Letzte Aktualisierung, 8.11.2025, 12.00 Uhr (neue Ereignisse erscheinen ab sofort wieder als gesonderte Nachricht)

Weitere 'Normalisierung' der Sicherheitslage in Tansania

Nachdem sowohl das Internet als auch die sozialen Medien, Telefon und WhatsApp wieder in Betrieb sind, lässt sich die aktuelle Lage in Tansania nun relativ sicher beurteilen: In den großen Städten sind die Unruhen beendet und das Leben geht wieder seinen gewohnten Gang. Die Schüler wurden heute aufgefordert, spätestens am Montag wieder zur Schule zu kommen.

Aus dem ländlichen Raum, aber auch aus größeren Städten wie Moshi, eigentlich eine Hochburg der Opposition, wird berichtet, dass es durchgehend ruhig geblieben war.

Die Geschäfte sind jetzt wieder geöffnet, bieten ihre Waren aber zu deutlich höheren Preisen an. Vor den Tankstellen bildeten sich am 4.11. lange Warteschlangen. Die wichtigsten Straßenkreuzungen werden in Dar aber weiterhin von der Polizei gesichert.

Grenzübergang Namanga wieder geöffnet

Seit dem 7.11. ist auch der Grenzübergang Namanga nach Kenia wieder geöffnet. Auf der Homepage von 'Azam Marine' können seit dem 5.11. wieder Plätze für die Fähre zwischen Daressalam und Sansibar gebucht werden.

Abbau der Straßenkontrollen

Die noch bis zum 4.11. vorhandenen unzähligen Kontrollen an den Überlandstraßen wurden wieder abgebaut. Zwischen dem Kilimanjaro Airport und Moshi existierte bereits am 5.11. vormittag nur noch eine Kontrollstation am Ortseingang von Moshi, die Ausländer anstandslos passieren ließ.

Nationalparks weiter geöffnet

Kaum Auswirkungen hatten die Unruhen auf den Tourismus des ostafrikanischen Landes, die Nationalparks konnten durchgehend problemlos besucht werden. Es gibt Berichte, wonach an den Gates während des Stromausfalls keine Nationalparkgebühr erhoben wurde. 

Auch Emirates und KLM haben Flugbetrieb wieder aufgenommen

Als letzte Fluggesellschaften haben jetzt auch Emirates (5.11.) und KLM (7.11.) den Flugbetrieb nach Tansania wieder aufgenommen.

Afrikanische Union bezeichnet Wahl als undemokratisch

Wahlbeobachter der Afrikanischen Union (AU) haben am 5.11. erklärt, dass die Wahlen in Tansania nicht den demokratischen Standards entsprochen haben. Sie berichteten von Wahlfälschungen in mehreren Wahllokalen, wo Wähler gleich mehrere Stimmzettel erhielten. Während der Auszählung wurden zudem einige Wahlbeobachter aufgefordert, das Wahllokal zu verlassen. 

Missionsgesellschaft fordert Dialog und Wahrung der Menschenrechte

Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) zeigte sich am 5.11. in einer Stellungnahme "zutiefst besorgt über die angespannten und zunehmend gewaltsamen Entwicklungen" in Tansania. Freie Wahlen "ohne Druck und Einschüchterung" seien "das Fundament jeder Demokratie. Bürgerinnen und Bürger müssen ihre Stimme erheben und sich friedlich versammeln können - ohne Angst vor Gewalt. Jeder Todesfall ist einer zuviel. Wir erwarten, dass die Verantwortlichen auf Dialog setzen, Menschenrechte achten und rechtsstaatliche Prinzipien wahren", sagte der tansanische Bischof Dr. Abednego Keshomshahara in seiner Funktion als Moderator der VEM.
 

Samia Suluhu Hassan als Staatspräsidentin vereidigt

Staatspräsidentin Samia Suluhu Hassan, 65, ist am 3. November in der Hauptstadt Dodoma als Staatspräsidentin vereidigt worden. Im Gegensatz zu bisherigen Amtseinführungen fand die Zeremonie unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und wurde lediglich im Fernsehen übertragen.   

