Französische Firma beginnt mit Hafenbau in Bagamoyo

Die tansanische Hafenbehörde (TPA) hat Mitte Dezember 2025 eine Absichtserklärung mit Africa Global Logistics (AGL) Tanzania Ltd., einer Tochtergesellschaft von MSC mit Hauptsitz in Frankreich, über die Planung, den Bau und den Betrieb von drei der insgesamt 28 geplanten modernen Liegeplätze im neuen Containerhafen von Bagamoyo unterzeichnet.

Das 'Memorandum of Understanding' wurde in Daressalam von TPA-Generaldirektor Plasduce Mbossa und AGL-Präsident Philippe Labonne unterschrieben. Mbossa erklärte, dass seine Firma parallel auch zwei neue moderne Liegeplätze im Hafen von Daressalam bauen wird, der derzeit 95 Prozent des internationalen Handels des Landes abwickelt und mit seinen 12 Liegeplätzen bereits heute vollkommen überlastet ist. 

Baubeginn Anfang Januar 2026

„Wir gehen davon aus, Anfang Januar mit dem Bau der drei neuen Liegeplätze im Hafen von Bagamoyo zu beginnen und begrüßen weitere lokale und ausländische Investoren, die sich dem Projekt anschließen möchten. Ziel des Projekts ist eine grundlegende Transformation des Hafenbetriebs im Land“, sagte Mbossa.

AGL-Präsident Philippe Labonne erklärte, man habe sich für das Abkommen und für Investitionen in Tansania entschieden, da Tansania ein friedliches und sicheres Land mit einem stabilen und investitionsfreundlichen Umfeld sei. Tansania hätte eine strategisch günstig Lage für den Transportsektor und diene als nationales und internationales Handelstor.

„Ich bin überzeugt, dass Tansania ein Land mit rasanter Entwicklung ist, über starke und fähige Arbeitskräfte verfügt und optimistisch in die Zukunft blickt. Es ist zudem ein Tor zu vielen afrikanischen Ländern und internationalen Märkten. Ich glaube, diese Partnerschaft wird zahlreiche Chancen eröffnen, darunter die Schaffung von Arbeitsplätzen, die für die individuelle und nationale Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist“, sagte Labonne.
 

Investor betreibt bereits 42 Hafenterminals in Afrika  

AGL ist ein 2008 gegründetes französisches Unternehmen, das sich auf Transport- und Logistikdienstleistungen in Afrika spezialisiert hat und seit Dezember 2022 eine Tochtergesellschaft der Schweizer Reederei MSC ist. Arbeitsbereiche von AGL sind Straßentransport, Logistik für Industrieprojekte, Transport von Sondergütern, Schienen- und Lufttransport, Binnenschifffahrt, Hafenumschlag, Seeverkehrsdienste, Schiffsreparatur, Lieferkettenmanagement und Lagerverwaltung.

Das Unternehmen verfügt über ein Netzwerk von 250 Tochtergesellschaften und mehr als 21.000 Mitarbeitern in 49 Ländern, davon 47 in Afrika. AGL ist bereits der Betreiber von 42 Hafenterminals in Afrika, darunter 14 Containerterminals in 12 westafrikanischen Ländern und eines auf den Komoren. In Bagamoyo baut AGL also sein erstes Hafenterminal auf dem ostafrikanischen Festland.

Die Mutterfirma MSC ist eine schweizerische Reederei mit Sitz in Genf. Sie ist gegenwärtig die weltweit grösste Containerreederei und mit Tochterunternehmen auch im Containerterminal-, Kreuzfahrt- und Fährgeschäft aktiv. In einer strategischen Partnerschaft ist sie auch am Hamburger Hafen beteiligt. Die MSC Group gehört zu den 500 grössten Familienunternehmen weltweit.

Der französische Betreiber ist bereits in Tansania aktiv

Tansania ist für die MSC-Tochterfirma AGL kein Neuland. Sie ist in Afrika auch an 24 Trockenhäfen beteiligt, unter anderem in Kenia, Uganda, Malawi und am Trockenhafen Tabata in Daressalam. Trockenhäfen sind Güterverkehrszentren und/oder Rangierbahnhöfe mit direkter Schienenanbindung an einen Seehafen. Ein Trockenhafen übernimmt dabei Teilaufgaben eines Hafens und erweitert dadurch dessen Kapazität. Der Trockenhafen Tabata liegt direkt an der TAZARA, der von China gebauten Eisenbahnlinie von Sambia nach Daressalam. 

