Ahlener Zeitung: Afrika ist und bleibt ihre Heimat (25.02.2005)
Ahlen. Talkshowauftritte bei Jauch und bei Beckmann, Artikel und Interviews in allen großen Zeitungen von "FAZ" bis "Bunte" - mehr und bessere Werbung, obendrein kostenlos, hätte sich VHS-Leiter Rudolf Blauth kaum wünschen können. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen der medialen Omnipräsenz von Kerstin Cameron und ihres filmischen alter ego Veronika Ferres ist die Veranstaltung am Mittwochabend im Bürgerzentrum Schuhfabrik dann doch nicht so gut besucht wie erhofft. Die meisten Ahlener ziehen es offenbar vor, sich den ersten Teil von "Kein Himmel über Afrika" zu Hause im Fernsehen anzuschauen. Und lassen sich die Gelegenheit entgehen, die "echte" Katherine Coburn, wie die Protagonistin im Film heißt, von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen, von ihr die wahre, die ganze Geschichte zu erfahren und auch noch etwas mehr, was weder in ihrem Buch steht noch im Film gezeigt wird.
Zum Beispiel, dass die Schwiegereltern in Neuseeland, die den Prozess gegen sie dank guter Beziehungen bis in höchste Regierungskreise angestrengt hatten, immer noch keine Ruhe geben wegen des Nachlasses. Oder dass Kerstin Camerons heute 11-jähriger Sohn Tell nach Erscheinen des Buches sauer auf seine Mutter war, weil er seinen Mitschülern an der deutschen Schule in Nairobi erzählt hatte, sein Vater würde in Tansania leben und arbeiten. Ob ihre vier Kinder das Erlebte gut verarbeitet haben - Kerstin Cameron weiß es nicht wirklich. Hofft es.

- Begehrt war am Mittwochabend die Unterschrift von Kerstin Cameron, zahlreiche Besucher ließen sich ihr Buch "Kein Himmel über Afrika" von der Autorin signieren.
Sie selbst hat das Trauma, des Mordes an ihrem Mann Cliff angeklagt und mit der Todesstrafe bedroht zu sein, hat die Folgen der einjährigen Haft im Frauengefängnis von Arusha überwunden. "Tough", diese Bezeichnung trifft auf sie, die 1960 in Nigeria geboren wurde und mit ihren Eltern - der vor anderthalb Jahren verstorbene Vater war Bauingenieur - kreuz und quer durch Afrika gezogen ist, bevor sie ihren ersten Mann Raoul, den Großwildjäger, kennenlernte, wohl am ehesten zu. Selbstbewusst wirkt sie, auch ein bisschen burschikos, als könnte sie nichts mehr erschüttern. Doch kommt die Sprache auf ihren Mann, den sie von dem französischen Schauspieler Jean-Hugues Anglade übrigens hervorragend dargestellt findet, obgleich optisch nicht die geringste Ähnlichkeit besteht, dann ändert sich das Timbre in der sonst so festen Stimme, wenn Kerstin Cameron sagt: "Er war die große Liebe meines Lebens." Würde er von den Toten auferstehen - sie würde es wohl noch einmal mit ihm versuchen. Trotz allem, was passiert ist.
Wie sie denn "nach all dem" wieder in Afrika, wenn auch nicht in Tansania, sondern in Kenia leben könne, will Rudolf Blauth zum Schluss von ihr wissen. Die Antwort kommt ohne Zögern: "Das ist meine Heimat!" Außerdem würde sie als Buschpilotin in Deutschland wohl nur schwer einen Job finden...

