Sklaverei, Kolonialismus, Missionare und Entdecker

Bis zum 18. Jahrhundert: Unbedeutender Handelsort

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts ist Bagamoyo ein kleiner, recht unbedeutender Handelsort. Gegenstände des Handels sind u.a. Fisch, Salz, Kautschuk u.a. Die Mehrheit der Bevölkerung setzt sich zusammen aus Fischern und Bauern.

Im 8. und 9. Jahrhundert siedeln sich bereits an der ostafrikanischen Küste die ersten Araber an, die von den meisten Historikern als "Shirazi" bezeichnet werden. Eine nächste Shirazi-Einwandererwelle setzt im 10. Jahrhundert ein und eine dritte, nachdem Mongolen 1352 die persische Stadt Shiraz erobert haben. Der Historiker Mturi geht davon aus, dass das heutige Kaole ebenfalls den Shirazi zuzuordnen sei.

19. Jahrhundert: Die Araber kommen. Bagamoyo wird zum Umschlagplatz des ostafrikanischen Sklavenhandels

Die Bedeutung des Ortes ändert sich schlagartig, als die arabischen Sklavenhändler Bagamoyo als Endpunkt ihrer Sklavenkarawanen aus dem Landesinnern nutzen. Ende des 18. Jahrhunderts siedeln sich ca. 12 muslimische Familien in Bagamoyo an, allesamt Verwandte des Shomvi la Magimba aus Oman. Ihren Lebensunterhalt verdienen diese Familien nicht nur durch die Erhebung von Steuern (selbst für das Schlachten von Ziegen oder für den Fischfang werden Steuern erhoben), sondern auch durch den Handel mit Salz, der in Nunge, drei km nördlich von Bagamoyo, gewonnen wird.

In Bagamoyo werden Sklaven eingekerkert und nachts per Schiff nach Sansibar auf den Sklavenmarkt gebracht. Dementsprechend bedeutet Bagamoyo ("Bwaga-Moyo") auch "Leg dein Herz nieder". Wer einmal von Bagamoyo deportiert wird, hat nie wieder eine Chance, seine Heimat wiederzusehen.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die beeindruckende Erzählung "Tears of fear, tears of joy - die Geschichte des Sklavenmädchens Siwema", herausgegeben von der Katholischen Mission Bagamoyo.

1868: Die Katholische Mission wird gegründet

Im Jahre 1868 schenken Muslime den "Vätern des Heiligen Geistes" Land, um nördlich des Ortes Bagamoyo eine Mission zu bauen - die erste Mission Ostafrikas. Der Widerstand des einheimischen Zaramo-Volkes gegen diese Landübergabe wird nach Intervention des französischen Konsuls auf Sansibar von Sultan Majid bzw. nach 1870 von Sultan Barghash erstickt.

1892 wird das Gelände der Mission erweitert durch ein Landgeschenk des Muslimen und Philanthropisten Sewa Haji, ursprünglich aus dem heutigen Pakistan stammend und unermesslich reich als Eigentümer zahlreicher Läden in Bagamoyo, Karawanenausrüster und Textilien-, Kupfer-, Schießpulver-, Elfenbein- und Nashorn-Händler. Er übergibt der Mission 20.000 ha Land und eine dreistöckige Schule für multirassische Erziehung (Afrikaner, Asiaten, Europäer) in der Stadtmitte von Bagamoyo (die heutige Mwambao Primary School). Sewa Haji errichtet außerdem das Krankenhaus von Bagamoyo, das später von den Deutschen übernommen wird.

19. Jahrhundert: Ausgangspunkt der Forschungsreisen von Livingstone & Co.

Doch Bagamoyo ist nicht nur Umschlagplatz für Sklaven und Waren (z.B. Elfenbein oder Kopra aus der Kokosnuss für die Seifenherstellung) sowie ein Zentrums des Bootsbaus, sondern auch Ausgangspunkt für die ersten europäischen "Entdecker". Sie starten in Bagamoyo, um von hier aus die Nilquellen zu finden oder die damals noch geheimnisumwitterten Binnenseen zu erforschen. In Bagamoyo starten u.a.: Livingstone, Burton, Speke (gemeinsam mit Grant, um die Frage der Nilquellen zu lösen), Stanley (1871 mit 192 Begleitern und 6 Tonnen Ausrüstung, um den verschollenen Livingstone zu finden sowie 1889, als er mit seiner von 708 auf 196 Personen reduzierten Mannschaft von einer 3-jährigen Expedition zurückkehrt) und Grant.