Französischer Einsteig in den ostafrikanischen Güterverkehr

Mit der Hafenbeteiligung in Bagamoyo und Daressalam steigt AGL nun verstärkt in den ostafrikanischen Güterverkehr ein. Der neue Hafen von Bagamoyo soll mittelfristig an das Netz der Zentraleisenbahn angeschlossen werden, wodurch nach dem bereits begonnenen Neubau der Eisenbahnlinie von Dodoma nach Mwanza und der bereits vertraglich beschlossenen Eisenbahn-Neubaustrecke in die östlichen Nachbarländer auch Container aus Uganda, Ruanda, Burundi und DR Kongo nach Bagamoyo transportiert werden können.

Entsprechend ist AGL auch an einer Beteiligung an dem neuen Trockenhafen von Kwala zwischen Chalinze und Mlandizi interessiert. Er liegt unmittelbar an der A7 (Iringa-Morogoro-Daressalam Highway) und am Kwala Industrial Park (KIP) mit Anschluß an die Zentraleisenbahn. 
 

Der Kwala Dry Port wurde im August 2025 eröffnet und wird hauptsächlich von der Hafenbehörde TPA betrieben - in Zusammenarbeit unter anderem mit der Eisenbahnbehörde TRC, der tansanischen Steuerbehörde TRA sowie DP World, einer arabischen Logistikfirma mit Sitz in Dubai, die seit Kurzem auch einen Teil des Hafens von Daressalam unter Konzession betreibt.

Asiaten an neuem Industriepark beteiligt

Der dem Kwala Dry Port angeschlossene und am 31.7.2025 offiziell eröffnete Kwala Industrial Park (KIP) wird wiederum unter staatlicher Aufsicht und mit staatlicher Unterstützung von der Sino-Tan Kibaha Industrial Park Co. Ltd. als Hauptbetreiber und Entwickler geführt, einem Joint Venture zwischen der in Tansania ansässigen Baufirma Group Six International (GSI) und der Firma Arise IIP, die von dem Inder Gagan Gupta gegründet wurde. Seit September 2025 gehört der Firma als strategischer Partner auch Vision Invest an, ein führender Investor aus Saudi-Arabien.

Ökologische Hindernisse

Auch die Franzosen werden sich den ökologischen Problemen eines Hafenbaus an der vorgesehenen Stelle südlich vor Bagamoyo stellen müssen: Der geplante Hafen liegt in einem Mangrovengebiet, und nach einem Gutachten, das vor vielen Jahren erstellt wurde, ist die Versandung im vorgesehenen Hafenbecken so groß, dass es ständig ausgebaggert werden muss. Noch unbekannt ist zudem, welche Auswirkungen der Hafen möglicherweise auf den Strand von Bagamoyo hat.  

Hafenbau seit 15 Jahren eine 'Never Ending Story'

Beobachter sind nun gespannt, ob mit der Ankündigung des Einstiegs der Franzosen nun tatsächlich der erste konkrete Schritt zum Hafenbau in Bagamoyo erfolgen wird. Bislang gab es über 15 Jahre lang nur Planungen, Enteignungen und Entschädigungen für die Pächter auf dem ursprünglich vorgesehenen Hafengelände mit der sich anschließenden gigantisch großen Industrie- und Sonderwirtschaftszone. Und es gab ein zeitweilig wildes internationales Tauziehen um Finanzen, Handels-, Macht- und Einflusszonen in Ostafrika.

"Die Geschichte von Bagamoyo ist mehr als nur ein ins Stocken geratenes Bauprojekt; sie ist eine Fallstudie über die Politik der Infrastruktur, das Kleingedruckte von Investitionsverträgen und das langfristige Streben nach wirtschaftlicher Souveränität." (Tanzania Digest)
 


2013 - 2025: Die 'Never Ending Story' vom Bau eines Mega-Containerhafens in Bagamoyo

Nach Abschluss der ersten Planungen wurde bereits vor 10 Jahren in Bagamoyo feierlich der Grundstein gelegt. Teilnehmer der Zeremonie waren der aus dem Bagamoyo District stammende damalige tansanische Staatspräsident Jakaye Kikwete, führende Repräsentanten der beteiligten Firmen aus China und Oman, zahlreiche Regierungsmitglieder und mehrere Vertreter ausländischer Botschaften.

2015: Die Tür zum 21. Jahrhundert weit öffnen

Mit dem geplanten Hafenbau wollte Tansania die Tür zur weiteren Entwicklung des Landes, zur Industrialisierung und damit zum 21. Jahrhundert weit öffnen. Kikwete sprach in seiner Rede vom "Beginn einer industriellen Revolution in Tansania". Als Baubeginn wurde Juli 2016 verkündet.

