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Ahlener Zeitung: Nkwabi ist Fußballfan und mag keine grellen Farben (30.06.2005)

Ahlen. Wie leben eigentlich John und Nkwabi zu Hause, in Bagamoyo? Wie sieht es da aus, im fernen Ostafrika? Das konnten sich die deutschen Kinder bisher nicht so recht vorstellen, auch wenn die beiden immer auch ein bisschen von ihrer Heimat erzählt haben, wenn sie, wie zurzeit wieder, jedes Jahr vor den Sommerferien zu ihnen an die Schulen in Ahlen und anderen Orten im ganzen Kreis Warendorf gekommen sind, um sie im Trommeln und Tanzen "auf Afrikanisch" zu unterrichten.

Am Ende einer etwas anderen Englisch-Stunde in der 5a schrieb Nkwabi noch fleißig Autogramme.
"Can i get your autograph?" - Am Ende einer etwas anderen Englisch-Stunde in der 5a schrieb Nkwabi noch fleißig Autogramme. (Foto: Peter Harke)

Aber nun können sich die Schüler buchstäblich ein besseres Bild machen vom Alltag der Menschen in Tansania, dank eines 20-minütigen Videofilms, den die Münsteraner Medienpädagogin Ulrike Behnen im Auftrag der VHS vergangenes Jahr im Oktober am "Originalschauplatz" gedreht hat. Neun Tage begleitete sie Nkwabi Nghangasamala und John Mponda mit der Kamera auf Schritt und Tritt, beobachtete sie bei der Arbeit mit den Studenten am Bagamoyo College of Arts und nach Feierabend, bei ihren Familien. Auch stimmungsvolle Impressionen vom Strand und aus der Stadt Bagamoyo fing Ulrike Behnen ein, eine längere Sequenz zeigt den allmorgendlichen Appell und den Unterricht an einer Grundschule.

Der Film, erhältlich als DVD oder als VHS-Kassette, kann künftig allen Schulen zur Verfügung gestellt werden, die Nkwabi und John für Workshops engagiert haben, um die Kinder auf die Begegnung mit ihnen vorzubereiten. Erstmals zum Einsatz, obwohl selbstredend auf Deutsch kommentiert, kam er allerdings jetzt am Städtischen Gymnasium im Englisch-Unterricht. Lehrerin Anne Giebel führte ihn am Dienstag nacheinander der Klasse 8c, dann der 5a und schließlich einem Grundkurs in der Jahrgangsstufe 12 vor. Sinn und Zweck der Übung: Die Schüler sollten einen der Protagonisten des Films, Nkwabi, dazu in der Fremdsprache "interviewen".

Am wissbegierigsten waren die Sextaner, doch zunächst schauten sie wie gebannt auf den Bildschirm, stöhnten nur einmal leise auf, als sie hörten, dass ihre Altersgenossen in Bagamoyo morgens noch eine Stunde früher als sie, nämlich schon um sieben Uhr "antreten" müssen, um erst mal den Schulhof zu fegen. Sonst war es mucksmäuschenstill in der Klasse. Aber dann. Dann schnippten sie um die Wette mit den Fingern und löcherten Nkwabi regelrecht mit Fragen.

Wie alt er sei, ob er eine Frau habe und wie viele Kinder, wollten die Fünftklässler wissen und staunten, dass Nkwabi schon 52 ist und fünffacher Vater. Seine Hobbies Tanzen und Trommeln natürlich. Und Fußball. Nkwabi ist Mitglied im Präsidium des FC Sadaani, einer aufstrebenden jungen Mannschaft, sozusagen Bagamoyos "LR".
Die Antwort auf die Frage nach der Lieblingsfarbe fiel überraschend aus. Während die meisten Afrikaner sich gerne bunt kleiden, mag Nkwabi lieber gedeckte als grelle Töne. Sein Leib- und Magengericht "Ugali" Maisbrei. Schmeckt am besten mit einer leckeren Sauce oder Gemüse, verriet er. Ob Tansania ein armes Land ist? Im Vergleich zu Deutschland ja. "Aber Computer und Handys gibt es bei uns auch schon", lachte Nkwabi.
Ein Bild an die Tafel malen, auf dem Lehrerpult trommeln, ein paar pantomimische Einlagen zeigen, geduldig tat Nkwabi, worum ihn die Kinder baten. Und stellte auf Abruf auch seine Deutsch-Kenntnisse unter Beweis: "Wie heißt du?", "Schön", "Lecker" - etliche Begriffe und Redewendungen sind bei ihm hängen geblieben im Laufe der Jahre. Und das Wort, das Schulkinder - egal ob in Deutschland oder in Tansania - am allerliebsten hören: "Pause".