Dem britischen Entdecker Richard Burton, der gemeinsam mit Speke als erster Europäer den Tanganjikasee erblickte, hat der Schriftsteller Ilija Trojanow mit seinem Bestseller "Der Weltensammler" , für den er mit dem Literaturpreis der Buchmesse Leipzig 2006 ausgezeichnet wurde, ein literarisches Denkmal gesetzt.

1874: Livingstones Leichnam wird in Bagamoyo aufgebahrt

Bekannt wird Bagamoyo auch durch die Rückkehr Livingstones: Am 15.2.1874 wird sein von der Sonne ausgetrockneter Leichnam (ohne Herz, das in Sambia begraben wurde), von Sambia ausgehend von seinen sansibarischen Helfern Abdullah Susi und James Chuma in einem neunmonatigen Marsch nach Bagamoyo gebracht ("Mwili wa Daudi" - "Der Körper von David"). Nachdem 700 Sklaven von ihm Abschied genommen haben, wird er über Sansibar nach England überführt und in der Westminster Abbey beigesetzt.
 

1880: Bagamoyo ist eine multikulturelle Stadt mit ca. 1.000 Einwohnern

Im Jahre 1880 hat Bagamoyo vermutlich eine ständige Einwohnerzahl von ca. 1.000. Aber selbst noch im Jahre 1889, als der Sklavenhandel bereits bekämpft wird, passieren immerhin noch 1.305 Karawanen mit 41.144 Menschen Bagamoyo auf dem Wege ins Landesinnere.

Die Stadtbevölkerung setzt sich zu diesem Zeitpunkt zusammen aus Mitgliedern der einheimischen Völker Zaramo und Doe, Shomvi-Muslimen aus Oman, eingewanderten Hindus aus Indien (die in der Verwaltung, in den Kokosnuss-Plantagen und im Bootsbau arbeiten), Baluchi-Muslimen aus Mombasa und Sansibar (tätig im Handel, Karawanen-Finanzwesen und im Landhandel) sowie anderen Muslimen, darunter die Ismailiten, die sich 1840 angesiedelt haben und deren Zahl im Jahre 1870 137 beträgt, Sunniten aus Sansibar (Ladeninhaber) und persische Kaufleute. Eine kleine Gruppe Katholiken arbeitet hauptsächlich im Schneiderhandwerk.
 

1888: Bagamoyo wird Sitz einer deutschen Bezirksverwaltung

Im Jahre 1888 schließt die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft einen Vertrag mit dem Sultan von Sansibar, Seyyid Khalifa,  welcher der Gesellschaft den Zugang zur Küstenregion gestattet. Unmittelbar nach Vertragsabschluss wird am 16.8.1888 in Bagamoyo der Flaggenmast des Sultans gegen den Widerstand seines örtlichen Vertreters (der sich weigert, die Flagge des Sultans einzuholen) abgeholzt.

Als nach einem Konflikt zwischen der deutschen Gesellschaft und Stadtbewohnern das am Strand von Bagamoyo gebaute Usagarahaus besetzt wird, setzt die SS Möwe 200 Marine-Soldaten an Land, die die Revolte niederschlagen. Über 100 Stadtbewohner (ca. 10% der Bevölkerung) kommen dabei ums Leben.

1889: Bagamoyo brennt im Bushiri-Aufstand

Der Konflikt zwischen Stadtbevölkerung und deutschen Kolonialherren eskaliert im Jahre 1988/89, als die Deutschen die Registrierung von Land und Eigentum einführen. Nie zuvor war unter den Einheimischen eine derartige Registrierung vorgenommen worden, und es wird befürchtet, dass die Deutschen der Bevölkerung Grund und Boden wegnehmen.

Daraufhin organisiert der Araber Bomboma den Aufstand in Bagamoyo mit Hilfe des legendären Bushiri bin Salim al-Harthi, der bereits zuvor in Tabora (Landesinnere) die arabischen Truppen gegen die Deutschen angeführt hat. Bushiri ist anfangs sehr erfolgreich. Weite Teile Bagamoyos werden niedergebrannt und Bushiri versammelt seine Truppen vor der Stadt zum Generalangriff.

