Seit dem 3. September wieder Goethe-Institut in Dar es Salaam
Am 3. September nahm das Goethe-Insitut nach zehnjähriger Schließung wieder seine Arbeit in Dar es Salaam auf. Zur Eröffnung kamen u.a. der Präsident des Goethe-Instituts, Prof. Klaus-Dieter Lehmann, und der stellv. tansanische Außenminister Seif Ali Iddi. Außenminister Steinmeier hatte seine Afrika-Reise wegen der Ereignisse in Georgien kurzfristig abgesagt.
Musiker aus Bagamoyo bei der Eröffnungsfeier
Im kulturellen Rahmenprogramm spielte die mit tansanischen Musikern verstärkte Mardi Gras Brass Band. Beteiligt waren auch einiger Musiker des Bagamoyo College of Arts. Die Mardi Gras Band hatte zuvor auch am Kariakoo Markt und auf den Mnazi Mmoja Grounds Konzerte gegeben.
Einzug des Goethe-Instituts in das Gebäude der polnischen Botschaft?
Das Goethe-Institut ist gegenwärtig noch im französischen Kulturinstitut Alliance Francaise untergebracht. Als zukünftiges Gebäude ist die polnische Botschaft, die kurzfristig geschlossen werden soll, im Gespräch - möglicherwiese bereits ab dem 1. November.
Bericht über die Eröffnung in "Daily News" v. 4.9.2008
Die Nachfrage nach mehr Angeboten ist groß
(ddp) Noch kämpft Ulrike Schwerdtfeger mit der für sie «vollkommen fremden Sprache» Suaheli. Die Leiterin des künftigen Goethe-Instituts in Daressalam in Tansania hat sich einen Privatlehrer genommen. Derzeit muss das Suaheli-Lernen aber ohnehin etwas hinten anstehen, weil viel Organisatorisches den Terminkalender beherrscht. Am 3. September nimmt das Goethe-Institut zehn Jahre nach der Schließung seine Arbeit in Tansania offiziell wieder auf.
«Ich kann mir keinen spannenderen Job vorstellen», sagt Schwerdtfeger, die bereits seit Oktober 2007 im Land ist, im ddp-Interview. Der Aufbau des Instituts in Daressalam sei «Pionierarbeit». Vor der Versetzung nach Afrika arbeitete die 36-Jährige sechs Jahre lang in der Zentrale des Goethe-Instituts in München. Zwar war sie auch schon im Regionalinstitut im indischen Neu-Delhi tätig, der Job in Daressalam ist jedoch ihre erste Auslandsversetzung.
«Von Europa nach Afrika zu gehen, ist schon etwas anderes», sagt die in Ingelheim am Rhein geborene und in Lörrach aufgewachsene Schwerdtfeger, die Informations- und Medienmanagement sowie Kulturwissenschaften studierte. Ein anderes Klima, andere Arbeitsweisen, andere Vorstellungen von Zeit und Raum. Die Tansanier machten es ihr jedoch leicht: «Die Menschen hier sind zurückhaltend, aber freundlich.» Die Einwohner von Daressalam seien zudem «begeistert» über die Wiederaufnahme der Aktivitäten des Goethe-Instituts im Land.
Die Institutseröffnung in Daressalam muss indes noch einige Monate warten. Schwerdtfeger ist noch auf der Suche nach einem Gebäude für das Institut, das derzeit noch in einem Büro im Haus der Alliance Francaise beherbergt ist. In der ersten Jahreshälfte 2009 soll das Goethe-Institut in ein eigenes Gebäude umziehen. Aktuell arbeiten drei Mitarbeiter in Daressalam, bis Jahresende werden es fünf sein, 2009 wird sich diese Zahl noch mal mindestens verdoppeln.
Schwerdtfeger hat sich viel vorgenommen: Die Sprachkurse sollen aus- und eine Bibliothek aufgebaut werden. Derzeit lernen rund 35 Schüler in drei Kursen in Daressalam Deutsch, doch die Nachfrage nach mehr Angeboten ist groß. Junge Leute wollten aus beruflichen Gründen Deutsch lernen, und auch für die in der Tourismusbranche Beschäftigen spiele die deutsche Sprache eine wichtige Rolle, sagt die Institutsleiterin. Die Bibliotheksarbeit werde 2009 aufgenommen.
Zudem will Schwerdtfeger innerafrikanische Projekte anstoßen. In Tansania gebe es wenig Kunst- und Kulturförderung von staatlicher Seite, sondern überwiegend private Initiativen. Diese suchten den Austausch mit anderen Ländern, was das Goethe-Institut unterstützen will.