Bereits zwei Jahre zuvor hatte 2013 der chinesische Staatspräsident Xi Jinping Tansania im Rahmen seiner ersten längeren Auslandsreise besucht und in Daressalam eine Vereinbarung über circa 10 Mrd. US-Dollar unterzeichnet.
 

Industriezone für 700 Firmen und 250.000 Arbeitsplätze geplant

In der ersten Phase des Kooperationsprojekts von Tansania, China und dem Oman sollte der 800 ha große moderne Containerhafen gebaut werden mit einer noch weiter ausbaubaren vorläufigen Lagerfläche von 8.000 Containern. Eine 1.700 ha große Industriezone mit Platz für 700 Fabriken, ein Internationales Business Center, ein Freizeitpark und eine Sonderwirtschaftszone sollten folgen. Die BBC berichtete, dass die tansanische Regierung auf die Ansiedlung von insgesamt circa 1000 in- und ausländischen Firmen hofft. Die Gesamtzahl der erwarteten neuen Arbeitsplätze wurde auf 250.000 geschätzt.  

Experten der drei beteiligten Länder sollten im Rahmen einer trilateralen Task Force auch für den Bau eines Eisenbahnanschlusses, eines neuen Highways von Bagamoyo in Richtung Morogoro, Elektrizität, Wasser, Gas und Kommunikationstechnologie verantwortlich sein.

Das Hafenprojekt in Bagamoyo sollte zum größten maritimen Drehkreuz Ostafrikas werden und den Hafen von Daressalam entlasten, der zudem wegen der Wassertiefe nicht in der Lage ist, die größten Containerschiffe abzufertigen.

'Mapinga City' im Bagamoyo District

Der Hafen würde, so das Konzept, den Indischen Ozean vor allem auch mit den rohstoffhaltigen und wirtschaftlich aufstrebenden Nachbarstaaten Burundi, Kongo, Ruanda, Malawi, Uganda und Sambia verbinden mit guten Verbindungsmöglichkeiten nach Mosambik, Kenia, Südsudan, Komoren, Madagaskar und den Seychellen.

Mit 'Mapinga City' wurde bereits ein Name gefunden für die ebenfalls geplante neue Satellitenstadt zwischen Daressalam und Bagamoyo mit über 100.000 Einwohnern.
 

Der chinesische Traum von der 'Neuen Maritimen Seidenstraße'

Für die chinesische Regierung ging es um nichts weniger als um den „chinesischen Traum“ einer „Neuen Maritimen Seidenstraße“ von China über das Südchinesische Meer, Indonesien, Malaysia, Indien und Sri Lanka nach Ostafrika, wo der Hafen von Bagamoyo nicht zuletzt auch die Möglichkeit des Transports von Waren über den Suezkanal nach Europa ermöglichen sollte.

2016: Immer wieder Verschiebung des Baubeginns

Doch bereits 2016 wurde die Lage ziemlich undurchsichtig: China als Hauptinitiator des Megaprojekts steckte mitten in einer Wirtschaftskrise, auch in Kenia gab es einen großen Hafenneubau (Lamu), und es waren Stimmen selbst aus der Regierung zu hören, die zum damaligen Zeitpunkt einen Ausbau bereits vorhandener Häfen (Daressalam, Mwanza, Tanga) bevorzugten – zumal die neue Öl-Pipeline von Uganda nach Tansania in den Hafen von Tanga mündet. Mehrere Jahre lang war von dem Projekt wenig zu hören. 

Auf Anfrage von Shukuru Kawambwa (CCM), Parlamentsabgeordneter von Bagamoyo, teilte die Regierung lediglich mit, dass vor Baubeginn erst noch Verträge mit privaten Investoren im Rahmen von Private Public Partnership abgeschlossen werden müssten. Mit einem Baubeginn sei daher vermutlich frühestens im Laufe des Jahres 2019 zu rechnen.

2017: Finanzielle Engpässe

Doch "Finanzielle Engpässe" verzögerten den Baubeginn. Zwischenzeitlich war eine Task Force mit Vertretern des tansanischen Finanzministeriums, der Sonderwirtschaftszone (EPZA) sowie der chinesischen und omanischen Investoren eingesetzt worden, um die weitere Planung vorantreiben. Fehlende Mittel verzögerten bereits die Entschädigungen für Landpächter in Höhe von circa 70 Mill. Euro. Firmen, die in die Sonderwirtschaftszone investieren, wurde eine zehnjährige Steuerbefreiung in Aussicht gestellt.