Hassan ging nach Auskunft der Nationalen Wahlkommission als Siegerin der diesjährigen Präsidentschaftswahlen hervor. Nach Angaben der Behörde erhielt sie 97,66 Prozent der abgegebenen Stimmen und gewann sämtliche Wahlkreise. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Nationalen Wahlkommission bei 87 Prozent. 

37,7 Millionen registrierte Wählerinnen und Wähler hatten am 29. Oktober die Möglichkeit, an den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen teilzunehmen. 

Opposition zweifelt Wahlergebnis an

Die Opposition zweifelt sowohl das Wahlergebnis als auch die Wahlbeteiligung an. Chadema, die größte Oppositionspartei, ist der Auffassung, dass gar keine „echte“ Wahl stattgefunden hat. Auch das Europäische Parlament bezeichnete die Abstimmung als "weder frei noch fair".

Chadema hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen. Eine Anfechtung der Wahl ist juristisch nicht möglich. Eine Wahlrechtsreform war eine der wichtigsten Forderungen der Opposition vor der Wahl. 

"Samia Suluhu Hassan: Tansania umstrittene Präsidentin"
Adwoa Tenkoramaa Domena in 'Deutsche Welle' vom 3.11.2025

"'Ergebnis gefälscht': Opposition erkennt Wahlsieg von Präsidentin Hassan nicht an"
Deutschlandfunk vom 2.11.2025

Chadema ruft "Nationale Woche der Trauer" aus

Die Oppositionspartei Chadema hat am 5.11. eine einwöchige "nationale Woche der Trauer" für die Todesopfer der letzten Tage ausgerufen. Sie wirft der Regierung vor, das wahre Ausmaß der Tragödie zu verschleiern. 

Polizei sucht Oppositionsführer

Nach Medienberichten sucht die Polizei inzwischen nach führenden Chadema-Mitgliedern. Sie sollen angeblich verantwortlich sein für die gewaltsamen Proteste vom 29.-31. Oktober. 

Regierung warnt vor Verbreitung von Fotos und Videos

Die tansanische Regierung hat ihre Bürger gewarnt, Bilder, Filme oder Nachrichten zu verbreiten, "die Panik auslösen oder das menschliche Leben verunglimpfen" könnten und droht mit einer Anklage wegen Hochverrats. Nach Angaben der Tageszeitung 'The Citizen' vom 8.11. wurde inzwischen bereits gegen 240 Personen Anklage erhoben. In Mwanza wurden 172 Personen verhaftet. 

Auch wird vor in Tansania lebenden Ausländern aus den Nachbarländern gewarnt, die ein Interesse hätten, den Konflikt weiter zu schüren. 

Gleichzeitig kursieren in den sozialen Medien anonyme Kettenbriefe, die beispielsweise vor einer angeblich möglichen inhaltlichen Kontrolle von WhatsApp-Nachrichten durch die Regierung warnen. Beobachter vermuten, dass hier wiederum Kräfte am Werk sind, die aus welchen Gründen auch immer ein Interesse an der Schürung von Ängsten und einer Destabilisierung der Lage in Tansania haben.

Wichtige Handelswege beeinträchtigt

Die Unruhen in Tansania haben zeitweilig auch wichtige Handelswege und die Binnenwirtschaften im SADC-Wirtschaftsraum beeinträchtig. Denn die Häfen des Landes gelten als Drehscheibe für die Region.

"Unruhen in Tansania lähmen Wirtschaft in Afrikas Südosten"
Privilege Musvanhiri in 'Deutsche Welle' vom 7.11.2025
 

Keine Unruhen in Bagamoyo

Nach Aussagen aller Kooperationspartner des Freundeskreises Bagamoyo e.V. blieb es in Bagamoyo durchgehend ruhig. Offensichtlich gab es weder Ausschreitungen noch nennenswerte Einsätze der Polizei. Allerdings waren die Bewohner der historischen Küstenstadt geschockt von den Berichten aus Daressalam und befürchteten in den Tagen nach der Wahl ein Übergreifen der Unruhen auch auf Bagamoyo.

