Neuer Tierfilm: "Das Geheimnis der Flamingos"

In der entlegenen Wildnis am heiligen Berg der Massai, am Oldoinyo Lengai,  offenbart sich eines der größten Mysterien der Natur: Geburt, Leben und Überleben einer Million rosa gefiederter Flamingos.

Vor dem dramatischen Hintergrund einer gnadenlosen Landschaft begleiten wir die Geburt eines kleinen Flamingokükens, die Geschicke und Gefahren seines Schicksals in dieser außergewöhnlichen,"anderen" Welt des Natronsees im Norden von Tansania.

Der Natronsee: Eine einmalige Ökolandschaft

Der Natronsee ist eine einmalige Ökolandschaft und die größte und wichtigste Brutstätte der ostafrikanischen Zwergflamingos. Seit Jahren kämpfen Umwelt- und Tierfreunde aus aller Welt gegen den geplanten Bau einer Aschesodafabrik am Lake Natron. Als Ergebnis weltweiter Proteste wurden diese Pläne vorerst zurückgestellt, jedoch noch längst nicht endgültig ad acta gelegt. Auch die Massai sind gegen die geplante Fabrik und sprechen sich als Alternative für eine Förderung des Ökotourismus aus.

Filmvorführungen 24. - 30.6.2010

Biblis
Filminsel


Das Geheimnis der Flamingos“, Disney, USA/GB 2008, 78 Min.

Trailer zum Film (empfehlenswert!)
Fotoshow zum Film
Infos über den Natronsee


"Ein beeindruckender Film"

Es beginnt und endet mit einem „Es war einmal“: Was am Anfang nach Märchen klingt, erweist sich am Ende als Warnung, denn auch das entlegene Paradies der Flamingos am Natronsee im Norden Tansanias ist durch Klimaveränderungen und Umweltverschmutzung bedroht. Die Natur-Dokumentation von Matthew Aeberhard und Leander Ward folgt den rosa gefiederten Flamingos ein Jahr lang und erzählt dabei den Kreislauf von Paarung, Geburt und Kampf ums Überleben gegen Marabus. Die Küken schlüpfen aus dem Ei, verlassen nach wenigen Tagen massenhaft die Salzbänke und schwimmen zum Ufer – dem tapsigen Nachwuchs wachsen Flügel, bis die Jungtiere zum Flug abheben.

Der Kommentar bleibt überwiegend sachlich, auch wenn es teilweise zur Vermenschlichung der Tiere kommt, etwa bei der Familiengründung – wohl eine Referenz an die Disney-Tierfilm-Tradition. Sonst wird nur kommentiert, wo es nötig ist, dazwischen sind Natur-Geräusche und dezente Musik zu hören. Die Aufnahmen der gigantischen Kolonie von 1,5 Millionen Flamingos faszinieren – ein beeindruckender Film.

Manfred Hobsch in "Zitty" vom 2.12.2009

"Großartige Bilder"
"Süddeutsche Zeitung" vom 30.11.2009

"Ein grandioser Naturfilm"

An einem Salzsee im afrikanischen Tansania versammeln sich jedes Jahr über eine Million Flamingos, um ihre Jungen auf die Welt zu bringen. Im Gegensatz zu dem berühmten Pinguinfilm verzichtet der Kommentar diesmal auf jede Vermenschlichung. Den amerikanischen und britischen Dokumentarfilmern gelingen wunderschöne Bilder der rosa Vögel vor hellblauer Kulisse. Erhaben und auch brutal, wenn sie den Überlebenskampf der Flamingos zeigen. Ein grandioser Naturfilm.

Krischan Koch in SWR1 vom 2.12.2009

"Poetische Bilderreise"

Verkrustete Salzinseln schieben sich wie Eisschollen übereinander, am Ende der Regenzeit verwandelt sich der abgelegene Natronsee im Norden Tansanias in eine weiße Wüste. Das Wasser ist sehr flach und an manchen Stellen bis zu 60 Grad heiß. Scheinbar einsam, öde und leer. Und doch leben am Ufer mehr als 1,5 Millionen Flamingos. Der unwirtliche Salzsee ist ihre Heimat. Erstmals entstand nun ein Dokumentarfilm über die Zwergflamingos am Natronsee, Regie führten die Briten Matthew Aeberhard und Leander Ward.

Ihnen sind spektakuläre Bilder gelungen: Ein Massai in einem roten Umhang geht allein durch die weiße Ödnis; fliegende Flamingos, die sich auf dem glatten, tiefblauen Wasser messerscharf spiegeln; eine riesige Schar von Küken und Jungtieren, die von Altvögeln geleitet, an einem einzelnen Marabu vorbeizieht, oder Detailaufnahmen von rosa Federn und blutroten Augen. Stark auch die Abstimmung von Film und Musik: Zwergflamingos machen sich den Hof, der Soundtrack spielt Tanzmusik, die Tiere spreizen die Flügel - Schlussakkord.

