03.04.20

Aktualisierung Corona-Pandemie: Gesundheitsminister von Sansibar appelliert an die Bevölkerung


Corona-Statistik in der Tageszeitung The Citizen vom 2.4.2020

Die letzten Nachrichten: Mehrere Parlamentsausschüsse haben die Regierung aufgefordert, eine Strategie zu entwickeln, wie die Coronakrise in Tansania wirtschaftlich aufgefangen werden kann. Die Regierung müsse sich mit Unternehmern, Händlern etc. treffen und mögliche Maßnahmen wie Steuersenkungen oder die Stundung von Krediten besprechen. Es gehe um den Verlust von Arbeitsplätzen und die Schließung von Betrieben. Aktuell besonders betroffen sei die Tourismusindustrie.

Der Gesundheitsminister von Sansibar, Hamad Rashid Mohamed, hat gestern an die Bevölkerung appelliert, die Gefahr einer Verbreitung des Coronavirus ernster zu nehmen als bisher. Immer noch würden sich die Menschen auf Plätzen treffen oder in größeren Gruppen an Hochzeiten oder Beerdigungen teilnehmen. Daher sei nun der Besuch von Bars oder Unterhaltungsbetrieben untersagt. Der Minister berichtete, dass sich aktuell 324 Personen auf Sansibar in Quarantäne befinden, darunter 27 Ärzte. 710 Menschen, die mit Booten aus Kenia über illegale Einreiseorte nach Pemba eingereist seien, hätte die Polizei inhaftiert.

Dr. Elisha Osati, Präsident der Medical Association of Tanzania (MAT), hat gestern auf einer Pressekonferenz in Daressalam einen besseren Schutz des Klinikpersonals und ein Unterbringungskonzept für Kliniken gefordert. Die Bemühungen der Regierung seien zwar "lobenswert", jedoch müsse dringend die Ausstattung des Personals mit Schutzkleidung erfolgen. Ferner sollten Patienten mit Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder mit Herzmuskelerkrankungen sowie ältere Patienten aus den großen Kliniken in kleinere Krankenhäuser verlegt werden, um sie zu schützen und um gleichzeitig ausreichend Platzkapazitäten für die zu erwartenden Corona-Patienten zu schaffen.

Der Stellvertretende Gesundheitsminister Faustine Ndugulile hat gestern in einem Interview mit der Tageszeitung The Citizen eine Kontaktsperre ausgeschlossen: "Die meisten Tansanier leben von der Hand in den Mund. Sie müssen ihre Wohnung verlassen, um zu überleben. Ein totaler Lockdown würde bedeuten, dass einige verhungern würden." 

Abgelaufene Reisepässe von ausländischen Besuchern, die wegen der Coronakrise das Land nicht verlassen können, werden auf Antrag um einen Monat verlängert. Visa werden im Notfall auf drei Monate verlängert. 

Weitere Schlagzeilen: Magharibi District (nördlich und südlich von Sansibar-Stadt) verbietet Strandaktivitäten / Opposition fordert Versorgungskonzept für die arme Bevölkerung / Deutscher Entwicklungsminister Müller: Afrika jetzt nicht alleine lassen / Workshops für Krankenhauspersonal und Aufklärungskampagnen in verschiedenen Landesteilen Tansanias / Premierminister Kassim Majaliwa: "Wir sind im Krieg" / Tansanische Firmen spenden ca. 1 Mill. Euro für den Kampf gegen Corona / Sea Cliff Hotel in Daressalam dicht und alle Serena Hotels bis zum 15. Juni geschlossen / Die katholische Kirche will auf Prozessionen verzichten. Messen können auch in Abwesenheit der Gläubigen durchgeführt werden / Der Gesundheitsminister von Sansibar hat darum gebeten, von Versammlungen in Moscheen abzusehen / Ostafrikanische Gemeinschaft beschließt Vorsichtsmaßnahmen für den Warenverkehr: Übernachtung von LKW-Fahrern nur noch in bestimmten Hotels.

Weiterhin offiziell 20 Erkrankungen / Doch sind die Zahlen aussagekräftig?

