Ahlener Zeitung: Afrika rückt zum Greifen nah (19.03.2005)
Ab 5. Juni: Große Ausstellung in den ehemaligen Maschinenhallen der Zeche "Westfalen"
Von Peter Harke
Ahlen. Nur acht Monate nach dem Ende der großen "Regionale"-Schau "Natur nach Maß" wird in die ehemaligen Maschinenhallen der Zeche "Westfalen" erneut Leben kommen, für exakt 100 Tage, vom 5. Juni bis zum 12. September. Das Projekt mit dem poetischen Titel "Zauberwelt der Sinne" verspricht ähnlich spektakulär zu werden wie die Ausstellung im vergangenen Sommer.
Das Thema ist freilich ein völlig anderes: Wo damals in einem riesigen runden Bassin eine komplette Stadt symbolhaft für das Ahlener "Jahrhunderthochwasser" vom Mai 2001 "unterging", wird nun ein afrikanisches Dorf "gegründet", bestehend aus einem halben Dutzend Hütten. Dabei handelt es sich um originalgetreue, zum Teil begehbare und authentisch eingerichtete Nachbauten traditioneller Behausungen der Ovimbundu, des größten Volksstammes im westafrikanischen Angola. Mit Holzfiguren, in dreijähriger Handarbeit von einem Künstler dieses Stammes geschnitzt, werden verschiedene typische Alltagsszenen nachgestellt.
Erdacht und mit seinen Studenten realisiert hatte dieses Dorf Ulrich Martini (66), Professor für Kunst- und Werkpädagogik an der Fachhochschule Münster, der einige Jahre in Angola gelebt hat, für die Landesgartenschau 2003 in Gronau. Als das Herzstück von "Dinkie's Kreativwerkstatt" - "Dinkie" hieß das Maskottchen der LAGA - war es ein wahrer Publikumsmagnet, beliebt besonders bei Kindern, die hier auf vielfältige Weise aktiv werden konnten, zum Beispiel in den täglich angebotenen Trommelworkshops, die neben einem "Kollegen" aus Angola auch ein Musiker aus Bagamoyo in Tansania leitete. Über den Freundeskreis Bagamoyo und die Musikschule Beckum-Warendorf knüpfte Prof. Martini den Kontakt zu Ahlen und nahm das Angebot dankbar an, nach dem Abbau in Gronau "sein" Dorf hier zunächst auf dem Zechengelände einzulagern. Mit dem "Hintergedanken", es daselbst vielleicht eines Tages dauerhaft präsentieren zu können.
Dieser Wunsch wird also nun zumindest auf Zeit erfüllt. Damit rückt die Volkshochschule Ahlen, die Jahr für Jahr fragt "Wie weit ist Afrika?", den schwarzen Kontinent diesmal buchstäblich zum Greifen nah. Wie in Gronau werden auch auf der Zeche die Klangskulpturen, für die Prof. Ulrich Martini als Künstler bekannt ist, in Aktion treten, wird es ebenso ein umfangreiches pädagogisches Begleitprogramm mit Führungen und Workshops für Schulklassen geben - für das bereits über hundert Anmeldungen vorliegen, außerdem eine Fotoausstellung und ein "Afrikanisches Café". Beteiligt sind neben der VHS der ?Bauhof der Sinne?, der einen Parcours mit Experimentierstationen zu verschiedenen naturkundlichen Themen plant, sowie das Stadtteilbüro und der Welt-Laden.

