infektions- und Todeszahlen kritisiert, spricht sich nicht grundsätzlich gegen die Einbeziehung traditioneller pflanzlicher Heilmittel aus. Sie fordert allerdings die Durchführung klinischer Studien vor einem Einsatz am Patienten und gründete am 23. Juli gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention (CDC) des US-Gesundheitsministeriums einen 25-köpfigen Expertenrat zur Forschung und Entwicklung traditioneller Arzneimittel gegen Covid-19. Laut einer Erklärung der WHO soll das Gremium "unabhängigen wissenschaftlichen Rat und Unterstützung für Länder in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität traditioneller medizinischer Therapien" anbieten und afrikanische Länder bei klinischen Studien unterstützen. Auf diese Expertise wollte das tansanische Gesundheitsministerium offensichtlich nicht warten. 

Sehr preiswertes Heilmittel

Covidol wird auf dem Flaschenetikett mit den folgenden Worten beschrieben: "Tiba asili ya homa, mafua na matatizo ya mfumo wa upumuaji" ("Natürliches Heilmittel gegen Erkältung, Grippe und Atemprobleme"). Im Internet kann eine Flasche Covidol sehr preiswert für 30.000 TSH (ca. 11 EUR) bestellt werden. Auf dem Bestellformular wird die Wirksamkeit des Medikaments gegen zahlreiche Krankheiten bescheinigt.

Zum Bestellformular
 

"Glaube Macht Politik": Aktuelle Sportschau-Reportage über Tansania

In einer längeren Reportage berichtete das WDR-Fernsehen im Rahmen der Sportschau über die aktuelle Situation in Tansania. Fußball war dabei der Aufhänger, es ging aber auch ganz allgemein um Corona und die Politik des Staatspräsidenten.

Aus der Programmankündigung des WDR:

"Während fast alle Nachbarländer Ausgangssperren wegen der Corona-Pandemie verhängten, rollt der Fußball in Tansanias Premier League vor vollen Zuschauertribünen. Hygienekonzepte und Social Distancing gibt es nicht. Der Restart ist vor allem eine politische Inszenierung, denn Tansanias Präsident Magufuli hat seine Land für virusfrei erklärt. Der Fußball soll ihm helfen, die anstehende Wahl zu gewinnen."

Zum TV-Beitrag der WDR-Sportschau vom 20.8.2020 (8:50 Min.)
 

Pfingstbewegung verleiht Preis an John Magufuli

John Magufuli ist zwar Katholik, er bezieht seine größte Unterstützung aber durch die Pfingstbewegung in Tansania. Sie hat dem Staatspräsidenten am vergangenen Wochenende während ihres Nationalkonvents in Dodoma einen Preis "für starke Führung während der Covid-19-Pandemie" überreicht. Die Ehrung nahm Erzbischof Dr. Barnabas Mtokambali (Tanzania Assembles of God/TAG) vor.

Er bezeichnete die Auszeichnung als Anerkennung der wichtigen Rolle des Präsidenten bei der Verbreitung des Glaubens, dass nicht ein Lockdown, sondern Gott die Antwort auf die Coronapandemie sei: "Die Entscheidung, keinen Lockdown durchzuführen, sondern stattdessen drei Gebetstage für die Suche nach Gottes Intervention durchzuführen, hat Tansania weltweit in eine ganz besondere Position gebracht." 

Magufuli: "Ich habe die Ehre nicht verdient"

Die beiden vom Präsidenten ausgerufenen landesweiten dreitägigen Gebetstage hätten die Kirche so bewegt, dass sie von sich aus die Gebetstage um zweimal sieben Fastentage ergänzt hätte. Der Konvent in Dodoma kam schließlich zu dem Ergebnis, dass sich "historisch gesehen noch kein Präsident der Welt in einem solchen traumatischen Moment wie die Covid-19-Pandemie an Gott gewandt hatte."

Staatspräsident John Magufuli dankte den Versammelten für die Ehre, die er nicht verdient habe. Es sei nicht er selbst, sondern Gott gewesen, der das Land durch die Pandemie geführt habe. Die Auszeichnung sei aber "eine große Geste" und "ein Symbol wahrer Freundschaft und des Leben Gottes." Die Kirchen sollten weiterhin für ihn als Präsidenten beten und demütig bleiben, denn "ich bin nichts ohne Gott".

Dank des Präsidenten an die Arbeit der Kirchen

Magufuli nutzte die Gelegenheit, der TAG und allen anderen Kirchen für ihre gute Arbeit, für die Unterstützung der Regierung und ihre Aktivitäten in Bereichen wie Bildung und Gesundheit zu danken. Die Kirchen würden eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Nation spielen, und die Regierung werde weiter eng mit den religiösen Führern zusammenarbeiten.

Auch Dr. Bimilith Mahenge, Regional Commissioner von Dodoma, lobte den Präsidenten auf dem Kirchentreffen: "Wir müssen Gott dafür danken, dass er unsere Gebete für einen Führer erhört hat, der das Land wirtschaftlich auf eine andere Ebene heben kann!"
 

Jerusalema: Globaler Sommerhit aus Afrika in Corona-Zeiten

Ein musikalischer Ohrwurm aus Südafrika erobert derzeit die Welt. Der Song „Jerusalema“ wird von DJ Master KG und Nomcebo Zikode in der Zulu-Sprache gesungen und hat sich mit bereits über 81 Millionen YouTube-Aufrufen (Stand: 16.8.) zum globalen Sommerhit in Corona-Zeiten entwickelt. Nach Zeitungsberichten „tanzen weltweit Menschen mit den gleichen Bewegungen in Hinterhöfen, Quarantäne-Unterkünften, Kirchen, Slums, Krankenhäusern und auf Parkplätzen“.

Der „eingängige Mitmach- und Mutmach-Song“ erlebte seine Premiere zwar bereits Ende 2019, setzte sich jedoch erst nach Ausbruch der Pandemie durch und stürmte in den vergangenen Wochen weltweit die Charts.

Weitere Infos und Link zum Lied
 

Gehaltsentzug für Reisen von Beamten nach Tansania?

Nach Angaben des Innenministers von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU), müssen Beamte und Angestellte des Landes mit einem Gehaltsentzug rechnen, wenn sie bewusst in ein Risikogebiet reisen und nach ihrer Rückkehr in Quarantäne gehen. Strobl: "Beamte und Arbeitnehmer des Landes, die in Risikogebiete reisen, gefährden ihre eigene Gesundheit, ihre Dienstleistungsbereitschaft und die Gesundheit der Menschen, denen sie versprochen haben zu dienen."

Ähnliche Vorgaben soll es nach Medienberichten auch bereits in einigen anderen Bundesländern sowie in der freien Wirtschaft geben. Tansania gehört zu den vom Auswärtigen Amt benannten Corona-Risikogebieten. Seit August ist für Rückkehrer aus Risikogebieten ein Coronatest verpflichtend vorgeschrieben.
 

Tansania-Reiseveranstalter legen Widerspruch vor Oberverwaltungsgericht Berlin ein

Die beiden deutsche Reiseveranstalter Elangeni African Adventures (Bad Homburg) und Akwaba Afrika (Leipzig), die auf Reisen nach Tansania, Seychellen, Mauritius und Namibia spezialisiert sind, waren vor dem Verwaltungsgericht Berlin mit dem Versuch gescheitert, die Corona-Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vom 17. März für ungültig erklären zu lassen.

In der Begründung kam das Gericht in einem Eilverfahren zu dem Ergebnis, dass die Aufhebung der Reisewarnung nicht verlangt werden könne. Die Veranstalter seien nicht grundsätzlich in ihrer Berufsfreiheit verletzt. Eine Reisewarnung sei lediglich eine unverbindliche Empfehlung für Reisende und gelte vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie auch nur ganz allgemein für Fernreisen, jedoch nicht für Reisen mit bestimmten Reiseveranstaltern. Das Auswärtige Amt entspreche lediglich dem öffentlichen Informationsbedürfnis und sei weder in Reise- noch Versicherungsverträge der Reiseveranstalter direkt eingebunden.

Die betroffenen Unternehmen haben nun beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg Beschwerde gegen den Beschluss Einspruch eingelegt.

Bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes können Reisende auch noch kurzfristig und ohne Stornokosten von einer Buchung zurücktreten. Auch übernehmen bei einer Reisewarnung nicht alle Krankenversicherungen den Versicherungsschutz. Dadurch ist die Durchführung von Reisen in Länder mit Reisewarnung für Reiseveranstalter faktisch kaum möglich.
 

WHO gründet Expertenbeirat für traditionelle Medizin gegen Corona

Die WHO und das Center for Disease Control and Prevention (CDC) des US-Gesundheitsministeriums haben am 23. Juli einen 25-köpfigen Expertenrat gegründet, der die Forschung und Entwicklung traditioneller Arzneimittel gegen Covid-19 fördern soll.

Laut einer Erklärung der WHO soll das Gremium "unabhängigen wissenschaftlichen Rat und Unterstützung für Länder in Bezug auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität traditioneller medizinischer Therapien" anbieten und afrikanische Länder bei klinischen Studien unterstützen.

Reaktion auf angebliches Heilmittel aus Madagaskar

Die Gründung des Expertenrats gilt als Reaktion auf die Propagierung der Artemisin-Pflanze durch die Regierung Madagaskars im April. Angeblich soll die Pflanze, die zu großen Erfolge in der Behandlung von Malaria geführt hat, als Kräutertrunk "Covid-Organics" auch ein Schutz- und Therapiemittel gegen Corona sein. Neben weiteren afrikanischen Ländern hat vor allem der tansanische Staatspräsident John Magufuli diese wissenschaftlich noch nicht bewiesene Behauptung aktiv unterstützt und sogar spektakulär ein Regierungs-Sonderflugzeug nach Madagaskar geschickt, um das Heilmittel für die Corona-Bekämpfung nach Tansania zu holen.

Regierungskrise in Madagaskar: Gesundheitsminister stellt sich gegen Staatspräsidenten

Die Gründung des Expertengremiums erfolgte zeitgleich mit einer Erklärung des Gesundheitsministers von Madagaskar, der gegen den ausdrücklichen Willen seines Staatspräsidenten die WHO um schnelle Hilfe im Kampf gegen eine Ausbreitung des Coronavirus in Madagaskar gebeten hat: "In den letzten Wochen hat sich die COVID-19-Epidemie in Madagaskar sehr kritisch entwickelt und in bestimmten Regionen, insbesondere in Antananarivo, zu deutlichen Ausbrüchen geführt".

Das Gesundheitsministerium führte seine „dringendsten Bedürfnisse“ auf - Sauerstoffflaschen, 337 Beatmungsgeräte, 2,3 Millionen Gesichtsmasken, 697.000 Paar Handschuhe und 533.200 medizinische Blusen. Der Appell des Ministeriums sei lediglich "eine persönliche Initiative" des Gesundheitsministers, die "ohne Rücksprache mit der Regierung oder Präsident Rajoelina" ergriffen wurde, heißt es in einer Regierungserklärung.

"Kommentar: Corona - Politik mit falschen Heilmitteln"
Deutsche Welle vom 15.7.2020
 

Magufuli erklärt Tansania für "coronafrei"

Staatspräsident John Magufuli hat am 20. Juli das gesamte Land für "coronafrei" erklärt. Magufuli: "Wir haben beschlossen, zu Gott zu beten, dass er uns vor dem Coronavirus rettet. Gott hat unsere Gebete erhört." Der Präsident gab seine Erklärung im State House in Dodoma aus Anlass der Vereidigung neuer Regional und District Commissioners ab. Er forderte die neu ernannten Politiker auf, Tansania als touristisches Reiseziel zu vermarkten und die Welt auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass das Land in Sicherheit sei.

Magufuli erklärte in seiner Rede, dass nun auch das Tragen von Schutzmasken überflüssig sei.

Paul Makonda kandidiert fürs Parlament

Zu den am 20. Juli vom Präsidenten vereidigten neuen Regional Commissioners gehörte auch Aboubakar Kunenge als neuer RC von Daressalam. Der bisherige Amtsinhaber Paul Makonda (CCM) musste wegen seiner Kandidatur für das Nationalparlament zurücktreten. Makonda, gegen den die US-Regierung ein Einreiseverbot für die USA verhängt hat, sorgte nicht nur für weltweite Proteste, als er in Daressalam zur Jagd auf Homosexuelle aufrief, er forderte auch schon vor mehreren Wochen die Einwohner der Millionenstadt zu öffentlichen Straßenfesten auf, um den Sieg über das Virus zu feiern.
 

Corona-Pandemie führt zu sinkendem Wirtschaftswachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat das für dieses Jahr erwartete Wirtschaftswachstum in Ostafrika aufgrund der Corona-Pandemie deutlich nach unten korrigiert: Während sich in Tansania das reale Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr in 2017 noch um 6,8 %, 2018 um 7,0 % und 2019 um 6.3 % positiv veränderte, wird für das laufende Jahr 2020 nur mit einem Plus von 2,0 % gerechnet. Eine optimistische Prognose prophezeit für 2021 dann allerdings wieder ein Wachstum um 4,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Bei den Erwartungen für 2020 liegt Tansania mit 2,0 % auf Platz 3 in Ostafrika - hinter Ruanda und Uganda (jeweils 3,5 %), allerdings vor Kenia (1,0 %) und Burundi (-5,5 %).

Einbruch beim Warenverkauf

Eine Analyse des Informationsdienstes des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) begründete am 16. Juli das sinkende Wirtschaftswachstum damit, dass „fast alle Industrieunternehmen in Ostafrika aufgrund der Corona-Krise weniger Waren verkauft haben. Viele leiden auch unter unterbrochenen internationalen Lieferketten sowie dem Ausfall inländischer Zulieferungen.“

Eine Umfrage im Rahmen des GIZ-Programms „Creating Perspectives. Business for Development (East Africa)“ hat laut iwd zudem ergeben, dass knapp 40 Prozent der ostafrikanischen Betriebe infolge der Krise Personal entlassen mussten: „In Ländern, in denen die Arbeitslosigkeit schon vor der Corona-Pandemie hoch war, ist dies besonders bitter. Umso bemerkenswerter ist, dass mehr als die Hälfte der befragten ostafrikanischen Unternehmen ihren Mitarbeiterstamm bislang halten konnte – schließlich gibt es in diesen Ländern keine staatlichen Abfederungsinstrumente für Krisenzeiten wie das Kurzarbeitergeld oder vergleichbare Mechanismen“. (iwd)

Eigeninitiative vieler Betriebe

Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Monaten angesichts mangelnder staatlicher Unterstützung die Eigeninitiative ergriffen und ihre Angebote kurzfristig erweitert. Unternehmen der Textilindustrie stellten beispielsweise Schutzmasken und Schutzkleidung für das medizinische Personal her. Andere produzierten dringend benötigte Desinfektionsmittel.

„Die Sorgen der Unternehmen in Afrika“
iwd vom 16.7.2020
 

UN-Hochkommissarin kritisiert Corona-Lage in Tansania

Michelle Bachelet, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, hat am 30. Juni vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf die aktuelle Corona-Lage in den USA, Brasilien, Burundi, Tansania und Weißrussland kritisiert. Aussagen, die das Ausmaß der Virus-Verbreitung herunterspielten, seien in diesen Ländern besorgniserregend.

Die UN-Vertreterin hat zudem Länder wie China, Russland, Nicaragua, Kosovo, Ägypten und weitere Staaten wegen der Einschüchterung und Bedrohung von Journalisten, Bloggern und Menschenrechtsaktivisten scharf verurteilt. Die Journalisten und Aktivisten sollen von einer kritischen Berichterstattung über die Corona-Politik ihrer Regierungen abgeschreckt werden.

Zur gesamten Rede der UN-Hochkommissarin Michelle Bachelet (in engl.)

Tansania schließt das Corona-Gesundheitszentrum für die Küstenregion

Nach Angaben von Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu sind inzwischen 74 von landesweit 85 Corona-Gesundheitszentren wegen fehlender Patienten geschlossen worden. Die letzte Schließung betraf nach einem Bericht von Ippmedia am 2. Juli das zentrale Corona-Zentrum für die Küstenregion in Kibaha, wo laut Ministerin am 26. Mai der letzte Corona-Patient aufgenommen worden sei.

Mwalimu appellierte an die Bevölkerung, weiterhin achtsam zu sein und die empfohlenen Schutzmaßnahmen zu beachten.
 

Absage der Haddsch-Pilgerreisen nach Mekka

Der Nationale Muslimische Rat von Tansania hat die Gläubigen darüber informiert, dass die Haddsch-Pilgerreisen nach Mekka vom 28.7.-2.8. abgesagt wurden. Sheikh Mufti Aboubakary Zuberi informierte die Presse in Daressalam, dass in diesem Jahr zur Verhinderung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus nur in Saudi-Arabien lebende Muslime nach Mekka pilgern dürfen.
 