Von den 20 Patienten stammen 15 aus Tansania und 5 aus dem Ausland - darunter ein 24-jähriger Deutscher mit seiner Frau auf Sansibar. Infektionen gab es offiziell in den Regionen Arusha, Daressalam, Sansibar und Kagera. Betroffen ist auch der 40-jährige tansanische Rapper Mwana Fa, der aus Südafrika eingereist ist. Mwana Fa zählt zu den besten und bekanntesten Musikern Tansanias. Auch Oppositionsführer Freeman Mbowe hat sich vor sechs Tagen nach einer Erkrankung seines Sohnes mit seiner Familie in Dodoma in Quarantäne begeben. 

Zwei Erkrankte haben sich inzwischen wieder erholt. Bei den drei am vergangenen Montag neu Infizierten aus Daressalam handelt es sich um eine 21-jährige Frau und um zwei jeweils 49-jährige Männer.

Einige Experten stellen die Frage, wie weit die offiziellen Fallzahlen wirklich aussagekräftig sind. Tansania war das letzte Land der ostafrikanischen Gemeinschaft, das eine verpflichtende 14-tägige Quarantäne für Einreisende eingeführt hat. Auch die äußerst geringe Zahl der bisher durchgeführten Tests oder die fehlenden Testmöglichkeiten in weiten Teilen des Landes erschweren nach Meinung der Experten ein realistisches Bild von der Verbreitung des Coronavirus in Tansania.

Anstieg in ganz Afrika auf 7.546 Erkrankte, 298 Todesfälle

Die Zahl der offiziell bekannten Corona-Erkrankungen steigt auch in Afrika erschreckend schnell an - dies gilt insbesondere für Südafrika, wo mittlerweile das Militär die verhängte Ausgangssperre überwacht. In der Woche vom 27.3.-3.4. stieg die Zahl der offiziell Infizierten um 92 %, die Zahl der Todesopfer um 234 %. Die meisten Erkrankungen gibt es aktuell in Südafrika (1.505), Algerien (986), Ägypten (865), Marokko (735), Tunesien (495), Reunion (321), Kamerun (306), Burkina Faso (302), Senegal (207), Ghana (204) und Elfenbeinküste (194). Als Folge fehlender Tests oder mangelnder Testmöglichkeiten wird von einer wesentlich höheren Dunkelziffer ausgegangen. 298 Menschen sind bislang in Afrika an dem Virus gestorben. (Stand: 3.4.2020/18.00 Uhr)

Dr. Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin der WHO für Afrika, hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Bevölkerung Afrikas zwar das weltweit jüngste Durchschnittsalter hat, dass aber viele Menschen durch Vorerkrankungen wie HIV/Aids (26 Millionen) oder durch Unternährung (alleine 58 Millionen Kinder) zu den Risikogruppen zählen. Kinder seien daher in Afrika mehr gefährdet als in anderen Teilen der Welt.

Prominentes erstes Todesopfer

Bei dem ersten Corona-Todesopfer am vergangenen Dienstag in Tansania handelt es sich um Iddi Mbita, den 49-jährigen jüngsten Sohn des 2015 verstorbenen Hashan Mbita, der von der Afrikanischen Union als erster Afrikaner mit dem Ehrentitel "Sohn Afrikas" ausgezeichnet worden war. Hashan Mbita, ehemaliger Pressesprecher von Julius Nyerere, war von 1972-94 Exekutivsekretär der OAU und als General zuständig für die antikolonialen Befreiungskämpfe in mehreren afrikanischen Ländern. Er wurde u.a. mit dem höchsten Orden von Simbabwe ausgezeichnet. Der Tod seines Sohnes schockiert die Nation also gleich in mehrfacher Hinsicht.

Tansania schreibt 610 neue Arztstellen aus

Die Regierung Tansanias hat in der vergangenen Woche 610 neue Arztstellen ausgeschrieben. Gesucht werden auch "Grade II Doktors" oder Ärzte mit Bachelor-Abschluss, die eine staatlich anerkannte Universität besucht haben und bereit sind, zur Bekämpfung des Coronavirus in einem Krankenhaus oder in einer Gesundheitsstation, insbesondere auch in ländlichen Regionen, zu arbeiten. Bereits Anfang des Jahres hatte der Staatspräsident die Schaffung von 1000 neuen Arztstellen angekündigt. 

