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Rolf Ackermann, "Die weiße Jägerin"

Buchcover

Droemer, Knaur, München, 2005
464 S., 19,90 EUR

Afrika, fremde Völker, eine Farm, der Zauber wilder Tiere, eine Liebesgeschichte? Rolf Ackermann verwendet für seinen Roman "Die weiße Jägerin" dieselben Zutaten wie andere Autoren vor ihm. Selbst der obligatorische Affenbrotraum ziert - wenn auch in Kleinformaten - den Schutzumschlag. Doch dieser Roman ist anders: Er bettet das Geschehen zu Anfang des vorigen Jahrhunderts detail- und kenntnisreich in die deutsche Kolonialgeschichte ein und schafft elegant den Spagat zwischen Fakten und Fiktion.

Ackermann, 1952 in Duisburg geboren, hat zwischen 1979 und 1993 als Berichterstatter in allen Kriegs-, Hunger- und Krisengebieten Afrikas gearbeitet, dazu mit seiner Frau und seinen zwei Kindern viele Jahre in Ostafrika gelebt. Ostafrika. Hier nehmen rücksichtslose Kolonialherren, allen voran zunächst Dr. Carl Peters, mit Drohgebärden unvorstellbare Mengen Land in ihren Besitz und drängen die Ureinwohner rücksichtslos zurück, um ihr Herrendasein zu pflegen.

Anders Margarete Trappe, deren authentische Lebensgeschichte der Roman nachzeichnet. 1884 geboren, bricht sie 1907 auf, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen, den Briefe ihres für die deutschen Schutztruppen gefallenen Bruders stetig haben wachsen lassen. Gemeinsam mit ihrem aus praktischen Erwägungen geehelichten Mann schafft sie sich eine Farm in Deutsch-Ostafrika und kann die Brücke zu den fremden Stämmen schlagen. Dann erobert ein Grieche ihr Herz, doch der Erste Weltkrieg lässt dunkle Wolken aufziehen ...

"Die weiße Jägerin" erzählt von einer ungewöhnlichen Frau, auch wenn diese auf den ersten 100 Seiten überhaupt keine Rolle spielt. Über die Kolonialgeschichte führt der Autor hin zu ihrer Lebensgeschichte. Dieser Kunstgriff macht aus, was diesen Roman anders macht: Der Leser bekommt eine ungewöhnlich unterhaltsame Lektion in deutscher Geschichte.

Aus: "Delmenhorster Kreisblatt" vom 4.4.2005