Die deutsche Regierung sieht sich daraufhin veranlasst, der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft Unterstützung zu gewähren und beauftragt Hermann von Wissmann, mit seiner durch Sudanesen und Zulus aus Südafrika aufgestockten Infanterie Bushiri niederzuschlagen. Um die Zeit bis zur Ankunft der deutschen Truppen zu überbrücken, führt der deutsche Admiral Denhardt Scheinverhandlungen mit Bushiri, der den Posten eines Gouverneurs der Küstenregion, monatliche Zahlungen und das Recht auf eine eigene Armee verlangt.

Im Mai 1989 hat Wissmann seine Truppen zusammengezogen und mehrere Befestigungen errichtet. Nach mehreren Schlachten wird der Aufstand niedergeschlagen, im Juli 1889 die Stadt Pangani (nördlich von Bagamoyo) erobert und Bushiri in Pangani hingerichtet. Das gleiche Schicksal trifft den Anführer Bomboma und andere.

Im Oktober 1890 erhalten die Deutschen vom Sultan von Sansibar für vier Millionen Mark die offiziellen Landrechte. Im Frühjahr 1891 wird Deutsch-Ostafrika auch formal zur Kolonie.

1891: Bagamoyo wird erste deutsche Kolonialhauptstadt in Deutsch-Ostafrika

Für eine Übergangszeit wird von Anfang 1891 - Anfang 1892 Bagamoyo der Sitz des Kaiserlichen Gouverneurs und damit Sitz der wenigen zentralen Behörden. Im "Verzeichnis des deutschen Archivbestands" im tansanischen Nationalarchiv (Franz und Geißler, Marburg 1894) ist davon die Rede, dass Schutztruppenkommando und -verwaltung am 26.1.1891 zunächst in Bagamoyo, die Seeabteilung hingegen bereits direkt in Daressalam stationiert wurden. Im Frühjahr 1891 dürfte der erste Zivilgouverneur Freiherr von Soden wohl in Bagamoyo eingetroffen sein.

1897: Fertigstellung der Boma als Amtssitz der kolonialen deutschen Bezirksverwaltung

Der flache Strand vor Bagamoyo ist dann allerdings einer der wesentlichen Gründe dafür, dass bereits Anfang 1892 Daressalam mit seinem Tiefwasser-Hafen die neue Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika wird.

Die Boma wird in den Jahren 1895-1897 gebaut und dient nach ihrer Fertigstellung bis zum 1. Weltkrieg als Amtssitz der deutschen kolonialen Bezirksverwaltung. Im Dezember 1897 wird sie ihrer Bestimmung übergeben.
 

1914: Britische See- und Luftangriffe auf Bagamoyo

Während des 1. Weltkrieges, in dem Deutschland sämtliche Kolonien verliert, werden auch die deutschen Truppen in Bagamoyo von den Briten angegriffen. Die Deutschen verschanzen sich auf dem neutralen Missionsgelände und gefährden damit das Leben der dort untergebrachten 2000 Zivilisten. Diese bleiben wie durch ein Wunder unverletzt, während das Pfarrhaus und die neue Kirche zerstört werden. Die deutschen Soldaten werden bald überrannt und die Stellung wird von den Briten eingenommen.
 

1914: Erneut eine Stadt von Fischern und Bauern

Mit dem Abzug der Deutschen aus Ostafrika endet auch die Rolle Bagamoyos als Handelsort. Für fast 100 Jahre wird Bagamoyo wieder zur verschlafenen Stadt von Fischern und Bauern mit langsam verfallenden Kolonialbauten, die heute überwiegend nur noch als Ruinen an die Glanzzeit Bagamoyos als wichtigste Küstenstadt der Region erinnern.
 

1961: Bagamoyo wird nach der Unabhängigkeit Distrikt-Hauptstadt

Mit ihren heute vermutlich bereits über 50.000 Einwohnern ist Bagamoyo seit 1961 Hauptstadt des sehr großen Bagamoyo Districts, der etwa der Größe des Libanon und der doppelten Größe des Münsterlands entspricht.
 