Große Corona-Kehrtwende in Burundi

In Burundi, dem kleinen Nachbarland Tansanias, soll nach mehreren Medienberichten der neu gewählte Staatspräsident Évariste Ndayishimiye bereits am Tag seiner Amtsübernahme die Corona-Politik seines verstorbenen Vorgängers Pierre Nkurunziza komplett auf den Kopf gestellt und Covid-19 als "den größten Feind" des Landes bezeichnet haben, der ihm "größte Sorgen" bereitet.

Ndayishimiye, der als "tiefgläubiger Katholik" bezeichnet wird, kündigte an, ab sofort mit der WHO zusammenzuarbeiten und im gesamten Land Corona-Testzentren einzurichten und Aufklärungskampagnen durchzuführen. Er sagte: "Ein Feind muss gejagt werden, wo immer er sich versteckt - auch wenn seine Anwesenheit auch nur vermutet wird.  Wir verpflichten uns, die Pandemie zu bekämpfen und fordern die strikte Einhaltung der Präventionsmaßnahmen, die der Gesundheitsminister von nun an im ganzen Land anzeigen wird.  Jeder muss wissen, dass das Coronavirus eine Pandemie ist, die sich leicht übertragen lässt und die tötet, wenn man sie auf die leichte Schulter nimmt."

Der Präsident, der bis Januar 2020 Generalsekretär der Regierungspartei CNDD-FDD und zuvor Innenminister des Landes war, warnte die Bevölkerung, sich bei vorhandenen Sympotomen nicht behandeln zu lassen. Alle Tests und Behandlungen seien kostenlos. Die WHO hat inzwischen zugesagt, den Kampf gegen Corona in Burundi mit 5 Millionen US-Dollar zu unterstützen.

Sein verstorbener Vorgänger, der sich "ewiger oberster Führer" nennen ließ und dessen Frau mit einer Corona-Erkrankung nach Nairobi ausgeflogen worden war, soll nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Informanten aus Burundi im Alter von 55 Jahren als weltweit erster Staatspräsident an dem Virus gestorben sein. Zuvor hatte er Mitte Mai noch WHO-Mitarbeiter des Landes verwiesen und eine landesweite Verbreitung des Virus geleugnet. Ähnlich wie der tansanische Staatspräsident John Magufuli beruhigte er als Anhänger der evangelikalen Pfingstkirchen die Bevölkerung noch bis zu seinem Tod mit den Worten: "Gott hat Burundi vor der Verwüstung verschont".  

Wiedereröffnung der Grund- und Sekundarschulen

Als erstes ostafrikanisches Land hat Tansania am 29. Juni die seit März geschlossenen Grund- und Sekundarschulen wieder geöffnet. Bereits am 1. Juni hatten die Universitäten und Colleges ihren Betrieb aufgenommen.

Für alle Schulen wurden Schutzmaßnahmen vorgeschrieben: Desinfizieren des gesamten Schulgebäudes 72 Stunden vor Schulbeginn, Möglichkeiten zum Händewaschen  und -desinfizieren in jeder Schulklasse, in Bibliotheken, Toiletten, Büros und an allen Eingängen, häufiges Händewaschen sowie Maskenpflicht für Schüler, die mindestens acht Jahre alt sind. Abstandsregeln gelten in den Klassen, in denen manchmal mehr als 60 Schüler sitzen, nicht.

Um den ausgefallenen Unterrichtsstoff nachzuholen, wird der tägliche Schulunterricht um zwei Stunden verlängert. Ferien sind bis zum Jahresende gestrichen. Nach einem Bericht der Tageszeitung "The Citizen" hatten trotz der Vorsichtsmaßnahmen viele Eltern Angst, ihre Kinder wieder zurück in die Schule zu schicken.

Die Anordnung zur Wiedereröffnung der Schulen traf Staatspräsident John Magufuli bereits am 16. Mai. Er erklärte im Parlament die Pandemie für "besiegt" und erlaubte alle sozialen Aktivitäten. Damit können jetzt auch wieder Hochzeiten gefeiert und Veranstaltungen durchgeführt werden. Magufuli rief jedoch dazu auf, weiterhin die empfohlenen Schutzmaßnahmen zu beachten.

Saed Kubenea von der Oppositionspartei Chadema hielt die Beschlüsse für voreilig. Von der Deutschen Presse-Agentur wurde er mit den Worten zitiert: "Die Krankheit ist noch immer im Land". Er verwies auf die mangelnde Glaubwürdigkeit der Regierung, die seit vielen Wochen keine Infektions- und Todeszahlen mehr veröffentlicht hat.
 

Gesichtsschilde aus recycelten Plastikflaschen

In Daressalam hat die Firma Zaidi Recyclers das Recycling von gebrauchten Plastikflaschen zur Herstellung von Gesichtsschilden aufgenommen. Täglich können bis zu 2.000 Schutzschilde hergestellt und anschließend zu einem Preis von 4.000 TSH (1,55 Euro) an Krankenhäuser, Gesundheitsstationen, Verwaltungen oder Einzelpersonen verkauft werden.

Firmensprecherin Haikael Rafael sieht das neue Geschäftsmodell auch als einen Beitrag zum Umweltschutz. Aktuell sei die Nachfrage nach einem Gesichtsschutz, der von der Regierung zertifiziert worden ist, im ganzen Land immer noch riesig. Und nach Beendigung der Corona Pandemie könnten die Schutzschilde auch weiterhin im medizinischen Bereich eingesetzt werden.

Zaidi Recyclers
 

Waren-Grenzverkehr: Erstaunliche Einigung zwischen Tansania und Kenia

Tansania und Kenia haben erneut den Versuch unternommen, einen freien Warenverkehr zwischen beiden Ländern herzustellen. In den vergangenen Wochen hatten sich über 1.000 LKW alleine auf tansanischer Seite gestaut. Zukünftig sollen nun nicht mehr am jeweiligen Abfahrtsort der LKW, sondern nur noch an den Grenzen Corona-Tests durchgeführt werden: Kenianische Grenzbeamte testen tansanische LKW-Fahrer und umgekehrt. Erstaunlich ist die Bestimmung, dass die Fahrer anschließend die Grenze passieren dürfen, ohne das Testergebnis abzuwarten. Dieses soll ihnen erst bei ihrer Rückkehr an der Grenze ausgehändigt werden. Wenn diese Meldung der Tageszeitung The Citizen zutreffen sollte, würde dies bedeuten, dass infizierte LKW-Fahrer durch das jeweilige Nachbarland fahren. 

In den Wochen zuvor hatten die Grenzposten Kenias (und auch Ruandas) den Gesundheitszertifikaten der tansanischen LKW-Fahrer nicht getraut. Nach kenianischen Medienberichten konnten in der Vergangenheit bis zu 25 % der in Kenia gemeldeten Corona-Neuinfektionen tansanischen LKW-Fahrern zugeordnet werden. Daher hatte Kenia einen Covid-19-Test unter kenianischer Kontrolle gefordert, was die meisten Fernfahrer verweigerten.

Als Gegenmaßnahme hatten die tansanischen Behörden ihrerseits die Grenze für kenianische LKW-Fahrer gesperrt. Beide Länder sind wirtschaftlich von einem freien Warenverkehr abhängig.

An der Grenze zu Ruanda müssen tansanische LKW zur Zeit immer noch auf ruandische LKW umgeladen werden. Dies lehnen die Spediteure jedoch entschieden ab und befürchten, dass ihre Auftraggeber in Zukunft vor vornherein auf ruandische LKW zurückgreifen könnten - zumal für ruandische Spediteure die Mautgebühr für den Grenzübertritt vor einigen Jahren von 500 USD auf 152 USD gesenkt worden ist.
 

Neustart der Fußball-Liga mit Zuschauern

Als erstes afrikanisches Land nahm Tansania Mitte Juni wieder den Spielbetrieb in der höchsten Fußball-Liga auf. Rekordmeister Young Africans siegte in der Vodacom Premier League mit 1:0 gegen Mwadui FC. Zuschauer wurden im Stadion zugelassen, sie mussten jedoch Gesichtsmasken tragen, Hände mit Seife waschen oder desinfizieren und sich am Eingang einem Temperaturcheck unterziehen. In den Zuschauerrängen musste Abstand gehalten werden. 

Wegen der Corona-Pandemie war der Spielbetrieb Mitte März ausgesetzt worden. In Afrika hatte lediglich Burundi, das inzwischen die WHO des Landes verwiesen hat, den Spielbetrieb fortgesetzt.
 

Tourismusminister: "Tansania bleibt das sicherste Reiseland"

Tourismusminister Hamis Kigwangala hofft auf eine baldige Rückkehr der Touristen. Auf einem Pressetermin sagte er: "Tansania bleibt das sicherste Reiseland." Zur Erhöhung der Sicherheit vor einer Corona-Erkrankung werde Tansania in den Touristikgebieten vier Corona-19-Labore einrichten. Alle Besucher sollen zukünftig getestet werden und anschließend ein Zertifikat erhalten.

Der Stellvertretende Tourismusminister Constantine Kanyasui beklagte nach Angaben von Ippmedia das schlechte Image des Landes: "Tansania hat unter schlechter Presse gelitten, obwohl das Land nicht so betroffen ist wie andere Staaten des Kontinents."

Das Ministerium scheint aber offensichtlich selbst skeptisch zu sein, was eine schnelle Rückkehr der europäischen, asiatischen oder amerikanischen Touristen betrifft. Daher will es in den nächsten Monaten verstärkt in afrikanischen Ländern wie Kenia, Ägypten, Marokko und Südafrika werben. Auch soll der Inlandtourismus gefördert werden, unter anderem durch eine Überprüfung der Hotel- und Nationalparkpreise für Einheimische.

Tanzania Unforgettable
Neuer Werbefilm von Tanzania Tourist Board

Verlängerung der Reisewarnung bis zum 31. August

In Deutschland hat die Bundesregierung am 10. Juni entschieden, dass die weltweite Reisewarnung für alle außereuropäischen Länder bis einschließlich dem 31. August weiter gilt. Fehlende gemeinsame belastbare Datengrundlagen, Kriterien und Abstimmungsprozesse würden einen uneingeschränkten Reiseverkehr ohne unkalkulierbare Risiken verhindern. Es könne nicht riskiert werden, dass im Sommer erneut Deutsche in aller Welt stranden oder Urlaubsrückkehrer das Virus unentdeckt nach Deutschland tragen.

Die Reisewarnung soll nach dem Beschluss der Bundesregierung jedoch auch vor September immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden, "immer mit der Sicherheit der Reisenden als zentralem Kriterium. Dort - und nur dort - wo das Gesamtpaket aus positiver Pandemieentwicklung, einem stabilen Gesundheitssystem, stimmigen Sicherheitsmaßnahmen für den Tourismus und verlässlichen Hin- und auch Rückreisemöglichkeiten das zulässt, können wir möglicherweise schon früher von einer Reisewarnung zu Reisehinweisen zurückkehren."

Reiseempfehlungen auch in Österreich und in der Schweiz

Das Eidgenössische Department für auswärtige Angelegenheiten (EDA) empfiehlt, "ab dem 15. Juni bis auf weiteres auf nicht dringliche Auslandsreisen zu verzichten". Das Außenministerium in Österreich sieht für Tansania aktuell ein "hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 4) und rät "dringend, nicht unbedingt notwendige Reisen zu verschieben bzw. von bestehenden Rückreisemöglichkeiten Gebrauch zu machen".

Screening bei der Einreise

Zum Thema "Einreise nach Tansania" teilt das Auswärtige Amt aktuell mit: "Bei Einreise erfolgt ein umfangreiches COVID-19-Screening. Eine Quarantäne-Pflicht besteht nicht mehr. Werden bei Einreise Symptome von COVID-19 festgestellt, wird der Passagier direkt am Flughafen medizinisch betreut. Bei Nicht-Befolgen der Screening-Vorgaben kann die Einreise verweigert werden. Allen Reisenden wird empfohlen, die geltenden Abstands- und Hygieneregelungen zu befolgen und Gesichtsmasken zu tragen. Bei Einreisen auf dem Landweg erfolgt am Grenzübergang ebenfalls ein entsprechendes Screening, bevor die Einreise gestattet wird."

Ein größerer deutscher Reiseveranstalter, der namentlich nicht genannt werden möchte, empfahl der tansanischen Regierung dringend die Offenlegung der Corona-Zahlen. Nur durch einen offenen Umgang mit der Pandemie könne das Vertrauen zu den verunsicherten Reisekunden aufgebaut werden.
 

Jetzt auch Sansibar wieder für den Tourismus geöffnet

Sansibars Tourismusminister Mahmoud Thabit Kombo hat die Gewürzinsel am 14. Juni offiziell wieder für den Tourismus freigegeben. Am 23. März waren die Grenzen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen worden. Allerdings müssen weiterhin einige Präventionsmaßnahmen befolgt werden: Messen der Körpertemperatur bei der Einreise, ständiges Tragen einer Gesichtsmaske, Distanz zu anderen Menschen. Außerdem muss eine internationale Krankenversicherung nachgewiesen werden. Eine Task Force soll auf der gesamten Insel Patrouillen durchführen.

Der Minister sagte, dass Veranstaltungen und Zusammenkünfte mit mehr als 50 Teilnehmern auf Sansibar weiterhin verboten sind. Grundsätzlich sei jedoch das Virus eingedämmt worden.

Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Sansibars. Die Zahl der Touristen konnte innerhalb von 10 Jahren von 150.000 auf 376.000 gesteigert werden.

Staatspräsident spricht erneut in Kirche

Erneut hat Staatspräsident John Magufuli den Besuch einer Kirche für eine Rede genutzt: In der katholischen Kirche von Chamwino in der Dodoma Region forderte Magufuli am 14. Juni die Bevölkerung auf, weiterhin die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten und Gott zu danken, dass er das Land vor dem Coronavirus geschützt habe.

Zwei Tageszeitungen zitierten Magufuli mit den Worten: "Gott, der Allmächtige, hat auf Gebete von Tansaniern reagiert, die gebetet, gefastet und Buße geleistet haben. Als Ergebnis ist die Infektionsrate gesunken und die Menschen gehen ihrer normalen Arbeit nach" (Ippmdia) sowie "Jetzt ist das Virus verschwunden, und ich glaube, dass alles gut gehen wird, wenn wir unser Leben Gott übergeben" (Daily News).
 

Magufuli: "Der Kampf gegen die Pandemie ist gewonnen!"

Staatspräsident John Magufuli hat nach Angaben der regierungsnahen Tageszeitung Daily News am 5. Juni auf der Jahreshauptversammlung der Tanzania Teachers Union (CWT) den Sieg über das Virus verkündet: "Das Staatsoberhaupt nutzte die Gelegenheit um der Nation mitzuteilen, dass Tansania den Kampf gegen die Corona-Pandemie gewonnen hat" (Daily News).

Magufuli gab anschließend seine Anweisung an das Gesundheitsministerium bekannt, Informationen zu allen Gesichtsmasken einzuholen, die von verschiedenen Organisationen und Institutionen gespendet worden sind. Dadurch soll sichergestellt werden, "dass sie für Tansanier sicher sind". Der Staatspräsident äußerte erneut Zweifel an Masken, die aus dem Ausland eintreffen: "Sie könnten dazu bestimmt sein, Menschen böswillig zu infizieren." Deshalb müssten Gesundheitsexperten diese Masken vor der Verbreitung gründlich überprüfen.

Nach einem Bericht der Tageszeitung Ippmedia hat Magufuli die Behörden aufgefordert, gegen Einzelpersonen oder Organisationen vorzugehen, die nicht genehmigte Schutzausrüstung spenden und vertreiben.

Tansania solle ferner vorsichtig sein gegenüber Menschen, die sich als gutmeinende Philanthropen ausgeben, in Wirklichkeit aber bösartig versuchen würden, die Menschen zu infizieren.
 

Fluggesellschaften geben Termine bekannt

Mehrere internationale Fluggesellschaften haben in diesen Tagen die Termine bekannt gegeben, ab wann sie Tansania wieder in ihr Flugprogramm aufnehmen werden. Vorreiter war wie erwartet Ethiopien Airlines, das bereits seit dem 1. Juni wieder nach Tansania fliegt - und zwar sowohl nach Daressalam als auch zum Kilimanjaro Airport. Seit dem 10. Juni fliegt Ethiopien Airlines auch wieder nach Sansibar.

Am 15. Juni folgte Qatar Airways mit dem ersten Flug von Deutschland nach Daressalam, am 17. Juni dann auch zum Kilimanjaro Airport und am 29. Juni nach Sansibar.

Turkish Airlines hat seit dem 18. Juni wieder die internationalen Flüge ab Deutschland ins Programm genommen werden. Ziele in Tansania sind sowohl Daressalam als auch Sansibar und der Kilimanjaro Airport.

KLM will voraussichtlich ab dem 1. Juli Tansania wieder anfliegen. Emirates hält sich mit einer solchen Aussage noch zurück und teilte telefonisch lediglich mit, dass "mindestens noch bis zum 1. Juli" keine Maschinen nach Tansania abheben.