Die 36-Jährige will ferner eine Reihe mit Workshops und Hintergrundgesprächen zum Thema Film und Filmindustrie starten sowie tansanische Produktionen zeigen. Es existierten nur zwei Kinos mit fünf Sälen in Daressalam, und diese seien für die Bevölkerung kaum erschwinglich, sagt sie. Es gebe jedoch viele Filmschaffende im Land, die sich ihr Können selbst angeeignet hätten. «Musik und Film sind große Themen hier», betont sie.
Die Aktivitäten in Tansania sind der Anfang einer Verstärkung der Arbeit des Goethe-Instituts auf dem afrikanischen Kontinent. Hintergrund ist die von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) initiierte «Aktion Afrika». Dazu gehören auch die Gründung von drei neuen Sprachlernzentren in Kamerun und Djibuti sowie eines neuen Instituts in Angola. Zudem werden vier Verbindungsbüros in Burkina Faso, Malawi, Nigeria und Ruanda eingerichtet.
Das Engagement in den subsaharischen Ländern soll den Angaben zufolge dazu dienen, Strukturen der Zusammenarbeit im Kultur- und Bildungsbereich zu entwickeln. Insgesamt erhält das Goethe-Institut dafür zusätzlich rund fünf Millionen Euro pro Jahr.
"Ich möchte, dass das Goethe-Institut in Dar es Salaam wieder zu einer Anlaufstelle wird"

- Ulrike Schwerdtfeger
Interview mit Ulrike Schwerdtfeger, Leiterin des Goethe-Instituts in Dar es Salaam
Frage: Herzlichen Glückwunsch zur neuen Stelle in Dar es Salaam! Wie kam es zu der überraschenden Entscheidung des Goethe-Instituts, wieder vor Ort in Tansania präsent zu sein?
Schwerdtfeger: Die Entscheidung war sicherlich für die Öffentlichkeit überraschend, nicht aber für das Goethe-Institut. Nach Jahren der finanziellen Engpässe zeichnete sich ab, dass ab dem Haushaltsjahr 2008 wieder verstärkt Mittel für Afrika zur Verfügung gestellt werden. Nach China und Indien befindet sich auch Afrika im Focus der Bemühungen, nicht nur um eine politische und wirtschaftliche sondern auch um eine kulturelle Partnerschaft. Dabei stand die Planung der Wiedereröffnung eines Goethe-Instituts in Tansania, zehn Jahre nach der Schließung, unstrittig an erster Stelle.
Frage: Wie kam es zu diesem Sinneswandel?
Schwerdtfeger: Die geplante Eröffnung unseres Instituts in Tansania ist ein Glied in einer Kette, die ihren Ausgang im G8-Gipfel in Heiligendamm genommen hat. Es liegt auf der Linie von Außenminister Steinmeier, dass Kultur in der Entwicklungszusammenarbeit mit den afrikanischen Staaten wieder eine größere Rolle einnehmen soll.
Frage: Sind weitere Aktivitäten des Goethe-Instituts in Schwarzafrika geplant?
Schwerdtfeger: Es gibt Planungen, das Netzwerk des Goethe-Instituts auszuweiten. In der zweiten Dezemberwoche fand die Jahrespressekonferenz des Goethe-Instituts in Berlin statt, auf der die zukünftige Arbeit vorgestellt wurde.
Frage: Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, hatte im Oktober nicht die „Eröffnung eines Goethe-Instituts“, sondern die „Eröffnung einer Verbindungsstelle des Goethe-Instituts“ in Tansania angekündigt. Dadurch entstand in der deutschen Tansania-Szene der Eindruck, dass es sich womöglich gar nicht um ein vollwertiges Institut handelt. Können Sie das aufklären?
Schwerdtfeger: Die Formulierung von Frau Prof. Limbach war der Tatsache geschuldet, dass das Parlament erst spät im November über unsere Vorhaben zu entscheiden hatte. Daher ging es tatsächlich in der ersten Phase erst einmal darum, vor Ort in Tansania durch ein Büro in Dar präsent zu sein. Denn über die Eröffnung eines Goethe-Instituts entscheiden wir nicht alleine, da hat vor allem das Auswärtige Amt mitzureden.
Frage: Sie arbeiten also zur Zeit noch in der Deutschen Botschaft mit dem Auftrag, im kommenden Jahr in der Alliance Francaise ein Büro des Goethe-Instituts zu eröffnen, das dann wiederum die Eröffnung eines eigenständigen Instituts in Dar es Salaam zur Folge hat?
Schwerdtfeger: So sieht zumindest die Planung aus. Die offizielle Bestätigung der Wiedereröffnung steht aber noch aus.
Frage: War meine Einschätzung in einem Kommentar unserer Vereinszeitschrift „Karibu“ richtig, wonach die enge Kooperation mit dem französischen Kulturinstitut eine starke Zusammenarbeit der EU-Kulturinstitute ausdrücken soll?
