Ahlener Tageblatt: Diskussion mit Bartholomäus Grill über "Gott, Aids, Afrika" (28.5.2008)

- Fotos: Lisa Voß-Loermann
Von unserer Mitarbeiterin LISA VOSS-LOERMANN
Ahlen (at). Große Probleme lassen sich im kleinen Kreis am besten besprechen. Und so wurde der runde Tisch im Alten Rathaus am Dienstagnachmittag zum Forum für den Afrika-Korrespondenten der Zeit, Bartholomäus Grill, der leider ohne seinen Co-Autor, den Priester Stefan Hippler nach Ahlen gekommen war, um das gemeinsame Buch „Gott Aids Afrika“ in einem Kolloquium zum ersten Mal mit Vertretern der katholischen Kirche sowie interessierten Ahlenern zu besprechen. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte dem streitbaren Theologen Hippler öffentliche Auftritte zum Thema AIDS und Kirche untersagt, da sie immer noch das Verbot von Kondomen propagiert und damit nach Meinung Grills und Hipplers in Afrika der Prävention gegen die „Pandemie“, wie Grill es nennt, einen Bärendienst erweist.
Nach einer kurzen Lesung stieg man gleich in die Diskussion ein, die vor allem eines klar machte, auch Ordensschwester Ingrid vom Netzwerk für Afrika, die 20 Jahre dort gelebt hatte und heute eine Koordinationsaufgabe in Bonn erfüllt sowie der katholische Pfarrer Hubert Schöning, der selbst den Steyler Missionaren angehört, stehen nicht unbedingt hinter den Ansichten der Amtskirche. Dennoch wollte die Ordensschwester das Problem nicht auf Kondome beschränkt wissen. Hinterfragt wurde unter anderem auch, ob die Dogmen der Amtskirche in Afrika die Bevölkerung überhaupt interessieren und inwieweit eine Lockerung des Kondom-Verbotes tatsächlich Hilfe bringe. Dabei verschwieg Grill nicht die vielfältigen Probleme, die zur Ausbreitung des Virus führten bis hin zu Aberglauben, Vertrauen in Heiler und die Machtstellung des afrikanischen Mannes.
Dennoch vertritt Grill die Ansicht, dass eine Lockerung durch die Kirche einiges bewirken könnte. Die aber habe, nachdem Hippler ein Exemplar des Buches nach Rom geschickt hatte, erklärt, es stehe einem kleinen südafrikanischen Pfarrer nicht zu, sein Buch dem Papst zu schicken. Dies sei das klassische Mauern eines Machtapparates, wie man es auch aus Russland und anderen Diktaturen kenne.
Dabei bekannte der Autor, er habe das Problem Aids für eine apokalyptische Verkennung Afrikas und völlig übertreiben gehalten, bis er durch Afrika gereist sei und die Realität gesehen habe. Seither beschreibt er die Probleme dort.

