ZDF-Dreiteiler "Afrika, mon amour": Traumquoten und Kritikerschelte
Über 25 Millionen Zuschauer sahen insgesamt den dreiteiligen Spielfilm "Afrika, mon amour" mit Iris Berben in der Hauptrolle. Bereits jetzt liegen einige z.T. sehr kritische Bewertungen des ZDF-Dreiteilers vor:
Caroline Fetscher in "Der Tagesspiegel" v. 14.1.2007
"Warum sich Madonna, Jolie & Co. nach Afrika sehnen"
Michael Pilz in "Die Welt" v. 9.1.2007
"Der Standard" v. 9.1.2007
Senta Krasser im Gespräch mit Drehbuchautor Christian Schnalke in "Kölner Stadtanzeiger" v. 8.1.2007
Offener Brief des Schriftstellers Hermann Schulz an die ZDF-Redaktion:
Sehr geehrte Damen und Herren,
gerade ist der 2. Teil Ihres Filmprojektes "Afrika- mon amour" zu Ende gegangen.
Folgende Eindrücke möchte ich Sie wissen lassen:
Wieder einmal sind in einem Afrika-Film die Afrikaner nur Statisten für europäische Dramen; nicht an einer Stelle werden die am meisten Betroffenen in ihrem Leiden auch nur erwähnt. Die Gestalt des Generals von Lettow-Vorbeck ist sträflich falsch gezeichnet; er war weder ein Held noch ein Befehlshaber, dem die Afrikaner treu ergeben waren. Er war ein purer Rassist.
Afrikanische Landschaften geben hier ein Bühnenbild her für eine Geschichte, die so verlogen wie trivial ist; nicht einmal Spannung vermag der Film zu vermitteln. Man hofft natürlich, dass irgendwie Frau Berben überlebt, als sie sich am Fluss entkleidet (nicht ganz) und einem Engländer (dem ritterlichen Feind) gegenüber steht. Das kann ja nur im Bett enden, dachte ich - und so geschah es.
Für einen solchen Film vermutlich viel Geld auszugeben ist eine Schande angesichts der Tatsache, dass es wunderbare Romane afrikanischer Autoren gibt, um die sich niemand, auch nicht beim ZDF, kümmert.
Also kein Glückwunsch, sondern das Gegenteil. Warum eigentlich alle Diskussionen um die Entwicklung und Gleichstellung Afrikas und seiner Menschen, wenn durch solche Filme Vorurteile und Rassismus bestätigt werden? Ich bin tief enttäuscht.
Hermann Schulz, Wuppertal
(Zur Person: Hermann Schulz ist mehrfach preisgekrönter Autor von Büchern wie "Wenn Dich der Löwe nach der Uhrzeit fragt", "Auf dem Strom", "Leg nieder dein Herz" u.a.)
Antwort der ZDF-Redaktion an Hermann Schulz:
Sehr geehrter Herr Schulz,
vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.
Ihre Kritik haben wir der zuständigen Redaktion unseres Hauses zur Kenntnis gebracht. Ihre Ausführungen fließen darüber hinaus in unsere hausinterne Auswertung ein und bilden somit einen wichtigen Hinweis darauf, welche Resonanz unsere Programmarbeit beim Zuschauer findet.
Bei dem Dreiteiler „Afrika, mon amour“ handelt es sich um die fiktive Geschichte von Katharina von Strahlberg. Es ist kein Dokumentarfilm.
Mit freundlichen Grüßen
Christine Heck
ZDF Zuschauerredaktion
Über 400 Mitwirkende
Am 8., 10. und 14.1.2007 wude im ZDF und ORF der neue Dreiteiler "Afrika, mon amour" ausgestrahlt, der sehr aufwändig in Europa und Ostafrika gedreht worden ist.