Bagamoyo Festival findet statt

Das International Bagamoyo Arts Festival wird nach Auskunft des Bagamoyo College of Arts (TaSUBa) wie geplant vom 26.-29.11.2025 auf dem College-Gelände stattfinden. Der Unterrichtsbetrieb der Kunsthochschule bleibt jedoch noch bis Ende November geschlossen.
 

Jetzt wieder Internet und WhatsApp

Nachdem bereits am 1. November das Internet wieder freigeschaltet worden war, können nun auch WhatsApp (Textnachrichten) und das Telefon wieder genutzt werden. Allerdings wird noch aus ganz Tansania von Übertragungsproblemen bei Fotos oder Filmen sowie bei WhatsApp-Telefongesprächen berichtet. 

Bis auf kurze Unterbrechungen war das Internet vom 29.-31.10. in ganz Tansania außer Betrieb. Kontakte waren weder über eMail noch über WhatsApp möglich, tansanische Homepages und soziale Medien konnten nicht aufgerufen werden. Die Regierung glaubte offensichtlich, mit dieser Maßnahme die Ausweitung der aktuellen Proteste und Übergriffe verhindern zu können.

Informationen aus dem Ausland bekamen daher tagelang eine große Bedeutung, waren aber oft nicht nachprüfbar - worauf die internationalen Nachrichtenagenturen in ihren Meldungen allerdings ausdrücklich hinwiesen. 
 

UN meldet "mindestens 10 Todesopfer"

Andererseits gibt es genug authentische Aufnahmen, die dokumentieren, wie Gruppen von Jugendlichen in Städten wie Daressalam, Arusha, Mwanza oder Mbeya Wahllokale zerstört oder Tankstellen, Regierungsgebäuden oder Busstationen in Brand gesteckt haben und mit Steinen auf Polizisten warfen. Am 8.11. teilte die Regierungszeitung 'Daily News' mit, dass landesweit 41 Tankstellen zerstört worden seien, davon 25 alleine in Daressalam.  

In der Grenzstation Namanga zwischen Tansania und Kenia verbündeten sich Demonstranten aus Kenia und Tansania. Beim Eingreifen der Polizei kamen dort zwei Menschen ums Leben, mehrere Personen wurden verletzt.

Auch aus Daressalam und anderen Städten wie Arusha wurden zahlreiche Tote gemeldet. Während die Oppositionspartei Chadema und einige Aktivisten von landesweit über 700 Totesopfern sprachen, teilten am 31.10. die Vereinten Nationen in Genf mit, Berichte erhalten zu haben, wonach bei Protesten nach den Parlamentswahlen "mindestens zehn Menschen" durch Sicherheitskräfte getötet wurden. Seif Magango, Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, bezog sich dabei gegenüber Reportern auf "glaubwürdige Quellen" im Land.

"Mindestens zehn Menschen laut UN bei Protesten in Tansania getötet"
'Die Zeit' vom 31.10.2025

Vermutlich bis zu 3.000 Todesopfer

Augenzeugenberichte aus Tansania lassen aber vermuten, dass die Zahl der Todesopfer wesentlich höher liegt, eine Zahl von mehreren hundert bis circa 3.000 Toten erscheint mittlerweile durchaus realistisch. Die Opposition spricht inzwischen sogar von noch viel höheren Zahlen. 

Laut einem Bericht der BBC vermissten auch in der ersten Novemberwoche immer noch einige Menschen ihre Angehörigen und wußten nicht, ob sie noch leben oder möglicherweise inhaftiert wurden. 

"Opposition in Tansania beklagt Hunderte Tote bei Unruhen und Vertuschung durch die Behörden"
Deutschlandfunk vom 4.11.2026 

Päpstliches Missionswerk: Derzeit keine Angaben zur Zahl der Opfer möglich

Laut Mitteilung des Päpstlichen Missionswerks können derzeit keine genauen Angaben zur Zahl der Opfer gemacht werden: "Die Behörden geben zurückhaltende Zahlen an, während die Opposition und andere dazu neigen, höhere Zahlen zu veröffentlichen“.

