Der „Spinnenmensch“ aus Tansania bei „Mother Africa“: „Meine Mutter hat schon mit mir geübt, als ich noch ein Baby war“
Interview mit Joan Akanashe und Athuman Ford Athuman, mitwirkende tansanische Künstler bei der Show „Mother Africa“
Frage: Joan, aus welcher Region in Tansania kommst Du?
Joan: Ich komme aus Moshi am Fuße des Kilimandscharos. Nach der Secondary School bestand ich die Aufnahmeprüfung am Bagamoyo College of Arts, das ich dann von 1999-2002 besuchte.
John Mponda und Nkwabi, die in wenigen Wochen wieder nach Deutschland zu Workshop-Programmen kommen, kennst Du also?
Joan: Was für eine Frage! Natürlich kenne ich die beiden sehr gut. John war am College mein Tanzlehrer und hat mich in Choreographie unterrichtet. Nkwabi war mein Pantomime-Lehrer am College.
Athuman, woher kommst Du?
Athuman: Ursprünglich stammt meine Familie aus Singida, bevor sie dann nach Dodoma zog, wo ich die Grundschule besuchte. Anschließend arbeitete ich als Maler. Ich strich Wände und Autos. Später zog ich mit meiner Mutter, die sich noch vor der Geburt von meinem Vater hat scheiden lassen, nach Dar. Dort war ich auch Tänzer in einer Ngoma-Gruppe.
Als „Spinnenmensch“ bist Du inzwischen international bekannt und dem Publikum stockt der Atem, wenn sich dein Körper durch einen Tennisschläger schlängelt. Wie geht so etwas?
Athuman: Meine Mutter hat schon mit mir geübt, als ich noch ein Baby war. Und seitdem trainiere ich jeden Tag mehrere Stunden – jeden Tag! Ich muss schon morgens vor der Dusche mit dem Training beginnen und setzte die Dehnungsübungen bis kurz vor der Show fort.
Du musst aber permanent Schmerzen haben?
Athuman: Nein, habe ich überhaupt nicht. Ich darf nur nicht aufhören zu üben.
Wie seit Ihr zur Show „Mother Africa“ gekommen?
Joan: Nach Abschluss des Studiums am Bagamoyo College of Arts tingelte ich mit einem Ensemble durch die großen Hotels in Dar es Salaam. Dort traf ich Winston Ruddle, der mich zu einem Casting in seine Akrobatenschule einlud und mich dann mit nach Deutschland zur Show „Mama Africa“ nahm. In dieser Show war ich als Zauberkünstlerin tätig und flog dann im Herbst 2007 auf eigene Kosten für drei Monate nach China, um mich dort als Zauberin fortzubilden. Bei „Mother Africa“ arbeite ich jetzt als Tänzerin. Insgesamt sind 15 Tansanier beim Ensemble, wird sind hier die mit Abstand größte Nationalitätengruppe.
Athuman: Auch ich bin von Winston Ruddle zu „Mama Africa“ eingeladen worden und bin seit dieser Zeit nicht mehr nach Tansania zurück gekehrt, obwohl ich dort verheiratet bin. Zwischen den beiden Shows war ich auch noch als Künstler in der Schweiz, in Österreich und Italien.
Wie sieht Euer Tagesablauf bei der Tournee aus?
Joan: Nach jedem Auftritt schlafen wir in eigenen Kojen im Kulturbus, der uns nachts zur nächsten Stadt fährt. Dort ist um 9 Uhr Frühstück, dann haben wir bis 12 Uhr Freizeit, dann gibt es Mittagessen, Proben etc. bis zum nächsten Auftritt am Abend.
Athuman: Ich finde es toll. Alle sind sehr freundlich und begeistert.
Welchen Eindruck habt ihr vom deutschen Publikum?
Athuman: Das deutsche Publikum ist toll und begeistert!
Joan: Aber sie sind nicht überall gleich. In einigen Städten ist das Publikum eher zurückhaltend, in anderen Städten rastet es regelrecht aus.
Wie bewertet Ihr Eure Teilnahme an der Show?
Joan: Ich finde es ganz toll, dass wir die Chance haben, an „Mother Africa“ teilzunehmen und den Menschen in Deutschland zu zeigen, was wir als Künstler alles können. Von der Gage kann ich gut leben und mich sogar aus eigenen Mitteln in China fortbilden.
Athuman: Auch für mich ist das eine riesige Chance. Vorher hatte ich Tansania ja noch nie verlassen. Ich bin allenfalls mal in Bagamoyo beim Festival aufgetreten, aber ich war noch nie im Ausland. Mit dem Geld, das ich hier verdiene, unterstütze ich meine Mutter, meinen Vater und als ältestes Kind meine 17 jüngeren Geschwister.
17 Geschwister?
Athuman: Ja, ich habe 14 Brüder und 3 Schwestern.
Sind das auch Spinnenmenschen?
Athuman: Nein. Meine Mutter hat versucht, es Ihnen auch beizubringen, aber es hat nicht geklappt. Ein Bruder kann es etwas, aber er kann es nicht ganz so gut.
Was macht ihr, wenn diese Tour im April/Mai beendet ist?
Athuman: Ich werde erst einmal meine Familie in Dar besuchen. Dann hoffe ich, wieder eine Einladung nach Deutschland zu bekommen.
Joan: Mein Traum ist ein eigenes magisches Theater in Bagamoyo. Und diesen Traum werde ich auch auf alle Fälle verwirklichen. Ich habe bereits ein Grundstück und ein altes Gebäude unmittelbar hinter der neuen Mensa der Mwambao-Schule gekauft. Dort will ich dann für die Touristen, die Bagamoyo besuchen, auftreten. Nach meiner Rückkehr nach Tansania werde ich aber wahrscheinlich erst einmal wieder in einigen Hotels arbeiten müssen.
Joan, Athuman, alles Gute und vielen Dank für das Interview!
(Das Interview führte Rudolf Blauth am 12.2.2008 in Bielefeld)
Weitere Infos zur Tournee von "Mother Africa"