Tests und Behandlungen in sechs Krankenhäusern

Der Premierminister teilte in der letzten Woche mit, dass in fünf Schwerpunkt-Krankenhäusern Tests und Behandlungen durchgeführt werden können: Mloganzila Hospital (Daressalam), Mawenzi Hospital (Moshi), Buswelu Hospital (Mwanza), Mnazi Moja Hospital (Sansibar) und Chakachaka Hospital (Pemba). Am Montag wurde auch noch das District Hospital in Kibaha für Corona-Patienten ausgewählt.

Der chinesische Milliardär Jack Mai (Alibaba Group) hat Tansania 100.000 Schutzmasken, 20.000 Corona-Testkits sowie 1.000 Schutzjacken gespendet. Die Hilfe aus China traf in der vergangenen Woche mit Ethiopien Airlines in Dar ein. 

Deutscher Entwicklungsminister Müller: Afrika jetzt nicht alleine lassen

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) betont, dass der Westen die Länder Afrikas jetzt nicht alleine lassen dürfe. „Die Staatengemeinschaft muss schnell liefern“, schrieb Müller in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Neben millionenschweren Soforthilfen will der CSU-Politiker praktische Unterstützung bereitstellen – etwa bei der Schulung von Labor- und Klinikpersonal.

Viel Hoffnung setzt Müller auf „Corona-Tools“: In Deutschland entwickelte Apps, mit denen „Informationen über Infizierte und Kontaktpersonen in Echtzeit schnell und unkompliziert“ weitergegeben werden können – für ein besseres „Management und Monitoring“ der Coronakrise.  Aus: Der Tagesspiegel vom 29.3.2020

2 Mrd. US-Dollar der UN für Entwicklungsländer

Die UN stellt 2 Mrd. US-Dollar bereit, um Entwicklungsländer im Kampf gegen den Coronavirus zu unterstützen. Das Geld soll vor allem für Testgeräte, medizinisches Equipment und den Schutz des medizinischen Personals verwendet werden. Außerdem für Kommunen mit Flüchtlingsunterkünften und -lagern.

Oxfam, der internationale Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, verlangt ein Schuldenmoratorium für afrikanische Länder.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat vorgestern in Genf einen Schuldenerlass für ärmere Länder gefordert. Nur so seien sie in der Lage, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Folgen der Pandemie zu bewältigen. Ghebreyesus: "Wir müssen zusammenstehen, um dieses unbekannte und gefährliche Virus zu bekämpfen".

14 Tage Quarantäne nach der Einreise / Hotels als Quarantänestationen

Das Auswärtige Amt teilt auf seiner Homepage mit: "Für Einreisende nach Tansania (Festland) und Sansibar gelten aufgrund der weltweiten Verbreitung des Coronavirus folgende Regelungen: unabhängig von Herkunftsland und Staatsangehörigkeit ist eine 14-tägige Quarantäne nach Einreise verpflichtend. Die Behörden legen bei Einreise fest, in welchem Hotel die Quarantäne zu erfolgen hat. Die Kosten gehen zu Lasten der Reisenden."

Alle Regional Commissioners haben von der Regierung den Auftrag bekommen, preiswerte Hotels ausfindig zu machen, die als Quarantänestation genutzt werden können.

Kaum noch Flüge nach Tansania

Aktuell werden kaum noch Flüge von Europa nach Tansania angeboten. Lediglich Ethiopien Airlines bietet mittwochs und freitags die Verbindung über Addis Abeba nach Daressalam an.

Leere Hotels

Reiseveranstalter in Arusha, Daressalam und Sansibar klagen über fehlende Kunden. Hotels stehen zum Teil komplett leer oder wurden bereits geschlossen. Die Serena Hotelkette des Aga Khan hat am Sonntag bekannt gegeben, dass alle Hotels in Tansania und Kenia bis zum 15. Juni geschlossen sind.

Deutschland hat bis Ende April eine weltweit gültige Reisewarnung ausgesprochen, die Touristen eine kostenlose Stornierung ihrer Pauschalreise ermöglicht. 

