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Ahlener Zeitung: Das "Weiße Haus" von Bagamoyo (9.10.2006)

Foto: Peter Harke
Als Symbol für die Schulpartnerschaft, die weitere Früchte tragen soll, pflanzten Helga Rohden und ihr tansanischer Kollege Jumanne Alli (r.) einen Baum.

Botschafter Ringe weiht renovierte alte deutsche Schule ein  

Von Peter Harke, z.Zt. Bagamoyo/Tansania

Ahlen / Bagamoyo. Die Baugerüste waren kaum abgebaut, da hatten die Einwohner von Bagamoyo der Mwambao Primary School schon einen Spitznamen gegeben: „The White House“. Mit seinem strahlend weißen Anstrich und den aufwändig restaurierten blauen Holzfenstern ragt das markante dreistöckige Baudenkmal nun wie ein Leuchtturm aus dem Häusermeer im Zentrum der Küstenstadt am Indischen Ozean heraus. Nur viereinhalb Monate nach Beginn der umfassendsten Renovierung in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte ist das noch aus der deutschen Kolonialzeit stammende Schulgebäude außen wie innen nicht wieder zu erkennen. Mit einem Wort: ein Schmuckstück. Auch der deutsche Botschafter in Tansania, Wolfgang Ringe, zeigte sich beeindruckt vom Ergebnis der Maßnahme, die das Auswärtige Amt mit 27.000 Euro bezuschusst hatte. „Exzellente Arbeit“ bescheinigte Ringe bei der offiziellen Einweihung am vergangenen Freitag den einheimischen Handwerkern.

„Es fällt mir schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen.“

Helga Rohden

„Es fällt mir schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen“, meinte Helga Rohden merklich bewegt. Für die Leiterin der Ahlener Marienschule und die Elternvertreter in ihrer Begleitung markierte die Feier den vorläufigen Höhepunkt der vor drei Jahren begründeten Partnerschaft zwischen der deutschen und der tansanischen Grundschule. Zum Zeichen dafür, dass diese Partnerschaft weiter Früchte tragen soll, pflanzte Helga Rohden zusammen mit dem Botschafter und dem kommissarischen Leiter der Mwambao School, Jumanne Alli, auf dem Schulgelände zwei Bäume.

Botschafter Wolfgang Ringe, der zuvor symbolisch ein Band vor der neuen, im arabischen Stil geschnitzten Eingangstür durchschnitt, wies in seiner Rede auf die historische Verbindung zwischen Deutschland und seiner früheren Kolonie, dem heutigen Tansania, hin. Insbesondere Bagamoyo, das von 1888 bis 1891 die Hauptstadt von „Deutsch-Ostafrika“ war, werde „für uns Deutsche immer ein besonderer Ort bleiben“. Es sei daher für ihn ein „außerordentliches Vergnügen“, die Mwambao School auf so gelungene Weise renoviert zu sehen. Sie sei aber nur „eines von vielen architektonischen Juwelen in Bagamoyo“, die es wert seien, erhalten zu werden. So zum Beispiel auch die „German Boma“. Der einst stattliche Gouverneurspalast ist seit Jahren dem fortschreitenden Verfall überlassen, für seine Rekonstruktion hat sich bisher kein Geldgeber gefunden. Solche Monumente seien jedoch ein wichtiger „Teil des nationalen kulturellen Erbes“, das es zu bewahren gelte, mahnte der Botschafter diplomatisch stärkere eigene Anstrengungen Tansanias an, um den Tourismus und ausländische Investitionen in die Wirtschaft des Landes zu fördern, das zu den ärmsten der Erde gehört.

Schulleiterin Helga Rohden beim Rundgang durch das renovierte Schulgebäude mit dem deutschen Botschafter Wolfgang Ringe (li.)
Schulleiterin Helga Rohden beim Rundgang durch das renovierte Schulgebäude mit dem deutschen Botschafter Wolfgang Ringe (li.)

