Neue Osnabrücker Zeitung: Dann wohl doch Afrika (02.03.2005)
Von Anne Diekhoff, Osnabrück
Millionen Menschen verfolgten ihre Geschichte im Fernsehen, als Spielfilm mit Veronika Ferres in der Hauptrolle. Was damit zur Abendunterhaltung wurde, war für Kerstin Cameron harte Realität: Ein Jahr lang saß sie unschuldig in einem Gefängnis in Tansania unter dem Verdacht, ihren Mann getötet zu haben. Heute Abend ist Kerstin Cameron in der Volkshochschule in Osnabrück zu Gast.
Im Gespräch mit unserer Zeitung beschrieb die Autorin des autobiografischen Buches "Kein Himmel über Afrika" ihre Pläne für den Abend so: "Ein bisschen Buch, ein bisschen erzählen, ein bisschen über den Verein. Und was die Leute interessieren wird, ist ja wahrscheinlich - nachdem sie den Film gesehen haben - zu erfahren, wie war das, war das authentisch?"
Der von ihr erwähnte Verein heißt "Bahati e.V.". Kerstin Cameron hat ihn gegründet, um in Tansania inhaftierte Frauen zu unterstützen. "Wir können uns nicht in das tansanische Justiz-System einmischen", sagt sie, "aber wir können mit den normalen existenziellen Sachen helfen." Frisches Gemüse und Obst, Medikamente, eine Anlaufstelle für Frauen, die aus dem Gefängnis kommen: Diese ehrenamtliche Arbeit ist Kerstin Cameron wichtig, nachdem sie unter den Haftbedingungen gelitten hat.
Ihr Mann hatte sich das Leben genommen, sie war unter falschem Verdacht in Haft, getrennt von ihren vier Kindern - ist es heute noch schwierig, darüber zu reden oder die eigene Geschichte als Film zu sehen? "Ich hab da schon ein bisschen Abstand mittlerweile", erzählt Kerstin Cameron, "als 2002 das Buch erschienen ist, habe ich ein halbes Jahr sehr viele Lesungen und Fernsehauftritte gemacht, deshalb kann ich da inzwischen offen mit umgehen."
Mittlerweile lebt Cameron wieder in Afrika. Die Entscheidung zurückzugehen fiel, als das Buch fertig geschrieben war - es habe hier keine Arbeitsmöglichkeiten für sie gegeben. "Eine Buschpilotin brauchen sie hier nicht, und jemanden, der ein Jagdunternehmen führen kann, auch nicht", stellt sie trocken fest, "also hab ich mir irgendwann überlegt, gut, dann wohl doch Afrika."