1962 werden in Bagamoyo eine Schule und ein Ausbildungszentrum für Kämpfer der Befreiungsbewegung Frelimo aus Mosambik gegründet. Auch der spätere Staatspräsident Samora Machel, der 1970 Vorsitzender der Frelimo wird, hält sich mehrere Jahre in Bagamoyo auf und errichtet hier das Frelimo-Hauptquartier. Seine Frau Graca Machel, die nach dem Tod ihres Mannes Nelson Mandela heiraten wird, arbeitet im Camp als Stellvertretende Schulleiterin. Ebenfalls in Bagamoyo lebten der Nachfolger Machels als Staatspräsident von Mosambik, Joaquim Chissano, und (noch als Kind) Nyleti Mondlane, die Tochter des 1969 durch eine Briefbombe ermordeten ersten Vorsitzenden der Frelimo. Sie ist seit 2017 Jugend- und Sportministerin von Mosambik.  

Von Bagamoyo aus wird der Kampf zur Befreiung Mosambiks vom portugiesischen Kolonialismus geführt. Erst mit der Unabhängigkeit Mosambiks und der Vereidigung Samora Machels als Staatspräsident im Jahr 1975 wird das Lager aufgelöst.  

1970 wurde in Bagamoyo auch die erste Sekundarschule der Frelimo eröffnet. Einer der Lehrer war Hans-Jochen Roos, der als Biologie- und Chemielehrer im Auftrag der DDR von 1973-78 an der Frelimo-Schule arbeitete. Einer seiner Schüler war der spätere Kulturminister von Mosambik, Miguel Mkaima. Roos hat über seine Jahre in Bagamoyo einen Bericht geschrieben:

Hans-Jochen Rees, "Unterricht unter Palmen. Als Biologielehrer an der Frelimo-Schule in Bagamoyo"
Aus: "Wir haben Spuren hinterlassen", Lit Verlag, Münster 2005

Auch Emmerson Mnangagwa (Zanu) aus dem damaligen Rhodesien erhielt hier seine Ausbildung zum Kampf für ein unabhängiges Simbabwe. Bei einem Besuch Bagamoyos im Juli 2018 berichtet der heutige Staatspräsident von Simbabwe, dass im Militärcamp von Bagamoyo 59 führende Kader aus Mosambik, 6 aus dem damaligen Rhodesien und 6 aus Südafrika ausgebildet wurden.

Einer der Ausbilder in der 60er Jahren in Bagamoyo war kein geringerer als der heutige russische Staatspräsident Wladimir Putin (s. Foto oben).
 

1993: Städtepartnerschaft mit Vallejo (USA)

Zwischen der kalifornischen Stadt Vallejo (USA) und Bagamoyo wird eine offizielle Städtepartnerschaft vereinbart. Es ist die erste ausländische Partnerstadt Bagamoyos. 2013 besucht der aus Bagamoyo stammende tansanische Staatspräsident Jakaya Kikwete Vallejo.
 

2003: Bagamoyo auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe?

Auf Initiative der schwedischen Entwicklungshilfeorganisation S.I.D.A. findet im Jahr 2003 eine Internationale Bagamoyo-Konferenz statt mit dem Ziel, ein neues UNESCO-Weltkulturerbe "Zentrale Sklaven- und Elfenbein-Handelsroute" unter Einschluss Bagamoyos zu beantragen. 2006 wird der Vorschlag offiziell bei der UNESCO eingereicht.

Eintrag auf der UNESCO-Vorschlagsliste
 

2005: Vorbereitung der Verleihung der Stadtrechte

Erst im Jahr 2005 beginnen in Bagamoyo die ersten Vorbereitungen für die offizielle Verleihung der Stadtrechte des Staates Tansania. Die schwedische Entwicklungshilfe unterstützt den Aufbau einer eigenen Stadtverwaltung, die jedoch bis heute (2020) noch nicht eingerichtet wurde.
 

2005: Der neue Staatspräsident Jakaya Kikwete kommt aus Bagamoyo

Der im Dezember 2005 mit überwältigender Mehrheit gewählte neue Staatspräsident und frühere Außenminister Jakaya Kikwete kommt aus dem Bagamoyo District. Er hat viele Jahre in Bagamoyo gelebt. Mitglieder seiner Verwandtschaft leben hier immer noch.
 