„Bagamoyo wird für uns Deutsche immer ein besonderer Ort bleiben.“ Botschafter Wolfgang Ringe

Die Entscheidung, die Renovierung der Mwambao Primary School  finanziell zu unterstützen, sei der Bundesregierung aber auch noch aus einem anderen Grund „leicht gefallen“, erklärte Ringe, trage sie doch zu einer erheblichen Verbesserung der Lernbedingungen für die etwa 750 Schüler aus dem Ort bei. Und ein gutes Schul- und Bildungssystem sei nun einmal „der Schlüssel für die Zukunft“ eines jeden Volkes.

Nicht unerwähnt ließ der Botschafter, dass das Projekt – initiiert von der Marienschule und realisiert mit maßgeblicher Unterstützung durch den, so Ringe, in Tansania „bestens bekannten“ Freundeskreis Bagamoyo – zu einem großen Teil mit privaten Spenden finanziert wurde. Lobend hob er auch die tatkräftige Mithilfe vieler Eltern in Bagamoyo bei der Sanierung hervor. Als Sprecher des Freundeskreises Bagamoyo legte der Architekt und Stadtplaner Ulrich Malisius, der die Arbeiten vor Ort im Wechsel mit anderen Expertenteams aus Deutschland geleitet hatte, den lokalen Behörden ans Herz, nunmehr selbst für eine dauerhafte Unterhaltung des Schulgebäudes Sorge zu tragen.

Helmut Flötotto, Vorsitzender der Schulpflegschaft der Marienschule Ahlen, im Gespräch mit seinem tansanischen „Kollegen" Juma A. Mwanambara
Helmut Flötotto, Vorsitzender der Schulpflegschaft der Marienschule Ahlen, im Gespräch mit seinem tansanischen „Kollegen" Juma A. Mwanambara

„Wir können viel voneinander lernen.“

Helmut Flötotto

Der Vorsitzende der Schulpflegschaft der Marienschule, Helmut Flötotto, und sein tansanischer „Kollege“ Juma A. Mwanambara, bekräftigten übereinstimmend den Willen, die  Partnerschaft zwischen ihren beiden Schulen getreu dem Motto „Mkono wa mkono“ („Hand in Hand“) nicht nur fortzusetzen, sondern auf der Ebene persönlicher Begegnungen möglichst noch zu intensivieren. Dabei dürfe ein solcher Austausch keine Einbahnstraße sein, betonte Flötotto. Beide Seiten könnten „viel voneinander lernen“.

Die mehr als dreistündige Einweihungsfeier bei fast 30 Grad im Schatten wurde von den Schülern und Lehrern der Mwambao School liebevoll mit Tänzen, Gesängen und akrobatischen Darbietungen gestaltet. Indirekt waren auch die Kinderchöre der Musikschule Beckum-Warendorf  beteiligt, als „Pausenmelodie“ zwischen den Reden und kulturellen Beiträgen wurde immer wieder das von Dr. Wolfgang König komponierte Lied „We are reaching Bagamoyo“ vom Band eingespielt. Zahlreiche hochrangige Repräsentanten des tansanischen Staates nahmen an der Zeremonie teil, allen voran der Minister für Viehzucht, Dr. Shukuru Kawambwa, der beim Eröffnungsrundgang gut gelaunt Anekdoten aus seiner eigenen Schulzeit an der Mwambao School zum Besten gab. Der tansanische Staatspräsident Jakaya Kikwete, der ebenfalls aus dem Bagamoyo-Distrikt stammt und hier einige Jahre zur Schule gegangen ist, konnte wegen anderer wichtiger Termine nicht der persönlichen Einladung durch Helga Rohden folgen. Kikwete, auf dem Rückflug von einer USA-Reise, hatte ab Dubai zufällig in derselben Maschine gesessen wie die Reisegruppe aus Ahlen und die Schulleiterin, die beherzt die Gunst der Stunde nutzte, zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch in der Ersten Klasse empfangen.

Die Gelegenheit, weitere Kontakte zu knüpfen, bot einigen Mitgliedern der insgesamt 15-köpfigen Delegation der Marienschule und des Freundeskreises Bagamoyo eine Gartenparty in der Residenz des deutschen Botschafters in Dar es Salaam anlässlich des „Tages der deutschen Einheit“ am 3. Oktober. Wolfgang Ringe und seine Frau Lilo bewirteten ihre Gäste mit Sauerkraut, Nürnberger Würstchen und Kartoffelsalat.