Charles Mwijage, Minister für Industrie, Handel und Investment, gab bekannt, dass im Dezember 2017 die finalen Verhandlungen mit den Investoren aus China (China Merchants Holdings International, CMHI) und aus dem Oman (General Reserve Fund, SGRF) abgeschlossen wurden. Das Ende der ersten Bauphase wurde jetzt auf das Jahr 2022 datiert.

2019: Magufuli kündigt Vertrag mit China

Im Juni 2019 dann der große Eklat. John Magufuli (CCM), inzwischen Staatspräsident, erklärte im Sinne seiner Ideologie 'Tanzania first', die bereits im Vertrag für den Hafenbau verankerten strengen Bedingungen der Investoren nicht mehr akzeptieren zu wollen. Nach tansanischen Medienberichten führte er für seinen Entschluss auf einer Sitzung des Nationalen Wirtschaftsrates (TNBC) im Juni 2019 folgende Begründung an:

Laut Vertrag dürften bereits bestehende Häfen zwischen Tanga und Mtwara und die geplante neue Straße von Mtwara nach Mbamba Bay (Lake Nyasa), die einen Frachtweg in die Nachbarländer eröffnen soll, nicht mehr gebaut werden. Die Steuerbehörde Tansania Revenue Authority (TRA) muss 33 Jahre lang auf die Erhebung von Steuern oder Abgaben verzichten. Und das Baugebiet soll 99 Jahre lang im Besitz der Investoren bleiben. Magufuli: „Die Investoren wollen unsere Hände binden bei der Entwicklung des Hafens von Tanga, der entscheidend ist für die Öl-Pipeline von Uganda.“ 

Nach Angaben der Tageszeitung 'The Citizen' sprach der Präsident außerdem von möglicher Korruption bei den Kompensationszahlungen an die Bürger von Bagamoyo.

Tansania stellt Investoren aus China und Oman ein Ultimatum

Deusdedit Kakoko (Generaldirektor der tansanischen Hafenbehörde) berichtete der Nachrichtenagentur Reuters von einem Protestschreiben der tansanischen Regierung an die chinesischen Betreiber. Die Verhandlungen müssten neu geführt werden. 

Nach Angaben von Deusdedit Kakoko, Chef der tansanischen Hafenbehörde, stellte die Regierung im Herbst 2019 dem chinesischen Investor China Merchants Holdings Int. das folgende Ultimatum:

1. Eine Begrenzung des Pachtvertrags auf 33 Jahre (statt 99 Jahre)
2. Keine Steuerbefreiung
3. Kein Sonderstatus für den Kauf von Wasser und Elektrizität
4. Keine geschäftlichen Aktivitäten innerhalb des Hafens ohne Zustimmung der Regierung
5. Freie Entscheidung der Regierung über die Entwicklung anderer Häfen, die in direkter Konkurrenz zu Bagamoyo stehen
 

2022: China zieht sich aus dem Projekt zurück

Im August 2022 zogen sich die beiden Firmen China Merchants Holdings International (CMHI) und Oman Investment Authority (OIA) ohne öffentliche Begründung aus dem Projekt zurück. Arbeits- und Verkehrsminister Makame Mbarawa betonte aber, dass die Regierung weiterhin an den Hafenplänen festhalte. Der Hafen von Daressalam müsse entlastet werden. Man befinde sich derzeit "auf der Suche nach engagierten Investoren". Mbawara: "Am Willen der Regierung, den Hafen zu bauen, hat sich nichts geändert."

Erstaunte politische Analysten

Politische Beobachter zeigten sich über die neue Entwicklung erstaunt. Denn für China war der Hafen als einer der Endpunkte ihrer 'Neuen Maritimen Seidenstraße' von strategischer Bedeutung. Und Staatspräsidentin Samia Suluhu Hassan hatte bereits kurz nach ihrem Amtsantritt im Juni 2021 die Verhandlungen Tansanias mit China bzw. Oman wieder aufgenommen.

Im November 2021 berichtete die tansanische Tageszeitung 'The Citizen', dass nach weiteren Gesprächen mit China und dem Oman wieder Bewegung in das milliardenschwere Vorhaben gekommen sei. Tatsächlich bestätigten tansanische Regierungsvertreter mehrfach die Bildung eines neuen Verhandlungsteams bereits im Oktober 2021. 

Gleichzeitig führte die Präsidentin jedoch auch Gespräche mit Staatsoberhäuptern und Investoren aus Europa, den USA und der Golfregion und eröffnete die Möglichkeit, dass sich Kooperationspartner und Investoren aus verschiedenen Ländern an dem Projekt beteiligen. Zeitweilig war sogar von einer Kooperation mit Kenia die Rede.