Abgesehen von den Flamingos und ihrer Nahrung aus Blaualgen kann fast nichts im oder am Natronsee gedeihen. Erzählt wird der Kreislauf des Lebens in einer lebensfeindlichen Welt: Die rosaroten Vögel bauen Nesthügel, legen meist nur ein Ei, brüten etwa einen Monat. Eltern und Küken erkennen sich an der Stimme. Der Nachwuchs wird mit einer energiereichen Flüssigkeit gepäppelt, die die Flamingos in ihrem Kropf produzieren. In den Kolonien gibt es Krippen mit Hunderten oder Tausenden von Jungen, die von Altvögeln bewacht werden. Bis zu 40 Jahre alt können Flamingos werden.

Wer sich vor allem für Fakten und Details interessiert, könnte ein wenig enttäuscht sein. Der Film ist nicht mit Text überfrachtet, denn ein Lehrstück will "Das Geheimnis der Flamingos" nicht sein, sondern eine poetische Bilderreise. Trotz des künstlerischen Anspruchs malt der Film keine afrikanische Idylle. Die Vögel werden nicht vermenschlicht wie in "Die Reise der Pinguine" aus dem Jahr 2005. Und die Unbarmherzigkeit der Natur ist allgegenwärtig: Die Feinde der Flamingos wie Marabus, Hyänen und Fischadler sorgen für Dramatik und Spannung. Auch das Salz des Sees bedeutet für einige Küken den Tod, an ihren Beinen bilden sich dicke Klumpen aus dem weißen Stoff, sie bleiben zurück und sind ohne die anderen verloren.

Warum Flamingos rosa sind, ist übrigens geklärt: In ihrer Nahrung, die aus Algen und kleinem Seegetier besteht, sind große Mengen an Karotin, das sorgt für die Farbenpracht in Pink.

Iris Auding in "Hamburger Abendblatt" vom 3.12.2009 

"Ein rosa Wunder erleben"

Eine rotweiße Feder schwebt über einer weißen Salzschicht wie die berühmte Plastiktüte über dem Asphalt in "American Beauty". Wo Feder respektive Plastiktüte landen, weiß nur das Schicksal, aber darum geht es nicht. Sondern um die Schönheit eines Moments, der unbedingte Freiheit symbolisiert, Unabhängigkeit und - ja, Poesie.

Dass in dieser Dokumentation die leuchtende Feder vor dem weißen Hintergrund mehr als nur einen schönen Kontrast hergibt, liegt in der Natur der Sache, erzählen doch die Engländer Matthew Aeberhard und Leander Ward in "Das Geheimnis der Flamingos" vom Leben und Sterben einer riesigen Kolonie Zwergflamingos auf dem Natronsee im Norden Tansanias.

Dieser hochgradig lebensfeindliche, weil bis zu 60 Grad heiße, ammoniaksaure, 60 Kilometer lange See ist meist mit einer dicken Salzkruste bedeckt - Nistplatz für 1,5 Millionen Zwergflamingos, die zur Regenzeit aus dem Nichts auftauchen und sich beim kollektiven Balzverhalten einer geheimen Massenchoreographie unterwerfen, bis sich Männlein und Weiblein finden.

Einen Monat lang werden die Eier in Nestern aus gehärtetem Salz ausgebrütet, bevor an die 500 000 Küken in die Gemeinschaft der Flamingos aufgenommen werden und sich später auf eine lange Reise an die fruchtbaren Ränder des Sees begeben, um irgendwann genauso geheimnisvoll zu verschwinden, wie sie gekommen sind. Bis zur nächsten Regenzeit.

Dem Zauber eines wundersamen Kreislaufs der Natur erliegt dieser wunderbare Film vollends. Dabei vertraut er nicht nur der Kraft der Bilder, die hier aus der Vogelperspektive die räumliche Dimension der rosafarbenen Invasion erfasst, dort in der Nahaufnahme die ersten tapsenden Schritte des Kükens festhält. Nein, es ist vor allem der sanfte Off-Kommentar von "Drehbuchautorin" Melanie Finn, der betört: Sie vermenschlicht nicht die Tiere, wie etwa in der "Reise der Pinguine" geschehen, oder erzählt eine süßliche Überlebensgeschichte wie zuletzt in der Wasserschildkröten-Odyssee "Tortuga".

