"Schwarzer Kontinent" in Minden
"Theater + punkt" feiert mit "Afrika Montage" eine rundum gelungene Premiere
Minden (cko). Afrika hat Fans gewonnen. Etwas mehr als 90 Minuten zeigten Benjamin Mgonzwa und Alois Moyo das Lebensgefühl des schwarzen Kontinents auf der Bühne im Kleinen Theater. Mal hintergründig, gelegentlich nachdenklich - und ganz oft heiter.
Von Carsten Korfesmeyer
Die Darsteller haben am Premierenabend eine gewaltige Präsenz. Beide legen in "Afrika Montage" eine Leistung hin, wie man sie nicht täglich am Weingarten erlebt. Immer wieder schlüpfen Moyo und Mgonzwa in neue Rollen, die Szenen des afrikanischen Alltags karikieren. Und sie treffen den Nerv und das Herz ihres Publikums.
Die Schauspieler des Ensembles "Theater+punkt" hatten das Stück erst während der Proben entstehen lassen (wir berichteten). Das ist typisch für afrikanisches Theater - in Minden jedoch noch weitgehend unbekannt. Das Publikum nimmt die Einladung zum Afrika-Trip aber sofort und offen auf; die Akteure schaffen es, den Schwarzen Kontinent auf die Bühne zu holen.
Moyo und Mgonzwa sind Profis, die am Freitag glänzend aufgelegt sind. Sie spielen nicht nur, sie leben ihre Rollen. Ob als Bauer, Straßenverkäufer oder Medizinmann: Immer wissen sie Botschaften zu transportieren. Sie tun das meist humorvoll, ziehen Afrika dabei aber nicht durch den Kakao. Die Kulturen, Traditionen und Eigenarten des Kontinents werden jederzeit mit großer Würde behandelt.
Glanzpunkte gibt es viele, dennoch ist eine Szene besonders hervorzuheben. Denn als Alois Moyo den korrupten Politiker "Jay Jay" spielt, zeigt sich die Anfälligkeit der afrikanischen Gesellschaft besonders deutlich. 27 Jahre war "Jay Jay" als Abgeordneter der "Volkspartei" nicht mehr bei seinem Volk - trotzdem buhlt er um die Wiederwahl.
Dass man auf ihn sauer ist, kann er gar nicht verstehen. Als er von einem weiteren Kandidaten erfährt, setzt er auf den Medizinmann. Dieser soll das Volk beschwören. Sein Mitspieler kommentiert das nur mit den Worten: "Was ist eigentlich so toll am Parlament, dass die dort immer bleiben wollen?"
Dass die Aufführung so ausdrucksstark ist, liegt auch am Team hinter der Bühne. Anja Richter hat die Darsteller bestens ausgestattet - und mit dem eher kargen, aber afrikatypischen Bühnenbild, liegt sie goldrichtig. Was die technische Umsetzung betrifft, hat Rudi Brune alles im Griff. Ob Diaprojektionen, Ausleuchtung oder Soundeffekte: Mit "Afrika Montage" wird das Ensemble Maßstäbe setzen.
Regisseur Jürgen Morche ist es eindrucksvoll gelungen, die Collage zusammenzusetzen. Mit seinen auch tänzerisch und gesanglich starken Darstellern, die auch als Trommler Klasse zeigen, führt er dem Publikum ein Gesamtbild von Afrika vor Augen, wie es sich aus Sicht dieses Kontinents zeigt. "Man wird Afrika hinterher besser verstehen", hatte er im Vorfeld gesagt. Und er hat Recht.
Aus: Mindener Tageblatt v . 17.9.2007