Zudem wurde die Strategie eines Netzwerks von modernisierten und neuen Häfen in Daressalam, Bagamoyo, Tanga und Mtwara entwickelt.

"Politikberater deuteten kürzere Konzessionszeiträume, leistungsbezogene Meilensteine und gemeinsame Verwaltungsstrukturen an, um sicherzustellen, dass Tansania die strategische Kontrolle behielt. Mitte 2023 hatte sich die Rhetorik von der Frage 'Ob' des Baus von Bagamoyo hin zur Frage 'Wie' des Baus verschoben, um Ambitionen und Souveränität in Einklang zu bringen." (Tanzania Digest)
 

2022: Samia Suluhu Hassan zieht die französische Karte

Bei einem Besuch in Frankreich warb Staatspräsidentin Hassan für eine Unterstützung des Hafenbaus in Bagamoyo. Französische Investoren sollten laut 'The Citizen' für eine Beteiligung an der Gestaltung aller tansanischen Häfen gewonnen werden, "um Tansania zu einem Transport- und Logistikzentrum in Ostafrika zu machen". Große französische Unternehmen wurden eingeladen, im Mai Gespräche mit der tansanischen Regierung zu führen, um eine Beteiligung am Bau und am Betrieb des geplanten neuen Containerhafens von Bagamoyo zu prüfen. 'The Citizen' bezog sich dabei auf ein Interview mit dem französischen Botschafter in Tansania, Nabil Hajlaoui.

2023: Erstellung einer Machbarkeitsstudie

Im Oktober 2023 wurde die Firma MTBS (Rotterdam) von der Hafenbehörde mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt, die das zu erwartende Frachtaufkommen prognostizierte als Grundlage für eine wirtschaftliche und finanzielle Bewertung des Vorhabens. Daraus resultierte dann ein detaillierter Umsetzungsplan. 

Weiter im Focus blieb auch die geplante große Sonderwirtschaftszone auf einem Gelände von 9.000 ha, das nach aktualisierten Planungen Platz für über 200 Betriebe bietet. Interessenten sollen mit einer integrierten Infrastruktur gewonnen werden, die Fabriken unmittelbar neben Lagerhallen und Containerhafen anbietet - gut verbunden mit dem Hinterland durch ausgebaute Straßen und einer neuen Eisenbahn. 

Dabei soll Bagamoyo nach Auffassung der Planer den Hafen von Daressalam nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. In Bagamoyo könnten dann zum Beispiel modernste Mega-Containerschiffe anlegen, für die der Hafen von Daressalam zu klein und nicht tief genug ist. Viele Experten sind aber auch davon überzeugt, dass die rasante wirtschaftliche Entwicklung in Tansania und in seinen Nachbarstaaten den Hafen von Daressalam in den nächsten Jahren überfordern wird. 

2025: Bau mit verschiedenen Investoren aus dem Privatsektor

Nach Angaben der Hafenbehörde wurden Anfang 2025 Absichtserklärungen (MoU) für erste Planungen mit Unternehmen aus China, Ägypten und Saudi-Arabien unterzeichnet. Diese Absichtserklärungen umfassten jedoch noch nicht den eigentlichen Hafenbau, sondern nur vorbereitende Aktivitäten. Damit reagierte die Behörde auf Berichte, wonach Saudi-Arabien die "Übernahme" des Hafens von Bagamoyo im Rahmen seines East Gate-Projekts angekündigt haben soll.  

Ende September 2025 teilte die Staatspräsidentin auf einer Wahlveranstaltung in Kibaha (Küstenregion) mit, dass eine neue Machbarkeitsstudie kurz vor der Fertigstellung steht. Der Hafen werde von der tansanischen Hafenbehörde TPA, der Eisenbahngesellschaft TRC und von Investoren aus dem Privatsektor gebaut. 

Das neue Konzept verzichtet auf die komplette Vergabe des Projekts an einen großen Betreiber. Stattdessen soll der Hafen jetzt offensichtlich verschiedene Investoren und Betreiber einbeziehen und Stück für Stück gebaut werden. Entsprechend verteilen sich die Baukosten auf mehrere Jahre. So sollen laut Geschäftsführer der Hafenbehörde die Kosten für jeden Liegeplatz 99 bis 143 Mill. US-Dollar betragen. Mit drei Liegeplätzen soll der Hafen in 3 Jahren, also Anfang 2029 den Betrieb aufnehmen. 

2026: Baubeginn im Januar?

Der im Oktober 2025 von Regierungssprecher Gerson Msigwa auf einer Pressekonferenz angegebene Baubeginn im Dezember 2025 wurde inzwischen auf Januar 2026 verschoben - 11 Jahre nach der Grundsteinlegung.