Für die permanent am Drehort in Kenia anwesenden 400 Mitwirkenden arbeiteten über 1.500 Handwerker und Komparsen mit 40 LKWs und einem aus Deutschland importierten Equipment mit einem Gewicht von 38 Tonnen. Besonders umfangreich: Die Nachstellung der Schlacht von Tanga am Strand von Lamu.
Deutsche Starbesetzung mit Iris Berben, Robert Atzorn und Matthias Habich
Die Hauptrollen des Films wurden mit zahlreichen Stars des deutschen Kino- und TV-Films besetzt. Mitwirkende sind u.a. Iris Berben ("Rosa Roth"), Robert Atzorn ("Oh Gott, Herr Pfarrer", "Unser Lehrer Dr. Specht"), Matthias Habich ("Kein Himmel über Afrika", "Nirgendwo in Afrika", Träger des Deutschen Filmpreises und des Grimme-Preises), Catherine Flemming (Bayrischer Filmpreis), Alexander Held ("Sophie Scholl", "Der Untergang", "Schindlers Liste"), Bettina Zimmermann ("Die Sturmflut"), Thorsten Merten ("Elementarteilchen") u.v.a.m.
Produzent: Oliver Berben, Regisseur: Carlo Rola
Produzent des Films ist Oliver Berben, der Sohn von Iris Berben. Das Drehbuch schrieb Christian Schnalke, die Regie führt Carlo Rola. Somit arbeitet erneut ein Team zusammen, das bereits die TV-Serie "Rosa Roth" und den Film "Die Patriarchin" zum Erfolg geführt hat.
Deutsche Kolonialzeit als Filmthema
Das ZDF schreibt zum Inhalt des Films: "Die ZDF-Produktion spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, einer Zeit, als die Grundlagen für die Emanzipation der Frau gelegt wurden, und erzählt mit der Geschichte der Katharina von Strahlberg (Iris Berben) ein bemerkenswertes Frauenschicksal vor dem Hintergrund der Kolonialzeit.

- Robert Atzon
Als Katharinas Schwägerin Martha (Catherine Flemming) aus Verzweiflung ihrem Leben ein Ende setzt, weil sie schwanger ist, – allerdings nicht von ihrem Ehemann Richard (Alexander Held), sondern von Katharinas Ehemann Oberst Richard von Strahlberg (Robert Atzorn) – beginnt für Katharina ein ungeheuer schwerer Weg, um sich aus den Fesseln ihrer Ehe zu befreien. Eine Scheidung kommt auf Grund der herrschenden Rechtslage nicht in Frage, dennoch verlässt sie ihren Mann und muss dabei in Kauf nehmen, dass ihr der Umgang mit ihrem geliebten Sohn Georg (Benjamin Strecker) untersagt wird. Im notleidenden Berlin des Jahres 1914 gerät Katharina daraufhin schnell gesellschaftlich und sozial ins Abseits. Ihr bleibt nur eine Wahl: Sie muss Berlin verlassen. Deshalb nimmt sie die Einladung von Richards undurchsichtigem Geschäftspartner Arne Larson (Thorsten Merten) nach Deutsch-Ostafrika an.

- Matthias Habich
Als sie in Tanga ankommt, ist Larson allerdings verschwunden, und Katharina muss alleine als Frau in der Fremde von vorne anfangen. Erst als sie den Tropenarzt Dr. Franz Lukas (Matthias Habich), den sie durch die Krankenschwester Tanja (Bettina Zimmermann) kennen gelernt hat, um Hilfe bittet, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Auf der wunderschön gelegenen Farm des deutschen Aussteigers Sebastian Hofmann (August Schmölzer) kommt Katharina erstmals zur Ruhe. Dort trifft sie auch den Schotten Victor March (Pierre Besson), der für das britische Militär arbeitet. Beide fühlen sich sofort zueinander hingezogen.