Schwerdtfeger: Natürlich bot sich diese Zusammenarbeit vor Ort an, schon aus rein pragmatischen Gründen. In der Tat geht es dem Goethe-Institut neben den bilateralen Kulturbeziehungen mit Tansania auch um die Präsentation eines „europäischen Gesichts“. Daher liegt eine enge Kooperation nahe.
"Wir streben ein vollkommen eigenständiges Goethe-Institut an"
Frage: Also ein EU-Modellprojekt in Tansania?
Schwerdtfeger: Nein, es handelt sich nicht um ein Modellprojekt. In Ramallah oder Glasgow beispielsweise existieren bereits europäische Häuser. Die Unterbringung in der Alliance Francaise ist nur vorübergehend. Wir streben ein vollkommen eigenständiges Goethe-Institut an.
Frage: Das bedeutet, dass es sich um ein vollwertiges Goethe-Institut handeln wird mit Sprachkursen und Kulturveranstaltungen, als Anlaufstelle für Tansanier und auch mit einer entsprechenden finanziellen Ausstattung?
Schwerdtfeger: Wir planen in der Tat, alle drei Hauptfelder zu bespielen: die Förderung der deutschen Sprache im Ausland, die Pflege der internationalen kulturellen Zusammenarbeit und die Vermittlung eines Deutschlandbildes durch Informationen über das gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben.
Frage: Wie reagierten die Tansanier auf diese Nachricht?
Schwerdtfeger: Ich erlebe eine sehr große Begeisterung. Das Goethe-Institut genießt selbst zehn Jahre nach der Auflösung immer noch ein unbeschreiblich hohes Ansehen und es existieren sehr große Erwartungen.
Frage: Sie sind also optimistisch, dass die bisher abgesicherte Finanzierung nach drei Jahren verlängert wird?
Schwerdtfeger: Ich bin von Natur aus optimistisch und sicher, dass die Schwerpunktsetzung auf Afrika nicht temporär sein wird. Man plant nicht die Eröffnung eines Instituts, um es drei Jahre später wieder zu schließen.
"Die Zeiten der Einbahnstraße sind lange vorbei"
Frage: Früher sollten die Goethe-Institute hauptsächlich die deutsche Kultur im Ausland präsentieren. Steht das immer noch im Vordergrund oder geht es inzwischen vorrangig auch um den deutsch-tansanischen Kultur- und Künstleraustausch bzw. um die Förderung der einheimischen Kulturszene?
Schwerdtfeger: Die Zeiten der Einbahnstraße sind lange vorbei zugunsten einer „Zweibahnstraße“. Außerdem geht es uns aber auch um den innerafrikanischen Austausch.
Frage: Können Sie schon sagen, welche inhaltlichen Schwerpunkte Sie setzen wollen?
Schwerdtfeger: Dafür ist es noch zu früh. Das Goethe-Institut im Ausland widmet sich einer Vielzahl von gesellschaftlichen Themen, von Kunstgenres und -formen. Vielleicht führen wir in einigen Monaten ein zweites Interview und dann kann ich Ihnen zu diesem Thema mehr sagen.
Frage: Welchen Stellenwert hat für Sie die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich Kultur und Bildung aktiv sind?
Schwerdtfeger: Eine Zusammenarbeit im Bereich Sprache und Kultur würde ich natürlich begrüßen. Gegenwärtig geht es für mich vor allem noch darum, die Rahmenbedingungen und Strukturen vor Ort kennen zu lernen.
"Ich bin von Land und Leuten mit offenen Armen empfangen worden"
Frage: Was können Sie uns über Ihre Person mitteilen?
Schwerdtfeger: Ich stamme aus Lörrach, einer Kleinstadt im Dreiländereck an der Schweizer Grenze. Studiert habe ich in Freiburg, Hamburg und Ludwigsburg, zunächst Informations- und Medienmanagement dann Kulturwissenschaften. Danach war ich fünf Jahre lang in der Zentrale in München in der Abteilung Kultur und Information in den unterschiedlichsten Bereichen tätig und habe am internen Ausbildungsprogramm für den Führungsnachwuchs teilgenommen. Auslandserfahrung in der kulturellen Praxis und der Spracharbeit konnte ich im Institut in New Delhi sammeln.
Frage: Wie ist Ihr erster Eindruck von Tansania?
Schwerdtfeger: Ich freue mich wahnsinnig, hier zu sein. Ich bin von Land und Leuten mit offenen Armen empfangen worden und sehe meine Arbeit als eine großartige und herausragende Herausforderung an. Ich möchte, dass das Goethe-Institut in Dar es Salaam wieder zu einer Anlaufstelle wird. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber wie bereits gesagt: Ich bin sehr optimistisch!
Frau Schwerdtfeger, herzlichen Dank für das Interview!
(Das Interview führte Rudolf Blauth im Dezember 2007)