"Lage beruhigt sich nach Zusammenstößen: Uneinigkeit über die Zahl der Opfer"
'Agenzia Fides' vom 4.11.2025

Focus und TAZ verbreiteten Fake-Infos über angebliche Stürmung des Airports in Dar

Immer noch sind Fake-News oder Filme im Umlauf, die zum Teil Ereignisse zeigen, die sich bereits vor Jahren abgespielt haben. So berichteten z.B. die TAZ am 30.10. und dann auch noch 'Focus' am 31.10. in großer Aufmachung von einer angeblichen Erstürmung des Flughafens von Daressalam - der dazugehörige Film, der in den sozialen Medien kursiert, wurde tatsächlich jedoch bereits im Frühjahr 2021 gedreht und zeigt die Erstürmung des Airports nach Ankunft des Flugzeugs mit der Leiche von John Magufuli. Der Focus hat die Meldung inzwischen aus dem Netz genommen und den Fehler veröffentlicht.
 

Öffentliches Leben war in Dar tagelang lahmgelegt

Die Regierung hatte ab dem 31.10. die Schließung des Öffentlichen Dienstes, der Schulen und der Universitäten angeordnet. Staatliche Angestellte, Schüler und Studenten sollten nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen weiterhin zu Hause bleiben. Regierungssprecher Gerson Msigwa: ,,Alle Staatsbediensteten im Land sollen von zu Hause aus arbeiten, mit Ausnahme derjenigen, deren Anwesenheit am Arbeitsplatz von ihren Vorgesetzten ausdrücklich verlangt wird."

Der Regierungssprecher forderte mit dem Verweis auf Sicherheitsbedenken alle Arbeitgeber auf, ihre Mitarbeitern während der Dienstzeit von der Anwesenheitspflicht zu befreien und Homeoffice zu ermöglichen. Msigwa empfahl schließlich allen Bürgern, die eigene Wohnung nur in dringenden Fällen zu verlassen. Schulen, Colleges und Universitäten wurden geschlossen und der Beginn für das Wintersemester verschoben.

Nach Angaben von Inchcape Shipping Services (ISS) wurde vorübergehend auch der Hafen von Daressalam geschlossen. 
 

Kilimanjaro Airport zeitweilig geschlossen 

Nach eintägiger Schließung wurde der Kilimanjaro Airport am 31.10. wieder geöffnet. Bis auf ganz wenige Ausnahmen normalisierte sich auch der Flugbetrieb in Daressalam und Sansibar recht schnell. Bekannte Fluggesellschaften wie Qatar Airways, Turkish Airlines oder Ethiopien Airlines schränkten ihren Flugbetrieb nicht ein. 

Reisehinweis des Auswärtiges Amts

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland stellte am 30.10. die folgende Empfehlung auf seine Homepage: "Von nicht notwendigen Reisen nach Tansania wird abgeraten." Die Behörde nahm dabei Bezug auf die aktuelle Lage in Tansania unmittelbar nach den Wahlen. Es handelt sich allerdings um keine Reisewarnung.
 

Am 30. und 31.10. Proteste in Daressalam  

Nach der von der Regierung verhängten ersten Ausgangssperre am 29. Oktober herrschte laut Medienberichten am Vormittag danach Ruhe. In Daressalam wurden die wichtigsten Straßen von Polizisten gesichert. Am späten Vormittag kam es jedoch erneut zu Protesten und dem Einsatz von Tränengas und Schüssen durch die Polizei. 

Die Nachrichtenagentur AP meldet, dass auch am darauffolgenden Freitag in der Millionenstadt einige hundert Menschen auf die Straßen gingen und dabei in die Auseinandersetzung mit der Polizei gerieten. 