- Bettina Zimmermann
Doch die Schatten der Vergangenheit holen Katharina schneller ein, als ihr lieb ist. Denn sie begegnet Richard und Heinrich wieder – die sich wegen dubioser Geschäfte in Deutsch-Ostafrika aufhalten und Georg bei sich haben. Noch bevor Katharina sich mit ihrem Sohn versöhnen kann, kommt dieser in einem Hinterhalt tragisch ums Leben. Katharina ist blind vor Trauer und Wut. Sie schwört den Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, doch vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, der nun auch die Kolonien erfasst hat, ist an Ermittlungen von offizieller Seite nicht zu denken. Ungereimtheiten rund um die Geschäfte der von Strahlbergs geben Katharina indessen weitere Rätsel auf, und in den Kriegswirren kommen weitere "Geschäftspartner" der Brüder auf rätselhafte Weise ums Leben. Aber Katharina gibt nicht auf. Sie will herausfinden, was Georgs Tod mit den geheimnisvollen Machenschaften zu tun hat."
10,4 Mill. EUR Produktionskosten
Die Produktionskosten des Films belaufen sich auf insgesamt 10,4 Mill EUR. Davon soll das ZDF den größten Anteil in Höhe von über 8 Mill. EUR getragen haben.
Trotz des schweren Reitunfalls von Iris Berben in Kenia: Sendetermin am 8., 10. und 14. Januar 2007
Die mehrmonatigen Dreharbeiten hatten im September 2006 in Wien begonnen und wurden in Österreich, Deutschland, Schottland, Kenia und Tansania fortgesetzt, wobei bei den Dreharbeiten in Ostafrika auch zahlreiche ostafrikanische Darsteller zum Einsatz kommen.
Anfang Oktober stürzte Iris Berben in Kenia während der Dreharbeiten vom Pferd und verletzte sich dabei schwer, so dass die Dreharbeiten zumindest zeitweilig unterbrochen werden mussten.
Die endgültigen Sendetermine sind inzwischen bekannt gegeben worden:
Mo. 08.01.2007 20.15 Uhr ZDF und ORF
Mi. 10.01.1007 20.15 Uhr ZDF und ORF
So. 14.01.2007 20.15 Uhr ZDF und ORF
Ausführliche Hintergrundinformationen in der ZDF-Mediathek
- Interview mit Iris Berben
- Video "Making of 'Afrika, mon amour'"
- Hintergrundinfos über die Dreharbeiten
- Erklärung der ZDF-Redaktion
- u.v.a.m.
Fotonachweis
Berben: www.zdf.de, Atzorn, Habich, Zimmermann: www.kino.de
Mehr als eine filmreife Kulisse
Wie sich die Insel Lamu für einen neuen ZDF-Dreiteiler mit Iris Berben und Robert Atzorn ins historische Tanga verwandelte - und was es hier sonst noch zu sehen gibt
Ein Bericht von den Dreharbeiten von Franz Lerchenmüller
Wir haben diesen Krieg nicht gewollt", bellt Oberst von Lettow-Vorbeck über den Platz. "Wir verteidigen Deutsch-Ostafrika." Stockgerade steht der glatzköpfige Kommandeur der deutschen Schutztruppe, dargestellt von Schauspieler Ernst Meincke, auf den Stufen des alten Forts und stachelt seine Soldaten auf. Damen in hellen Sommerkleidern und Zivilisten in Safarianzügen hängen an seinen Lippen. Zwischen ihnen schüttelt Iris Berben, abgehärmt und in blutiger Schürze, wie es das Drehbuch vorsieht, bestürzt den Kopf. "Der Kaiser ruft alle Araber auf, sich am heiligen Krieg zu beteiligen. Für Allah und Vaterland!" Wieder und wieder brüllt Meincke-Vorbeck. Bis die Szene von allen Seiten im Kasten ist. Lampenbatterien erhellen den Hof, die Maskenbildner pudern schwitzende Gesichter ab, und hinter den Absperrbändern verfolgen Trauben fröhlicher Kinder, zahnloser Alter und verschleierter Frauen stundenlang gebannt das Geschehen.
