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Ahlener Zeitung: Ausdrucksstarke Umsetzung (09.11.2005)

Foto: Peter Harke
Nkwabi Nghangasamala von den "Bagamoyo Players" als Häuptling Kinjekitile

"Bagamoyo Players" mit Stück zum "Maji-Maji-Krieg" im Bürgerzentrum

Von Peter H a r k e

Ahlen. Während kaum ein Tag vergeht, an dem nicht mindestens auf einem Fernsehsender das "Dritte Reich" und der 2. Weltkrieg fast bis zum Überdruss "aufgearbeitet" werden, blieb ein anderes, gleichfalls wenig rühmliches Kapitel der deutschen Geschichte in den Medien - nicht nur den elektronischen - bislang weitgehend ausgeblendet: die Kolonialzeit. Dieses Versäumnis wettzumachen, schickt sich jetzt das ZDF mit seiner dreiteiligen Dokumentarfilmreihe "Deutsche Kolonien" an, die gestern Abend startete. Die zweite Folge mit dem Titel "Afrika brennt" wird am kommenden Dienstag (20.15 Uhr) ausgestrahlt und beschäftigt sich neben dem Herero-Aufstand von 1904 in "Deutsch-Südwest", dem heutigen Namibia, auch mit dem weit weniger bekannten "Maji-Maji-Krieg", der ein Jahr später in Ostafrika ausbrach.

Foto: Peter Harke
"Maji-Maji-Krieger" im BüZ

Damals, im Juli 1905, erhoben sich im Süden der Kolonie mehrere einheimische Volksstämme gegen die deutschen "Schutztruppen". Auslöser der Rebellion waren u. a. die brutalen Methoden, mit denen die Eingeborenen zur Arbeit auf den Baumwoll- und Kaffeeplantagen gezwungen wurden, und die Vervierfachung der so genannten "Hüttensteuer" durch den neu eingesetzten deutschen Gouverneur von Götzen. Die Bezeichnung des Krieges leitet sich ab von dem Kisuaheli-Wort für Wasser: Maji. Ein angebliches "Zauberwasser" sollte nämlich nach einer Weissagung des Medizinmanns Kinjekitile die Kämpfer immun machen gegen die Gewehre der deutschen Soldaten und ihrer aus dem Sudan rekrutierten Askaris. Ein Irrglaube mit fatalen Folgen: Blindlings liefen die Maji-Maji-Krieger in den Kugelhagel aus den erstmals eingesetzten MGs. Seriösen Schätzungen zufolge fielen dem Gemetzel mindestens 100 000 Afrikaner zum Opfer. Jedoch erst nach zwei Jahren brachten die Kolonialherren die Lage wieder vollständig unter ihre Kontrolle.

Foto: Peter Harke
Kampf auf der Bühne

Trotz des zwar aussichtslosen, doch - abgesehen von vereinzelten Übergriffen auf weiße Siedler und Missionare - durchaus ehrenhaften Widerstandes, den ihre Vorfahren seinerzeit leisteten, spielt das Thema "Maji-Maji" heute im Bewusstsein der meisten Tansanier, die ganz andere Sorgen haben, praktisch keine Rolle mehr. Anders in Deutschland, wo u.a. in Berlin am kommenden Wochenende eine bundesweite zentrale Gedenkveranstaltung stattfinden wird. Bereits am vergangenen Wochenende setzten sich auf einer Tagung an der Ökumenischen Werkstatt der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) in Wuppertal Vertreter verschiedener Tansania-Partnerorganisationen aus ganz Deutschland, darunter auch Mitglieder des Freundeskreises Bagamoyo aus Ahlen, mit den Ursachen des Aufstandes und möglichen Schlussfolgerungen für den weiteren Umgang mit der Kolonialgeschichte auseinander.