Angriffe auf Polizei und Wahllokale

BBC hatte am 29.10. aus Daressalam mehrere Protestaktionen an Highways und Busstationen gemeldet. Dabei kam es auch zu Sachschäden und Steinwürfen auf Polizeifahrzeuge sowie Angriffe auf Wahllokale. Nach Medienberichten wurden auch einige Busse und Tankstellen in Brand gesteckt.

Die Polizei ging laut BBC mit Tränengas gegen die Protestierenden vor, deren Zahl laut Angaben aller bisher vorliegenden Medienberichte allerdings pro Aktion nur auf "einige hundert" beziffert wurde. Aus Daressalam, Mbeya und Sansibar wurde auch über den Einsatz von Militär berichtet. Afrikanische Medien berichteten zu Beginn der Auseinandersetzungen von "mehreren Verletzten". Augenzeugen sahen viele Krankenwagen, die Verletzte mit Blaulicht in die Krankenhäuser von Daressalam brachten. 

"Election unrest in Tanzania"
Deutsche Welle v. 30.10.2025 (Film in engl., 1:19 Min.)

Die US-Botschaft in Daressalam forderte am 30. Oktober ihr Personal auf, vorläufig in den Wohnungen zu bleiben.

"Protests erupt in Tanzania after main opposition candidate is disqualified from election" 
Deutsche Welle News vom 29.10.2025 (Film in engl., 4:25 Min.)
 

Wahlausgang war vorgezeichnet

Die Spannung über den Wahlausgang hielt sich in Grenzen: Die stärkste Oppositionspartei Chadema hatte vor allem wegen des Ausbleibens der versprochenen Wahlrechtsreform zum Wahlboykott aufgerufen, was allerdings selbst in den eigenen Reihen nur auf geteilte Zustimmung stieß. Ihr Präsidentschaftskandidat Tundu Lissu wurde inhaftiert, angeklagt und von der Wahl ausgeschlossen. Diese Maßnahme stieß im In- und Ausland auf große Proteste, die jedoch von der Regierung ignoriert wurden. 

Die landesweit zweitgrößte Oppositionspartei ACT-Wazalendo erhielt keine Zulassung zur Wahl, obwohl zwischenzeitlich ein Gerichtsurteil diese Entscheidung aufgehoben hatte. 

Nur eingeschränkte Arbeit von Wahlbeobachtern möglich

Im Gegensatz zu den letzten Wahlen 2020 waren in diesem Jahr internationale Wahlbeobachter zugelassen, um den Ablauf des Wahlprozesses zu beobachten und Unregelmäßigkeiten zu melden. So hielten sich am Wahltag zahlreiche Vertreter afrikanischer Organisationen in Tansania auf. Über den Umfang und die Qualität des Einsatzes von Wahlbeobachtern der Europäischen Union gibt es in den Medien unterschiedliche Angaben. So wird berichtet, dass die EU lediglich eine 'diplomatische Beobachtung' durchgeführt habe.

Wahlbeobachter des ANC aus Südafrika klagten am 2.11. über die nur unzureichende Kontrollmöglichkeit angesichts der Abschaltung des Internets und der sozialen Medien.
 

Trotz der Berichte über gewaltsame Auseinandersetzungen, die bislang von den Medien noch nicht unabhängig überprüft werden konnten, verlief die Wahl jedoch landesweit offensichtlich weitgehend friedlich. Die geschilderten Proteste spielten sich nach bisherigen Aussagen überwiegend in einigen großen Städten ab.

Alleine in den Millionen- und Großstädten Daressalam, Mwanza, Morogoro, Tabora, Kagera, Dodoma, Tanga, Geita, Arusha und Mbeya befinden sich 53,7 Prozent der registrierten Wählerinnen und Wähler - über 4 Millionen alleine in Daressalam. 

Erste Wahlergebnisse auch der Parlamentswahlen

Inzwischen liegen auch schon die ersten Ergebnisse der Parlamentswahlen vor. Demnach siegten auf dem Festland erwartungsgemäß die CCM-Kandidaten. Das offizielle amtliche Endergebnis wird voraussichtlich in den kommenden Tagen veröffentlicht. Allerdings ist jetzt schon bekannt, dass die CCM 384 von insgesamt 396 Parlamentssitzen gewonnen haben soll.