Auf dem Marktplatz von Lamu, einer kleinen Insel vor Kenia im Indischen Ozean, verfilmt die Berliner Produktionsgesellschaft "Moovie - The Art of Entertainment" fürs ZDF den historischen Dreiteiler "Afrika, mon amour" (1. Teil: 8. Januar, 20.15 Uhr). Es ist die Geschichte der Katharina von Strahlberg, die zu Beginn des Ersten Weltkriegs ihren Mann verlässt, von Berlin nach Deutsch-Ostafrika flüchtet und sich in den Kolonien als Reisekrankenschwester durchschlägt. "Sie findet zu sich selbst, in einer Welt von Blut und Unterdrückung, von der man in den Berliner Salons immer nur in den glühendsten Farben geschwärmt hat", sagt Iris Berben, auf die die Hauptrolle zugeschnitten wurde. Auch andere Partien sind glänzend besetzt: Robert Atzorn ist ihr Mann, Alexander Held dessen Bruder; Matthias Habich und Bettina Zimmermann spielen weitere Rollen. Gedreht wurde für 10 Millionen Euro in Babelsberg, Wien, Schottland und Kenia. Der Ort Lamu ist im Film das historische Tanga, damals deutsches Kolonialstädtchen im heutigen Tansania. Am Fort, in Wirklichkeit ein Museum, prangt der preußische Adler; Firma Mädler offeriert "Patentkoffer und feine Lederwaren"; und wo sonst eine Ruine steht, haben die Requisiteure gar eine kleine Kirche aus Holz und Styropor hingestellt. Nicht zuletzt ihr Bau sorgte im Vorfeld für Unruhe. 90 Prozent der Einwohner von Lamu sind Moslems. Viele befürchteten, die Kirche symbolisiere plump die Überlegenheit des Christentums über den Islam. Dass die Dreharbeiten ausgerechnet im Ramadan, dem moslemischen Fastenmonat, beginnen sollten, sorgte zusätzlich für Zündstoff.
Am Ende wurden die Auseinandersetzungen jedoch beigelegt, der Imam rief im Freitagsgebet zur Unterstützung der Fremden auf. Sicher auch, weil fast 1500 der 20 000 Einwohner für kurz oder länger Arbeit als Boot-fahrer, Komparse, Kulissenbauer oder Sicherheitskraft fanden. Insgesamt flossen für Transporte, Übernachtungen, Handwerksarbeiten und Drehgenehmigungen zwischen 300 000 und 400 000 Dollar auf die Insel - willkommenes Zubrot für eine Gemeinde, die hauptsächlich vom Tourismus und von der Fischerei lebt.
Seit 2001 ist die Altstadt von Lamu Unesco-Weltkulturerbe. Die steilen, engen Häuserschluchten bieten angenehmen Schatten, Händler stehen vor ihren Läden mit Kinderkleidern, Strohbesen oder Glückwunschkarten. Schwer mit Zementsäcken oder Cola-Kisten beladene Esel drängen ungerührt mitten hindurch. Sie und die Dhaus, die alten Holzboote, erledigen alle Transporte - das einzige Auto der Insel, das gelegentlich über die Uferpromenade zuckelt, gehört der Verwaltung. Die meisten der drei- bis vierstöckigen Häuser wurden zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert aus hellen Korallenblöcken um einen Innenhof herum gebaut. Manche haben noch die schweren, an Schnitzereien reichen, oft mit einer Sure des Korans versehenen Tore.
In der Markthalle hacken Männer Ziegenkeulen klein, Frauen mit und ohne Schleier schnipseln Grün in Streifen, Obstverkäufer pflücken Tamarindenblöcke auseinander. Fast jeder der Einheimischen sieht dem Fremden offen ins Gesicht, ruft freundlich "Jambo, Karibu Lamu" (Hallo, Willkommen auf Lamu), und selbst verschlossene Gesichter hellen sich auf, wenn ein Ausländer lächelnd grüßt.
