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27.03.13

10 Mrd. US-Dollar aus China: Vertrag über den Hafenbau in Bagamoyo unter Dach und Fach

Xi Jinping in Daressalam

Xi Jinping in Daressalam

Nach vielen Jahrzehnten steht Bagamoyo wieder einmal in den Weltpresse: Genau 411 Zeitungen aus aller Welt berichten gestern über den Vertragsabschluss am Montag in Daressalam, wonach China über die China Merchants Bank einen 10 Milliarden US-Dollar Kredit für den Bau eines großen modernen Containerhafens in Bagamoyo bereit stellt. Darüber hinaus wird China auch den Aufbau der riesigen Sonderwirtschaftszone Bagamoyo finanzieren, die unmittelbar hinter dem Hafen entstehen soll und langfristig die jetzt noch vorhandene freie Fläche zwischen Daressalam und Bagamoyo schließen wird.

Der gerade erst gewählte chinesische Staatspräsident Xi Jinping, der auf seiner ersten Auslandsreise nach Moskau gleich nach Daressalam reiste, sicherte Tansania eine strategische Unterstützung bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zu. Nicht nur Tansania: In den Jahren 2013-2015 soll Afrika jährlich 20 Milliarden US-Dollar Unterstützung aus China erhalten - für Infrastrukturmaßnahmen, für die Landwirtschaft, für den Aufbau einer eigenen verarbeitenden Industrie und für die Ausbildung junger afrikanischer Talente. Die in Daressalam abgeschlossenen Verträge haben inklusive der zugesicherten Kredite nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg einen Wert von insgesamt 16 Milliarden USD.

Der chinesische Staatspräsident hat am Montag ein über drei Jahre laufendes chinesisch-tansanisches Kooperationsabkommen in den Bereichen Wirtschaft und Technik abgeschlossen und 16 bilaterale Abkommen unterzeichnet: Neben dem Hafenbau in Bagamoyo werden u.a. auch Infrastrukturmaßnahmen am Hafen von Sansibar finanziert, die Ausbeutung von Rohstoffen vor der Küste Sansibars, landesweite Maßnahmen zur Umsetzung des strategischen Infrastruktur-Entwicklungsplanes, die Renovierung der Tan-Sam-Eisenbahn, die Renovierung und der Ausbau des Abdullah Mzee Hospitals in Sansibar, Wasser und Energieprojekte sowie auch der Bau eines chinesischen Kulturzentrums in Daressalam. Bei einigen Veträgen handelt es sich allerdings erst einmal nur um Rahmenverträge.

Das Mwalimu Nyerere Conference Center mit seinen 1.200 Sitzplätzen wurde in Anwesenheit von Xi Jinping bereits eingeweiht. Im Gegenzug wird tansanischer Tabak demnächst die chinesischen Raucher erfreuen - bei geschätzten 300 Millionen chinesischen Rauchern ein sehr lukrativer Absatzmarkt.

Indien verfolgt die chinesischen Aktivitäten in Afrika misstrauisch und fürchtet um den eigenen Einfluss: Nach entsprechenden Kommentaren in Hongkong stellt nun auch "The Indian Express" die Frage, ob China demnächst wohl in Bagamoyo einen eigenen Flottenstützpunkt errichten wird.

Interessant ist der Umgang von Xi Jinping mit kritischen Stimmen, die China "Neokolonialismus" und das "Verfolgen eigener wirtschaftlicher Interessen" vorwerfen. Er hat dieses Thema in Daressalam selbst offensiv angesprochen und zu widerlegen versucht. Der tansanische Staatspräsident Jakaya Kikwete leistete ihm dabei Hilfestellung und sagte: "Wenn unsere Beziehung zu China Neokolonialismus ist, dann ist die Beziehung zu allen Staaten Neokolonialismus". Der chinesische Staatspräsident verleugnete im übrigen keineswegs das Interesse Chinas an Tansanias Mineralien, Holz, Gas und eventuell auch an Öl.

Angesichts der im Raume stehenden Milliarden sind kritische Stimmen in diesen Tagen nur schwach zu vernehmen. Prof. Abdallah Safari, ehemaliger Direktor des Centrums Tansania-Mosambik, stellt die Frage, was Tansania für die Lieferung von Rohstoffen eigentlich zurückbekomme. Und Bashiru Ally (Universität Daressalam) warnt vor einer "Einbahnstraßen-Beziehung", bei der Tansania mehr gebe als bekomme. 

Die große Mehrheit der tansanische Medien feiern den Aufenthalt des chinesischen Führers hingegen als "historisch" und fühlen sich geehrt, dass Tansania nach Russland die zweite Station der ersten Auslandsreise Xi Jinpings ist.