EU-Parlament erklärt die Wahlen für weder frei noch fair

Das Europäische Parlament hat seine tiefe Besorgnis über die Parlamentswahlen zum Ausdruck gebracht und erklärte, dass diese weder frei noch fair gewesen seien. In einer gemeinsamen Erklärung riefen die Mitglieder des Europäischen Parlaments die demokratischen Parteien dazu auf, sich entschieden für die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten einzusetzen.

Ausführlich zur Erklärung des EU-Parlaments
MwanzoTV v. 30.10.2025
 

Fast nur Wahlwerbung der CCM

Auf den Straßen waren im Wahlkampf landesweit fast ausschließlich die grünen Werbeplakate der CCM zu sehen, zum Teil in gigantischer Größe. Porträts von Staatspräsidentin Samia Suluhu Hassan und den CCM-Wahlkreiskandidaten sollten für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung sorgen. Nur sehr selten verirrte sich ein Plakat der Opposition in die Öffentlichkeit. 

Kundgebungen der Opposition wurden in den vergangenen Wochen meist von einem großen Polizeiaufgebot begleitet, Massenkundgebungen mit mehreren tausend Besuchern organisierte ausschließlich die CCM. In den Tageszeitungen wurde zu einem friedlichen Verlauf des Wahltags aufgerufen.

Fährverbindung zwischen Dar und Sansibar zeitweilig eingestellt

Mehrere große Busfirmen hatten am Wahltag ihre Überlandfahrten eingestellt. Als Begründung wurde angeführt, dass ein geringeres Passagieraufkommen zu erwarten sei.

Auch die Fährverbindung zwischen Daressalam und Sansibar wurde nach dem Wahltag zeitweilig komplett eingestellt. 
 

Superstars machten Wahlwerbung für CCM 

In die große landesweite Wahlkampagne der CCM mit Samia Suluhu Hassan war auch ein Ensemble der besten Künstlerinen und Künstler des Landes eingebunden. Bekannte und populäre Musiker wie Superstar Diamond Platnumz oder der Schauspieler und TV-Serienstar Nkwabi Nghangasamala ('Mzee Kikala') waren bereits seit Anfang September fast täglich auf Tour, um bei den zentralen CCM-Wahlkampfveranstaltungen die Massen zu mobilisieren. Insgesamt kamen zu den fast 150 Großveranstaltungen circa 1 Million Menschen.

Wegen ihrer Unterstützung der CCM gerieten nach der Wahl laut Medienberichten mehrere prominente Musiker ins Visier randalierender Jugendlicher. So sollen die Läden des Rappers Bill Nass, 32, und der Bongo Flava Musikerin Shilole, 37, angegriffen und verwüstet worden sein.

Superstar Diamond Platnumz hat daraufhin am 30.11. seinen Wahlaufruf für Präsidentin Samia nachträglich gelöscht.
 

Hussein Mwinyi (CCM) gewinnt Präsidentschaftswahlen auf Sansibar mit 78,8 Prozent

Eine gewisse Spannung versprachen allenfalls die Wahlen auf Sansibar, wo mit Othman Masoud (ACT-Wazalendo) der Stellvertretende Präsident gegen Amtsinhaber Hussein Mwinyi (CCM) antrat. Allerdings ist gerade auf Sansibar die auf der Gewürzinsel beheimatete Staatspräsidentin Samia recht beliebt - vor allem bei Frauen.

Amtsinhaber Hussein Mwinyi (CCM) siegte auf Sansibar mit 78,8 Prozent und wurde umgehend vereidigt. Auch dieses Wahlergebnis wurde von der Opposition umgehend angezweifelt.

23 % für ACT-Wazalendo

ACT-Wazalendo erhielt 23 Prozent der Parlamentssitze. Die Partei war während der vergangenen Wahlperiode Mitglied der Regierung der Nationalen Einheit und stellte den 1. Vizepräsidenten. ACT-Wazalendo konnte 10 von 50 Wahlkreisen gewinnen und hat damit laut Verfassung als zweitstärkste Partei erneut das Recht auf den 1. Vizepräsidenten.  
 