Nach Auskunft von Jörg Hülsböhmer (DERPART-Reisebüro Dr. Pieper, Ahlen), Vermittler von (Gruppen-) Flügen nach Tansania, können Flüge mit Condor aktuell erst wieder ab dem 2. Oktober (Sansibar) bzw. ab dem 2. November (Kilimanjaro) gebucht werden. Sollte es bei diesem Zeitplan bleiben, müssten bereits gekaufte Flugtickets für den Sommerzeitraum von Condor zurückerstattet werden.
 

Tourismusminister stuft Pandemie herunter zur Endemie

Der tansanische Tourismusminister Hamisi Kigwangala hat bei einem Besuch in Arusha die Corona-Pandemie als Endemie bezeichnet. In der Tageszeitung The Citizen wird er am 3. Juni mit den Worten zitiert: "Die Fälle sind so stark zurückgegangen, dass es sich nicht mehr um eine Pandemie, sondern um eine Endemie handelt". Die Regierung habe durch die Interventionsmaßnahmen von Präsident John Magufuli die Infektionskurve nach kurzer Zeit abgeflacht.

Eine Endemie beschreibt laut Definition das zeitlich und örtlich begrenzte Auftreten einer Erkrankung, meist innerhalb einer bestimmten Region oder Personengruppe. Entscheidend ist dabei, dass die Krankheit in der umschriebenen Population oder Region dauerhaft in erhöhtem Maße auftritt. Die betreffende Region wird Endemiegebiet genannt. Ein Beispiel für eine Endemie ist Malaria. Das Tropenfieber ist in rund hundert Ländern auf unterschiedlichem Niveau endemisch, tritt in den betreffenden Gebieten also fortwährend gehäuft auf.

Mit dem ersten Flugzeug kamen Schweizer Reiseveranstalter

Der Tourismusminister ließ es sich nicht nehmen, auf dem Kilimanjaro Airport das erste internationale Flugzeug nach über drei Monaten persönlich zu begrüßen. Er betonte in seiner Rede, dass Tansania alle medizinischen Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Touristen eingeleitet habe. Die Boeing 737-800 von Ethiopien Airlines wurde wie bei einer Jungfernfahrt mit Wasserwerfern begrüßt. In der Maschine saßen allerdings noch keine Touristen, sondern Reiseveranstalter aus der Schweiz wie Hansruedi Buchi vom Spezialveranstalter Aktivferien AG.

Während das Schweizer Außenministerium weiterhin empfiehlt, "bis auf weiteres auf nicht dringliche Auslandsreisen zu verzichten", kündigt Aktivferien AG auf seiner Homepage bereits die Wiederaufnahme von Kilimandscharo- und Tansania-Naturreisen ab dem 27. Juni an und schreibt: "Alle bestehenden Buchungen sind dadurch bestätigt und gültig. Freuen Sie sich auf eine packende Reise."
 

Seit dem 1. Juni Wiedereröffnung von Unis, Colleges und Fachschulen

Als eines der ersten afrikanischen Länder hat Tansania am 1. Juni im gesamten Land wieder die Universitäten, Colleges, Lehrerseminare sowie den 3. Schuljahrgang der Berufsausbildungszentren geöffnet. Außerdem bereiten sich Schüler auf die Form VI Abschlussprüfungen vor. Grundschulen und Sekundarschulen bleiben weiterhin unbefristet geschlossen.

Die Studenten und Schüler, die nach zwei Monaten jetzt erstmals wieder zum Unterricht gehen, müssen jedoch die Hygienevorschriften, Abstandsregeln und die Maskenpflicht beachten. Zusätzliche Regeln gibt es für Internate. Schüler mit Krankheitssymptomen sollen zu Hause bleiben. Beim Auftreten von Symptomen während der Unterrichtszeit müssen die Betroffenen von der Schulleitung zum nächsten Gesundheitszentrum geschickt werden.
 

Daily News: "Leere Betten sind ein Zeichen des Sieges"

Die regierungsnahe Tageszeitung Daily News feierte am 30. Mai "den unmittelbar bevorstehenden Sieg der Regierung im Kampf gegen die Pandemie" und spricht wörtlich von einem "Spektakel der unbesetzten Betten". Eine telefonische Umfrage in den Krankenhäusern mehrerer Regionen hätte ergeben, dass inzwischen fast alle Betten leer seien und kaum noch neue Infektionen gemeldet würden. Dies beweist laut Daily News "die jüngsten falschen Behauptungen einiger anscheinend böswilliger Stellen, wonach Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten überfordert seien". Gemeint ist damit vermutlich vor allem die Botschafterin der USA, die in dieser Woche ins Außenministerium einbestellt wurde.

In dem Artikel der Daily News wird aber auch erstmals darüber informiert, dass alleine das Dodoma Regional Referral Hospital, das nach Angaben der Zeitung schon seit 3 Wochen keinen einzigen Patienten mehr hatte, zeitweilig 900-1.200 Corona-Patienten pro Tag versorgen musste. Nach der letzten offiziellen Bekanntmachung der Regierung am 30. April gab es aber lediglich 509 Infektionen landesweit.

Französischer Botschafter lobt Corona-Maßnahmen der Regierung

Ippmedia berichtete am 30. Mai über ein Treffen des französischen Botschafters Amb Clavier mit dem tansanischen Außenminister Palamagamba Kabudi. Im Gegensatz zu seiner US-amerikanischen Amtskollegin soll sich Clavier positiv über den tansanischen Weg zur Bekämpfung der Pandemie geäußert haben. Er versicherte laut Ippmedia dem Minister, dass Frankreich Tansania zu 100 Prozent für die Schritte unterstützt, die es gegen die Pandemie unternommen hat und dass sein Land Tansania ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 30 Millionen Euro gewähren wird mit leicht zu erfüllenden Bedingungen für Maßnahmen gegen die Krankheit und für die Wiederbelebung der Wirtschaft.

Außenminister Kabudi erklärte dem Botschafter, dass die von Tansania ergriffenen Maßnahmen es den Tansaniern ermöglicht hätten, ihr tägliches Leben fortzusetzen ohne Beeinträchtigung ihres wirtschaftlichen Wohlergehens - bei gleichzeitiger Einhaltung der Richtlinien der Gesundheitsexperten des Landes.

Frankreich will auch 6.000 Kleinbauern mit 500.000 US-Dollar unterstützen - unter anderem für den Bau von Lagersilos. Clavier sprach sich schließlich für die Aussetzung der tansanischen Schulden- und Zinszahlungen und sogar für einen möglichen Schuldenerlass aus.   
 

Einbestellung der US-Botschafterin

Das tansanische Außenministerium hat am 26. Mai US-Botschafterin Dr. Inmi Patterson einbestellt. Ihr wurde die Reisewarnung der USA und der Umgang mit der Pandemie auf den Twitter-Seiten der US-Botschaft vorgeworfen. Nach Auffassung der tansanischen Regierung wurde dort fälschlicherweise behauptet, dass viele Krankenhäuser in Daressalam mit Corona-Erkrankten überfordert seien. Dies sei unwahr. Die Botschafterin wurde über die Bedeutung einer korrekten Berichterstattung informiert. Es gäbe keine Einschränkungen, sich zu informieren.

In dem Gespräch lobte Staatssekretär Oberst Wilbert Ibuge als Vertreter des Außenministeriums die langjährige Entwicklungszusammenarbeit zwischen den USA und Tansania.

Dr. Inmi Patterson war von 2010-13 Generalkonsulin der USA in Hamburg. Sie spricht sieben Sprachen fließend, darunter Deutsch und Kisuaheli. Die promovierte Psychologin arbeitete vor ihrer diplomatischen Laufbahn u.a. für die UNESCO und für Earth Watch.
 

Aga Khan Stiftung wirbt für ihren CoronaCheck

Die Aga Khan Stiftung hat jetzt auch in Tansania ihren CoronaCheck eingeführt. Es handelt sich um eine mobile App, mit der die Bevölkerung Symptome einfach und sicher bewerten kann. 

Die App verwendet einen interaktiven Chatbot, mit dem man Symptome verstehen und erkennen kann, ob möglicherweise eine Infizierung mit COVID-19 vorliegt und rechtzeitig ein Hospital aufgesucht werden sollte. Die App dient aber auch zur Identifizierung von potenziellen Coronavirus-Trägern. 

CoronaCheck versucht nach eigenen Angaben auch, „Mythen und Missverständnisse, die durch Social-Media-Plattformen verbreitet werden, durch Lehrvideos zu bekämpfen“. Es enthält ferner Infos zum Schutz vor Infektionen, Ratschläge zur Selbsteinschätzung sowie Vorsichtsmaßnahmen und Leitlinien zur körperlichen Distanzierung, die von der WHO empfohlen werden.

CoronaCheck kann im Google Play Store und im App Store heruntergeladen werden.
 

Zurückhaltendes Ende des Ramadan

Am 23. Mai endete der muslimische Fastenmonat Ramadan und am 24. Mai das vom Staatspräsidenten ausgerufene landesweite Gebetswochenende als Dank für den Rückgang der Corona-Infektionen. Nach übereinstimmenden Augenzeugen- und Medienberichten verlief das Ende des Ramadans allerdings eher zurückhaltend. Im Vergleich zu den Vorjahren blieben viele Gläubige zu Hause. So berichtet Ippmedia: "Das diesjährige Eid el-Fitr Fest wurde eher zurückhaltend gefeiert. Abgesehen von den Gebeten wurden die üblichen Familienfeiern und Einkäufe reduziert, und es bestand Angst vor Versammlungen."

Premierminister Kassim Majaliwa rief vor Gläubigen in Dodoma dazu auf, die von Gesundheitsexperten erlassenen Richtlinien weiter einzuhalten. Auch Ali Mohammed Shein, Präsident von Sansibar, riet den Gläubigen zur Vorsicht.

Auch Sansibar bereitet sich auf die Rückkehr des Tourismus vor

Auch Sansibar bereitet sich auf die Rückkehr der Touristen vor. Nachdem die tansanische Regierung auf Wunsch des Staatspräsidenten die Flugbeschränkungen und Quarantänevorschriften aufgehoben hat, gab auch die Regierung von Sansibar bekannt, dass Reiseleiter, Dienstleister und das Flughafenpersonal regelmäßig auf eine mögliche Corona-Erkrankung getestet werden sollen, um Touristen nicht zu gefährden. Urlauber müssen ihrerseits bei der Einreise ein Attest vorlegen, dass sie corona-negativ getestet worden sind.
 

Nationales Testlabor: Gesundheitsministerin stellt Untersuchungsbericht vor

Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu hat am 23. Mai den Bericht einer 10-köpfigen Untersuchungskommission vorgestellt, die auf Betreiben des Staatspräsidenten eingesetzt wurde, um die Zuverlässigkeit des Nationalen Gesundheitslabors zu überprüfen. John Magufuli hatte behauptet, Proben von Tieren und Früchten mit erfundenen menschlichen Namen im Labor eingereicht und anschließend bei einer Ziege, einer Wachtel und einer Papaya das Ergebnis "Corona positiv" erhalten zu haben. Dem Präsidenten diente dies als Beweis für seine Behauptung, dass Tansania bewusst falsche Testkits aus dem Ausland erhalten habe. Die WHO wies die Anschuldigung zurück. Dennoch wurde der Direktor des Gesundheitslabors umgehend seines Postens enthoben.

Laut eines Artikels der Tageszeitung "The Citizen" stellte der Untersuchungsbericht beim Gesundheitslabor Schwächen in der Verwaltung, bei den Einrichtungen und beim Laborbetrieb fest. Dies habe sich auf die Qualität der Tests und auf die Lagerung der Proben ausgewirkt. Eine Maschine zur Auswertung der Tests sei fehlerhaft gewesen. Corona-Untersuchungen werden inzwischen in einem neuen Labor in Daressalam durchgeführt, das 1.800 Proben pro Tag ermöglicht.

Die Untersuchungskommission konnte aber offensichtlich keine falschen Testergebnisse größeren Ausmaßes feststellen. Die Gesundheitsministerin nutzte ansonsten die Gelegenheit nicht, um nach drei Wochen wieder einmal offizielle Infektions- und Todeszahlen zu veröffentlichen. Tansania gehört damit weiterhin zu den wenigen Ländern weltweit, die ihre Zahlen der WHO vorenthalten.

Quarantäne-Schiff auf dem Viktoria See

Die Behörden in Uganda haben in Entebbe die Fähre MV Kalangala vorsorglich für 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Das Schiff bietet Platz für 200 Passagiere und einige Autos, traf aber nach einer vierwöchigen Inspektion aus Mwanza lediglich mit ihrer fünfköpfigen Besatzung ein, die in Tansania zuvor offensichtlich negativ getestet worden war. Dennoch wird der Besatzung aus Sicherheitsgründen das Betreten des Festlands verweigert. Wegen des Hochwassers auf dem Victoria See ankert die Fähre circa 100 Meter vor dem Hafen.
 

Magufuli befürchtet infizierte Masken aus dem Ausland

Staatspräsident John Magufuli hat vor dem Empfang nicht zertifizierter Spenden für den Kampf gegen das Coronavirus gewarnt. Alle Spenden müssten zuerst vom Gesundheitsministerium geprüft werden. In der regierungsnahen Tageszeitung "Daily News" wurde Magufuli am 22. Mai mit den Worten zitiert: "Dies ist ein Schutz vor dem Empfang von Geräten, die nicht für Tansanier geeignet sind." Die Spender gefälschter Ausrüstungen müssten mit einer Mordanklage rechnen.

Magufuli behauptete, dass Koordinatoren "auf Kosten der leidenden Opfer profitieren". Er befürchte, dass Gesichtsmasken aus dem Ausland mit dem Coronavirus infiziert sind. Deshalb sei es besser, Masken vor Ort in Tansania herzustellen.
 

Süddeutsche Zeitung: "Magufuli ist in seine ganz eigene Welt abgedriftet"

Nach Meinung der Süddeutschen Zeitung ist der tansanische Staatspräsident „in seine ganz eigene Welt abgedriftet“. In einem Porträt setzte sich SZ-Redakteur Bernd Dörries am 19. Mai mit John Magufuli auseinander und kommt zu folgendem Ergebnis: „Gäbe es einen internationalen Wettbewerb zwischen den Staats- und Regierungschefs, wer der größte Corona-Leugner ist, dann wäre es wohl ein enger Dreikampf zwischen Donald Trump, Brasiliens Jair Bolsonaro und eben Magufuli.“

Die Süddeutsche Zeitung schildert anschaulich die Vorgänge der vergangenen Wochen und stellt fest, „dass selbst enge Freunde wie der kenianische Oppositionschef Raila Odinga berichten, sie könnten Magufuli nicht mehr telefonisch erreichen, im Nachbarland Südafrika wundert sich Präsident Cyril Ramaphosa vielleicht, dass sein guter Bekannter nicht mehr an den regionalen Koordinierungskonferenzen teilnimmt.“

Allerdings sei Magufuli „mit seiner totalen Leugnung unter den afrikanischen Staatschefs eher die Ausnahme. In sehr vielen Ländern hat die Politik schnell reagiert, das öffentliche Leben eingefroren und die Kontakte von Infizierten verfolgt. Auch deshalb ist die Zahl der Infizierten auf dem Kontinent viel geringer als in den düsteren Prophezeiungen.“ Die SZ befürchtet: „In Tansania könnte es anders ausgehen.“
 

Tansania erlaubt wieder Sportveranstaltungen vor Publikum

Seit dem 1. Juni können wieder alle Sportarten ausgeübt und öffentliche Sportveranstaltungen durchgeführt werden - und zwar vor Publikum. Allerdings sollen das Gesundheits- und das Sportministerium einen Mindestabstand zwischen den Zuschauern festlegen. Gleiches gilt für Theateraufführungen. 

Magufuli: "Nach der verfügbaren Literatur verbessert sich die Immunität, wenn die Leute zusammenkommen. Wenn man jemanden auf sein Haus einschränkt, senkt sich die Körperimmunität um 30 %. Das bedeutet: Wenn sich die Leute treffen, dann stärken sie ihre Immunität gegen verschiedene Seuchen."
 

Einigung zwischen Tansania und Kenia im Grenzkonflikt

Die beiden Verkehrsminister von Tansania und Kenia haben sich am 22. Mai im Grenzkonflikt geeinigt: Bei einreisenden LKW-Fahrern sollen Coronatests durchgeführt, positive Testergebnisse jedoch ohne Angabe der Nationalität der Erkrankten veröffentlicht werden. Im Falle einer Infektion können die LKW-Fahrer ausgetauscht werden.