Mit Exoten kennen sie sich seit Langem aus, die Bewohner von Lamu. Seefahrer aus dem heutigen Oman gründeten, wohl schon im 9. Jahrhundert, auf ihrem Weg nach Indien eine Niederlassung. Blütezeit aber war die Epoche vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, als Lamu einer der größten Häfen Ostafrikas war und hier mit Sklaven, Gold und Elfenbein gehandelt wurde. Dann fiel die Insel in einen tiefen Schlaf und wurde erst in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder geweckt: Blumenkinder und Globetrotter entdeckten das verwunschene Paradies, Lamu avancierte zum Traumziel für Aussteiger, ähnlich wie Kathmandu oder Goa.
Iris Berben war während der Dreharbeiten im Dorf Shela untergebracht, im legendären "Peponi"-Hotel, wo die Zimmer zwischen 170 und 300 US-Dollar kosten. Manchmal überkam sie dann das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben: "Nach 40 Jahren sind die Hippies zurückgekommen. Mittlerweile sind sie natürlich etabliert und können sich auch die Klimaanlage leisten, auch den Hummer am Abend. Aber sie pflegen immer noch diese große Lässigkeit, genau wie damals."
Erstaunlicherweise akzeptierten die Einwohner den freizügigen Lebensstil. "Der Islam auf Lamu war immer tolerant", sagt Ulrich Krueger aus Dortmund, der vor 20 Jahren als Schreiner im Dienst der Entwicklungshilfe kam und hängen blieb. "Lamu hat schlechte Zeiten gesehen, und die Leute wissen, dass sie den Tourismus brauchen, um ihre Kultur am Leben zu erhalten."
Aber der Charme ist brüchig. Zwar nicht in Shela, wo seit Jahren der internationale Jetset Häuser aufkauft und renovieren lässt und auch Prinz Ernst August von Hannover und Prinzessin Karoline sich unbeobachtet fühlen. Aber im Ort Lamu verfallen viele Gebäude, Müll türmt sich zwischen den Mauern. Und durch die Ruine einer ehemaligen Kokosölfabrik mitten in der Stadt winden sich die Wurzeln mächtiger Bäume wie im tiefen Dschungel. Dazu der Gestank der offenen Abwasserrinnen, der Kot der 3000 Esel auf den Gassen und Preise von 80 bis 100 Dollar, die hiesige Beach Boys mit nachblondierten Rastalocken mittlerweile für die beliebte Bootsfahrt in die Mangrovensümpfe verlangen: Eine unbeschwerte Idylle ist Lamu sicher nicht. Und trotzdem bleibt während der Hauptsaison im Dezember und Januar kein Bett frei.
Inzwischen ist auch wieder Ruhe eingekehrt auf der Insel. Die Kräne und Kameras sind verpackt, die künstliche Kirche abgebaut. Die Leute aber erzählen sich immer noch lachend, wie der glatzköpfige Offizier stundenlang immer wieder dieselben Sätze über den Marktplatz brüllte.
Aus: „Hamburger Abendblatt“ v. 30.12 2006
Interview mit Iris Berben:
"Ich halte es für wichtig, dass wir Afrika nicht vergessen!"
Frage: Katharina Strahlberg - eine Vorläuferin der Emanzipation?
Berben: Als sie nach Afrika aufbricht, geht es ihr nicht um Emanzipation, sondern ums Überleben. Aus heutiger Sicht ist sie gewiss eine moderne Frau.
Frage: Eine moderne Frau, Eva Hermann, hat kürzlich das Buch "Das Eva-Prinzip" veröffentlicht. Darin schraubt sie den Drang zur Emanzipation zurück?
Berben: Sie erwarten doch jetzt keinen Kommentar? Das würde ihr nur helfen, noch ein paar Exemplare zu verkaufen. Das Buch kann höchstens Anlass sein, in unseren Bestrebungen nicht locker zu lassen.
