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Musik aus dem Kongo

Von Emmanuel Malima

Moderne, süß-bewegende Tanzstile, passend zum schlagenden Beat der Musik, populär als "Congo" bezeichnet, sind heute in Afrika groß in Mode.

Mit bezeichnenden Namen wie Ndombolo ya Solo, Ikibinda Nkoi und Soukous, haben die kongolesisch-inspirierten Tanzschritte die tansanische Musik oder die tansanischen Tänze a la Msondo Ngoma, Sikinde oder Sagga Rhumba in die Geschichte verbannt.

Die Unterhaltungsseiten der Tages- und Wochenzeitungen sind angefüllt mit Anzeigen über Aufführungsorte für Liebhaber kongolesischer Musik. Diese Manie ähnelt Rap Music, Hip-Hop und Hot Funky in den USA.

"Diese Musikrichtungen sind der Grund dafür, daß der neue kongolesische Stil so überwältigend und populär in Tansania ist. Der einst in Tansania so populäre Rumba scheint seine Identität zu verlieren, aufgesogen von den kongolesischen Eindringlingen", sagt Roman Mng`ande von der OTTU Jazz Band in einem Interview mit der "Business Times" am vergangenen Sonntag, als er mit seiner Band ein "Heimspiel" in der Amana Social Hall durchführte, die in Ilala in der Innenstadt von Dar es Salaam liegt.

"Der tansanischen Musik fehlt ganz einfach die Hingabe und die Konsequenz", sagt Roman, der unerklärlicherweise unter dem Künstlernamen "Romario" bekanntgeworden ist.

Als weiteren Grund fügt Romario, der Saxophon spielt, hinzu, dass Musikinstrumente sogar noch nach der von der Regierung eingeführten Handelsliberalisierung im Jahre 1984 kaum in Tansania zu kaufen waren.

Er sagt, daß es nicht eine einzige Plattenfirma in diesem Land gab und daß Musiker, die eine CD aufnehmen wollten oder die ein Lied aufzeichnen wollten, in Studios benachbarter Länder wie Kenia, Sambia oder Südafrika reisen mußten. "Das einzige vom Staat kontrollierte Aufnahmestudio des Landes brach schon vor Jahren zusammen. Noch heute beklagen Musiker in Tansania die Piraterie, weil ihre Musik nach Kenia oder in den Kongo transferiert wird, und zwar ohne Genehmigung der Komponisten," sagte er.

Er fügte auch noch hinzu, daß Tansania viele junge talentierte Musiker besitzt, die aber offiziell nicht unterstützt werden.

"Was wir hier sehen sind Ndombolo ya Solo, Ikibinda Nkoi, Soukous, Kwasa Kwasa, Mayenu, Reggae, Funky und viele andere Sounds. Die eigene tanzanische Musik hören wir kaum", erzählte er der "Business Times".

Im Gespräch über Tansanias Musikgeschichte sagte Romario, daß zu Beginn der 7oiger Jahre die damals regierende politische Partei Tanganyika African National Union (TANU) eine Kulturpolitik der Unterstützung tansanischer Kultur und Traditionen verfolgte. Musik stand ganz oben auf der Tagesordnung und die Regierung beauftragte das staatliche Radio Tansania, sich in seinen Musiksendungen der tansanischen Musik zu widmen.

Es wurde ein nationaler Musikrat gegründet, um die Landesmusik zu entwickeln und zu fördern; aber es wurden keine echten Anstrengungen unternommen, Tansania in die internationale Musikszene zu bringen.

Kongolesische Musiker bewegten sich andererseits weit durch Afrika und Europa, sie entwickelten, verfolgten und verbreiteten ihre Rhythmen.

"Kongolesische Musik, auf CDs und auf Audio- und Videokassetten, ist frei auf dem Markt erhältlich," betonte Romario, hinzufügend, daß dies die Entwicklung der lokalen Musik in Tansania nachhaltig berührt hat. Kongolesische Songs wurden übersetzt und kopiert.

Die finanziell abgebrannte Tanzania Music Association (CHAMUDATA) erscheint zu machtlos, um zu intervenieren und die Situation zu verbessern. "Wir haben keine musikalische Identität; wir haben viel musikalisches Talent, aber wir nutzen und entwickeln es nicht durch Studien und Veröffentlichungen", sagt John Kitime, Vorsitzender der CHAMUDATA.

Muhidini Maalim Gurumo, der Leiter der OTTU Jazz Band, ist verständlicherweise ein Gegner kongolesischer Musik. Gurumo kritisiert offen den Zustrom kongolesischer Bands nach Tansania, deren Musik im Land die Oberhand gewonnen hat. Nach Gurumo geschieht die Popularisierung von Ikibinda Nkoi und Ndombolo auf Kosten tansanischer Musik, die Identität lokaler Musik nimmt immer mehr ab.

"Aber wir befinden uns in einem Prozeß, kongolesische Musik in Unordnung zu bringen - und niemand wird sie je wieder hören wollen,"" prophezeit Gurumo trotzig.

(Aus: "Business Times" v. 16.1o.1998)