Am 19. und 20. Mai hatte Magufuli mehrfach mit seinem kenianischen Amtskollegen Uhuru Kenyatta über die aktuellen Grenzschließungen telefoniert - zuletzt bei einem Stopp in Singida auf der Fahrt von seinem Heimatort Chato nach Dodoma. Magufuli, der Chato seit mehreren Wochen nicht mehr verlassen hatte, wurde am 20. Mai in der Tageszeitung "The Citizen" mit den Worten zitiert: "Corona-19 startete nicht in Afrika. Für Mitglieder der Ostafrikanischen Gemeinschaft EAC macht es keinen Sinn, einen Virus zu bekommen, der uns daran hindert, Geschäfte zu machen." 

Zuvor war die Situation an der Grenze eskaliert: Bis Mitte Juni ist die kenianische Grenze für den Personenverkehr geschlossen. Für den weiterhin möglichen Warenverkehr sind an der tansanisch-kenianischen Grenze Corona-Tests vorgeschrieben. Nach Medienberichten wurde bis zum vergangenen Dienstag 182 tansanischen LKW-Fahrern die Einreise verweigert. In seiner Grundsatzrede am 17. Mai hat der tansanische Staatspräsident John Magufuli die Infizierungen von LKW-Fahrern noch abgestritten. Mrisho Gambo, Regional Commissioner der Arusha Region, bezeichnete die Aussagen Kenias als Sabotage mit dem Ziel, dem Tourismus in Tansania zu schaden.

Auch mit Ruanda wurde inzwischen eine Einigung erzielt: Bis auf LKWs, die mit Treibstoff oder verderblichen Gütern beladen sind, müssen alle aus Tansania ankommenden Ladungen auf ruandische Fahrzeuge umgeladen werden. Der Transit in den Kongo wird mit einer ruandischen Begleitperson ermöglicht.
 

Großbritannien fliegt Staatsbürger aus

Mit einer Sondermaschine hat am 18. Mai Großbritannien circa 200 Staatsbürger und ihre Angehörigen nach London ausgeflogen. Sie folgten damit dem Rat des britischen Foreign & Commonwealth Office (FCO), angesichts der Verbreitung des Coronavirus in Tansania nach Europa zurückzukehren.

Tansanischer Luftraum wieder geöffnet. Vorbereitung auf Touristen

Nur einen Tag nach der Grundsatzrede des tansanischen Präsidenten ist am 18. Mai der Luftraum über Tansania für alle Fluglinien wieder geöffnet worden. Die Regierung beauftragte die Flughäfen, sich auf ankommende Passagiere vorzubereiten. Auch Air Tanzania wurde grünes Licht für internationale Flüge gegeben. Nationalparks, Reiseveranstalter und Hotels wurden aufgefordert, sich auf Touristen vorzubereiten.
 

Rede des Präsidenten an die Nation

Am 17. Mai hielt Staatspräsident John Magufuli aus seinem Heimatort Chato in der Geita Region in Nordtansania eine Ansprache an die Nation. Erneut nutzte er dafür eine Kirche, diesmal die Evangelische Kirche von Chato.

Der Präsident betonte in seiner charismatisch vorgetragenen und vom Applaus der Gottesdienstbesucher unterbrochenen Ansprache, dass für ihn die Wirtschaft des Landes an erster Stelle stehe. In der Tageszeitung "The Citizen" wird er mit den Worten zitiert: "Unsere Ökonomie muss an erster Stelle stehen. Sie darf nicht ruhen. Falls wir unserer Ökonomie einen Schlaf erlauben, gibt es keine Löhne."

Die Tansanier müssten weiter hart arbeiten. Alle Länder, die einen Lockdown beschlossen haben, werden laut Magufuli nächstes Jahr ankommen, um sich in Tansania Lebensmittel zu besorgen. Tansania werde auch von sich aus keine Grenzen schließen. Der ostafrikanische Warenverkehr müsse gewährleistet sein. Als unabhängige Nation dürfe Tansania nicht zulassen, von Covid-19 regiert zu werden. Magufuli: "Life must go on!"

Magufuli teilte mit, dass er das zuständige Ministerium angewiesen habe, die Quarantänepflicht für Ausländer aufzuheben. Damit solle der Tourismus wieder angekurbelt werden. Der Präsident: "Einige Fluggesellschaften sind bis August mit Touristen ausgebucht, die Tansania besuchen wollen." Alle, die nach Tansania kommen, würden dies tun, um die Wahrheit über Covid-19 zu erfahren und weil Tansania ein schöner Ort für einen Besuch sei. Magufuli: "Solange sie keine unnormale Körpertemperatur haben, werde ich den Touristen erlauben, Tansania zu betreten und sich die wilden Tiere anzusehen."

Um den Tourismus wieder freizugeben, habe er als Staatspräsident angeordnet, alle ankommenden Flugzeuge wieder landen zu lassen. Gegenwärtig ist es nur in besonderen Fällen möglich, eine Landeerlaubnis zu bekommen.

Nachdem John Magufuli bereits den Anstieg der positiven Testergebnisse mit Manipulationen der Testkits durch das Ausland begründet und dafür als Beweis angeblich positiv getestete Ziegen oder Papayas angeführt hatte, riet er auch diesmal zur Vorsicht: "Dies ist eine Zeit, in der irgendwo einige Leute daran denken, Tansania absichtlich mit Corona zu infizieren."

Während deutsche Tansania-Initiativen besorgniserregende Berichte von ihren tansanischen Partnergruppen erhalten und die US-Botschaft in Daressalam von einem "extrem hohen Infektionsrisiko in Daressalam" und einer exponentiellen Verbreitung in der Millionenmetropole und in anderen Regionen spricht, teilte Magufuli in seiner vom Fernsehen übertragenen Rede mit, dass die Infektionszahlen so weit zurückgegangen seien, dass er überlege, ab nächster Woche wieder die Colleges zu öffnen.

Angesichts der nach seinen Angaben drastisch fallenden Patientenzahlen in den Krankenhäusern kann man laut Magufuli sehen, "wie unser Gott auf unsere Gebete geantwortet hat." Daher hätte er für das kommende Wochenende vom 22.-24. Mai erneut drei landesweite "Tage des Dankens" angesetzt.

Magufuli informierte das Volk darüber, dass eines seiner eigenen Kinder am Coronavirus erkrankt, aber durch eine alternative Behandlung sehr schnell wieder gesund geworden sei: "Mein eigenes biologisches Kind (...) isolierte sich in einem Raum und behandelte sich selbst. Es atmete den Dampf von gekochten Kräutern. Es aß Zitronen und Ingwer und wurde wieder gesund."

Auch Sportveranstaltungen sollen wieder freigegeben werden, "wenn es so gut weitergeht". Nach Magufuli sei die Seuche zwar weiterhin da, sie komme jetzt aber an ihr Ende.

Die Klage der Nachbarländer über viele infizierte tansanische LKW-Fahrer wies Magufuli nach Angaben der "Daily News" mit den Worten zurück: "Manchmal wird gesagt, dass viele Fahrer positiv getestet worden sind. Aber wie können sie dann noch viele Kilometer bis zu ihrem Coronatest an die Grenze fahren - ohne vorher einen Kollaps zu bekommen?"

Gemeindepfarrer Thomas Kangeizi dankte dem Präsidenten für die Ansprache in seiner Kirche und für die Erlaubnis, auch während der Coronakrise weiterhin Gottesdienste durchführen zu dürfen. John Magufuli und seine Gattin spendeten der Gemeinde circa 4.000 EUR für den Bau einer neuen Kirche und 400 EUR für den Kirchenchor.

Die Rede des tansanischen Staatspräsidenten wurde in den Medien weltweit beachtet. Dabei stand die überraschende Freigabe des Tourismus in die Nationalparks im Mittelpunkt - allerdings meist mit kritischen Hinweisen auf die aktuelle Lage in Tansania.

"Tansanias Präsident: Gebete haben Corona-Pandemie eingedämmt"
"Deutschland today" vom 18.5.2020 

"Tansania will Einreise von Touristen wieder erlauben"
Handelsblatt vom 17.5.2020

"Tanzania: How long can its COVID-19 strategy hold?"
"African Arguments" vom 18.5.2020

"Tanzania's Magufuli plans to lift coronavirus restrictions"
Reuters vom 17.5.2020

"Coronavirus: Tanzania President Magufuli says hospital numbers reducing"
BBC vom 17.5.2020

Oppositionführer Freeman Mbowe: "Zuerst müssen Menschenleben gerettet werden"

Oppositionsführer Freeman Mbowe (Chadema) hat dem Präsidenten am 18. Mai widersprochen. Nicht die Ökonomie, sondern das Leben der Menschen müsse im Mittelpunkt aller Maßnahmen gegen das Coronavirus stehen. Mbowe geht davon aus, dass das Transportwesen, der Tourismus und andere Branchen bis zu zwei Jahre benötigen, um sich von den Auswirkungen der Coronakrise zu erholen. Er forderte die Regierung auf, mit der WHO zusammenzuarbeiten.
 

Staatspräsident feuert Stellvertretenden Gesundheitsminister

Zwei Tage nach einem eindringlichen Aufruf der Gesundheitsministerin zur Coronabekämpfung hat Staatspräsident John Magufuli überraschend den Stellvertretenden Gesundheitsminister Faustino Ndugulile, 51, entlassen. Ndugulile war in seiner Funktion auch für die Bereiche Frauen, Genderfragen, Senioren und Kinder zuständig.

Dr. Ndugulile (CCM), ein ausgebildeter Immunologe, Mikrobiologe und Arzt mit einem in Südafrika zusätzlich erworbenen Master für Gesundheitswesen, ist auch Mitglied des Nationalparlaments (Wahlkreis Daressalam) und im In- und Ausland bestens vernetzt. Er war unter anderem Mitglied im Panafrikanischen Parlament und Vertreter Afrikas bei der Internationalen Aids-Gesellschaft. Er ist auch Autor mehrerer Fachbücher.     

Als neuen Stellvertretenden Gesundheitsminister ernannte der Staatspräsident den Arzt und Parlamentsabgeordneten Godwin Mollel (CCM), 41, mit Wahlkreis in Siha (Kilimandscharo Region).

Bereits in den Tagen und Wochen zuvor sind mehrere hochrangige Mitglieder des Gesundheitsministeriums entlassen oder suspendiert worden. Unter ihnen der Staatssekretär, der nationale Chief Medical Officer und der Chef des Nationalen Gesundheitslabors.

Die Entlassung von Dr. Ndugulile erfolgte ohne Angabe von Gründen. Der Gesundheitsexperte war international anerkannt - unter anderem für seinen Einsatz für eine Familienplanung in Tansania und für die Bekämpfung von HIV/Aids. Die "Pd online website" (Kenia) spekuliert, dass er "bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie nicht kooperiert hat". Die US-amerikanische Mediengruppe Bloomberg vermutet einen Zusammenhang mit seinem Widerspruch gegen die jüngsten Ratschläge der Regierung, "beispielsweise seiner Warnung vor der Anwendung der Dampftherapie als Vorbeugung gegen das Virus oder zur Heilung - eine Maßnahme, die von Magufuli gefördert wird".
 

Eindringlicher Aufruf der Gesundheitsministerin

Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu hat am 15. Mai aus Anlass des Internationalen Familientags in einer für die Regierung ungewöhnlichen Eindringlichkeit dazu aufgerufen, ältere Menschen und Kinder vor einem Angriff des Coronavirus zu schützen. Außerdem müsse ihre Versorgung sichergestellt werden. Nach einem Bericht der regierungsnahen "Daily News" appellierte Mwalimu an die Bevölkerung, infizierte Personen nicht zu stigmatisieren und alle Krankheitssymptome sofort zu melden. 

Die Ministerin, die noch bis vor drei Wochen und damit bis zur Einsatzung eines nationalen Coronabeauftragten durch den Staatspräsidenten eine tägliche Pressekonferenz mit aktualisierten Zahlen durchgeführt hatte, ermahnte die Eltern, ihre Kinder während der Schulschließungen nicht auf der Straße herumlaufen zu lassen. Sie sollten vielmehr schulisch und spielerisch zu Hause beschäftigt werden, und die Eltern sollten sich dabei auch um die Nutzung neuer Medien bemühen.

Schließlich gab die in der Bevölkerung recht beliebte Gesundheitsministerin der Bevölkerung die folgenden Verhaltsmaßregeln mit auf den Weg: Versammlungen vermeiden, Hände mit Seife unter fließendem Wasser waschen, Masken tragen, Desinfektionsmittel verwenden und Abstand halten. 
 

Einführung verpflichtender Corona-Tests für LKW-Fahrer

Nach Angaben von "The Citizen" sind jetzt für LKW-Fahrer Corona-Tests verpflichtend, bevor sie ihre Fracht am Hafen von Daressalam abholen. Sie erhalten bei einem negativen Befund eine 14-tägige Unbedenklichkeitsbescheinigung. Dies berichteten Vertreter der Tanzania Association of Transports (TAT) und der Tanzania Truck Owner Association (Tatoa) in einem Gespräch mit der tansanischen Tageszeitung. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums war für die Presse nicht zu sprechen. Die Tests sollen im Nationalen Gesundheitslabor in Daressalam durchgeführt werden.

Kenia verweigerte in Namanga über 50 infizierten tansanischen LKW-Fahrern die Einreise

Die kenianischen Behörden haben alleine am 13. und 14. Mai an der tansanisch-kenianischen Grenzstation Namanga 56 tansanischen LKW-Fahrern die Einreise verweigert, nachdem sie zuvor corona-positiv getestet worden waren. Namanga ist vom kenianischen Gesundheitsministerium inzwischen zu einem Epidemie-Hotspot erklärt worden. Die seit Dienstag letzter Woche vorgeschriebenen Coronatests sollen demnächst von einer mobilen Teststation, finanziert aus Mitteln der deutschen KfW, durchgeführt werden. Vor den tansanisch-kenianischen Grenzstationen sollen sich nach Berichten in sozialen Netzwerken über 1.500 LKW gestaut haben.

Tansanisch-sambische Grenze wieder für den Warenverkehr geöffnet

Bereits mehrere Tage zuvor hatte Ruanda an der Grenze entweder ein Umladen tansanischer LKW auf ruandische Fahrzeuge oder eine Weiterfahrt mit ruandischen LKW-Fahrern verlangt. Sambia schloss am 11. Mai den Grenzübergang Nakonde für mehrere Tage komplett. Der Ort war nach 76 neuen Infektionen von Sambia zu einem Corona-Hotspot erklärt und faktisch unter Quarantäne gestellt worden. Diese Maßnahme traf Ostafrika besonders hart, weil ein großer Teil der Warenanlieferung für den Hafen von Daressalam über Nakonde erfolgt - mit Waren aus Sambia, Ostkongo und sogar aus Simbabwe. Am 18. Mai wurde bekannt, dass die Grenze wieder geöffnet ist, allerdings nur für den Warentransport. Die sambische Regierung teilte mit, dass über die Zukunft des Grenzverkehrs Gespräche mit der tansanischen Regierung geführt werden.

Als Hintergrund der Maßnahmen, die den freien Warenverkehr in Ostafrika fast zum Erliegen brachten, bezeichnen Ostafrika-Experten die Weigerung Tansanias, konsequent gegen das Coronavirus vorzugehen und seine Infektions- und Todeszahlen kontinuierlich zu veröffentlichen. Solange infizierte tansanische LKW-Fahrer einreisen, ist in den drei Nachbarländern an eine Lockerung der Vorsorgemaßnahmen nicht zu denken. Nachdem der Außenminister das Problem noch heruntergespielt und als Verleumdung bezeichnet hatte, scheinen die tansanischen Behörden jetzt einzulenken.

Die Situation am 12. Mai an der Grenze in Namanga
Mr Infoma (YouTube)
 

Max-Planck-Institut in Potsdam überprüft Wirksamkeit von Artemisinin

Nach Angaben der Deutschen Welle führen erstmals Wissenschaftler am Max-Planck-Institut in Potsdam eine Studie über die Wirksamkeit von Artemisinin bei der Therapie und Prophylaxe von Covid-19 durch. Sie wollen damit die bislang unbewiesene und deshalb von der WHO kritisierte Behauptung afrikanischer Staatspräsidenten wie John Magufuli (Tansania) überprüfen, hier sei bereits ein eigener wirksamer „afrikanischer Weg“ zur Bekämpfung der Pandemie gefunden worden.

Laut Peter Seeberger, Leiter der neuen Studie, erhalten jährlich über 300 Millionen Patienten auf Artemisinin basierende Medikamente. "Der Wirkstoff wurde auch schon gegen andere Krankheiten recht erfolgreich ausprobiert", erklärte der Chemiker. So gibt es beispielsweise Berichte, dass Artemisinin gegen das erste SARS-Coronavirus (SARS-CoV) wirksam war.

Artemisinin ist ein Wirkstoff aus der bei uns als „Einjähriger Beifuß“ bekannten Pflanze. Er wird bislang vor allem sehr erfolgreich in der Malaria-Therapie eingesetzt.
 

