Westfälische Nachrichten: Sponsorenläufe in Beckum ermöglichen Bau eines Mädchenwohnheimes in Bagamoyo (11.12.2004)
Presseartikel zur Eröffnung des Wohnheims
Sponsorenläufe in Beckum ermöglichen Bau eines Mädchenwohnheimes in Bagamoyo
Schüler der Realschule Beckum erlaufen 35.600 EUR für die Secondary School
Beckum/Bagamoyo(ph). Rund 7000 Kilometer Luftlinie beträgt die Entfernung zwischen Beckum und Bagamoyo in Tansania/Ostafrika. Ungefähr die gleiche Distanz legten die Schülerinnen und Schüler der Städtischen Realschule Beckum bei ihrem Sponsorenlauf am 15. Juni dieses Jahres zurück. Mit jeder Runde um den Sportplatz dem großen Ziel ein Stück näher, das Geld für den Bau eines Mädchenwohnheims an der staatlichen Secondary School von Bagamoyo zusammen zu bekommen. "Die Kinder haben sich sehr ins Zeug gelegt", sagt Dorothee Aymanns, eine der Lehrerinnen, die die vor vier Jahren ins Leben gerufene Schulpartnerschaft begleitet und im Oktober 2003 selbst zum ersten Mal die frühere deutsche Kolonialhauptstadt am Indischen Ozean, 70 Kilometer nördlich von Dar es Salaam, besucht hat. "Ein Junge", erzählt die Pädagogin voller Bewunderung, "ist allein 28 Kilometer gelaufen."
So erbrachte dieser zweite "Run for Bagamoyo" erneut die stolze Summe von 17.000 Euro, nachdem bereits beim ersten "Durchgang" 2002 mit dem Erlös von 18.600 Euro ein solider Grundstock für das Vorhaben gelegt worden war. Addiert mit den Einnahmen aus verschiedenen kleineren Aktionen standen nun cirka 37.000 Euro zur Verfügung, sogar noch etwas mehr als an Baukosten veranschlagt war. Die Secondary School von Bagamoyo, die von 850 Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 8 bis 12 besucht wird, ist vergleichsweise gut ausgestattet. So verfügen hier zum Beispiel alle Klassen über Sitzbänke und haben buchstäblich ein Dach über dem Kopf - in Tansania, einem der ärmsten Länder der Welt, durchaus nicht selbstverständlich. Bisher gab es jedoch keine Möglichkeit für die Mädchen, nach Unterrichtsschluss an der Schule zu bleiben, auch über Nacht. Viele von ihnen kommen von weit her, wohnen in Bagamoyo bei Verwandten, zum Teil bei fremden Familien. Nach der Schule werden sie zu Arbeiten auf dem Feld oder im Haushalt heran gezogen, haben kaum Zeit zum Lernen - und sind dadurch gegenüber den Jungen, für die es Internatsplätze gibt, klar benachteiligt. Bisher.
Kaum war die Finanzierung gesichert, erfolgte noch im Frühsommer der erste Spatenstich für den Bau des Mädchenwohnheims auf dem Schulgelände am Stadtrand von Bagamoyo. In nur knapp vier Monaten wurde das lang gestreckte Gebäude durch einheimische "Fundis" (Handwerker) hochgezogen. Als "Bauleiter" und Kontaktmann zu den Auftraggebern im fernen Deutschland bewährte sich einmal mehr Erhard Henkel, evangelischer Pfarrer im Ruhestand aus Oberursel und Mitglied im Vorstand des "Freundeskreises Bagamoyo", der mit seiner Frau Barbara in diesem Jahr schon zum zweiten Mal drei Monate in Tansania verbrachte, um dort verschiedene Hilfsprojekte zu betreuen. Erst 2003 hatte er an einer Grundschule in Bagamoyo die Errichtung neuer Mädchentoiletten mit Spendengeldern von der Everword-Schule in Freckenhorst organisiert. Ein "Klacks" im Vergleich zu dem Mädchenwohnheim, doch der örtliche Bauunternehmer, den Henkel diesmal engagiert hatte, erwies sich als absolut zuverlässig, so dass das Hostel, bestehend aus zwei durch ein Lehrerinnenzimmer getrennten Schlafsälen mit dazu gehörigen Sanitärräumen, schon am 9. September "schlüsselfertig", wenn auch noch nicht komplett eingerichtet, offiziell übergeben werden konnte.
Groß war die Freude an der Secondary School, überschwänglich wird der Bau in einer Erhard Henkel überreichten Dankurkunde für die Realschule in Beckum als "Akt der Befreiung der Frauen von Tansania" gefeiert.
Wenige Tage nach Henkels Rückkehr nach Deutschland traf die "Ablösung" für ihn ein, in Person von Dr. Wolfgang König und Veronika te Reh. Der Leiter der Musikschule Beckum-Warendorf und seine Frau sowie deren Freunde Michael und Mechthild Witte aus Beckum kümmerten sich um den letzten "Feinschliff" für das Wohnheim. Denn noch fehlten unter anderem die Betten, sie sollten erst wenige Stunden vor dem Heimflug der beiden Ehepaare geliefert werden. Auch einfache Holzschränke wurden in letzter Minute noch in Auftrag gegeben, damit die Schulmädchen wenigstens ein paar persönliche Dinge unterbringen können. Ansonsten, so überzeugten sich Königs und Wittes bei der "Endabnahme" am Tag vor ihrer Abreise, funktionierte alles einwandfrei: die Toilettenspülungen, die Duschen - jeweils drei pro Schlafsaal - und die Ventilatoren. Nur seltsam still war es noch in den gelb getünchten Räumen. Das dürfte sich gründlich ändern, wenn im Januar 2005, mit Beginn des neuen Schuljahres, 48 tansanische Teenager im Alter von 17, 18 Jahren hier einziehen und richtig Leben in die "Bude" bringen. Nun wird nur noch ein passender Name für das Haus gesucht.