Die Distrikt-Hauptstadt Bagamoyo entwickelt sich: Zahlreiche neue Hotels vor allem im Norden des Ortes bereiten sich auf eine Zukunft Bagamoyos als Tagungszentrum und als Ziel für ausländische Kulturtouristen vor. Der Bau eines Hafen südlich von Bagamoyo (derzeit auf Eis gelegt) würde die Voraussetzungen dafür schaffen, dass zukünftig Touristen direkt von Sansibar nach Bagamoyo geleitet werden können.

Mit Unterstützung der schwedischen Entwicklungshilfe wird die Indiastreet neu asphaltiert. Nachdem Schweden bereits einige historische Gebäude renoviert hat (u.a. die ehemalige Karawanserei und 2009/2010 auch das Alte Arabische Teehaus neben der Boma), wird auch aus Deutschland die Renovierung weiterer Gebäude finanziert: Das Katholische Missionsmuseum (Kath. Kirche mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland), das Bagamoyo Distrikt Hospital und die Mwanamakuka Grundschule (jeweils Freundeskreis Bagamoyo e.V.) sowie die Mwambao Primary School, die historische Alte Deutsche Schule im Ortskern (Marienschule Ahlen und Freundeskreis Bagamoyo e.V. mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland).

Eine geplante neue Fernstraße Daressalam - Bagamoyo - Sadaani Nationalpark - Tanga - Mombasa/Kenia soll eine Verbindung zwischen Kulturtourismus und Safaribesuch ermöglichen und langfristig einen weiteren Beitrag zur Stadtentwicklung leisten.
 

2007: Kikwete fordert auf UNESCO-Generalversammlung in Genf die Anerkennung als Weltkulturerbe

Auf der 34. UNESCO-Generalkonferenz am 22.10.2007 in Genf setzt sich der tansanische Staatspräsident sowohl für die Schaffung eines neuen UNESCO-Weltkulturerbes "Ostafrikanische Sklaven- und Handelsroute" von den großen Seen im Landesinnern bis nach Sansibar ein als auch für ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe "Road to Independence" (Straße der Unabhängigkeit), das im südlichen Afrika angesiedelt werden soll und auch Bagamoyo als Ausgangspunkt des Befreiungskampfes in Mosambik (hier hatte die Frelimo unter Samora Machel jahrelang ihr Hauptquartier) umfassen würde. Da diese Initiative von tansanischer Seite im Laufe der folgenden Jahre jedoch nur halbherzig verfolgt wird, liegt sie bis heute (2020) auf Eis.
 

2009: Bagamoyo schreibt Medizingeschichte mit erfolgreicher Malaria-Impfstoff-Testreihe

Im Kampf gegen die Seuche Malaria zeichnet sich Hoffnung ab: Ein an Kindern und Säuglingen u.a. auf dem Gelände des Kreiskrankenhauses von Bagamoyo getesteter Impfstoff zeigt erstmals einen bedeutenden Schutz vor der Infektion mit dem Malaria-Erreger. Für August 2013 wird die weltweit erste Feldstudie in Bagamoyo mit dem neuen, in den USA entwickelten Malaria-Impftsoff PfSPZ angekündigt. Mehrere Jahre später kann dann tatsächlich innerhalb von 20 Minuten ein Malaria-Schnelltest (mRDT) durchgeführt werden. Die Labortechniker im Bagamoyo District Hospital führen täglich etwa 15-20 dieser Tests durch. Der Bagamoyo District Council schätzt im Jahr 2017, dass im Vorjahr 15.080 Malaria-Fälle gemeldet wurden. 

Als Ergebnis der wissenschaftlichen Fortschritte sinkt bereits 2017 im Bagamoyo Distrikt die Inzidenzrate für Malaria in den am schlimmsten betroffenen Distrikten auf unter 10%. Noch zwei Jahrzehnte vorher waren es 80%. Wie die WHO jedoch einräumt, wurde die Zahl der Malariafälle in der Vergangenheit überzeichnet. Trotz der jüngsten Verbesserungen in der Diagnose durch den Einsatz von mRDTs gibt es jedoch noch viele Herausforderungen, die angegangen werden müssen. 
 