US-Botschaft warnt: "Extrem hohes Infektionsrisiko in Daressalam"

Die US-amerikanische Botschaft in Daressalam hat vor einem schnellen Anstieg der Corona-Infektionen in Tansania gewarnt und darauf hingewiesen, dass die tansanische Regierung ihre Daten über Infektionen und Todesfälle seit dem 29. April nicht mehr aktualisiert hat. Die Botschaft verweist auf ein „extrem hohes“ Infektionsrisiko in der Metropole Daressalam. Die Epidemie breite sich hier und in anderen Regionen „exponentiell“ aus.

Bank von Tansania will Wirtschaft vor den Corona-Folgen schützen

Die Bank von Tansania (BOT) will die Wirtschaft des Landes vor den nachteiligen Auswirkungen der CVD-19-Pandemie schützen. In einer Erklärung am 12. Mai teilte sie die Senkung der gesetzlichen Mindestreserveanforderung von 7 % auf 6 % ab dem 8. Juni mit. Dadurch soll den Banken eine zusätzliche Liquidität eingeräumt werden in der Hoffnung, dass diese wiederum ihren Kreditnehmern bei der Rückzahlung von Krediten entgegen kommen.

Die Bank empfiehlt außerdem den Mobilfunkbetreibern, ihren Kunden das tägliche Transaktionslimit zu erhöhen.

Magufuli beteiligte sich nicht an Videokonferenz der Staatspräsidenten

Staatspräsident John Magufuli nahm am 12. Mai nicht an der Videokonferenz der Staatsoberhäupter der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) teil. Der Präsident von Burundi, Pierre Nkurunziza, war ebenfalls nicht anwesend. Beide Länder haben seit circa zwei Wochen ihre Corona-Zahlen nicht veröffentlicht und lehnen striktere Vorsorgemaßnahmen ab. 

Themen der Konferenz mit den teilnehmenden Präsidenten von Ruanda, Uganda, Kenia und Südsudan waren unter anderem der freie Warenverkehr und das Management gegen die grenzüberschreitende Verbreitung des Coronavirus. Die Staatsoberhäupter beauftragten ihre zuständigen Minister mit der Einführung von Grenzkontroll- und Testmaßnahmen, insbesondere für Lkw-Fahrer.

Der tansanische Außenminister hat das Fehlen des Präsidenten inzwischen damit begründet, dass es sich nicht um eine offizielle EAC-Veranstaltung gehandelt habe.
 

Chadema schließt vier Parlamentsabgeordnete aus. Parlamentspräsident gibt Sitze nicht frei

Das Exekutivkomittee der größten Oppositionspartei Chadema hat am Wochenende des 9./10. Mai beschlossen, vier Parlamentsabgeordnete aus der Partei auszuschließen. Es handelt sich um die Abgeordneten aus den Wahlkreisen Moshi-Land, Rombo, Momba und Bukoba-Stadt. Neun weitere Abgeordnete, die ebenfalls gegen die Anweisung des Parteivorsitzenden Freeman Mbowe verstoßen hatten, als Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus nicht mehr an den Parlamentssitzungen in Dodoma teilzunehmen, wurden zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Entgegen der Verfassung weigert sich Parlamentspräsident Job Ndugai, die Sitze der ausgeschlossenen Chadema-Mitglieder für Nachrücker freizugeben. Er kündigte an, ihnen parlamentarischen Schutz zu gewähren.

Lockerung der Beschränkungen für internationale Flüge

Seit dem 11. April ist der gesamte Passagierflugverkehr von und nach Tansania eingestellt. Seit dem 14. Mai sind Flüge aus folgendem Anlass wieder erlaubt: Rückführung von im Ausland gestrandeten Tansaniern (ohne Ausstieg des ausländischen Flugpersonals), medizinische Hilfe und Hilfsflüge, technische Landungen ohne Ausstieg "und andere sicherheitsrelevante Operationen". Alle Einreisenden müssen sich auf eigene Kosten in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Die Quartiere werden von der Regierung vorgegeben.

Nach Angaben der Tageszeitung "The Citizen" haben die USA, Türkei, Großbritannien, Libanon, Pakistan und Äthiopien ihre Staatsbürger bereits aus Tansania ausgeflogen. Dafür war bisher ein komplizierter Genehmigungsvorgang notwendig, der zukünftig entfällt.

Sansibar: Parlamentswahlen finden statt

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sollen auch in Sansibar am 4. Oktober 2020 durchgeführt werden. Der sansibarische Staatsminister Mohamed Aboud teilte am 9. Mai mit, dass die Regierung von einer sinkenden Infektionsrate bis Oktober ausgeht. Die Registrierung der Wähler sei bereits abgeschlossen. Präsident John Magufuli hatte bereits vor mehreren Wochen erklärt, dass die nationalen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 4. Oktober nicht verschoben werden.

Der Außenminister persönlich holte eine "Corona-Medizin" in Madagaskar ab

Außenminister Palamagamba Kabudi persönlich traf am 8. Mai in Madagaskar ein, um eine "Medizin gegen Corona" abzuholen. Das Regierungsfoto zeigt ihn bei der Einnahme der Medizin in Anwesenheit seines Amtskollegen aus Madagaskar.  Nach seiner Rückkehr in Tansania erklärte Kabudi, dass die Medizin, die sowohl für die Prophylaxe als auch für die Therapie vorgesehen sei, noch nicht verteilt werden soll. Erst einmal gehe es um eine Untersuchung durch tansanische Experten. 

John Magufuli hatte am 3. Mai mitgeteilt, dass er ein Mittel gegen Corona gefunden hat: "Ich habe mit Madagaskar gesprochen. Sie sagen, dass sie die Medizin für Covid-19 gefunden haben. Wir werden ein Flugzeug senden, um die Medizin nach Tansania zu bringen, so dass alle Tansanier davon profitieren können."

Bei der Medizin handelt es sich um einen Tee, der aus den Blättern der Artemesia-Pflanze gewonnen wird, einer Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler. Während die Pflanze bei der Behandlung der Malaria tatsächlich sehr wirksam ist, bezeichnete die WHO ihre Wirksamkeit bei Corona-Erkrankungen als "nicht mit Studien belegt" und warnte vor einer Selbst-Medikation. Die Malaria wird nicht durch Viren, sondern durch Parasiten ausgelöst. Die WHO hat angeboten, die Wirksamkeit im Rahmen einer Studie zu überprüfen.

"Die afrikanische Lösung des Corona-Problems"
Film der Daily News vom 9.5.2020 über die Übergabe der Medizin in Madagaskar
 

Verlust von 477.000 Arbeitsplätzen im Tourismus

Im Zuge der Haushaltsberatungen hat Tourismusminister Hamisi Kigwangalla in Dodoma mitgeteilt, dass die Coronakrise voraussichtlich 477.000 Arbeitnehmern ihren Arbeitsplatz kosten wird. Dies wären ca. 76 % von insgesamt 623.000 Beschäftigten, die unmittelbar im Tourismus tätig sind. Den Einnahmeverlust an Steuern bezifferte der Minister auf circa 40 Millionen Euro. Zur Stärkung des Tourismus-Sektors wurden im Parlament eine Vereinfachung des Visum-Verfahrens und Steuersenkungen vorgeschlagen.

Sabotage bei Corona-Tests: WHO weist Kritik von Magufuli zurück

Die WHO hat die Behauptung von Staatspräsident John Magufuli zurückgewiesen, dass die aus dem Ausland eingeführten Corona-Testkits manipuliert worden sind. Magufuli hatte Proben von Früchten und Tieren mit menschlichen Namen versehen und zum Nationalen Testlabor geschickt. Dort seien sie dann positiv gewesen.

Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin des Regionalbüros der WHO, zeigte sich am 7. Mai davon überzeugt, „dass die Tests, die gestellt wurden und die auf dem internationalen Markt sind, nicht mit dem Virus kontaminiert sind." John Nkengasong, Chef der afrikanischen Gesundheitsbehörde ACDC, versicherte, dass das Labor in Daressalam die gleichen Tests wie alle anderen Labore verwendet.

"Probleme bei Covid-19-Tests - Corona bei einer Papaya?"
ZDF vom 9.5.2020

"Posse in Tansania: Ziege und Papaya positiv auf Corona getestet"
Wochenblick vom 7.5.2020

Erneut hochrangiger Politiker "plötzlich gestorben"

Es ist erschreckend: Das "plötzliche" und in allen Fällen unerwartete Sterben hochrangiger Politiker hält seit mehreren Tagen an. Am 8. Mai starb in einem Hospital in Mwanza Hamim Gwinyana, District Commissioner des Nyang'hwale Districts in der Geita Region. Wie bei den anderen Todesfällen - mehrere Parlamentsabgeordnete, ein Minister, hochrangige Juristen - wurde auch in diesem Fall lediglich mitgeteilt, dass der Tod "plötzlich" erfolgte. Über die Todesursache wird nicht informiert und bereits ein vorsichtiger Hinweis auf eine mögliche Corona-Erkrankung steht unter Strafe.

"Nach kurzer Krankheit" ist am 8. Mai auch Christopher Mukoma, Direktor der Kilimanjaro Airpot Development Company, gestorben.

Regierung erlaubt Hausbeisetzung von Corona-Toten

Die Regierung erlaubt, dass am Coronavirus Verstorbene auf dem eigenen Hausgrundstück beerdigt werden dürfen. Dabei müssen allerdings die vorgegebenen Schutzvorrichtungen eingehalten werden.
 

Regional Commissioner von Daressalam droht mit Inhaftierung von Parlamentsabgeordneten

Paul Makonda, Regional Commissioner von Daressalam, hat am 6. Mai in einer Videobotschaft allen Parlamentsabgeordneten, die sich derzeit in der Millionenmetropole aufhalten, eine Frist von 24 Stunden gesetzt: Entweder sie verlassen die Stadt und nehmen in Dodoma an den Haushaltsberatungen des Nationalparlaments teil oder sie werden inhaftiert. Das Ultimatum wurde vor dem Hintergrund eines Beschlusses der Oppositionspartei Chadema gestellt, deren Abgeordnete sich - wie auch Abgeordnete anderer Oppositionsparteien - als Schutz vor dem Coronavirus in eine 14-Tage Selbstquarantäne begeben haben.

Makonda, dem die US-Regierung wegen seines Vorgehens gegen Homosexuelle ein Einreiseverbot erteilt hat, sagte nach Angaben der Tageszeitung "The Citizen", die Parlamentsabgeordneten würden genauso behandelt, wie in der Vergangenheit mit Prostituierten umgegangen wurde.

Zitto Kabwe, Chef der Oppositionspartei ACT Wazalendo, entgegnete über Twitter: "Ich werde nicht nach Dodoma gehen. Ich werde in Daressalam bleiben. Ich schütze mich und meine Familie vor dem Virus."

Oppositionspartei Chadema vor der Zerreißprobe

Nachdem Oppositionsführer Freeman Mbowe (Chadema) angekündigt hatte, dass sich seine Partei angesichts der zahlreichen Corona-Erkrankungen unter den Parlamentsmitgliedern in eine 14-tägige Selbst-Quarantäne begeben und damit vorerst an den weiteren Parlamentssitzungen nicht mehr teilnehmen wird, beteiligten sich am 4. und 5. Mai dennoch 10 Chadema-Abgeordnete an den Sitzungen in Dodoma. Darunter zwei Abgeordnete, die bereits zuvor angekündigt hatten, zur Oppositionspartei NCCT-Mageuzi überzutreten. Zudem trat der Abgeordnete David Silinde von seiner Berufung als Schattenminister für das Industrie- und Handelsministerium zurück. Er legte außerdem sein Amt als Parlamentarischer Geschäftsführer der Chadema-Fraktion nieder.

Erneut "plötzlicher Tod" eines prominenten Juristen

Erneut ist am 5. Mai in Daressalam ein prominenter Jurist gestorben: Dr. Masumbuko Lamwai arbeitete als Richter am Obersten Gerichtshof von Tansania und vertrat mehrere hochrangige Politiker bei Strafverfahren. Bereits in den Tagen zuvor war mehrfach von Todesfällen unter Juristen berichtet worden. Als Todesursache wurde wie im jüngsten Fall meist "nach kurzer Krankheit" angegeben.

In den Wochen zuvor waren neben vielen Juristen nach Angaben von Ippmedia auch fünf Parlamentsabgeordnete der Regierungspartei CCM "plötzlich verstorben". Außerdem Minister Dr. Augustine Mahiga. Die Forderung der Opposition, im Falle einer Corona-Erkrankung die Todesursache zu veröffentlichen, lehnte das Präsidium des Nationalparlaments mit dem Verweis auf Datenschutz ab.
 

Staatspräsident bezeichnet Opposition als Geldempfänger der Imperialisten

Staatspräsident John Magufuli, der sich seit Wochen in seinem Heimatdorf Chato in der Geita Region aufhält, verschärft seine Wortwahl. Der Opposition, die sich in Selbst-Quarantäne begeben hat und damit den Parlamentssitzungen vorerst fernbleibt, teilte er den Entzug ihrer finanziellen Zuwendungen mit. In der Online-Ausgabe der Tageszeitung "The Citizen" vom 4. Mai wird Magufuli mit den Worten zitiert: "Sollen sie doch von den Imperialisten bezahlt werden, die sie unter Vertrag haben."

Sein Zorn gilt aber auch "einigen religiösen Führern", die ihr Gottvertrauen verloren und ihre heiligen Befehle als gute Hirten verloren hätten. Magufuli schloss dabei explizit die Muslime und die evangelischen Freikirchen aus. Die Bevölkerung warnt er ferner vor internationalen Medien, "die große spezielle Interessen" in ihrer Berichterstattung erkennen lassen würden. 

Gesundheitsministerin suspendiert Direktor des Nationalen Gesundheitslabors

Nachdem Staatspräsident John Magufuli angesichts der gestiegenen Corona-Infektionen 3. Mai eine Manipulation bei den Corona-Tests unterstellt hatte, suspendierte Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu einen Tag später den Direktor und den Qualitätsbeauftragten des Nationalen Gesundheitslabors. Ein 10-köpfiges Untersuchungskomitee soll die Vorgänge innerhalb von zehn Tagen untersuchen.

"Alles Teil der Vertuschung durch die Behörden"

In einem längeren Artikel setzte sich am 4. Mai die BBC mit der aktuellen Situation in Tansania auseinander. Sie berichtet von nächtlichen Beisetzungen von Corona-Opfern und zeigt einen Film aus den sozialen Medien, der eine nächtliche Beerdigung unter Schutzmaßnahmen dokumentiert. Die BBC zitiert Oppositionspolitiker und Aktivisten, die glauben, dass dieses Vorgehen Teil der Vertuschung durch die Behörden sein könnte, die keine regelmäßigen Updates zum Coronavirus veröffentlicht haben. Oppositionsführer Zitto Kabwe: "Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass die Regierung etwas versteckt. Ich möchte, dass sie ihre Rolle erfüllt. Im Moment erleben wir überall viel Trauer, Bestattungen und Leichen."

Das tansanische Gesundheitsministerium teilte am 3. Mai mit, dass es keine Nachtbestattungen mehr geben werde und dass die Familienmitglieder von nun an voll in die Bestattungsvorbereitungen einbezogen werden, um sicherzustellen, dass die Würde des Verstorbenen gewahrt bleibt.

"Night burials amid Tanzania's coronavirus defiance"
BBC vom 4.5.2020 (inkl. Videofilm)
 

Präsident Magufuli: Staatsfeinde haben Testgeräte manipuliert. Selbst eine Ziege und eine Papaya waren positiv

In einer TV-Rede aus seinem Heimatdorf Chato in der Geita Region hat Staatspräsident John Magufuli am 4. Mai mitgeteilt, dass er das Gesundheitsministerium und die Sicherheitsorgane des Landes beauftragt hat, die Corona-Testgeräte im Nationalen Gesundheitslabor zu überprüfen. Einige müssten defekt sein. Vermutlich seien sie von Leuten manipuliert worden, "die keine positiven Wünsche für dieses Land haben". So hätten seine Sicherheitsorgane Ziegen, Wachteln, Schafen, Autoöl und selbst einer Jackfruit (Maulbeergewächs) und einer Papaya Proben entnommen und sie mit menschlichen Namen in das Labor geschickt. Das Ergebnis: Die Ziege, die Wachtel und die Papaya waren positiv und das Schaf und die Jackfruit negativ. Magufuli: "Wenn das stimmt, dann hat die WHO einiges zu tun."

Magufuli machte ferner darauf aufmerksam, dass jedes Testkit aus dem Ausland kommt. Und der Präsident sieht noch eine weitere Gefahr: "Einige Menschen werden an der großen Angst sterben, die durch die Informationen erhalten haben."

Die Rede von Staatspräsident John Magufuli
 

89.000 Lehrer an Privatschulen seit 3 Monaten ohne Gehalt

89.000 Lehrerinnen und Lehrer an circa 2.000 Privatschulen erhalten seit der landesweiten Schulschließung im März kein Gehalt mehr. Sie unterrichten insgesamt circa 700.000 Schüler. Die Tanzania Private School Teachers' Union machte in einem Gespräch mit der Tageszeitung "The Citizen" auf die Lage ihrer Mitglieder aufmerksam, von denen jetzt viele vor dem finanziellen Ruin stehen.