Tourismus kommt zum Erliegen

Die tansanischen Medien verwirren in diesen Tagen mit widersprüchlichen Meldungen: Während eine Zeitung einen bis zum 15. Mai dauernden offiziellen 45-tägigen "Shutdown" des Tourismus in den Nationalparks ankündigte, meldeten andere Medien vorgestern die Einladung an die Touristen, die Nationalparks zu besuchen. Während eine Zeitung berichtete, dass Sansibar ab sofort abgeschottet und selbst für Einheimische nicht mehr zu erreichen sei, macht der Fährbetrieb Azam Marine zwischen Daressalam und Zanzibar nach eigenen Angaben "Business as usual". Gleiches gilt für regionale Fluglinien. Wie dem auch sei: Die eingeführte 14-tägige Quarantäne für einreisende Ausländer bringt so oder so den Tourismus komplett zum Erliegen. Tanzania Tourist Board (TTB) bittet die Touristen angesichts dieser Situation um "Verschiebung statt Absage".

Tourismusbranche fordert Rettungspaket

Tansanische Tourismusverbände fordern von der Regierung für ihren Bereich ein nationales Rettungspaket. Der Tourismus mit seinen angestrebten 2 Millionen Besuchern im Jahr 2020 sei komplett zusammengebrochen. Die Zahl der Serengeti-Besucher ist um 99,6 % von durchschnittlich 6.000 auf 24 pro Tag gesunken. Sansibar bezieht 80 % seiner ausländischen Einnahmen aus dem Tourismus. Gefordert werden Kredite, Steuersenkungen bzw. -befreiungen, reduzierte Pachtkosten und eine weltweite PR-Kampagne für den tansanischen Tourismus nach dem Ende der Pandemie. In Tansania gibt es über 500 Reiseveranstalter. Betroffen sind aber auch Hotels, Lodges, Restaurants, Souvenirshops, Guides, Autofahrer, Busunternehmen u.a.m. 

Am vorletzten Sonntag: Rede von Magufuli in vollbesetzter Kirche

In der vollbesetzten St. Paul's Catholic Church in Dodoma hat der Staatspräsident am vorletzten Sonntag eine Rede gehalten, in der er die Tansanier aufforderte, hart weiterzuarbeiten und sich nicht entmutigen zu lassen. Die Regierung werde im Kampf gegen das Virus nicht aufgeben. Magufuli: "Ich glaube, dass die Seuche von Satan gebracht wurde, und der einzige Weg, diesen Kampf zu gewinnen, geschieht durch Gott." Er fuhr fort: "Wir haben uns gegenseitig mit Covid-19 Angst gemacht, als gäbe es keine andere Seuche, die Menschen tötet: Aids, tötet, Krebs tötet, Autounfälle töten viele Menschen." Ansonsten sei in Tansania bislang noch nichts Schlimmes passiert, und durch den Glauben an Gott gehe die Seuche vorbei wie ein böser Geist. Die Opposition kritisierte die Rede und forderte, wie in Uganda, Ruanda und Kenia Gottesdienste zu untersagen.

"Coronavirus in Tansania: Der gottgläubige Präsident"
TAZ vom 1.4.2020

Rückreise aller Weltwärts-Freiwilligen

Angesichts der sich stetig verschärfenden Situation um die weltweite Ausbreitung des Corona Virus hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Rücksprache mit dem Auswärtigen Amt in der vergangenen Woche entschieden, dass alle im Ausland befindlichen Freiwilligen so schnell wie möglich nach Deutschland zurückgeholt werden sollen.
Weitere Infos auf der Homepage von Weltwärts

Ausreisegenehmigung für Tansanier nur noch in dringenden Fällen / Einreisestopp der EU

Tansanier dürfen nur noch in nachweislich dringenden Fällen das Land verlassen. Dies gilt auch für Mitglieder der Regierung. Durch die Schließung der EU-Grenzen können bis Ende April aber sowieso keine Tansanier mehr nach Deutschland oder Österreich einreisen.

Manager von Superstar Diamond Platnumz infiziert, gesamte Band in Quarantäne

Sallam, der Manager von Bongo Flava Superstar Diamond Platnumz, hat am Donnerstag vorletzter Woche auf Instagram mitgeteilt, dass er mit dem Coronavirus in einem Krankenhaus in Daressalam liegt. Er habe sich dort zur Sicherheit einen ganzen Trakt angemietet. Sallam war am 14.3. aus Europa (Schweiz, Dänemark, Frankreich) nach Tansania zurückgekehrt.

