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Soester Anzeiger: "Der Mensch lebt von Hoffnung" (02.03.2005)

Kerstin Cameron berichtete bei "Werler Gesprächen" über ihr Schicksal in Afrika "Ich konnte und wollte mein Leben dort nicht verdrängen"

"Kein Himmel über Afrika" heißt ihr Buch. Keinen Platz mehr im "Forum der Völker" gab's am Montagabend. Denn jeder Stuhl war im Rahmen der "Werler Gespräche" besetzt, als Kerstin Cameron zu Gast war. Die in Nigeria geborene Tochter deutscher Eltern erzählte von ihren Erfahrungen, die sie in einem Frauengefängnis inmitten Tansanias, in Arusha, gemacht hatte.

Nach dem Selbstmord ihres Ehemannes Cliff wurde sie des Mordes angeklagt, obwohl für die Polizei eindeutig war, dass er sich selbst erschossen hatte. Grund dafür sei die Anklage ihrer Schwiegereltern gewesen, die den Selbstmord ihres Sohnes nicht akzeptieren wollten. Getrennt von ihren vier Kindern verbrachte sie 370 Tage unter katastrophalen Bedingungen im Frauengefängnis Arushas.

Wolfgang Klesse von der VHS (l.) und Pater Reinhard begrüßten Kerstin Cameron
Wolfgang Klesse von der VHS (l.) und Pater Reinhard begrüßten Kerstin Cameron im vollbesetzten "Forum der Völker". (Foto: Schlaß)

Buch ein Bestseller

In ihrem Buch "Kein Himmel über Afrika", das mehrere Wochen in den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste war, schildert Cameron ihre erschütternden Erlebnisse. Nebenbei sorgte zudem die in der vergangenen Woche ausgestrahlte Verfilmung ihres Buches für Gesprächsstoff im Forum. Die Reaktionen waren unterschiedlich, Cameron selbst ist aber mit dem Ergebnis im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Im Vordergrund des Vortrages standen die Verhältnisse im ostafrikanischen Gefängnis. Obwohl das Frauengefängnis in Arusha verhältnismäßig gut geführt wurde, so Cameron, die lange Jahre zuvor schon in Afrika lebte, seien diese doch erschütternd gewesen. Die inhaftierten Frauen mussten auf sehr engem Raum leben, es gab fünf Zellen, die um einen winzigen Innenhof angeordnet waren. Auf diesem Raum lebten rund 80 bis 90 Frauen, zudem noch etwa zwölf Kinder. Camerons Einzelzelle war lediglich 1,15 m breit. Fließend Wasser hatten die Inhaftierten nicht, ihre "Geschäfte" verrichten mussten sie in Toilettenlöchern, die meist bis oben hin mit Fäkalien sowie Würmern und Maden gefüllt gewesen sein sollen. Medikamente gab es laut Cameron keine, Kinder kratzten sich teilweise blutig wegen normalerweise leicht heilbaren Hautkrankheiten.

Die allgemeine ärztliche Versorgung war und ist in Afrika sehr schlecht, richtige Untersuchungen durch Fachkräfte fanden nicht statt. Neben den hygienischen Verhältnissen sprach man auch über den afrikanischen Rechtsstaat. So sind die Strafen schon bei banalen Verbrechen wie einem kleinen Diebstahl sehr hoch, liegen bei drei bis acht Jahren, bei Gewaltanwendung sogar bei bis zu 30 Jahren Haft. "Die wirklichen Justizopfer sind aber die Kinder", so Kerstin Cameron. Daher hat sie nach ihrer Freilassung zusammen mit Freunden den gemeinnützigen Verein Bahati e.V. gegründet. "Ich konnte und wollte meine Zeit dort nicht einfach verdrängen, obwohl mir viele dazu geraten haben", meint Cameron, die sich vor allem vor Ort stark engagiert. Die Garantie, dass die Spenden zum Beispiel aus Deutschland auch bei den Bedürftigen ankommen würden, sei nicht gegeben. Ihre Vorhaben kommen zum größten Teil den Kindern zugute, "die für ihre Situation nichts können." Man wolle Besuchsrechte für Kinder einführen sowie Spiel- und Lernmöglichkeiten innerhalb aber auch außerhalb des Gefängnisses für zurückgebliebene Kinder. Da von den Behörden keine Hilfe zu erwarten sei, sei Öffentlichkeitsarbeit enorm wichtig. Denn auch gerade in ihrem Falle habe man vergebens auf ein Handeln von Seiten der deutschen Botschaft gewartet, obwohl Cameron unschuldig im Gefängnis saß. Eine akute Todesangst habe bei der Bestsellerautorin und weiteren angeklagten Frauen nicht bestanden, da Todesurteile selten vollstreckt würden.

Durchhalten für die Kinder

"Der Mensch lebt von Hoffnung", fügt Cameron hinzu, die vor allem wegen ihrer Kinder, die zu der Zeit bei ihrer Mutter lebten, durchhalten wollte.