Aber auch viele Träger von Privatschulen, die sich ausschließlich aus Schulgebühren finanzieren, stehen vor dem Aus. Bereits jetzt wird mit einem Einnahmeverlust von deutlich über 20 % gerechnet - und die Schließung aller Schulen ist von der Regierung auf unbestimmte Zeit verlängert worden. Deshalb haben sowohl die Träger als auch die betroffenen Lehrer die Regierung um finanzielle Unterstützung gebeten.

Sie ernteten jedoch von der Regierung eine Ablehnung: Eine staatliche Förderung von Privatschulen sei nicht vorgesehen, und außerdem hätten die Schulen im Vorfeld eine Versicherung abschließen können. Immerhin kündigte das Schulministerium an, im Rahmen der Parlamentsdebatte über den Landeshaushalt 2020/21 die Anliegen der Privatschulen zu berücksichtigen.

Staatspräsident prüft Fortsetzung der Tanzania Premier League

Staatspräsident John Magufuli hat seine Berater beauftragt, die Fortsetzung der Tanzania Premier League, der höchsten Spielklasse im tansanischen Fußball, zu prüfen. Während einer TV-Livesendung aus seinem Heimatort Chato in der Geita Region in Nordtansania kündigte er allerdings an, dass die Spiele wohl ohne Zuschauerbeteiligung durchgeführt werden müssten.

Ein Riss geht durch die Ostafrikanische Gemeinschaft. Ruanda sperrt Grenze für LKWs aus Tansania

Beim Kampf gegen das Coronavirus geht ein Riss quer durch die Ostafrikanische Gemeinschaft EAC. Während Kenia, Uganda und Ruanda sehr schnell harte Lockdowns organisiert haben, zum Teil mit Ausgangssperren und Einsatz von Polizei- und Militäreinheiten, haben Tansania, Burundi und Südsudan auf Lockdowns verzichtet. Zumindest in Ruanda scheint sich die harte Linie ausgezahlt zu haben: Die ersten Lockerungen werden gerade vorbereitet.

Deutlich wurde die Spaltung der EAC beim vergeblichen Versuch der Staatspräsidenten von Ruanda, Uganda und Kenia, ihre drei anderen Kollegen für eine gemeinsame Videokonferenz aller sechs Staatsoberhäupter zu gewinnen. Paul Kagame (Ruanda): "Mangelnde Koordination auf Präsidentenebene hat die Region für eine breite, grenzüberschreitende Verbreitung des Virus geöffnet." Uhuru Kenyatta (Kenia) sagte: "Bis wir zusammen kämpfen, werden wir zusammen verlieren."

Immerhin gab die EAC neue Richtlinien für den ostafrikanischen Warenverkehr heraus. Dort heißt es unter anderem, dass alle Grenzübergänge für Frachtverkehr offen gehalten werden sollen, damit LKWs möglichst schnell abgefertigt werden können.

Offensichtlich hat Ruanda jedoch inzwischen die Geduld verloren: Um die Einschleppung des Virus durch LKW-Fahrer zu verhindern, dürfen LKWs aus Tansania und Uganda die Grenze nicht mehr passieren. Sie müssen an der Grenzstation umgeladen werden. Alternativ ist auch eine Weiterfahrt mit einem LKW-Fahrer aus Ruanda möglich.
 

Überraschender Tod von Minister Augustine Mahiga

Vollkommen überraschend ist der amtierende Minister für konstitutionelle und rechtliche Angelegenheiten und ehemalige Außenminister Augustine Mahiga (CCM), 74, gestorben. Nach Medienberichten starb der international bekannte Politiker am 1. Mai in seiner Wohnung in Dodoma. Der Transport ins Krankenhaus kam zu spät, eine vorherige Erkrankung ist nicht bekannt. Nach dem tansanischen Pressegesetz darf unter Strafandrohung über die Todesursache weder informiert noch spekuliert werden. Eine Erkrankung am Coronavirus liegt jedoch nahe. Bereits in den Tagen waren zahlreiche Prominente und zwei Parlamentsabgeordnete überraschend gestorben. Bei einigen seien später von der Regierung die Räume desinfiziert worden. Mit Anna Mghwira, amtierende Regional Commissioner der Kilimandscharo Region, hat sich erstmals ein RC infiziert. Zwei Abgeordnete des Nationalparlaments starben überraschend wie Richard Ndassa, 61, am 30. April in Dodoma.

Augustine Mahiga war von 2003-2010 Vertreter Tansanias bei den Vereinten Nationen, von 2015-2019 Außenminister und seit 2019 Justizminister. Neben vielen anderen Ländern sprach auch die Bundesrepublik Deutschland ihr Beileid aus: "Deutschland hat einen großen Freund verloren."

Oppositionspartei Chadema geht geschlossen in eine 14-tägige Selbstquarantäne

So etwas hat es vermutlich auch noch nicht gegeben: Chadema, die größte Oppositionspartei Tansanias, hat am 1. Mai angekündigt, dass ihre Parlamentsabgeordneten zwei Wochen lang an keinen Plenums- und Ausschusssitzungen teilnehmen und sich stattdessen geschlossen in eine 14-tägige Selbstquarantäne begeben werden. Die Entscheidung fiel nach mehreren plötzlichen Todesfällen von Parlamentsabgeordneten.

10 Chadema-Abgeordnete haben jedoch am 4. Mai trotz des Parteibeschlusses an den laufenden Haushaltsberatungen teilgenommen. Parteichef Freeman Mbowe erklärt gegenüber der Tageszeitung "The Citizen", dass sich die Parteigremien mit der Angelegenheit befassen werden.
 

Anwalt verhaftet: Regierung untersagt jeden Ansatz von Kritik

Am 29. April ist in Arusha der prominente Anwalt Albert Msando verhaftet worden. Nach Medienberichten soll er am Tag zuvor bei einer Übergabe von Schutzmasken und Infektionsmitteln an Journalisten diese gebeten haben, wahrheitsgemäß über die Pandemie zu berichten, damit richtige Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus getroffen werden. Er sitzt jetzt im Gefängnis und es soll Anklage erhoben werden. Nach Angaben der Regionalbehörde stehen seine Äußerungen nur dem Gesundheitsministerium oder dem Büro des Premierministers zu. Regional Commissioner Mrisho Gambo hat die Polizei angewiesen, kritische Äußerungen zu unterbinden. Außerdem ordnete der RC an, dass ab sofort nur noch maximal 10 Personen an Beerdigungen teilnehmen dürfen. 

Albert Msando ist Stellvertretender Rechtsberater der Regierungspartei CCM und Stellvertretender Vorsitzender des Tanzania Forestry Research Institute.

Erneut scharfe Kritik der Opposition

Oppositionsführer Freeman Mbowe (Chadema) hat am 29. April die Regierung beschuldigt, Informationen zu verheimlichen und die Pandemie nicht ernst zu nehmen. Mbowe: "Wir sehen Menschen sterben, und ihre Bestattungen werden von der Regierung unter strengen Bedingungen überwacht. Aber sie sagt uns nicht, dass sie am Coronavirus gestorben sind. Es gibt keine Transparenz, und wenn Menschen keine Informationen haben, entstehen Gerüchte. Die Regierung behauptet, dass nur 16 Menschen am Coronavirus gestorben sind, aber das ist ein Witz." Mbowe sagte ferner, dass Magufuli, der überwiegend in seiner Heimatstadt Chato im Nordwesten Tansanias lebt, sich in einem "Zustand der Verleugnung" befindet.

Staatspräsident setzt nationalen Corona-Beauftragten ein

Nach dem rapiden Anstieg in Daressalam und einer Meldung über die Verbreitung des Virus auf 18 Regionen hatte die Opposition ein landesweites Lockdown gefordert, die Vereinigung der Anwälte ein 29-Punkte-Programm zur Corona-Bekämpfung vorgelegt und der erste evangelische Bischof für seine Diözese eine vorübergehende Aussetzung von Gottesdiensten verkündet. Staatspräsident John Magufuli traf sich in seinem Heimatort am Victoriasee mit führenden Sicherheitskräften seines Landes. Danach wurden über eine Woche lang keine Infektions- und Todeszahlen des Festlandes mehr veröffentlicht. Magufuli setzte mit seinem persönlichen Berater einen nationalen Corona-Beauftragten ein.

Magufuli erklärte in seinem Heimatort, dass ein Lockdown für Daressalam ausgeschlossen sei und dass er jetzt nur noch positive Nachrichten in Verbindung mit Corona hören möchte. Nicht jeder, der jetzt sterbe, würde an Corona sterben.

Nach einem sechsmonatigen Berufsverbot für einen Journalisten und einem sechsmonatigen Verbot der Online-Präsentation einer Tageszeitung in Zusammenhang mit ihrer Corona-Berichterstattung wurde der mehrtägige Verzicht auf aktuelle Corona-Fallzahlen von den tansanischen Tageszeitungen nicht kommentiert.
 

Kostenloses Wasser für alle

Die Regierung hat beschlossen, dass offene Wasserrechnungen vorübergehend nicht mehr dazu führen dürfen, dass Menschen in der jetzigen Zeit von der Wasserversorgung abgeschnitten sind. Entsprechende Schulden werden gestundet. Außerdem soll es in den Städten sogenannte Wasser-Kiosks geben, an denen sich die Familien mit kostenlosem Wasser versorgen können. 1000 Liter Wasser kosten in Tansania normalerweise 0,70 - 0,80 Euro.

Deutschland stellt 300 Millionen Euro zur Verfügung

Deutschland stellt 300 Millionen Euro für den Kampf gegen das Coronavirus in den Entwicklungsländern zur Verfügung. Nach Angaben des Auswärtigen Amts leistet die Bundesrepublik Deutschland damit einen Beitrag zum globalen Hilfsaufruf der Vereinten Nationen. Die UN will hauptsächlich von den Industrieländern zwei Milliarden US-Dollar für den Kampf der armen Länder gegen Corona einsammeln. Außenminister Heiko Maas: "Das Corona-Virus kennt keine Grenzen. Es trifft insbesondere die Menschen, die besonders gefährdet sind, weil sie in Kriegsgebieten oder Flüchtlingslagern leben oder in Staaten, deren Gesundheitssysteme durch die Pandemie völlig überfordert sind." Der Außenminister: "Nur zusammen werden wir die Pandemie dauerhaft besiegen. Sonst drohen immer wieder neue Infektionswellen."

5,6 Millionen Euro vom Global Fund für die Corona-Bekämpfung

Der Global Fund stellt Tansania ca. 5,6 Mill. Euro für des Bekämpfung des Coronavirus zur Verfügung. Laut Auskunft von Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu sollen davon ca. 3,8 Mill. Euro für die Schutzausrüstung des Klinikpersonals verwendet werden. Der Global Fund hat seinen Sitz in Genf. Seine Finanzmittel erhält er durch Beiträge von Regierungen und Unternehmen. Deutschland zählt zu den höchsten Beitragszahlern.

WHO kritisiert Tansania

Dr. Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin der WHO für Afrika, hat die tansanische Regierung für ihren Verzug bei der Einleitung drastischer Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung des Coronavirus kritisiert. Moeti erwähnte dabei insbesondere die Abstandshaltung und die Vermeidung von Massenversammlungen.

Uganda meldet immer mehr Corona-Infektionen bei tansanischen LKW-Fahrern

Uganda beklagt, dass immer häufiger LKW-Fahrer aus Tansania einreisen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind. Von 11 neuen Infektionen waren am 24. April alleine 7 tansanische Fernfahrer betroffen. Am 26. April kamen 4 weitere Fälle hinzu. Die erkrankten Fernfahrer wurden von Uganda nach Tansania zurückgeschickt.

Krankenhauspersonal fordert Schutzausrüstung. Patienten im Stich gelassen?

Die Medical Association of Tanzania (MAT) hat für das Krankenhauspersonal einen ausreichenden Vorrat an Schutzausrüstung gefordert. Ohne Vorsichtsmaßnahmen sei eine Betreuung von Corona-Erkrankten nicht möglich. Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu verwies auf die weltweiten Lieferschwierigkeiten, versprach jedoch weitere Bemühungen der Regierung. Mwalimu verurteilte das Verhalten von Krankenhausmitarbeitern, die wegen der fehlenden Schutzkleidung ihre Arbeitsplätze und ihre Patienten im Stich gelassen hätten. Die MAT dementierte diese Meldungen.

Fehlende Tourismus-Einnahmen gefährden den Tierschutz

Die wegen Corona ausbleibenden Touristen gefährden nach Angaben von Kaddu Sebunya, Chef der African Wildlife Foundation (AWF) den Tierschutz in Ostafrika. Zunehmend gebe es Probleme, Nationalparkverwaltungen und Parkranger zu finanzieren. In der Folge bestehe eine erhöhte Gefahr von Wilderei und ungelöster Konflikte im Zusammenleben von Menschen und Wildtieren im Umfeld der Nationalparks. Die vorhandenen finanziellen Ressourcen reichen vermutlich nur für drei Monate, danach sei eine zusätzliche Finanzierung des Tierschutzes notwendig. 

Sansibar baut eigenes Corona-Labor auf

Sansibar muss bislang noch alle Tests aufs Festland nach Daressalam schicken. Anlässlich des Beginns des Fastenmonats Ramadan hat der Präsident Sansibars, Ali Mohammed Shein, den Bau eines eigenes Untersuchungs- und Forschungslabors auf der Gewürzinsel angekündigt. Außerdem sollen möglichst schnell Quarantäne- und Versorgungsstationen gebaut werden. Shein appellierte eindringlich an die Inselbevölkerung, Menschenmengen zu meiden, "auch wenn es für die Gesellschaft schwierig ist". Denn Menschenmengen würden zu den schnellsten Verbreitungswegen gehören.

Staatspräsident lehnt Lockdown für Daressalam ab

Staatspräsident John Magufuli hat einen Lockdown für Daressalam, dem Epizentrum der Ausbreitung des Coronavirus in Tansania, abgelehnt. Magufuli: "Es gibt Leute, die vorgeschlagen haben, in Daressalam den Lockdown auszurufen. Das ist nicht möglich." Als das einzige Zentrum des Landes erwirtschafte Daressalam 80 % der landesweiten Einnahmen. Magufuli sagte, es müsse alles getan werden, um das Virus einzudämmen - mit Ausnahme eines Lockdowns für Daressalam.

Der Appell des Präsidenten, der die Regierungsgeschäfte gegenwärtig von seiner Heimatstadt Chato in Nordtansania aus führt: "Predigt positive Nachrichten über die Pandemie. Denn es ist nicht wahr, dass jeder, der stirbt, an Corona stirbt."

Magufuli begrüßte ferner die finanzielle Unterstützung Afrikas durch Institutionen wie die Weltbank. Noch besser wäre allerdings, Afrika in der Schuldentilgung entgegen zu kommen. Jeden Monat müsse Tansania 280 Millionen Euro für die Schuldentilgung aufbringen. Statt neuer Schulden würde ein Entgegenkommen bei den bereits existierenden Schulden dem Aufbau der Ökonomie Tansanias helfen.

Unbefristete Verschiebung der Form Six Examen

Die schulischen Form Six Examen, die am 4. Mai starten sollten, werden nach Mitteilung des Schulministeriums auf unbestimmte Zeit verschoben.

Erneutes Treffen der Regierung mit Kirchenführern

Premierminister Kassim Majaliwa hat sich am 22. April erneut der Unterstützung der Regierungslinie durch die christlichen Kirchen und den Islam versichert. Vertreter des ELCT bei dem Gespräch war Bischof Dr. Alex Malasusa. Die Katholische Kirche war durch Erzbischof Yuda Thaddaeus Ruwa'ichi beteiligt.
 

Erster evangelischer Bischof sagt Gottesdienste ab

Als erster Bischof der evangelischen und auch der katholischen Kirche in Tansania hat Dr. Benson Bagonza für seine Karagwe Diözese (ELCT) angekündigt, dass ab sofort keine Gottesdienste mehr durchgeführt werden. Er habe eine entsprechende Anweisung an alle Gemeindepfarrer verschickt. Bagonza: "So sehr wir uns auch wünschen, dass die Leute an den Gottesdiensten teilnehmen: Jetzt müssen wir die Gottesdienste absagen, um die Menschen zu schützen." Der Bischof, der bis 2016 Mitglied des Rates der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) war und heute Delegierter der Vollversammlung der VEM ist, traf seine Entscheidung nach der zweiten Corona-Infektion in der Kagera Region, die im Nordwesten des Landes liegt mit Bukoba als Hauptstadt.