Diamond Platnumz, 30, dessen Welttournee wegen Corona unterbrochen worden ist, soll seinen Aufenthalt in einem nicht genannten europäischen Land um drei Wochen verlängert haben. Die gesamte Band (Musiker, Tänzer, Techniker) hat sich in eine 14-tägige Selbst-Quarantäne begeben. Platnumz gilt als der derzeit erfolgreichste Musiker Ost- und Zentralafrikas. Auf Facebook hat er 3 Millionen und auf YouTube 3,3 Millionen Follower. Am 23.3.2020 erreichte er als erster Musiker Afrikas 900 Millionen Aufrufe bei Youtube.

Landesweite Schließung von Kindergärten, Schulen, Colleges und Universitäten

Die Regierung hat bereits vor mehreren Tagen Schutzmaßnahmen beschlossen wie die landesweite Schließung von Kindergärten, Schulen, Colleges und Universitäten. Die Form-6-Prüfungen im Mai werden verschoben. Der Besuch von Strafgefangenen ist untersagt. Die Regierungspartei CCM sagte alle Meetings unterhalb der obersten Leitungsebene ab und will möglichst nur noch Videokonferenzen durchführen. Sansibar ordnete an, dass Beerdigungen und Hochzeiten nur noch im kleinen Kreis durchgeführt werden dürfen.

Verbot aller öffentlichen Veranstaltungen

Anfang vorletzter Woche gab Premierminister Kassim Majaliwa im Fernsehen und auf einer Pressekonferenz das landesweite Verbot aller öffentlichen Veranstaltungen bekannt. Betroffen sind auch politische Veranstaltungen, Kundgebungen, Demonstrationen und Sportveranstaltungen. Die erste Fußball-Liga wurde abgebrochen.

Präsident empfiehlt den Verzicht auf Händeschütteln und Zärtlichkeiten

Der tansanische Staatspräsident hat bereits in der vorletzten Woche auf einer Veranstaltung den Ernst der Lage dargestellt und empfohlen, im privaten Bereich auf Zärtlichkeiten zu verzichten. Außerdem soll es im gesamten Land nur noch ein distanziertes Begrüßen ohne Händeschütteln oder Umarmungen geben. Präsident John Magufuli ging mit gutem Bespiel voran und begrüßte einen Gast kreativ mit einer Berührung von Schuh zu Schuh.

Abstandhalten wird nur sehr langsam ein Thema. Weiterhin Gottesdienste

In der öffentlichen Aufklärung wird vor allem auf Händewaschen und das Desinfizieren von Händen hingewiesen, wobei die entsprechenden Desinfektionsmittel im öffentlichen Leben oft fehlen. In Linienbussen wurden Stehplätze verboten. Außerdem ist in allen Bussen eine Möglichkeit zum Desinfizieren vorgeschrieben.

Die evangelische und die katholische Kirche von Tansania unterstützen die Maßnahmen der Regierung und verzichten auf den Friedensgruß mit Händeschütteln. Sie haben sich am vergangenen Wochenende bei der Regierung dafür bedankt, dass Gottesdienste weiterhin stattfinden dürfen. Die katholische Kirche teilte mit, dass es zukünftig im Rahmen von Gottesdiensten Vorsichtsmaßnahmen bei der Kommunion und bei der Priesterweihe geben werde. Auch sei Ostern das Küssen des Heiligen Kreuzes tabu.

Grenzen nach Ruanda, Kenia und Uganda gesperrt

Ruanda, Kenia und Uganda haben alle Grenzübergänge nach Tansania und in die anderen Nachbarländer geschlossen. Einreisen dürfen nur noch eigene Staatsbürger und Residents. Auch die Grenze zwischen Kenia und Uganda ist seit einigen Tagen dicht. Uganda hat sogar die Inlandsflüge eingestellt und für 14 Tage alle Transfers innerhalb des Landes untersagt.

