Schriftsteller Hermann Schulz zu Besuch in Tansania

Vom 19.10.-10.11.2014 hielt sich auf Einladung des Goethe-Instituts in Daressalam der mehrfach preisgekrönte Wuppertaler Jugendbuchautor Hermann Schulz („Auf dem Strom“, „Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt“, „Die schlaue Mama Sambona“ u.a.) in Daressalam auf. In Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Bagamoyo e.V. hatte das Goethe-Institut für ihn zwei Lesungen und einen mehrtägigen Literatur-Workshop organisiert. Der Besuch fiel zufällig, aber inhaltlich passend in den Zeitraum der Veröffentlichung seines neuen Buches „Die Nacht von Dar es Salaam“.

Ein kurzer Erfahrungsbericht von Hermann Schulz:

„Die Leiterin des Goethe-Instituts, die erfahrene Afrika-Expertin Eleonore Sylla, war sehr aufgeschlossen und nett. Wir besuchten den eindrucksvollen klugen Chef der Nationalbibliothek, Dr. Mcharazo, und die Räume, wo mein Workshop zum Thema Kinder- und Jugendliteratur stattfinden sollte.

In der Nationalbibliothek fand dann auch meine erste Lesung statt: zweisprachig aus „Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt“. Rund 60 Kinder waren aus verschiedenen Schulen ausgewählt worden. Der Pantomime Nkwabi, mein alter Freund aus Bagamoyo seit 1998, las den Kisuahili-Part. Er ist ein geborener Unterhalter und machte aus dem ordentlichen Text einen sehr guten, so dass die Kinder begeistert waren.

Die 25 Teilnehmer des Workshops waren klug ausgewählt: Autorinnen und Autoren, Verleger, Bibliothekare; offensichtlich waren einige Muslime dabei, was man bei den Frauen (und die Teilnehmer waren meist Frauen!) aber nur an den Kopftüchern ausmachen konnte. Es war eine tolle Truppe! Ich hatte einige Materialien in Englisch mitgebracht und acht eigene Vorträge über die Entwicklung von Kinderbüchern und den Markt in Europa vorbereitet, dazu einen Vortrag über meine Erfahrungen bei Workshops in südlichen Kontinenten. Nach den drei Tagen kamen vier Resolutionen zustande, die von den Teilnehmern ausgearbeitet worden waren. Es ging dabei um Fragen des Literaturmarktes, um Patenschaften zur Verbreitung von Kinder- und Jugendbüchern, um politische Partner für den Einsatz von Büchern in Schulen, Bibliotheken etc. oder auch um Bewußtseinsbildung dafür, dass Bücher und Lesen ein Element von Lebensqualität sind. Diese Resolutionen gehen jetzt an Organisationen und Parteien, Bibliotheken und Lehrerverbände.

Die Verlegerin von „Soma“, Demere Kitunga, sicherte sich die Tansania-Rechte für „Die schlaue Mama Sambona“. Sie will das Bilderbuch zweisprachig (Kisuahili-Englisch) herausbringen.

"Meine Lesung in Daressalam war für mich ein historischer Moment"

Nach dem Workshop flog ich an den Victoriasee, nach Mwanza. Die beiden Priesterfreunde Alex Mugonya, ein 80jähriger Neffe des Theologen und Schriftstellers Aniceti Kitereza („Die Kinder der Regenmacher“) , und Cyprian Tyrumaniwa, der Hemingway in Kisuaheli übersetzt hat, holten mich am Flughafen ab. Beide freuten sich, mit mir auf ihre Heimatinsel Ukerewe fahren zu können, wo eine andere Welt begann. Ich hatte den Wunsch, fünf historische Orte zu sehen: Hamuyebe (Neuwied), die beiden Königsorte Bukindo Nkokoro und Bukindo, Bulamba und Kagunguli. Die Besuche der genannten Orte brauchte ich für das Buch, an dem ich gerade schreibe. Es wird ein Kinderroman. Man weiß ja nie genau, was man eigentlich sucht. Man findet in Afrika aber immer Überraschungen, an die man kaum gedacht hat.

In Kagunguli gingen wir zum Grab von Aniceti Kitereza. Es ist inzwischen ziemlich verkommen. Ich verabredete mit Pater Alex, das Grab neu zu gestalten. Er wird danach eine Plakette anbringen: „Von seinen deutschen Freunden“.

Der Besuch beim Schloss Bukindo war eine Überraschung: Das Gebäude wurde instand gesetzt, die großen Königstrommeln stehen in einem Raum, der für Besucher offen ist. Der jetzige König (Mama Sambona lebt leider nicht mehr) lebt als Diplomat in Wien und hat leider nicht vor, aus dem Schloss ein Museum zu machen, was Pater Alex vorgeschlagen hat.  

Am 30.10. las ich auf Einladung des Goethe-Instituts in Dar im Garten des Kulturbeauftragten der Deutschen Botschaft aus meinem neuen Buch „Die Nacht von Dar es Salaam“. Rund 100 Deutsche und einige deutschsprachige Tansanier nahmen an der Veranstaltung teil. Es war für mich ein historischer Moment, an diesem Ort aus dem Buch mit diesem Titel lesen zu können – dort, wo ich das Land vor 76 Jahren, fast auf den Tag genau, erstmals verlassen hatte!“

Die Hermann-Schulz-Afrika-Homepage des Freundeskreises Bagamoyo e.V.