Sondern sie erzählt das Dasein und Verschwinden der Flamingos als mystisches Märchen: Für die Filmemacher entsteht an diesem entlegenen Ort, sieben Autostunden von der nächsten Stadt entfernt, aus der Lavaasche des benachbarten aktiven Vulkans Lengai der Phönix neu. So erlebt der Natronsee alljährlich sein rosa Wunder, an welchem uns dieser Film in Bildern voller Poesie teilhaben lässt. A Tansanian Beauty.

Eberhard von Elterlein in "Die Welt" vom 3.12.2009

"Tausendküken in Tansania"

Der Natronsee im Norden von Tansania. 60 Kilometer lang, kaum einen halben Meter tief, strahlend blau unter schweren Gewitterwolken, über den Steilfelsen des Great Rift Valley spuckt ein Vulkan Feuer und Asche. Ein Ort der Schönheit und der Urgewalten. Wegen des hohen PH-Werts stinken die Wasser des Sees, wenn sie verdunsten, wird die Salzkruste beißend scharf, bei Temperaturen bis zu 60 Grad. Wasser und Feuer, Hitze und Salz, ein Höllengemisch. Und wegen der Blaualgen ein Paradies für Flamingos – bis zu zwei Millionen Vögel nisten jährlich auf den ätzenden Salzbänken.

Es ist nicht leicht, einen Tierfilm zu drehen. Den Wundern der Natur mit der Kamera auflauern, erfordert Geduld und Demut; sie auch noch in eine Handlung einzuspeisen, eine schlüssige Idee. Seit dem Riesenkassenerfolg von „Die Reise der Pinguine“ sind Tierfilme deshalb entweder Melodramen mit menschelnden Protagonisten oder Appelle zur Rettung bedrohter Tierarten wie zuletzt im Delfin-Film „Die Bucht“.

„Das Geheimnis der Flamingos“, eine Produktion der neuen Sparte Disney Nature, wählt einen dritten Weg und knüpft an die Bilderpoesie von „Mikrokosmos“ oder „Nomaden der Lüfte“ an. Die britischen Regisseure Matthew Aeberhard und Leander Ward halten mit der Kamera fest, wie das Carotin in den Algen das Gefieder der Flamingos pink und ihre Schwingen purpurrot färbt. Sie zeigen die bizarre Komik der zackigen Kopfbewegungen bei der Balz, die Tausende von Küken, die nach einem glühend heißen Monat wie gerupfte Hühnchen mit Stutzflügeln und salzverklumpten Füßen ins Leben stolpern, die von Wächtervögeln geschützte Kindergartenkolonie – und die seelenruhigen, mörderischen Attacken der fleischfressenden Marabus.

Kreislauf des Lebens. Wenn der Zug der Vögel eine farbenprächtige Partitur in den Himmel über der archaischen Mondseenlandschaft zeichnet, ist das schon Filmstoff genug. Leider wird der Schauwert der Flamingos von einer mythisch raunenden Offstimme, Regenbogenkitsch und pop-orchestralem Soundtrack zur Naturreligion überhöht. So sehr man sich freut, dass mal keine menschlichen Tugenden in die Tiere hineininterpretiert werden, so ärgerlich wird es, wenn das Ei des Flamingos am Ende mit dem Kosmos gleichgesetzt wird.

Christiane Peitz in "Der Tagesspiegel" vom 3.12.2009

"Nie zuvor gesehene Naturbilder"

DIE STORY: In der entlegenen Wildnis von Tansania liegt der Natronsee. Hier leben Millionen von Flamingos. Weltweit der einzige Ort, an dem man so viele dieser Vögel antrifft. In gewaltigen, nie zuvor gesehenen Naturbildern erlebt man die pinkfarbenen Tiere, erlebt den Zyklus des Lebens vom Schlüpfen bis zum Tod.

REGIE: Matthew Aeberhard und Leander Ward sind begeisterte Naturfreunde. Aeberhard bestieg 1995 den Berg Lengai und sah damals zum ersten Mal den Natronsee. Beeindruckt von den riesigen Schwärmen der Flamingos, beschloss er, dies irgendwann festzuhalten.

WERTUNG: Flamingos kennt jeder. Doch so intensiv konnte man die knalligen Vögel noch nie betrachten. Eindrucksvolle Bilder und Fakten verleihen dem Film Tiefe. Ein gewaltiges und faszinierendes Naturschauspiel. Dass der Film mit 75 Minuten etwas zu lang ist, ist zu verkraften. Dafür sorgt die bombastische Musik, die vom Cinematic Orchestra eingespielt wurde.

Alex Lorang in "Berliner Zeitung" vom 3.12.2009