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Lonely Planet: "Tansania"

Buchcover

Verlag Mairdumont, Ostfildern 2008
426 S. mit vielen Farbfotos, 19,95 EUR

Die Fans der Reiseführer-Reihe „lonely planet“ haben lange auf die deutsche Übersetzung des ursprünglich englischsprachigen Tansania-Reiseführers gewartet. Nun liegt das übersetzte Werk von Buchautorin Mary Fitzpatrick endlich vor.

Positiv fallen sofort die von der Buchreihe bekannte übersichtliche Struktur, die ansprechend illustrierte Auflistung der „Tansania-Highlights“, die Empfehlung von Reise- und Trekkingrouten, die Seiten „Tiere & Lebensräume“ von David Lukas und natürlich die umfangreichen Beschreibungen und Empfehlungen praktisch aller Regionen des Landes auf.

Dennoch ist der Reiseführer keine wirkliche Alternative zu dem im Verlag Reise Know-How publizierten Tansania-Reiseführer von Jörg Gabriel. Nicht nur, dass „der Gabriel“ stolze 500 Seiten umfangreicher ist als der „Lonely Planet“, in einigen Bereichen ist letzterer oberflächlich und überraschend großzügig beim Auslassen wichtiger Informationen.

Vollkommen unerklärlich z.B., warum die Serengeti und das Ngorongoro-Gebiet auf nur knapp neun Seiten im wahrsten Sinne des Wortes „abgehandelt“ werden - wobei die Informationen über die Park-Lodges dann sogar noch mehr Raum einnehmen als in die Tiefe gehende Infos über eine der schönsten Naturlandschaften der Welt: Eine umfangreiche Darstellung des „Ökosystems der Serengeti“ ist dem „Lonely Planet“ praktisch keine Zeile wert und auch die Arbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (Stichwort: Grzimek) scheint nicht existent. Haben sich da die Herausgeber vielleicht nicht ausreichend Gedanken über die spezifischen Ansprüche deutscher Tansania-Reisenden gemacht? Zu dieser Vermutung würde auch passen, dass die deutsche Kolonialzeit, die Rolle Tansanias als Schwerpunktland deutscher Mission und Entwicklungshilfe, nur am Rande vorkommen.

Während ansonsten die meisten Abschnitte des Buches das Bemühen um eine sorgfältige Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Kultur des Landes, über Sitten und Gebräuche erkennen lassen und die unzähligen kleinen Randnotizen mit vielen Hinweisen auf vertiefende aktuelle Literatur und Internetseiten (herzlichen Dank für den Verweis auf www.bagamoyo.com!) ein deutliches Plus gegenüber dem letzten „Gabriel“ sind, wird dann wieder die nationale Katastrophe „Aids“ ganz unerklärlich verharmlost und lediglich als „drohendes Gespenst am Horizont“ bezeichnet – ganz so, als gäbe es Millionen HIV-infizierter oder bereits an Aids gestorbener Menschen vor allem im Nordwesten Tansanias überhaupt noch nicht.

Fazit: Reisende, die sich nur einen einzigen Reiseführer kaufen wollen, sollten lieber beim Verlag Reise Know-How zuschlagen und dabei das Gewicht von 1008 Seiten (mit einem herausragenden Kartenteil) in Kauf nehmen. Wer sich über die zu lückenhafte Aktualisierung der nicht wirklich „komplett aktualisierten“ 4. Auflage des „Reise Know-Hows“ geärgert hat, der bekommt beim „Lonely Plant“ als Zweitlektüre einige brandaktuelle Infos über Lodges und sonstige wichtige Adressen zu einem angemessenen Preis nachgeliefert.

Von Rudolf Blauth