2011: Billl und Melinda Gates besuchen Bagamoyo

Im Jahr 2011 besuchen Bill und Melinda Gates das Ifakara Institut in Bagamoyo, um sich persönlich von den Fortschritten beim Einsatz eines Impfstoffes gegen Malaria zu überzeugen. Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung hat im Laufe der Jahre viele Millionen US-Dollar in das Forschungsprojekt investiert.

Reisebericht von Bill Gates über seinen Besuch in Bagamoyo (in engl.)
 

2013: China kündigt den Bau eines großen Containerhafens an

Im März 2013 besucht der neue chinesische Staatspräsident Xi Jinping Tansania. Es ist nach Russland sein zweiter Auslandsbesuch. In Daressalam wird eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach China und der Oman für ca. 10 Mrd. US-Dollar den Bau eines großen Containerhafens südlich der Stadt sowie den Bau einer Sonderwirtschaftszone zwischen Bagamoyo und Daressalam finanzieren. Bestandteil der Planungen ist der Bau eines Bahnhofs und einer Eisenbahnlinie von Bagamoyo zur Zentraleisenbahn und zur TanSam-Eisenbahn. Ein neuer Highway soll den neuen Hafen mit Chalinze und damit mit dem TanSam-Highway verbinden.

2013: Städtefreundschaft mit Ahlen/Westfalen

Im Dezember 2013 deklariert der Rat der Stadt Ahlen die vielfältigen bürgerschaftlichen Beziehungen zwischen Ahlen und Bagamoyo einstimmig als "Städtefreundschaft". Zuvor hatte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller Bagamoyo privat einen Besuch abgestattet, wofür ihm vor einer Schule ein Denkmal gesetzt wurde. 2019 montiert sein Nachfolger Dr. Alexander Berger am Platz der Städtepartnerschaften in Ahlen einen symbolischen Wegweiser nach Bagamoyo. Wenige Monate später weihen der tansanische Kulturminister Dr. Harrison Mwakyembe, die Stellv. Ahlener Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus-Voss und Vertreter/innen des Freundeskreises Bagamoyo e.V. einen Wegweiser von Bagamoyo nach Ahlen auf dem Gelände des Bagamoyo College of Arts (TASUBA) ein.

2018: Der Staatspräsident von Mosambik besucht Bagamoyo

Im Juni 2018 stattete der Staatspräsident von Simbabwe, Emmerson Mnangagwa, dem früheren Ausbildungscamp und Hauptquartier der Befreiungsbewegung Frelimo (Mosambik) in Bagamoyo einen Besuch ab. Im Rahmen eines zweitägigen Staatsbesuchs wollte Mnangagwa noch einmal zu dem Camp zurückkehren, in dem er gemeinsam mit führenden Freiheitskämpfern aus Mosambik, Simbabwe und Südafrika im Mai/Juni 1963 militärisch ausgebildet worden war.

Mnangagwa: "Die örtliche Bevölkerung war damals sehr freundlich zu uns und unterstützte uns vielfältig. Ich möchte der Regierung von Tansania und Präsident Magufuli dafür danken, dass sie diesen historischen Ort bewahren". Nach Angaben des Präsidenten gehörten damals 59 Kader aus Mosambik, 6 Kader aus dem damaligen Südrhodesien sowie 6 Kader aus Südafrika zu seiner Ausbildungsgruppe. 

Die gesamte Rede von Emmerson Mnangagwa Ende Juni 2018 in Bagamoyo
 

2019: Hafenprojekt wird auf Eis gelegt

Staatspräsident John Magufuli veröffentlicht im Parlament überraschend die Vertragskonditionen für den Mega-Hafen in Bagamoyo und bezeichnet diese als inakzeptabel. Das Projekt wird erst einmal auf Eis gelegt.

Alle Infos zum Hafenprojekt

Rede von John Magufuli im Parlament in Dodoma im Juni 2019 (in Kisuaheli, Film 4:50 Min.)
Rais Magufuli wa Tanzania akataa mkopo toka China kujenga Bandari mpya ya Bagamoyo
 


Film:
"Historia ya Wajerumani Bagamoyo"
Deutsche Welle vom 22.12.2018 (in Kisuaheli, Länge: 2:43 Min.)