Neues Buch von Ilija Trojanow: "Nomade auf vier Kontinenten"
Nach seinem Bestseller "Der Weltenbummler" hat Ilija Trojanow nun einen ergänzenden biografischen Band geschrieben, in dem Trojanow das unkonventionelle Leben des Entdeckers, Offiziers, Spions und Wissenschaftlers Sir Richard Francis Burton anhand von Ausschnitten aus dessen Werk vorstellt und sie mit den Erlebnissen seiner eigenen Reisen verknüpft.
Behandelt werden vor allem die Regionen Indien, Arabien und natürlich Ostafrika mit Kapiteln über Sansibar, Bagamoyo ("Leg ab die Last deines Herzens", "Bagamoyo ist ein Ort der Anfänge und Ausgänge"), die Uluguru-Mountains, Mikumi-Nationalpark, Dodoma, Tabora, Ujiji, Kigoma und den Tanganyika-See entlang der Reiseroute des weißen "Entdeckers" Richard Burton.
Herausragend ist die liebevolle Gestaltung des Buches, sowohl was die wechselnden Druckfarben, die zahlreichen Fotos als auch insgesamt die grafische Gestaltung betrifft.
Ilija Trojanow
"Nomade auf vier Kontinenten - Auf den Spuren von Richard Francis Burton"
Eichborn Verlag, Frankfurt 2007
444 S., 34 EUR
Lesungen
16.09. Hattenheim, WeinLese 2007, 11.00 Uhr
27.09. Bad Nauheim, Spiegelsaal Kurhaus, 19.30 Uhr
02.10. Würzburg, Stadtbücherei, 20.00 Uhr
10.10. Bonn, Rheinisches LandesMuseum, 20.00 Uhr
19.10. Krefeld, Theater Krefeld, 20.00 Uhr
21.10. Ludwigsburg, Kulturzentrum, 20.00 Uhr
29.10. Frankfurt/M., Literaturhaus, 20.00 Uhr
31.10. Darmstadt, Literaturhaus, 20.00 Uhr
04.12. Essen, 3. Deutsch-Türkische Buchmesse, 19.30 Uhr
Rezension
von Sebastian Fasthuber (Falter/Wien)
Sieben Jahre lang reiste Ilija Trojanow auf den Spuren von Richard Burton (1821–1890) durch Indien, Arabien, Afrika und Nordamerika, davon lebte der aus Bulgarien stammende deutsche Autor mehrere Jahre in Indien und im arabischen Raum. Seine umfangreichen Recherchen materialisierten sich vor zwei Jahren in dem Roman „Der Weltensammler“, der zum Bestseller avancierte. Freilich hatte Trojanow weit mehr Welt gesammelt, als in einem einzigen Buch Platz fand.
Nun legt er einen Band vor, der Berichte seiner eigenen Reisen Texte aus Burtons Feder gegenüberstellt. „Nomade auf vier Kontinenten“ erscheint als letzter von Franz Greno gestalteter Band in der Anderen Bibliothek und ist ein kleines bibliophiles Meisterwerk. Inhaltlich lässt er sich als immer wieder Staunen machender Reisebericht begreifen – über Bombay/Mumbai, die Hadsch und Ostafrika –, aber auch als eine kursorische Biografie Burtons.
Trojanow schildert den Mann, „der mehr Sprachen beherrschte, als ein Sultan Ehefrauen hat, [...] sich mit mehr Dialekten schmücken konnte, als manch ein Vorgesetzter mit Orden“, mit großer Zuneigung, spart aber auch dessen Widersprüchlichkeiten nicht aus. Burton war gelehrsam wie erotoman, blutrünstig wie depressiv. "Er war verliebt in Vielfalt", schreibt Trojanow. Genau das ist es, was an dieser Persönlichkeit nach wie vor fasziniert.
Ilija Trojanow tritt Stelle als Stadtschreiber von Mainz an
Der Schriftsteller Ilija Trojanow hat die Stelle als "Stadtschreiber von Mainz" angetreten. Im Rahmen einer Feststunde wurde er am 5. Februar von dem Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel in seinen Job, der mit einem Preisgeld von 12.500 EUR verbunden ist, eingeführt. Die Laudatio hielt der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger.
Im Rahmen seiner Tätigkeit wird Trojanow u.a. eine ZDF-Dokumentation über seine Heimat Bulgarien erstellen und Literaturporjekte mit Mainzer Schülern durchführen.
Vor Ilija Trojanow wurden bereits 22 andere Schriftsteller/innen als Mainzer Stadtschreiber ausgezeichnet, darunter Sten Nadolny (2005), Urs Widmer (2003), Erich Loest (1998), Friedrich Christian Delius (1993) oder Sarah Kirsch (1988).
Ilija Trojanow mit Berliner Literaturpreis 2007 ausgezeichnet
Der Schriftsteller Ilija Trojanow wurde am 17. Januar 2007 im Roten Rathaus vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit mit dem Berliner Literaturpreis 2007 ausgezeichnet. Der von der Stiftung Preussische Seehandlung verliehene Preis ist mit 30 000 Euro dotiert.
Die Auszeichnung ist mit einer "Heiner-Müller-Professur für deutschsprachige Poetik" im Sommersemester an der Freien Universität Berlin verbunden. Die Juroren des Literaturpreises würdigten die "anschauliche, bilderreiche und poetisch dichte Sprache" Trojanows, wie die Stiftung mitteilte.
Das erzählerische Werk des heute in München und Kapstadt lebenden Autors habe sich der Weltläufigkeit verschrieben und thematisiere "die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen den Kulturen des Westens und des Ostens - ganz im Sinne des Titels seines Debütromans "Die Welt ist gross und Rettung lauert überall".
Zuletzt erschienen von dem 41-jährigen Autor, der früher lange Jahre auch in Kenia und Indien lebte und der ein ausgesprochener Tansania-Experte und Autor mehrerer Bücher über Tansania ist, die Bände "Der Weltensammler" und "Gebrauchsanweisung für Indien".
Für seinen Bestseller "Der Weltensammler", der sich viele Wochen in der SPIEGEL-Bestsellerliste hielt, wurde Trojanow bereits im Frühjahr mit dem Literaturpreis der Buchmesse Leipzig ausgezeichnet und für die Endauswahl für den Deutschen Buchpreis nominiert.
"Der Weltensammler" schildert in herausragender literarischer Weise das Leben des britischen Offiziers, Forschers, Agenten und Entdeckers Richard Burton. Teil des Buches ist die Reise von Richard Burton von Sansibar über Bagamoyo nach Kigoma, wo er gemeinsam mit Speke als erster Europäer den Tanganjika-See zu Augen bekam. Dabei ist bemerkenswert, dass diese beschwerliche Reise, für die Ilija Trojanow in der Recherche gemeinsam mit Jörg Gabriel die gesamte Strecke Kigoma-Bagamoyo zu Fuß (z.T. auch per Boot) abgelaufen ist, aus der Sicht eines einheimischen Führers erzählt wird und dadurch die europäische Entdeckungsgeschichte um eine neue Perspektive bereichert.
Ausführlicher Bericht in "Inforadio 93,1" v. 17.1.2007
(mit Audio-Version)
Ilija Trojanow, "Der Weltensammler"
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