Assistent des Staatspräsidenten wird neuer nationaler Corona-Beauftragter

Prof. Dr. Mabula Daudi Mchembe, 52, Arzt, bisheriger Assistent und Berater des Staatspräsidenten in Gesundheitsfragen, ist zum Staatssekretär im Gesundheitsministerium und zum landesweiten Corona-Beauftragten befördert worden. Seine Vorgängerin als Staatssekretär, Dr. Zainab Abdi Seraphin Chaula, wurde in ein anderes Ministerium versetzt. Dr. Mchembe hat in Tel Aviv und in Mannheim studiert.

Zum neuen Chief Medical Officer (CMO) wurde Prof. Dr. Abel Makubi ernannt, bisher Direktor des Bugando Medical Centers. Sein Vorgänger, Prof. Mohamed Bakari Kambi, wurde pensioniert.

Tanganyika Law Society: 29 Vorschläge für die Regierung

Die Tanganyika Law Society (TLS) hat der Regierung am 21. April - und damit zwei Tage vor Beginn des Fastenmonats Ramadan - 29 Vorschläge gegen eine weitere Verbreitung des Coronavirus vorgelegt: Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit erschwinglichen Grundnahrungsmitteln während eines dreiwöchigen landesweiten Lockdowns; Stundung von Kreditrückzahlungen für drei Monate; Entwicklung einer Strategie für den ökonomischen Sektor; dreimonatige Steuerfreiheit für Angestellte und Unternehmer; Erstellung eines Sonderprogramms zur Ernährung armer Familien; Versorgung des Krankenhauspersonals mit Schutzkleidung; Senkung der Wasserpreise; Verteilung von kostenloser oder zumindest billiger Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung; Verzicht auf öffentliche Gebete und Gottesdienste zugunsten von Radio- und Internetübertragungen u.a.m.

Die TLS befürchtet, dass angesichts der ansteigenden Infektionszahlen ohne diese Maßnahmen noch bis Jahresende die Schulen und Colleges geschlossen und alle Veranstaltungen abgesagt werden müssen.

Afrikanische Union verteilt 1 Millionen Test-Kits

Das Afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention (Africa CDC) hat am 18. April angekündigt, 1 Million Corona Test-Kits zur Verfügung zu stellen und über die Afrikanische Union an die Mitgliedsländer verteilen zu lassen. Länder wie Nigeria oder Äthiopien mit über 200 bzw. 100 Million Einwohnern verfügen aktuell nur über 6.000 bzw. 5.000 Test-Kits. Innerhalb der kommenden 3-6 Monate werden in Afrika nach CDC-Angaben ca. 15 Millionen Test-Kits benötigt.
 

Einstieg in die Produktion von Schutzmasken. Zahlreiche Firmenspenden

Zwei Firmen in Daressalam können jetzt 3,5 Millionen Schutzmasken pro Monat herstellen. Zahlreiche in Tansania tätigen Firmen haben zum Teil große Geldsumme für die Unterstützung des Kampfes gegen das Coronavirus gespendet.

Maskenpflicht in Daressalam

Paul Makonda, Regional Commissioner von Daressalam, hat verschärfte Schutzmaßnahmen für die Millionenmetropole angeordnet: Beim Verlassen der Wohnung muss eine Schutzmaske getragen und ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden. Geschäfte, Restaurants und Gaststätten dürfen nur noch auf der Basis "Take away" arbeiten. Die Märkte wurden vom RC aufgefordert, kurzfristig ein Sicherheitskonzept zu erstellen.

KCMC-Hospital in Moshi stellt eigene Gesichtsmasken her

Das KCMC-Hospital in Moshi will offensichtlich nicht länger auf die Lieferung der dringend benötigten Gesichtsmasken warten und ist daher in die eigene Maskenproduktion eingestiegen. Die angefertigten Exemplare sollen für das Krankenhauspersonal, die Patienten und die Besucher des Hospitals verwendet werden.
 

Klinikpersonal in Daressalam erkrankt

Nach Angaben der Tageszeitung "The Citizen" sind in Daressalam mehrere Mitarbeiter von Krankenhäusern am Coronavirus erkrankt. Die Medical Association of Tanzania (MAT) hat daraufhin mehr Schutz für das Gesundheitspersonal gefordert. Aktuell würden mehrere Infizierte um ihr Leben kämpfen.

Amana Hospital wird zentrales Corona-Hospital in Daressalam

Das westlich der Innenstadt gelegene Amana Hospital wird zentrales Corona-Hospital in Daressalam. Es soll sich ausschließlich um Corona-Patienten kümmern.

ELCT-Diözese verzichtet auf Kindergottesdienste

Nach den von Staatspräsident John Magufuli ausgerufenen drei landesweiten Gebetstagen gegen das Coronavirus am vergangenen Wochenende hat die Evangelische Tanganjika See Diözese (ELCT) mitgeteilt, dass sie zum Schutz vor dem Coronavirus vorübergehend auf Kindergottesdienste verzichten will. Der Konfirmationsunterricht soll jedoch fortgesetzt werden. Ebenso zwei sonntägliche Gottesdienste um 7.30 Uhr und um 10.00 Uhr unter Beachtung der Abstandsregelung. Sonstige Massenveranstaltungen werden nicht durchgeführt.

Weitere unbefristete Schließung von Schulen und Colleges. Verbot von Veranstaltungen und Kundgebungen

Alle Schulen und Colleges bleiben unbefristet geschlossen, Prüfungen werden verschoben. Der Premierminister sagte die Feierlichkeiten zum 56. Jahrestag des Zusammenschlusses von Tanganjika und Sansibar am 26. April ab, ebenso Veranstaltungen und Kundgebungen am 1. Mai. Die für den Union Day bereitgestellten Mittel werden der Regierung von Sansibar für die Bekämpfung des Coronavirus zur Verfügung gestellt.

Ebenso sind Sport- und Musikveranstaltungen, politische Veranstaltungen, Versammlungen oder Feierlichkeiten bis auf unbestimmte Zeit untersagt. Weiterhin gestattet sind Gottesdienste und Gebete in der Moschee. Mundschutz wird landesweit noch nicht vorgeschrieben. Der Premier forderte alle Tansanier auf, zu Hause zu bleiben und alle unnötigen Aktivitäten außerhalb des Hauses zu unterlassen.
 

Frankreich unterstützt Afrika mit 1,2 Mrd. EUR

Nach Angaben des französischen Botschafters in Daressalam will Frankreich die afrikanischen Länder, darunter auch Tansania, mit 1,2 Mrd. EUR im Kampf gegen das Coronavirus und die ökonomischen Folgeschäden unterstützen.

Schuldenmoratorium für Afrika

Den 77 ärmsten Entwicklungsländern sollen auf Beschluss der Finanzminister der G20-Staaten die Zins- und Schuldenrückzahlungen gestundet werden. Das Schuldenmoratorium ist begrenzt auf das Jahresende 2020. Zuvor hatten bereits die G7-Staaten und der IWF entsprechende Beschlüsse gefasst. Der IWF befürchtet für Afrika wegen der Corona-Pandemie eine große Gesundheits- und Wirtschaftskrise.

In einem gemeinsamen Appell hatten zuvor 18 afrikanische und europäische Staats- und Regierungschefs zu Einigkeit und Solidarität angesichts der Corona-Krise aufgerufen. "Dieses Virus kennt keine Grenzen", heißt es in dem auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterzeichneten Appell.

Tansania fällt nicht unter den Corona-Schuldenerlass des IWF

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat 25 der weltweit ärmsten Länder wegen der Corona-Krise einen Teil ihrer Schulden erlassen. In den kommenden sechs Monaten brauchen sie ihre Schulden beim IWF nicht zurückzahlen. Für diese Maßnahme wurden 500 Millionen Dollar aus dem neuen Katastrophenfonds des IWF zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zu Ländern wie den Komoren, Malawi, Mosambik und Ruanda gehört Tansania jedoch nicht zu den betroffenen Ländern.

Gesundheitsministerin dankt Deutschland

Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu hat Deutschland für die Unterstützung der Regierung im Kampf gegen die Pandemie gedankt. Die KfW hätte 5.400 Test Kits für die sechs Länder der Ostafrikanischen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt, davon seien bereits 500 in Tansania angekommen. In Kooperation mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (Hamburg) werde außerdem ein Intensivtraining für Laborexperten durchgeführt.
 

Magufuli und Leitung der Evangelischen Kirche (ELCT) Hand in Hand

Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche von Tansania (ELCT), Bischof Frederick Shoo, hat "mit Freude" von einem Gespräch am Osterwochenende mit Staatspräsident John Magufuli berichtet. Er habe dem  Präsidenten versprochen, die von der Regierung vorgegebenen Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus zu unterstützen. Shoo predigte Ostersonntag in einer vollbesetzten Kirche in Moshi, im gesamten Land fanden evangelische und katholische Gottesdienste statt - meist mehrfach hintereinander. Die Schutzmaßnahmen bestanden darin, dass sich die Gläubigen vor dem Betreten der Kirche die Hände wuschen und einen Meter Abstand zu ihrem Sitznachbarn halten sollten. Auf den Friedensgruß oder auf das obligatorische Küssen des Kreuzes durch die Gemeinde wurde verzichtet. Shoo sagte, er sei sich mit dem Präsidenten darüber einig gewesen, dass die Angst überwunden werden müsse.

Der Regional Commissioner der Kagera Region, Brigadegeneral Marco Gaguti, hat am 15. April in Bukoba der ELCT für ihre Unterstützung der Regierung in der Corona-Bekämpfung gedankt.

Staatspräsident bereitet sein Volk auf mögliche Lebensmittelknappheit vor

Staatspräsident John Magufuli hat am Karfreitag erneut eine Rede in einer Kirche gehalten. In seinem Heimatort im Chato District in Nordtansania bereitete er die Bevölkerung darauf vor, dass als Folge der Pandemie eine Lebensmittelknappheit wahrscheinlich sei. Daher sollten alle Tansanier hart arbeiten, um diese Herausforderung zu bewältigen.

Magufuli begründete seine Entscheidung, die Landesgrenzen von tansanischer Seite aus nicht vollständig zu schließen: Der Zugang der Nachbarstaaten zum Hafen in Daressalam müsse über die zentralen Transportkorridore weiterhin möglich sein.

Erneut ging der Präsident auch auf religiöse Fragen ein. Er sagte, dass durch die Kreuzigung Jesu Gott die Menschheit vor den weltweiten Desastern wie die Corona-19 Pandemie retten werde. Weiterhin ist Magufuli nicht bereit, Kirchen und Moscheen als Vorsichtsmaßnahme gegen die Verbreitung des Virus vorübergehend schließen zu lassen.

Filmbeitrag des SPIEGEL vom 10.4.2020 zur aktuellen Lage in Afrika (Länge: 4 Min.)

Opposition fordert "Lockdown" für Tansania

Die Opposition in Sansibar und auf dem Festland fordert ein "Lockdown", um die weitere Verbreitung des Coronavirus zu stoppen. Oppositionsführer Seif Shariff Hamad (Sansibar) verlangt nach Angaben von Ippmedia von der Regierung "ein totales Lockdown" und einen Aufruf an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Oppositionspolitiker auf dem Festland fordern zudem eine Zusammenkunft der Führer aller gesellschaftlichen Gruppen, um über die sozio-ökonomischen Auswirkungen der Krise zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, wie die Versorgung der Bevölkerung aufrecht erhalten werden könne.
 

Schließung von Bars in Daressalam. Gewaltsame Polizeieinsätze in Gaststätten

In mehreren belebten Stadtteilen von Daressalam dürfen seit dem 18. April nur noch Getränke "to go" verkauft werden. Einige Bars haben daraufhin ihren Betrieb eingestellt. Nach Medienberichten gab es bereits in verschiedenen Stadtteilen gewaltsame Polizeieinsätze gegen volle Bars und Gaststätten.

Regional Commissioner der Kagera Region verbietet alle Sport- und Freizeitaktivitäten

Der Regional Commissioner der Kagera Region, Brigadegeneral Marco Gaguti, hat alle Sport-, Freizeit- und Unterhaltungsaktivitäten verboten und die Polizei angewiesen, entsprechende Handlungen sofort zu unterbinden. Gaguti appellierte an die Eltern, die Schließung der Schulen nicht als zusätzliche Schulferien zu interpretieren und mit den Kindern in großen Gruppen am Strand zu spielen.

Neubau eines Corona-Krankenhauses in Rekordzeit

Mit Unterstützung der Armee will die Regierung kurzfristig ein Krankenhaus für Epidemie-Patienten bauen, das Platz für 200 Corona-Erkrankte bieten wird. 389 Soldaten sollen das Gebäude innerhalb von nur 6 Monaten bauen. Der erste Bauabschnitt wird laut Planung bereits am 30.4.2020 fertiggestellt sein. Das neue Hospital, dessen Baukosten mit 2,8 Millionen Euro angegeben wurden, liegt in Kisoka in der Nähe des Mloganzila Hospitals. Das Gebäude für 40 Corona-Patienten in Kibaha ist bereits in Betrieb.

District Commissioner verbietet Nachtmärkte

Der District Commissioner des Kahama Districts (Shiyanga Region) hat Lebensmittel-Nachtmärkte verboten. Nachts würden viele Marktbesucher das Händewaschen vor dem Verzehr von Speisen nicht beachten. Er verbot außerdem Spiele in der Öffentlichkeit wie Bao, Dame oder Kartenspiele.

Hauskontrollen im Mbeya District

Der District Commissioner von Mbeya hat am 16. April eine "House to House Campaign" angekündigt. Die Behörden werden demnach ab sofort in allen Häusern des Districts kontrollieren, ob Wassereimer, Seife und Desinfektionsmittel vorhanden sind. Bürger beschwerten sich indes, dass der Preis für einen Plastikeimer inzwischen von 5.000 TSH (ca. 2 EUR) auf 20.000 TSH (ca. 8 EUR) angestiegen sei. Dies könnten sich viele Familien nicht mehr leisten.
 

10 Mrd. USD Soforthilfe durch die afrikanische Entwicklungsbank

Die Afrikanische Entwicklungsbank stellt Afrika 10 Mrd. US-Dollar für den Kampf gegen den Coronavirus zur Verfügung. Bankpräsident Akinwumi Adesina erklärte, dass Afrika in einer schwierigen Zeit finanziell geholfen werden solle.

EU stellt Entwicklungsländern 15 Mrd. Euro in Aussicht

Die EU hat den Entwicklungsländern eine Corona-Hilfe in Höhe von ca. 15 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Allerdings handelt es sich um umgewidmete Mittel aus anderen Projekten. Dem deutschen Entwicklungsminister Gerd Müller reicht das nicht.

Krisengipfel in China wegen Diskriminierung von Afrikanern

Am 9. April fand in Peking eine Krisensitzung des chinesischen Außenministers mit den afrikanischer Botschaftern statt. Es ging um die in sozialen Medien per Foto und Film dargestellten Diskriminierungen von in China lebenden Afrikanern. Es wird von Menschenrechtsverletzungen, Zwangsräumungen aus Wohnungen und Hotels sowie Vertreibungen von öffentlichen Plätzen, aus Kaufhäusern, Restaurants und Krankenhäusern berichtet. Hintergrund sei die Angst vor einer Einschleppung des Coronavirus aus Afrika. Der tansanische Botschafter Kairuki erklärte, dass ihm Verfolgungen von Tansaniern in China bislang nicht bekannt seien.
 

Daily News: "Wir sollten den Zahlen der Regierung vertrauen"

Die regierungsnahe Tageszeitung Daily News berichtete am 7. April, dass es in der Gesellschaft Kritik an der von der Regierung übermittelten Statistik gibt - vor allem, was die Zahl der Infektionen betrifft. Sie ist im Vergleich zum Nachbarland Kenia eher niedrig. Daily News ist jedoch der Meinung, dass "diese Zahlen verdeutlichen, dass die Ansteckung durch den Coronavirus nicht so schlimm ist wie befürchtet". Die Zeitung meint: "Wir sollten den Zahlen der Regierung vertrauen". Bespielhaft wurde aufgeführt, dass vor dem Betreten von Supermärkten, Krankenhäusern oder Kirchen vorsorglich die Körpertemperatur gemessen wird. In einer Kirche in Daressalam sei am vorletzten Sonntag bei drei Gottesdiensten mit insgesamt circa 3.000 Besuchern nicht in einem einzigen Fall Fieber festgestellt worden worden.
Daily News vom 7.4.2020

Manager von Diamond Platnumz: "Corona bedeutet nicht automatisch das Todesurteil"

Sallam Sharaf, der am Coronavirus erkrankte Manager von Tansanias Musik-Superstar Diamond Platnumz, ist wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er dankte Allah, den Ärzten, den Krankenschwestern und der Regierung für seine Heilung. Der verängstigten Bevölkerung müsse vermittelt werden, dass eine Corona-Erkrankung nicht automatisch das Todesurteil bedeute. Sharaf erklärte, er sei in Frankreich während der Europatournee seiner Band erkrankt, dann aber trotz des Corona-Verdachts noch kurzfristig mit dem Flugzeug über Zürich nach Daressalam geflogen.
 