Frage: Es gibt regelmäßig Diskussionen über die 50:50-Quote. Soll Ihrer Meinung nach nun jeder zweite Job mit einer Frau besetzt werden oder soll ihn der (die) Beste bekommen?
Berben: Der (die) Beste soll ihn kriegen. Aber jedem Menschen soll auch die Möglichkeit gegeben sein, zu beweisen, dass er der (die) Beste ist.
Frage: Sie sind 56 und arbeiten wie der Teufel. Im Vorjahr ist Ihre langjährige Beziehung in die Brüche gegangen. Der Preis, den man bezahlen muss?
Berben: Der Preis ist vor allem, dass bei einem öffentlichen Menschen alles gleich zum Statement wird. Ich will mich aber gewissen Regeln nicht beugen, nämlich, dass ich nicht auch als normale Bürgerin an dem teilnehmen darf, was ich für unser Leben halte.
Frage: Haben Sie sich nie gefragt: Wann lebe ich eigentlich?
Berben: Schon, doch da komme ich zur Antwort: Ich lebe durch meine Arbeit, ich lebe in meinen Filmen. Ich wäre vernünftig genug, das im Fall des Falles zu ändern. Aber: So lange es mir gut tut...
Frage: Beim Dreh zu "Afrika, mon amour" hatten Sie einen Reitunfall. Alles wieder paletti?
Berben: Nach einer Operation im Dezember, ja. Das war während der letzten Drehphase geschehen, und wenn ich eine Pause eingelegt hätte, wäre es für die Produktion katastrophal gewesen. Mit der Disziplin, die bei mir sozusagen verinnerlicht ist, habe ich mir gesagt: Halt noch die paar Tage durch!
Frage: Würden Sie sich wieder auf ein Pferd setzen?
Berben: Was heißt?! Zumal dieser Unfall aus reiner Dusseligkeit geschehen ist. So banal, dass ich mich fast schäme. Deshalb saß ich sehr schnell wieder auf dem Pferd, und zwar auf jenem, mit dem es passiert ist. Aufsteigen konnte ich, beim Runtersteigen musste man mir helfen.
Frage: Schon für "Die Patriarchin" filmten Sie in Afrika, jetzt wieder. Sind Sie so gern dort?
Berben: Ja, irgendwie trifft dabei das Wort "Sehnsucht" zu.
Frage: Mit welchem Gefühl sind Sie nach Afrika gegangen?
Berben: Du kannst unsere Lebensform nicht transportieren. Das haben schon die Missionare probiert. Es blieb von mir nicht unbemerkt, dass es die Frauen sind, die dort die schweren Lasten transportieren. Was aber - trotz Patriarchat, trotz Korruption - auffällt, ist die Würde der Menschen. Bei aller Armut, bei aller Aussichtslosigkeit: Du wirst so oft angelacht. Es ist, als ob die ein Freundlichkeits-Gen in sich tragen würden.
Frage: Wie war Ihnen denn bei den Szenen zumute, in denen Schwarze geprügelt wurden?
Berben: Ich war immer froh, wenn das vorbei war. Während der Kolonialzeit war die Prügelstrafe freigegeben, töten sollte man nicht mehr. Tunlichst...
Frage: Man weiß um Ihr Engagement für Israel. Werden Sie das jetzt auch auf Afrika ausdehnen?
Berben: Man darf das nicht gegeneinander aufrechnen. Ich bin auch nicht der geborene Gutmensch. Aber ich trage ein Stück Afrika in mir. Bei der ersten Vorführung dieses Dreiteilers habe ich aus Begeisterung laut aufgeschrien, als ich die Bilder aus Afrika sah, den Himmel und diese Weite. Ich werde nie vergessen, wie traurig uns die Menschen manchmal anschauten. Als ob sie sagen wollten: Ihr habt uns vergessen! Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir Afrika n i c h t vergessen.
Aus: OÖ-Nachrichten v. 4.1.2007






