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echo: Trügerische Idylle (26.11.2005)

Theater: "Bagamoyo Players" aus Tansania in der Freien Waldorfschule in Eberstadt

Von Silvia Adler

DARMSTADT. Vor 100 Jahren begann in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika die blutigste Revolte auf dem Gebiet des heutigen Tansania gegen die deutsche Fremdherrschaft: der Maji-Maji-Aufstand. Sein Name bezieht sich auf eine Verheißung des Medizinmannes Kinjeketile, sein Zauberwasser ("Maji") würde die Kämpfer unverwundbar machen. Mit "Maji-Maji"-Rufen stürzten sich Zehntausende Afrikaner schutzlos in den Kugelhagel deutscher Maschinengewehre.

Unter dem Titel "Zauberwasser gegen Gewehrkugeln" präsentierten die "Bagamoyo Players" aus Tansania am Donnerstag an der Waldorfschule in Darmstadt-Eberstadt ein Theaterstück, das die dramatischen Ereignisse des Sommers 1905 aus afrikanischer Sicht erzählt. Während zu Beginn wütende Trommeln das drohende Unheil bereits ahnen ließen, wirkte die Eingangsszene mit slapstickartigen Tanzeinlagen und zum Mitmachen animierenden Gesangsnummern verblüffend harmlos. Erst beim Auftritt des Kolonialherren zeigte es sich, dass die Idylle trügt.

In ausdrucksstarker Pantomime schilderten die tansanischen Künstler das Ausmaß brutaler Unterdrückung: Peitschenhiebe, Ausbeutung und Erniedrigung waren bei der Fronarbeit auf den Plantagen ebenso an der Tagesordnung wie Totschlag und Vergewaltigung. Den effektvollen Gegensatz zum bellend lauten Befehlston des Kolonialherren bildete die erhabene Gestalt des Sehers, der als tragisch gebrochener Held schließlich selbst am Erfolg seiner Prophezeiung zweifelte. Nach diesem packenden Theatererlebnis wurden die fünf Mitglieder des tansanischen Nationalensembles mit begeistertem Applaus gefeiert. Sie sind alle Dozenten am Bagamoyo College of Arts, der einzigen staatlichen Kunsthochschule Ostafrikas.