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Bagamoyo: Geschichte pur

Foto: Peter Harke
Strandszene in Bagamoyo
Foto: Peter Harke
Boma

Kurzinfo Bagamoyo

Bagamoyo liegt ca. 80 km nördlich von Dar es Salaam an der Küste des Indischen Ozeans. Mit seinen ca. 35.000 Einwohnern liegt Bagamoyo, erst im Jahre 2005 offiziell zur Stadt erklärt, auf gleicher Höhe wie die (nur durch die Straße von Sansibar von Bagamoyo getrennte) Gewürzinsel Sansibar.

Bagamoyo zählt neben Lamu, Mombasa und Kilwa zu den geschichtsträchtigsten Orten Ostafrikas und ist gegenwärtig als Bestandteils eines neuen UNESCO-Weltkulturerbes "Ostafrikanische Sklavenroute" im Gespräch. In keiner anderen Stadt Ostafrikas liegen die alten Zeugnisse des Islams und der christlichen Missionierung, der Fremdherrschaft der Perser und Araber, der Sklaverei, der großen europäischen Entdecker wie Livingstone, Speke oder Burton sowie des deutschen und britischen Kolonialismus so dicht beisammen wie in Bagamoyo.

Nach der Unabhängigkeit Tansanias war der Ort viele Jahre ein verschlafener Fischerort, hofft heute aber auf eine Entwicklung zu einem Zentrum für Tagungen und Kulturtourismus. Der Bau eines Hafens im südlich von Bagamoyo gelegenen Kaole und die damit geplante Aufnahme eines Linien-Schiffverkehrs zwischen Sansibar und Bagamoyo sollen diese Entwicklung in den kommenden Jahren ebenso vorantreiben wie der geplante Bau einer Küstenstraße von Dar es Salaam über Bagamoyo, dem Sadaani-Nationalpark, Pangani und Tanga bis nach Mombasa in Kenia.

Doch dies ist erst einmal nur eine Hoffnung. Die Menschen, die in Bagamoyo wohnen und wie seit Urzeiten hauptsächlich vom Fischfang leben, sind arm, die Häuser schlicht und die alten Kolonialgebäude dem Verfall preisgegeben.

Aber Bagamoyo ist auch ein romantischer Ort: Hier gibt es noch Dutzende von Holz-Dhaus, in denen wie vor Jahrhunderten die einheimischen Fischer täglich zum Fischfang auslaufen. Der Strand ist noch unberührt und das Wasser klar. Und manches verfallene alte Kolonialgebäude könnte gut als Kulisse für einen Spielfilm von Werner Herzog dienen.

Die wenigen historischen Gebäude, die in den vergangenen Jahren sehr aufwändig renoviert werden konnten, verdanken dies dem Engagement vor allem der schwedischen Entwicklungshilfe (Sida), aber auch der punktuellen Unterstützung aus Norwegen (Norad) und Deutschland (Kirchen, Freundeskreis Bagamoyo e.V., Auswärtiges Amt).

Bagamoyo ist der Heimatort des amtierenden Staatspräsidenten Jakaya Kikwete und des Ministers zur Entwicklung der Viehwirtschaft, Dr. Shukuru Kawambwa.

Neben einigen Kolonialgebäuden, einer traditionellen Dhau-Schiffswerft, dem Distriktkrankenhaus und dem Fischmarkt liegen inzwischen vor allem am nördlichen Strand von Bagamoyo zahlreiche Hotels wie an einer Perlenkette aneinander gereiht. Doch die vielen neuen (Luxus-) Hotels des Ortes warten nach der 2003 fertiggestellten breiten Asphaltstraße von Dar es Salaam immer noch auf ihre Gäste - auf ausländische Touristen oder Naherholungssuchende der Millionenstadt. Immerhin: Die Zahl der in  Bagamoyo durchgeführten Tagungen steigt jährlich.

Bagamoyo ist Teil und Hauptstadt des Bagamoyo-Districts mit 240.144 Einwohnern (2002) und einer Größe von 9.842 qkm, was der Größe des Libanon entspricht.

Und mit dem Bagamoyo College of Arts verfügt Bagamoyo natürlich über das künstlerisch-kreative Zentrum (was die traditionelle Kulturen betrifft) schlechthin.

Alle Sehenswürdigkeiten von Bagamoyo auf einem Blick

Foto: Peter Harke
Dhau vor Bagamoyo

Zitate über Bagamoyo in der deutschsprachigen Literatur:

"Eine Welt berauschender Bilder"

"Eine Welt berauschender Bilder tat sich vor ihren Augen auf: herrschaftliche Häuser aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Ruinen einstmals zauberhafter Gebäude in traditionellen arabischen, afrikanischen und europäischen Bauweisen, zerfallene herabhängende Balkone voller Schnitzwerk, offene Fensterläden, eine Ansammlung von alten Traktioren, gepflegte Gärten zum Ozean hin, Lichter und flackernde Feuer am Hafen unweit der der gewaltigen Boma, eines immer noch mächtig wirkenden Palastes, von dem aus einst das Land regiert wurde."

Aus: Hermann Schulz, "Leg nieder dein Herz", Carlsen Verlag 2005


"Bagamoyo ist heute eine fröhliche, kleine Küstenstadt"

"Bagamoyo ist heute eine fröhliche, kleine Küstenstadt, Menschen aus den verschiedensten Gegenden der Welt haben sich hier niedergelassen, denn der Boden ist fruchtbar und das Meer voller Fische. Kaum jemand denkt hier noch an die traurige Geschichte, die mit den ernsten, großen Gebäuden verbunden ist. Kaum jemand denkt daran, daß die Dhaus, die flachen, breiten, nur vom Wind getriebenen Boote, die auch heute noch täglich viele Reisende zwischen der Küste und den Inseln transportieren, genauso aussehen und gebaut werden wie die Boote, in denen vor vielen hundert Jahren die Sklaven ihre gefährliche Reise über das weite, offene Meer machten."

(Aus: Brigitte Heister, Esther Kinsky, "Unser fremdes Land", Tansanisches Reisebilderbuch mit Illustrationen von Brigitte Heister, Gildenstern Verlag 1987)

Längerer Textausschnitt


"Sie haben sich alle versammelt in Bagamoyo"

"Sie haben sich alle versammelt in Bagamoyo, wo unzählige Sklaven die Last ihres Herzens abgelegt haben, wie der Name dieses Ortes, Ausgangspunkt aller Karawanen ins Landesinnere, verkündet. Sie warten auf das Zeichen zum Abmarsch. Die Träger, barfuß, sind armselig gekleidet, selbst am Tag des Aufbruchs, geschmückt nur mit einigen Streifen aus Fell oder Federbündeln."

Aus: Ilija Trojanow, "Der Weltensammler", Carl Hanser Verlag 2006


"Bagamoyo ist ein Ort der Anfänge und Ausgänge"

"Von hier starteten Livingstone, Burton, Speke, Stanley und Grant, hier kam 1874 der Leichnam von Livingstone an. Hier endete die Sklavenroute. Der Name stammt von bwaga moyo ab, was in etwa bedeutet 'wirf deine Sorgen ab' oder 'leg ab die Last deines Herzens'. Zwar war dieser Ort für die Sklaven keine Endstation ihrer Leiden, sondern nur ein vorübertgehendes Innehalten, eher der Schmerz auf den Schiffen wieder einsetzte, aber wenn sie Bagamoyo erreichten, hatten sie sich mit ihrer Ausweglosigkeit abgefunden."

Aus: Ilija Trojanow, "Nomade auf vier Kontinenten", Eichborn Verlag 2007


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