Frühe Warnung von Bill Gates

Bill Gates, der in den vergangenen Jahren mit seiner Bill & Melinda Gates Stiftung mehrere Milliarden USA-Dollar in eine bessere Gesundheitsversorgung Afrikas investiert hat, hatte frühzeitig vor einer weiteren Verbreitung des Virus in Afrika gewarnt:

"Diese Krankheit wäre in Afrika dramatischer als in China, obwohl ich nicht versuche, die Vorgänge in China in irgendeiner Weise kleinzureden. Wenn Sie sich Ebola ansehen, gab die meisten Todesfälle, weil der Gesundheitsdienst zusammenbrach. Es ist nicht nur die direkte Wirkung, sondern auch die Panik, die Überlastung und die Dinge, die das Gesundheitspersonal betreffen, weil sie bereits über eine sehr begrenzte Kapazität verfügen “, sagte Bill Gates im Februar 2020 in einem Vortrag bei der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Seattle.
 



Hinweis:

Verfügen Sie über eigene neue Informationen zur aktuellen Corona-Situation in Tansania? Oder sollten an den o.a. Infos Korrekturen vorgenommen werden? Bitte teilen Sie uns dies mit. Herzlichen Dank vorab!
 



Links (Tansania):

Infos zur aktuellen Situation in Bagamoyo

"Zu Hause bleiben? In Tansania können sich das die wenigsten leisten"
Spiegel vom 3.4.2020

"Coronavirus in Tansania: Der gottgläubige Präsident"
TAZ vom 1.4.2020

"Schnell und gut: Wie man auf der Urlaubsinsel Sansibar mit der Corona-Krise und dem Wegbleiben der Touristen umgeht"
Süddeutsche Zeitung vom 1.4.2020
 



Links (Afrika):

"Ein globales Problem: Coronavirus in Afrika"
ORF vom 3.4.2020

"Social Distancing ist einfach nicht möglich"
Stern vom 3.4.2020

"Für Afrika werden keine Masken übrig sein"
Thuner Tagblatt vom 3.4.2020

"Afrika steht allein am Abgrund"
Süddeutsche Zeitung vom 2.4.2020

"UN warnt vor humanitärer Katastrophe in der Sahelzone"
ref.ch vom 2.4.2020

"Angst in Afrika" (über die Auswirkungen auf den Tourismus)
Süddeutsche Zeitung vom 1.4.2020

"Von Ebola lernen: Afrika und das Coronavirus"
Capital vom 1.4.2020

"Wegen Corona: Altkleider-System vor dem Kollaps"
nordbayern.de vom 1.4.2020

"Wie sich Afrika für das Coronavirus rüstet"
Deutschlandradio vom 31.3.2020

"Wenn New York überfordert ist, was passiert dann in Nairobi?"
SRF vom 30.3.2020

"Der verwundbare Kontinent"
Der Tagesspiegel vom 29.3.2020

"Afrika ist auf sich allein gestellt"
Süddeutsche Zeitung vom 27.3.2020

"Corona legt auch in Afrika und Asien das (religiöse) Leben lahm"
Vatican News vom 24.3.2020

"Afrika wehrt sich gegen das Coronavirus: Bislang erst dreistellige Zahl an Infizierten"
Epoch Times vom 21.3.2020

"27 Länder in Afrika betroffen: Die schlimmste Corona-Epidemie droht der Welt erst noch"
Focus vom 21.3.2020

"Afrikas Corona-Paradox"
Welt vom 20.3.2020

"Coronavirus in Afrika: WHO-Chef mit drastischer Warnung: 'Sollten sich auf das Schlimmste vorbereiten'“
Merkur vom 20.3.2020

Bistum Münster holt Freiwillige aus dem Ausland zurück
"Kirche und Leben" vom 19.3.2020

Afrikanische Regierungen vertuschen die Corona-Krise
Blick (Schweiz) vom 19.3.2020

Afrika: Furcht vor massiver Ausbreitung des Coronavirus
vaticannews vom 16.3.2020

Helfer warnt vor Ausbreitung von Corona-Virus in Afrika
evangelisch.de vom 15.3.2020

Wenn Covid in Entwicklungsländer gelangt
Süddeutsche Zeitung vom 27.2.2020