CCM stellte wirtschaftliche Entwicklung in den Mittelpunkt

Inhaltlich punktete die CCM im Wahlkampf in erster Linie mit der enormen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Neue Straßen, Staudämme, und Kraftwerke waren auch auf den Wahlplakaten präsent. 

Bislang kaum Bereitschaft zur Beteiligung an Protesten

In Gesprächen mit einzelnen Bürgern, die der Regierung durchaus kritisch gegenüberstehen, wird zwar die Benachteiligung der Opposition verurteilt. Nach Auswertung bisheriger Berichte war die Bereitschaft großer Teile der Bevölkerung zur Teilnahme an öffentlichen Protesten jedoch offensichtlich gering. Großdemonstrationen oder Massenproteste gegen die Regierung wurden nicht gemeldet.

Die meisten Gesprächspartner vor Ort zeigten sich in den Tagen vor der Wahl besorgt und angesichts der Übergriffe auf Oppositionspolitiker auch eingeschüchtert, andere hatten zumindest bis zum Wahltag die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Demokratisierungsprozesses nach der Wahl wohl noch nicht aufgegeben. 
 


Deutsche Welle: "Wunschliste an eine neue Regierung in Tansania"

Den Wählerinnen und Wählern geht es um ihre alltäglichen Herausforderungen - von der Gesundheitsversorgung über die Schaffung von Arbeitsplätzen bis hin zu Reformen im Bildungswesen.

Zum ausführlichen Bericht
Faidha Ngaga (Deutsche Welle) am 28.10. aus Daressalam
 


ZDF heute: Wahlen werden zur Zerreißprobe - Tansania zwischen Gewaltherrschaft und Reformen

Entführte Regierungskritiker und ein Oppositionsführer, dem die Todesstrafe droht. Im ostafrikanischen Tansania finden Ende Oktober Wahlen statt - unter schwierigen Bedingungen.

Zum ausführlichen Bericht
Justus Flöter (Nairobi) für das ZDF vom 27.10.2025
 


Deutsche Welle: 'Was Sie zur Wahl in Tansania wissen müssen'

Tansania steht kurz vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Hier sind fünf wichtige Hintergründe zur Entscheidung des größten Staats in Ostafrika über seiner politische Führung.

Zum ausführlichen Artikel
Cai Nebe in 'Deutsche Welle' vom 27.10.2025
 


Amnesty International verurteilt Unterdrückung der Opposition

Laut einer Erklärung von Amnesty International haben die tansanischen Behörden kurz vor den Wahlen die Unterdrückung der Opposition verstärkt. Tigere Chagutah, Regionaldirektor von Amnesty International für Ost- und Südafrika, sagte am vergangenen Montag, dass "die Regierung von Präsidentin Samia Suluhu Hassan die Hoffnungen auf Reformen zunichte gemacht habe". Führende Oppositionspolitiker, die Zivilgesellschaft, Journalisten und Regierungskritiker würden durch Übergriffe, willkürliche Verhaftungen, Tötungen und Verschleppungen unterdrückt, "ohne dass jemand dafür zur Rechenschaft gezogen wurde."

Amnesty erwartet, dass die Wahlen von der seit der Unabhängigkeit regierenden Chama Cha Mapinduzi (CCM) gewonnen werden, da die beiden wichtigsten Präsidentschaftskandidaten der Opposition, Tundu Lissu und Luhaga Mpina, von der Wahl ausgeschlossen wurden. Tundu Lissu (Chadema) sitzt derzeit mit einer Anklage wegen 'Hochverrats' sogar im Gefängnis.

Amnesty International fordert, dass „erfundene und politisch motivierte Anklagen gegen alle Personen, die ausschließlich wegen der Äußerung politischer und religiöser Ansichten inhaftiert sind, unverzüglich und bedingungslos fallen gelassen werden“.