Bill Gates: "Die armen und weniger reichen Länder jetzt nicht aus dem Auge verlieren"

Bill Gates appelliert, die armen und weniger reichen Länder jetzt nicht aus dem Blick zu verlieren. Bill Gates: "Indem wir Ländern in Afrika und Südasien helfen, sich jetzt vorzubereiten, können wir Leben retten und gleichzeitig die globale Verbreitung des Virus verlangsamen". Bill Gates will mit der Bill & Melinda Gates Stiftung mehrere Milliarden US-Dollar bereitstellen, um die Ausstattung für sieben erfolgversprechende Forschungsprojekte für eine Corona-Impfung zu finanzieren. Am Ende sollten dann die beiden erfolgreichsten Forschungen eine Anschlussfinanzierung erhalten.
The Blog of Bill Gates

David Alaba (Bayern München): "Das ist rassistisch"

Nicht nur David Alaba (Bayern München), dessen Vater aus Nigeria stammt, findet den Vorschlag französischer Wissenschaftler, einen möglichen Impfstoff gegen Corona in Afrika testen zu lassen, rassistisch. 
Artikel in der Welt vom 6.4.2020
 

Flüchtlingslager sollen abgeriegelt werden

Die Flüchtlingslager bei Kigoma am Tanganjikasee sollen von der Polizei hermetisch abgeriegelt werden, um bei einem möglichen Ausbruch von Corona die Verbreitung des Virus in die umliegenden Regionen zu verhindern. Ippmedia berichtete am vorletzten Samstag, dass dafür im Grenzgebiet zu Burundi auch alle LKWs auf Flüchtende überprüft werden sollen. Flüchtlinge, die sich nach Ansicht der Regierung illegal in Tansania aufhalten, werden auch weiterhin nach Burundi abgeschoben.

Ostafrikanische Gemeinschaft finanziert Tansania zwei mobile Teststationen

Tansania wird durch die Ostafrikanische Gemeinschaft mit zwei mobilen Teststationen ausgestattet, die vor allem im ländlichen Raum Corona-Tests durchführen sollen. In den Allrad-Fahrzeugen kann auch eine Erkrankung mit Ebola oder mit dem Marburgfieber festgestellt werden.

Daressalam richtet 24 Corona-Teststellen ein

Der Regional Commissioner von Daressalam, Paul Makonda, hat auf die täglich wachsende Zahl von Infektionen in der Millionenstadt reagiert und die Einrichtung von 24 Corona-Teststellen in 24 Stadtteilen angekündigt. Dadurch soll verhindert werden, dass Infizierte zur nächsten Gesundheitsstation laufen und dort weitere Personen anstecken. Die offiziellen Teststellen werden in bereits vorhandenen Krankenhäusern und Gesundheitsstationen eingerichtet.

Tansania schreibt 610 neue Arztstellen aus

Die Regierung Tansanias hat 610 neue Arztstellen ausgeschrieben. Gesucht werden auch "Grade II Doktors" oder Ärzte mit Bachelor-Abschluss, die eine staatlich anerkannte Universität besucht haben und bereit sind, zur Bekämpfung des Coronavirus in einem Krankenhaus oder in einer Gesundheitsstation, insbesondere auch in ländlichen Regionen, zu arbeiten. Bereits Anfang des Jahres hatte der Staatspräsident die Schaffung von 1000 neuen Arztstellen angekündigt.

Besserer Schutz des Klinikpersonals und Unterbringungskonzept für Kliniken gefordert

Dr. Elisha Osati, Präsident der Medical Association of Tanzania (MAT), hat am 2. April auf einer Pressekonferenz in Daressalam einen besseren Schutz des Klinikpersonals und ein Unterbringungskonzept für Kliniken gefordert. Die Bemühungen der Regierung seien zwar "lobenswert", jedoch müsse dringend die Ausstattung des Personals mit Schutzkleidung erfolgen. Ferner sollten Patienten mit Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder mit Herzmuskelerkrankungen sowie ältere Patienten aus den großen Kliniken in kleinere Krankenhäuser verlegt werden, um sie zu schützen und um gleichzeitig ausreichend Platzkapazitäten für die zu erwartenden Corona-Patienten zu schaffen.

In verschiedenen Landesteilen Tansanias wurden Workshops für Krankenhauspersonal und Aufklärungskampagnen durchgeführt.

Parlamentsausschüsse fordern Strategie für die Wirtschaft

Mehrere Parlamentsausschüsse haben die Regierung aufgefordert, eine Strategie zu entwickeln, wie die Coronakrise in Tansania wirtschaftlich aufgefangen werden kann. Die Regierung müsse sich mit Unternehmern, Händlern etc. treffen und mögliche Maßnahmen wie Steuersenkungen oder die Stundung von Krediten besprechen. Es gehe um den Verlust von Arbeitsplätzen und die Schließung von Betrieben. Aktuell besonders betroffen sei die Tourismusindustrie.
 

Deutscher Entwicklungsminister Müller: Afrika jetzt nicht alleine lassen

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) betont, dass der Westen die Länder Afrikas jetzt nicht alleine lassen dürfe. „Die Staatengemeinschaft muss schnell liefern“, schrieb Müller in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Neben millionenschweren Soforthilfen will der CSU-Politiker praktische Unterstützung bereitstellen – etwa bei der Schulung von Labor- und Klinikpersonal.

Viel Hoffnung setzt Müller auf „Corona-Tools“: In Deutschland entwickelte Apps, mit denen „Informationen über Infizierte und Kontaktpersonen in Echtzeit schnell und unkompliziert“ weitergegeben werden können – für ein besseres „Management und Monitoring“ der Coronakrise.  Aus: Der Tagesspiegel vom 29.3.2020

2 Mrd. US-Dollar der UN für Entwicklungsländer

Die UN stellt 2 Mrd. US-Dollar bereit, um Entwicklungsländer im Kampf gegen den Coronavirus zu unterstützen. Das Geld soll vor allem für Testgeräte, medizinisches Equipment und den Schutz des medizinischen Personals verwendet werden. Außerdem für Kommunen mit Flüchtlingsunterkünften und -lagern.

Oxfam, der internationale Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, verlangt ein Schuldenmoratorium für afrikanische Länder.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat am 1. April in Genf einen Schuldenerlass für ärmere Länder gefordert. Nur so seien sie in der Lage, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Folgen der Pandemie zu bewältigen. Ghebreyesus: "Wir müssen zusammenstehen, um dieses unbekannte und gefährliche Virus zu bekämpfen".
"Afrika: Millionen Jobs durch Corona in Gefahr" Deutsche Welle vom 6.4.2020

Die tansanische Opposition fordert ein Versorgungskonzept für die arme Bevölkerung.
 

Abgelaufene Visa und Reisepässe von Ausländern können verlängert werden

Abgelaufene Reisepässe von Ausländern, die wegen der Coronakrise das Land nicht verlassen können, werden auf Antrag um einen Monat verlängert, Visa im Notfall um drei Monate.

Weltweite Reisewarnung bis zum 14. Juni

Deutschland hat bis Ende April eine weltweit gültige Reisewarnung ausgesprochen, die Touristen eine kostenlose Stornierung ihrer Pauschalreise ermöglicht. Die Reisewarnung wurde vom Auswärtigen Amt bis zum 14. Juni verlängert.
 

Tourismus am Boden

Die immer noch gültige 14-tägige Quarantäne für einreisende Ausländer und die Einstellung des kompletten Flugverkehrs durch die Regierung hat den Tourismus komplett zum Erliegen gebracht. Tanzania Tourist Board (TTB) bittet die Touristen angesichts dieser Situation um "Verschiebung statt Absage".

Neben den Hotels, Restaurants, Lodges, Sehenswürdigkeiten und Kunsthandwerksläden sind auch die Konferenzzentren in Arusha betroffen. Die Großstadt hängt zu 70 % von den Einnahmen aus dem Tourismus ab, 40 % der Arbeitsplätze befinden sich in diesem Bereich. Hinzu kommt dann auch noch der Corona-bedingte Niedergang der tansanischen Blumenindustrie, die keinen Absatz mehr auf dem europäischen Markt findet.

Tourismusbranche fordert Rettungspaket

Tansanische Tourismusverbände fordern von der Regierung für ihren Bereich ein nationales Rettungspaket. Der Tourismus mit seinen angestrebten 2 Millionen Besuchern im Jahr 2020 sei komplett zusammengebrochen. Die Zahl der Serengeti-Besucher ist um 99,6 % von durchschnittlich 6.000 auf 24 pro Tag gesunken. Sansibar bezieht 80 % seiner ausländischen Einnahmen aus dem Tourismus. Gefordert werden Kredite, Steuersenkungen bzw. -befreiungen, reduzierte Pachtkosten und eine weltweite PR-Kampagne für den tansanischen Tourismus nach dem Ende der Pandemie. In Tansania gibt es über 500 Reiseveranstalter. Betroffen sind aber auch Hotels, Lodges, Restaurants, Souvenirshops, Guides, Autofahrer, Busunternehmen u.a.m.
 

Viel beachtete Rede von Magufuli in vollbesetzter Kirche

In der vollbesetzten St. Paul's Catholic Church in Dodoma hat der Staatspräsident am 29. März eine viel beachtete Rede gehalten, in der er die Tansanier aufforderte, hart weiterzuarbeiten und sich nicht entmutigen zu lassen. Die Regierung werde im Kampf gegen das Virus nicht aufgeben. Magufuli: "Ich glaube, dass die Seuche von Satan gebracht wurde, und der einzige Weg, diesen Kampf zu gewinnen, geschieht durch Gott." Er fuhr fort: "Wir haben uns gegenseitig mit Covid-19 Angst gemacht, als gäbe es keine andere Seuche, die Menschen tötet: Aids, tötet, Krebs tötet, Autounfälle töten viele Menschen." Ansonsten sei in Tansania bislang noch nichts Schlimmes passiert, und durch den Glauben an Gott gehe die Seuche vorbei wie ein böser Geist. Die Opposition kritisierte die Rede und forderte, wie in Uganda, Ruanda und Kenia Gottesdienste zu untersagen.

"Coronavirus in Tansania: Der gottgläubige Präsident"
TAZ vom 1.4.2020

 

Rückreise aller Weltwärts-Freiwilligen

Angesichts der sich stetig verschärfenden Situation um die weltweite Ausbreitung des Corona Virus hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Rücksprache mit dem Auswärtigen Amt alle im Ausland befindlichen Freiwilligen nach Deutschland zurückgeholt.
Weitere Infos auf der Homepage von Weltwärts

Ausreisegenehmigung für Tansanier nur noch in dringenden Fällen / Einreisestopp der EU

Tansanier dürfen nur noch in nachweislich dringenden Fällen das Land verlassen. Dies gilt auch für Mitglieder der Regierung. Durch die Schließung der EU-Grenzen können bis Ende April aber sowieso keine Tansanier mehr nach Deutschland oder Österreich einreisen.


Hinweis

Verfügen Sie über eigene neue Informationen zur aktuellen Corona-Situation in Tansania? Oder sollten an den o.a. Infos Korrekturen vorgenommen werden? Bitte teilen Sie uns dies mit. Herzlichen Dank vorab!
 


Links (Tansania)


Infos zur aktuellen Situation in Bagamoyo


Medienberichte zur Situation in Tansania:

"Corona-Krise und Wahlkampf: Tansania verschärft Pressezensur"
Deutschlandfunk vom 19.8.2020 (Radiobeitrag, 4:40 Min.)

"Tansanias Präsident Magufuli: Der Bolsonaro Afrikas treibt Corona mit Gebeten aus"
Welt vom 16.8.2020

"Mtwara: Die Not der Infizierten ist groß"
Westfälische Nachrichten vom 5.7.2020

"Tansania: 'Niemand weiß, wie viele Infizierte es gibt'“
Die neue Südtiroler Tageszeitung vom 29.6.2020

"Tansania – eine aufregende Reise ins Unbekannte"
Niederhein Nachrichten vom 18.6.2020

"Tansanias Präsident hebt trotz Kritik Corona-Einschränkungen auf"
finanzen.net vom 16.6.2020 (dpa)

"Tansania versteckt seine Corona-Toten"
Spiegel vom 13.6.2020

"Tansania: Den 'Corona-Dämon' austreiben"
Badische Zeitung vom 5.6.2020

"Trotz Corona: Entwicklungshelfer aus Zollenreute bleiben in Tansania"
Schwäbische vom 5.6.2020

"Freiwilligendienst: Zwei junge Ahauser müssen wegen Corona Zeit in Afrika abrupt beenden"
Münsterland Zeitung vom 31.5.2020

"Corona-Pandemie in Afrika: Mehr Armut, Krisen und Konflikte?" (inkl. Tansania)
Konrad-Adenauer-Stiftung vom 29.5.2020

"Keine Belege, dass in Tansania eine Papaya und eine Ziege positiv auf das Coronavirus getestet wurden"
Correctiv vom 27.5.2020

"Robert Koch: Der berühmte Forscher und die Menschenexperimente"
Spiegel vom 27.5.2020

"Planierraupe und Paranoia"
Frankfurter Rundschau vom 25.5.2020

"Kräutertrank aus Afrika soll gegen Corona helfen"
'Die Presse' vom 8.5.2020

"Beatmungsgeräte in Mbinga eingetroffen"
Mainpost vom 7.5.2020

"Opposition in Tansania boykottiert Parlament nach Corona-Ausbruch"
evangelisch.de vom 2.5.2020

"Corona: Waisenhaus geräumt"
Westfalenblatt vom 28.4.2020

"Große Sorgen um Freunde in Afrika"
onetz.de vom 27.4.2020

"Dachauer Praktikantin hilft Tansania: Anders als geplant"
Süddeutsche Zeitung vom 20.4.2020

"Beatmungsgeräte in Mbinga eingetroffen"
bistum-wuerzburg.de vom 20.4.2020

"Corona in Tansania und Südafrika: Afrika hat von anderen Epidemien gelernt"
Deutschlandfunk Kultur vom 15.4.2020

"Selbst ist das Volk"
Internationale Politik und Gesellschaft vom 6.4.2020

"Corona in Tansania: Widersprüchlicher Umgang mit der Krise"
Vorwärts vom 3.4.2020

"Zu Hause bleiben? In Tansania können sich das die wenigsten leisten"
Spiegel vom 3.4.2020

"Coronavirus in Tansania: Der gottgläubige Präsident"
TAZ vom 1.4.2020

"Schnell und gut: Wie man auf der Urlaubsinsel Sansibar mit der Corona-Krise und dem Wegbleiben der Touristen umgeht"
Süddeutsche Zeitung vom 1.4.2020
 


Links (Afrika)


Weitere Medienberichte der zwei Monate zur Situation in Afrika:

"Minister Müller: "Corona stoppt Erfolge im Kampf gegen Armut und Hunger"
BMZ vom 7.10.2020

"Weltbank: Corona-Krise stürzt 115 Millionen Menschen in extreme Armut"
Deutschlandradio vom 7.10.2020

"Corona: Deutscher Afrika-Handel geht zurück"
Deutsche Welle vom 25.9.2020

"Forum Fairer HANDEL: 'Wir brauchen einen Neustart!'“
"Lebensmittel Praxis" vom 25.9.2020

"Entwicklungsminister: Corona verschärft Krisen in Afrika"
evangelisch.de vom 23.9.2020

"In Corona-Zeiten haben Wahltermine in Ostafrika ihre Tücken"
Neue Zürcher Zeitung vom 22.9.2020

"Was bremst die Corona-Pandemie in Afrika?"
Deutschlandfunk vom 8.9.2020

"Kampf mit der Ungewissheit"
Süddeutsche Zeitung vom 5.9.2020

"COVID-19 in Afrika: Pandemie weniger schlimm als erwartet"
Deutsche Welle vom 4.9.2020

"Afrika kommt bislang relativ gut durch die Coronakrise - woran liegt das?"
web.de vom 18.9.2020

"Fernreisen und Entwicklung: Besser noch etwas abwarten"
Süddeutsche Zeitung vom 18.9.2020

"Zoologische Gesellschaft : Artenvielfalt als Schutz vor Pandemien"
FAZ vom 9.9.2020

"Südafrikas Wirtschaft kollabiert"
Godmode Trader vom 9.9.2020

"Prostitution: Zwischen COVID-19 und Diskriminierung - Sexarbeit in Afrika"
Deutsche Welle vom 2.9.2020

"Auswirkungen auf fairen Handel"
meinbezirk.at vom 2.9.2020

"Corona-Schließungen in Kenia: Droht eine verlorene Generation?"
Berliner Zeitung vom 31.8.2020

"Welche Auswirkungen haben Corona-Maßnahmen auf Malaria?"
detektor.fm vom 25.8.2020

"120 Millionen Jobs im Tourismus wegen Corona bedroht"
FAZ vom 25.8.2020

"Corona-Pandemie: Kommt Afrika glimpflich davon?"
Tagesschau vom 20.8.2020

 

Afrika im Blick der Deutschen Welle