Ahlener Zeitung: Physik und Afrika zum "Be-Greifen" (07.06.2005)
Ahlen (D.Hat.). "Egal ob schwarz oder weiß - unter Tage sind alle gleich." An diesen alten Bergmannsspruch erinnerte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, als er am Sonntagnachmittag die Ausstellung "Zauberwelt der Sinne" in der ehemaligen Maschinenzentrale der Zeche "Westfalen" eröffnete.
Genau genommen handelt es sich um zwei Ausstellungen, von denen sich die eine mit Afrika und die andere mit physikalischen Phänomen beschäftigt. Auch wenn sich ein Zusammenhang nicht unmittelbar aufdränge, so Ruhmöller, liege doch beiden Ausstellungen derselbe Ansatz zugrunde: die Besucher zum aktiven Mitmachen, zum Experimentieren, im wahrsten Sinne des Wortes zum"Be-Greifen" und "Er-Fassen" anzuregen. Dass dieses Ziel erreicht wird, zeigte bereits die Eröffnung, denn die Kinder machten von der Möglichkeiten des Experimentierens und des Selbsterfahrens reichlich Gebrauch.
Das wird in den kommenden 100 Tagen kaum anders sein, denn schon bis heute sind 185 Führungen für Schulen fest vergeben. An Nachmittagen seien freilich noch weitere Führungen möglich, meinte Ruhmöller. Eine Frage stelle sich bereits heute: Was mit der Ausstellung nach Ablauf der 100 Tage werden solle. Die Stadt werde alles daran setzen, für beides eine Lösung zu finden. Am besten natürlich auf der Zeche, fügte der Bürgermeister hinzu.
Die Hilfe der Stadt mahnte Prof. Ulrich Martini, Leihgeber der Afrika-Ausstellung, schon jetzt an. Der Münsteraner überreichte Ruhmöller einen goldenen Spaten mit einem symbolischen Geldkompass im Miniformat mit der Bitte, bei der Einstellung einer pädagogischen Kraft bei der Betreuung der Physik-Ausstellung behilflich zu sein. Im Übrigen sei die Stadt doch sehr kostengünstig an zwei hochwertige Ausstellungen gekommen.
Für den Verein "Bauhof der Sinne", in dessen Verantwortung die Ausstellung "So geht's. Physik zum Anfassen" liegt, lobte dessen Vorsitzender Dr. Heinrich Schwippe die Kooperation mit den Industrie- und Handwerksbetrieben aus Ahlen, Hamm und Beckum. Sogar die Universität Osnabrück habe sich mit dem Foucaultschen Pendel an diesem Vorhaben beteiligt. Durch diese Kooperation sei es gelungen, natur- und ingenieurwissenschaftliches Fachwissen für ein spannendes Angebot außerhalb des Schulunterrichts so attraktiv zu machen, dass es auch für die Schule anregend sein könne.
Ein Gedanke, den Prof. Erich Schürmann von der Fachhochschule Südwestfalen aus Soest aufgriff, der den aktuellen Mangel von Ingenieuren und Physikern in Deutschland beklagte und dazu aufrief, diese Fächer verstärkt zu studieren. Dazu müsse man nicht einmal unbedingt ein Ass in Mathe sein.
Die musikalischen und optischen Glanzlicher der Eröffnungsfeier setzen die Mitglieder des "Cross Over"-Chores der Kreismusikschule sowie die vier Tänzerinnen und Tänzer der "RISA-Group" aus Bagamoyo, unterstützt durch John, Benjamin und Nkwabi als Trommler, die die Halle in afrikanisches Flair tauchten.
Die Afrika-Ausstellung, die vom Freundeskreis Bagamoyo oganisiert wurde, umfasst neben der Nachbildung eines Dorfes eine Ausstellung mit Schnitzkunst, Fotografien zu den Themen "Gesichter Afrikas" und "Karibu Tansania" (Willkommen Tansania) von "AZ"-Redakteur Peter Harke, einen Klanggarten der Fachhochschule Münster sowie Martinis "Kullertürme", die schon auf der Landesgartenschau in Gronau die große Attraktion waren. Das "Afrikanische Café" wird übrigens allein vom Ahlener "Welt-Laden" betrieben.


